Kommentare zu den Kapiteln

Der Inhalt dieser Website besteht aus dem Haupttext, der in Seiten gegliedert ist, und zahlreichen Fußnoten und Links, die zusammen einen größeren Inhalt repräsentieren.

Einzelne Aspekte werde ich nach Bedarf in Blogbeiträgen erklären. Dies erfolgt z.B. wenn neue Erkenntnisse auftauchen, die eine andere Sicht fordern als im veröffentlichten Buch eingenommen.

Gerne nehme ich auch Gastbeiträge an, die den Inhalt aus anderer Sicht darstellen wollen. Diese dürfen keinen kommerziellen Hintergrund haben. Ansonsten gebe ich die Beiträge unkommentiert wieder. Geprüft wird nur, ob der Inhalt Beleidigendes, Persönliches oder Strafbares enthält.

Luxmania – Die elektrische Sonne am Zenit

Wir haben die Technologie von Göttern, aber die Institutionen von mittelalterlichen Menschen und die Instinkte von steinzeitlichen Jägern
Frei nach E.O. Wilson

 

Ein Artikel aus dem Light Magazine 1957 vermittelt ein Gefühl dafür, wie die elektrische Sonne in den Jahrzehnten ihrer Zenit-Wanderung propagiert wurde. Das Thema ist ein 400 fc-Zimmer, also ein Büroraum, in dem die Tische mit 4304 lx beleuchtet wurden (1 fc = 10,76 lx). In der Mitte des Raums wurde 480 fc = 5164,8 lx gemessen. Wenn in Hamburg im November “Schietwetter” herrscht, gibt es mittags 1.000 bis 3.000 lx, an einem leicht bewölkten schönen Novembertag gibt es 5.000 bis 8.000 lx. Ergo hat man das Tageslicht am Mittag übertroffen.

Nicht nur das. Der direkte Vergleich mit den Bedingungen draußen wird fotografisch dokumentiert. Der Kommentar lautet, als hätte Luckiesh ihn selbst geschrieben, draußen wäre es schön gewesen, wäre der Blick in den Westen nicht mit Blendung verbunden gewesen. Man war glücklich, wieder im Büro zu sein, wo man das Licht mit Thyristoren dimmen kann. Hier der Vergleich (bitte nachsehen, dass die Bilder in die Jahre gekommen sind, photoshoppen wollte ich nicht).

Netterweise zeigt der Artikel wichtige Details wie die Leuchtdichte auf dem Schreibtisch mit 300 fL = 1.027,8 cd/m2. Das ist etwa die dreieinhalb-fache Leuchtdichte des Fensters. Die Decke des Raums mit 685 cd/m² schafft es zwar nicht in die Nähe des Mittagshimmels im Sommer, aber mit dem Novemberhimmel in Hamburg bei Schiet-Wetter kann sie es locker aufnehmen.

Jetzt zum nötigen Kleingeld: Diese Musterbude mit einer Fläche von 23,5 m² wurde mit 96 Lampen à 40 W beleuchtet. Die Anschlussleistung wird mit 5.400 W angegeben. Das sind stolze 230 W/m². Heute kommt ein Passivhaus mit einer Heizleistung von 10 – 15 W/m² aus, energiefressender Altbau braucht 100 – 120 W/m² . Die Beleuchtung übertrifft also die Heizleistung für einen schlecht isolierten Altbau um das Doppelte.

Die hier betrachtete Beleuchtung wurde in einem Büro von G.E. installiert. Am Ende des Artikels wird angegeben, dass noch weitere Kandidaten dem 400fc-Club beitreten wollen. Der nächste Kandidat wäre ein Bürohaus der Cleveland Electric Illuminating Company. Wer denkt, dass solche Träume nur in den USA geträumt wurden, irrt. In dem AEG-Labor in Springe stand ein Versuchsraum mit 4.000 lx beleuchtet als Schauobjekt. Der Ersteller dieses Raums baute ein paar Jahre später die Beleuchtung des Großraumbüros des Beamtenheimstättenwerks in Hameln. Er war zeitlebens stolz auf diese Leistung. Er hätte am liebsten alle 4.000 lx installiert, durfte jedoch nur 1.200 lx planen.

Wie hat der Betreiber den Erfolg erlebt? Als wir ihn fragten, ob wir die Beleuchtung untersuchen dürfen, bekamen wir die Antwort: „Bitte sehen Sie davon ab, wir wissen Bescheid.“ Viel deutlicher war eine Teilnehmerin einer Schulung bei einer Berufsgenossenschaft. Sie sagte: „Ich habe nichts mit Beleuchtung zu tun. Mein Vater hat in Hameln gearbeitet und erzählte immer, die Beleuchtung hätte sein Leben ruiniert. Ich will nur erfahren, warum er so was erzählt hat.

Der zitierte Artikel ist im Mai  1957 in den USA erschienen. Zu diesem Zeitraum waren die deutschen Ansprüche noch bescheiden, die LiTG absolvierte gerade ihre 1000-lx-Kampagne. In deutschen Städten veranstalteten die Energieversorger zusammen mit der lichttechnischen Industrie Werbeveranstaltungen für viel Licht (und elektrisches Kochen). Man erzählte, die Amerikaner hätten 10.000 lx im Visier. Zum Glück ist es bei Erzählungen geblieben.

(download Faximile des Artikels)

Wo uns Normen gefehlt haben …

LED ist Lügenlicht.
Glauben Sie keiner Angabe von Zahlen.
Wout van Bommel, 2009

 

In diesem Blog kritisiere ich oft Normen. Wer in meiner Vita nachschaut, findet heraus, dass ich einen Großteil meines Lebens mit der Normung verbracht habe und darauf sogar stolz bin. Denn bei aller Kritik war mir immer bewusst, dass die Situation ohne Normen schlimmer wäre. Bei der LED-Einführung hat nun jedermann erlebt, wie schlimm es ohne Normen kommen kann.

Die Lichttechnik, wie die Elektrotechnik überhaupt, legte immer großen Wert auf Normung von Anbeginn. So hatte die Allgemeinheit die Vorteile der Normung nicht mehr wahrgenommen. Sie hat immer Lampen gekauft, deren Fassung auf den Namen E27 hörte. “E” kommt von Edison, während die Zahl 27 den Außendurchmesser des Gewindes in Millimetern angibt. Sein erstes Patent wurde 1881 erteilt. Um 1900 setzte sich die E27-Fassung in den USA und später in Kontinentaleuropa als dominanter Standard für Haushaltslampen durch.

Wem eine Leuchtstofflampe ausfiel, musste sich nur die Bezeichnung merken und kaufte sich eine neue, die fast so genau aussah und leuchtete wie die alte. Nicht nur das. Eine gewisse Standardisierung ergab sich aus der Tatsache, dass es sich bei den Herstellern um ein Oligopol handelte. So musste niemand alle Teile einer Beleuchtung bei Siemens oder AEG kaufen. Die passten schon aus Gründen der Wirtschaftlichkeit irgendwie zusammen. Nicht so bei LED.

Das Fehlen von Normen in der LED-Beleuchtung (insbesondere in der Anfangsphase der Technologie, aber teils auch heute noch bei Billigimporten) hat weitreichende Konsequenzen für Verbraucher, Planer und die Umwelt. Hier sind die zentralen Folgen einer mangelnden Standardisierung:

Mangelnde Austauschbarkeit (Proprietäre Systeme)

Ohne Normung kocht jeder Hersteller sein eigenes Süppchen, auch wenn er das gar nicht will. Das führt dazu, dass Komponenten oft nicht untereinander kompatibel sind.

  • Kein Standard-Sockel: Während man früher einfach eine "E27-Birne" kaufte, sind viele LED-Module fest in Leuchten verbaut. Ist das Modul defekt, muss oft die gesamte Leuchte entsorgt werden.
  • Treiber-Probleme: Ein LED-Treiber (Netzteil) von Hersteller A passt oft nicht zu den Spannungs- oder Stromanforderungen der LED von Hersteller B.

Unzuverlässige Angaben zur Lebensdauer

Normen wie die IEC 62717 legen fest, wie die Lebensdauer gemessen wird. Ohne diese Standards:

  • Frühausfälle: Hersteller könnten mit 50.000 Stunden werben, obwohl die Elektronik (der Treiber) schon nach 5.000 Stunden aufgibt.
  • Lichtstromdegradation: LEDs werden mit der Zeit dunkler. Ohne Normen gibt es keine klare Angabe darüber, wie viel Helligkeit nach einer bestimmten Zeit noch vorhanden sein muss (z. B. der L70-Wert).

Dieses Problem ist derart gravierend, dass Planer, die eine leuchtende Decke planten, eine entsprechende Zahl LED in einem Saal betrieben, um gleichwertigen Ersatz für ausgefallene Lampen vorrätig zu halten.

Inkonsistente Lichtqualität

Fehlende Normung bei der Farbwiedergabe ($R_a$ oder $CRI$) und der Farbtemperatur führt(e) zu optischen Mängeln:

  • Farbschwankungen: Zwei "warmweiße" Lampen verschiedener Hersteller können völlig unterschiedlich aussehen (eine eher gelblich, die andere grünlich).
  • Binning-Probleme: Ohne enge Toleranzen (Standardisierung des sogenannten "Binnings") variiert das Licht sogar innerhalb einer Produktionscharge eines einzelnen Herstellers.

Das Binning-Problem besteht darin, dass ein Hersteller Leuchtmittel mit einer bestimmten Beschaffenheit nicht gezielt herstellen kann, sondern aus einer Charge aussuchen muss. Er wirft den Rest nicht etwa weg, der wandert zu den billigeren Produkten. Da alles LED heißt, muss der Planer wissen, womit er zu tun hat.

Sicherheitsrisiken und EMV-Störungen

Normen regeln nicht nur das Licht, sondern auch die Elektrotechnik:

  • Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV): Nicht genormte Billig-LEDs können das WLAN stören oder ein störendes Surren in Radios verursachen.
  • Flimmern (Flicker): Ohne Grenzwerte für den "Flicker-Index" können LEDs unsichtbar flimmern, was zu Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen oder sogar epileptischen Anfällen führen kann.

Flimmern war in der Lichttechnik seit der breiten Anwendung von elektronischen Vorschaltgeräten kein Thema mehr. Seit der Einführung von LEDs in der Beleuchtung ist Flimmern als Flicker ein heißes Thema, mit dem sich sogar die EU in Brüssel beschäftigen musste. Da auch Fahrzeuge von dem Thema berührt sind, ist flimmerndes LED-Licht auch ein öffentliches Problem geworden.

Nicht, dass LEDs immer flimmern müssen. Man kann sie vollkommen ohne zeitliche Schwankungen betreiben, so durch Gleichstrom oder hochwertige Treiber. In der EU gibt es seit 2021 strengere Grenzwerte (Ökodesign-Richtlinie), die das Flimmern (PstLM- und SVM-Werte) regeln, aber keine Vorschrift, dass LED nicht flimmern darf.

Ökonomische und ökologische Folgen

Obwohl die LED als große Errungenschaft in Sachen Ökologie durch die EU gefördert wurde, weil man damit Strom und somit CO2 spart, hat die fehlende bzw. mangelnde Standardisierung dieser Technik ernsthafte ökonomische und ökologische Folgen. Beispielsweise:

  • Elektroschrott: Die mangelnde Reparierbarkeit (siehe Punkt 1) führt zu einer Wegwerfmentalität, die den ökologischen Vorteil der Energieeffizienz teilweise wieder zunichtemacht.
  • Planungsunsicherheit: Lichtplaner können keine langfristigen Wartungskonzepte erstellen, wenn nicht garantiert ist, dass Ersatzteile in fünf Jahren noch dieselben Spezifikationen haben.

Diese Probleme wurden im Laufe der Jahre gemildert, aber nicht beseitigt.

Verweise auf Beiträge in healthylight.de

Um ein leichtes Lesen zu ermöglichen, habe ich die Verweise auf relevante Beiträge in dem Blog healthylight.de zusammengefasst:

Ein neues Gütezeichen, das nie einer gebraucht hat!

Flicker – das leider allzu bekannte Wesen

Flicker noch mal – Licht und Gesundheit

LED dürfen nicht mehr flimmern - nur noch moderat …

Darf die LED mehr flimmern, weil sie modern ist?

Lang lebe die LED - fragt sich, wie lang

Ach wie schön war es ohne LED - Nostalgie zu Weihnachten

Licht und Altern

Was sind 50.000 Stunden - zum Teufel noch mal?

LED-Lebensdauer - das unbekannte Wesen

Aus der Traum, Leuchtmittel in Heilmittel umzudeuten

Ein Raum ist erst dann heilend,
wenn die Seele vergisst,
dass sie in einem Gebäude ist.
Anonymus

 

Im Jahr 2013 erschien ein neuer Star am Beleuchtungshimmel: HCL. Das ist nicht die chemische Formel für die Salzsäure, sondern Human Centric Lighting. Man wollte damit die sperrige Bezeichnung „biologisch wirksame Beleuchtung“ loswerden. Die war leider zweideutig: Biologisch wirksam ist die Beleuchtung mit UVC-Leuchten. Meist tödlich obendrein.

Der Auftragnehmer, die Beratungsfirma  A.T. Kearney, seit 2020 nur noch Kearney, erfand eine Marketingstrategie für diesbezügliche Produkte. Diese wurde HCL getauft, denn als biologisch wirksam ist Licht seit über einem Jahrhundert bekannt. Kearney ist vermutlich nicht aufgefallen, dass ihre Argumente verdammt prima zu einem der größten Desaster der Wissenschaftsgeschichte passten, den Hawthorne-Experimenten der 1920er Jahre. Diese waren zu guter Letzt auch noch von der lichttechnischen Industrie in Auftrag gegeben worden. So hatte die Katastrophe die Lichttechnik besonders hart getroffen. Bis heute …

Wegen der besonderen Bedeutung habe ich das Thema in einem Kapitel in Genesis 2.0 – Die Schöpfung der elektrischen Sonne behandelt (hier). In healthylight.de durfte das Thema auch nicht fehlen (z.B. hier und da und dort).

Das Konzept wurde von dem Arbeitsschutz heftig kritisiert, weil die Wirkung auf der Beeinflussung von Hormonen der Beschäftigten erfolgen sollte. Die KAN, Kommission Arbeitsschutz und Normung, führte mehrere Symposien durch, um die Belange zu diskutieren. Mir klingt noch in den Ohren, wie vor 10 Jahren ein Arbeitsschützer den Kollegen aus der Lichttechnik öffentlich empfahl, das ganze Ding aufzugeben. (Mehr zu KAN-Stellungnahmen zu dem Thema hier und dort)

Arbeitsschutz ist nicht alles. Und nicht selten entscheiden Menschen oder Betriebe für Dinge, von denen der Arbeitsschutz abrät. Manchmal müssen die Arbeitsschutzbehörden sogar regelrecht  gegen unsinnige, gar gefährliche Praktiken kämpfen. Menschen oder Betriebe müssen nur genug Vorteile entdecken, um selbst von ihnen als sinnvoll erkannte Regeln zu ignorieren. Bei HCl kann man ruhig von einem Scheitern reden, das durch den Unterschied zwischen theoretischem Marketing und praktischer Marktrealität eingetreten ist. Während die Wissenschaft noch über  HCL (Human Centric Lighting) diskutiert, ist es als Massenprodukt für die Elektroindustrie tatsächlich eine Art "stilles Scheitern" geworden.

Es gibt auch gegenteilige Meinungen, die behaupten, HCL sei so erfolgreich, dass es ein HCL 2.0 gibt. Dagegen spricht meine Erfahrung, dass licht.de, die Website des ZVEI, das Thema HCL fast versteckt. Dies bestätigt meine Kenntnisse über die Interna, die nicht in die Allgemeinheit gehören. Nicht zu den Interna gehören die Fakten, dass die Industrie lieber über „Value of Light“ sprechen möchte oder lieber von „integrative lighting“ spricht.

Die Industrie redet nicht mehr gerne darüber, weil das Konzept HCL an vier harten Realitäten zerschellt ist:

Das „Service-Albtraum“-Problem (Komplexität)

HCL ist kein Produkt, sondern ein System. Es ist nicht gelungen, diese Nachricht zu kommunizieren, obwohl licht.de und der Vorgänger, die Fördergemeinschaft Gutes Licht (FGL), eine sehr erfolgreiche Praxis betreiben (s. licht.wissen und FGL-Hefte)

  • Das Problem: Ein Elektriker baut eine Lampe ein, schließt sie an und geht. HCL erfordert aber eine aufwendige Programmierung der Lichtkurven über den gesamten Tag.
  • Die Realität: Oft war die Steuerung nach einem Stromausfall oder einem Software-Update verstellt. Die Nutzer saßen plötzlich mittags im Schummerlicht oder abends im Blaulicht. Die Folge waren endlose Reklamationen, auf die weder der Handwerker noch die Hersteller Lust hatten.

 

Die „Einfach-zu-teuer“-Wand

HCL benötigt teure Treiber, Dual-Color-LEDs (Warmweiß/Kaltweiß) und eine intelligente Steuerung.

  • In Ausschreibungen für Großprojekte war HCL oft das Erste, was dem Rotstiftzum Opfer fiel ("Value Engineering"). Man stellte fest, dass die Mieter zwar "gutes Licht" wollen, aber nicht bereit sind, den massiven Aufpreis für die biologische Wirkung zu zahlen.
  • Neue Gebäude werden spekulativ errichtet, d.h. der spätere Betreiber des Hauses wird erst später bestimmt oder er beteiligt sich nicht an den Kosten der Erstellung. Er zahlt später die Miete. Die Kosten der „gesunden“ Beleuchtung trägt daher der Bauherr. Den Nutzen erntet der Mieter, so er überhaupt entsteht. Die Beleuchtung gilt als Bauprodukt und muss zu einem bestimmten Zeitpunkt während des Baus realisiert werden.

 

Fehlende Normung und Nachweisbarkeit

Die Elektroindustrie liebt Normen mit „knackigen Zahlen“ wie in DIN EN 12464-1. Die lichttechnische Normung der Beleuchtung von Arbeitsstätten gehört seit jeher zum Marketing.

  • Bei HCL ist die Wirkung schwer messbar. Wie beweist man einem Kunden, dass seine Mitarbeiter durch das Licht 5 % weniger krank sind? Da der Effekt erst über Wochen und Monate eintreten kann und von vielen Faktoren abhängt, fehlte der Industrie das schlagkräftige Verkaufsargument ("Return on Investment").
  • Als HCL als Konzept erstellt wurde, gab es für die LED selbst kaum Normen. Man konnte sich nicht einmal darauf verlassen, dass ein Leuchtmittel mit einer bestimmten Bezeichnung nachgekauft werden konnte.

 

Das "Smarte" Missverständnis

Viele Kunden dachten, "Smart Lighting" (per App steuerbar) sei das Gleiche wie HCL.

  • Die „Industrie“ hat den Markt mit billigen, bunt leuchtenden Smart-Home-Lampen geflutet. Das hat das biologisch wirksame HCL-Konzept entwertet. Es wurde zum Spielzeug degradiert, statt als gesundheitsrelevante Infrastruktur wahrgenommen zu werden.
  • Die Industrie ist nämlich nicht dieselbe wie vor der Ära LED. Das gilt auch für den Anwender, der nicht immer den Unterschied zwischen Billigprodukten und Qualitätsware feststellen oder schätzen kann.

 

Die physiologische Enttäuschung

Die Forschung hat gezeigt, dass man für eine echte Melatonin-Beeinflussung am Tag sehr hohe Beleuchtungsstärken (über 1000 Lux am Auge = bis zum Dreifachen horizontal) braucht. Zudem wurde die Beleuchtung am Abend und in der Nacht zu einer Gefahr erklärt. Dazu gehören nicht nur die Beleuchtung, sondern auch das Licht der Bildschirme.

  • Hohe Beleuchtungsstärken am Tage sind energetisch ineffizient und widersprechen den strengen EU-Vorgaben zum Energiesparen. Man kann nicht gleichzeitig massiv Strom sparen und die Büros so hell fluten, dass sie die Mittagssonne simulieren.
  • Wenn man Licht am Abend und in der Nacht zur Gefahr erklärt, muss man eine Lösung für Leute haben, die gerade dann arbeiten wollen bzw. müssen. Etwa 15 % aller Erwerbstätigen in Deutschland arbeiten regelmäßig am Abend. Das entspricht bei rund 46 Millionen Erwerbstätigen etwa 6,9 Millionen Menschen. Regelmäßige Nachtarbeit ist seltener, betrifft aber immer noch rund 4,6 % der Erwerbstätigen. Das sind etwa 2,1 Millionen Menschen, die arbeiten, während der Rest des Landes schläft. Ein Konzept, das die Interessen von rund 20% der Erwerbstätigen nicht berücksichtigt, aber diesen und ihren Arbeitgebern erklärt, die gängige Praxis gefährde die Gesundheit, ist schwer durchsetzbar.

Fazit: Die Industrie hat HCL still "beerdigt", weil es sich nicht als wartungsfreies Standardprodukt skalieren ließ. Es ist heute ein Nischenprodukt für spezialisierte Kliniken oder Luxusbüros geblieben. Für den Rest der Welt ist es zum "Voodoo" der Lichtbranche geworden – man weiß, dass es irgendwie wirkt, aber keiner will die Verantwortung für die komplexe Technik übernehmen.

Man muss hinzufügen, dass es auch ernsthafte rechtliche Probleme gibt. So muss ein Lichtplaner laut BGB dem Kunden gegenüber die angepeilte Wirkung gewährleisten. Selbst wenn diese Wirkung tatsächlich realisierbar wäre, ist eine Mitwirkung des Betreibers und seiner Mitarbeitenden für den Erfolg entscheidend. Kein Planer wird in dieser Situation die Verantwortung übernehmen können bzw. dürfen.

Wunden, die Licht heilt – zusammengefasst

Ein Raum ist erst dann heilend,
wenn die Seele vergisst,
dass sie in einem Gebäude ist.
Anonymus

Physikalisch nicht messbare Wirkungen

  • Wissenschaftliche Zusammenfassung

Hintergrund

Die physische Umgebung von Patient:innen – insbesondere Tageslicht und Ausblick ins Freie – wird zunehmend als relevanter Einflussfaktor auf den Heilungsverlauf anerkannt. Erkenntnisse stammen vor allem aus der Umweltpsychologie, Medizin und Chronobiologie.

  • Zentrale Studien & Ergebnisse
  1. Einfluss von Naturausblicken auf die Genesung

Ulrich (1984)Science

  • Design: Vergleich von postoperativen Patient:innen mit Blick auf Natur vs. Ziegelwand
  • Ergebnisse:
    • Kürzere Krankenhausaufenthalte
    • Weniger Schmerzmittel
    • Weniger negative Pflegevermerke
  • Bedeutung: Erste evidenzbasierte Studie, die zeigte, dass visuelle Umweltfaktoren messbare medizinische Effekte haben.

Kernaussage:

Ein natürlicher Ausblick beschleunigt die postoperative Erholung signifikant.

  1. Tageslicht und Aufenthaltsdauer im Krankenhaus

Beauchemin & Hays (1996)Journal of Affective Disorders

  • Population: Patient:innen mit schwerer Depression
  • Ergebnisse:
    • Aufenthaltsdauer in sonnigen Zimmern um ca. 2,6 Tage kürzer
  • Mechanismus: Tageslicht beeinflusst den zirkadianen Rhythmus und die Serotoninproduktion.

Kernaussage:

Tageslicht wirkt antidepressiv und verkürzt klinische Behandlungszeiten.

  1. Tageslicht, Schmerzempfinden und Medikation

Walch et al. (2005)Psychosomatic Medicine

  • Design: Vergleich hell vs. dunkel gelegener Krankenzimmer
  • Ergebnisse:
    • Geringerer Schmerzmittelbedarf
    • Niedrigere subjektive Stresswerte
  • Erklärung: Licht beeinflusst die Melatonin- und Cortisolregulation.

Kernaussage:

Helle Räume reduzieren Schmerzempfinden und Stress.

  1. Systematische Übersichtsarbeiten

Ulrich et al. (2008)Health Environments Research & Design Journal

  • Analyse: Mehrere Studien zu Krankenhausdesign
  • Ergebnisse:
    • Tageslicht, Naturbezug und Ausblick korrelieren mit
      1. schnellerer Genesung
      2. geringerer Komplikationsrate
      3. besserem psychischem Wohlbefinden

Kernaussage:

Architektur ist ein aktiver Bestandteil des Heilungsprozesses.

  • Wirkmechanismen (Zusammenfassung)
  • Biologisch:
    • Stabilisierung des zirkadianen Rhythmus
    • Reduktion von Stresshormonen
  • Psychologisch:
    • Positive Emotionen
    • Reduzierte Angst und Wahrnehmung von Schmerz
  • Verhaltensbezogen:
    • Besserer Schlaf
    • Höhere Therapietreue
  • Gesamtfazit

Besserer Ausblick und ausreichendes Tageslicht tragen nachweislich zu einer schnelleren und komplikationsärmeren Gesundung bei.
Diese Effekte sind robust belegt und betreffen sowohl physische als auch psychische Heilungsprozesse.

Licht macht sichtbar, Grün macht lebendig

Licht macht sichtbar,
Grün macht lebendig
Anonymus

Hell gegen Grün – Was ist gesünder?

Gestern untersuchte ich die Wirkung der Aussicht aus einem Krankenzimmer auf den Heilungsverlauf bei frisch operierten Patienten. Die maßgebliche Arbeit hierzu von Ulrich hat die Situation zwischen der Aussicht auf eine Ziegelwand und auf die freie „Natur“ verglichen. Die Natur hat gesiegt.

Leider kann ich mir die Ziegelwand gut vorstellen, aber die “Natur” nicht. Bei manchen Studien bestand sie aus einer Parklandschaft, wie sie im Krankenhausbau über ein Jahrhundert realisiert wurde. Eine Gruppe der Cambridge University hat bei einer Studie die “Natur” etwas näher spezifiziert. Die Aussicht wurde als “grün” (Anteil des Grüns in der Aussicht) und “hell” differenziert. Hell bedeutete eine größere Beleuchtungsstärke des Lichts, das durch die Fenster erzeugt wurde.

Es wurden die Daten von 244 stationären Psychiatriepatienten (Durchschnittsalter 41,8 Jahre; SD = 11,8; 59,8 % weiblich, Aufenthaltsdauer zwischen 7 und 100 Tagen) untersucht, die zwischen Mai 2013 und Oktober 2018 mit affektiven Störungen aufgenommen worden waren. Die Aussicht aus dem Fenster wurde anhand von Bildern aus jedem Zimmer bewertet und in zwei Kategorien unterteilt: Bilder, die künstliche Objekte zeigen, und Bilder, die grüne Bäume zeigen. Der prozentuale Grünanteil in jedem Bild wurde ebenfalls berechnet und als Grünanteil der Aussicht ausgewiesen. Die Helligkeit wurde mit einem Luxmeter gemessen.

Beides, viel “Grün“ und viel „Hell“, führte zu einer Verkürzung der Therapie. Was aber sehr interessant ist, ist die Helligkeit in den Räumen: Wo viel Grün war, war es am dunkelsten.

Die Studie ist hier komplett zu lesen.

Mascherek A, Weber S, Riebandt K, et al. On the relation between a green and bright window view and length of hospital stay in affective disorders. European Psychiatry. 2022;65(1):e21. doi:10.1192/j.eurpsy.2022.9

Wunden, die Licht heilt

Licht ist weit mehr als die Abwesenheit von Dunkelheit:
Es ist Hoffnung, Rhythmus und Heilung.
Anonymus

Wirkungen, die in Sprichwörter eingeflossen sind

Wenn die Rede vom gesunden Licht ist, denken viele an Beleuchtung. Das ist aber nur eine Folge der veröffentlichten Meinung, die die Hersteller dominieren. Lux vita est – Der Slogan der seit 1998 stattfindenden Tagung Licht und Gesundheit (L&G) stammt noch von den Alten Römern. Sie wussten, mit Licht zu heilen.

In deren Land hielt sich der Spruch „Dove non va il sole, va il medico“ (Wo die Sonne nicht hingeht, geht der Arzt hin) bis heute und ist in viele Sprachen migriert. So sagen die Engländer, “Where the sun doesn't go, the doctor does“. Auch das große Epochenwerk des deutschen Naturalismus, „Vor Sonnenaufgang“ von Gerhart Hauptmann (1889), thematisiert den starken Einfluss des Lichts auf den Menschen. In der naturalistischen Literatur wurde die Sonne oft symbolisch als Gegenpol zur „Dunkelheit“ von Krankheit und sozialem Elend verwendet. (s. dazu das Kapitel Krankheiten der Finsternis.)

Jenseits der Sprichwörter und literarischer Verarbeitung

Nüchtern betrachtet …

Die oben skizzierte Historie des Glaubens an die Heilkräfte des Lichts und der Sonne hielt Wissenschaftler nicht davon ab, fensterlose, gar unterirdische Schulen und Krankenhäuser bauen zu wollen, weil man auf diese Weise den Lärm los wird und keine Wärmeenergie verliert:  Ein C.T., Architekturprofessor,  „…bemängelte. dass die „Anhänger von Fenstern“ keinerlei Begründung für Fenster vorbringen können. Aber fensterlose Schulen würden 40% der Heizenergie sparen, mit konstantem Licht die Augen schonen, den Lärm um 35 dB oder mehr reduzieren und Wartungskosten mindern. (Larson, C. T. (1965). The Effect of Windowless Classrooms on Elementary School Children, Michigan Univ., Ann Arbor. Coll. of Architecture and Design.) Das zitierte Werk ist ein Forschungsbericht eines großen Projektes.

Auch wenn die Rolle des Lichts nicht genau kalkuliert wird, kann man bei den Einsparungen bei Wärme (40 %) und Lärm (35 dB(A)) das Ausmaß der beabsichtigten Änderungen abschätzen. In Deutschland entfällt gut die Hälfte des gesamten Endenergieverbrauchs auf die Bereitstellung von Wärme und Kälte. Wärme ist damit der mit Abstand größte Energieposten im Land – noch vor dem Stromverbrauch und dem Verkehrssektor.

Gar fantastisch fällt die “Einsparung” an Lärm. Eine Differenz von 35 dB(A) bedeutet den Faktor 3162 in Schallenergie. Oder den Unterschied zwischen einem Klassenzimmer und einem Konzertsaal.

Licht heilt Krebs – Medizinische Anwendung in PDT

Ein prägnantes Beispiel für den Einsatz von Leuchtmitteln als Heilmethode (PDT = Photodynamic Therapy) liefert der Einsatz von LED-Elementen in der Krebstherapie. In der modernen Krebstherapie spielen LEDs eine zentrale Rolle, allerdings nicht als direktes "Heilmittel" durch bloßes Bestrahlen, sondern als hochpräzise Lichtquelle für photodynamische Verfahren.

Die Wurzeln dieser Anwendung gehen zurück auf den Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Erfindung des Lasers in den 1960ern ermöglichte es, das Licht präzise und intensiv auf das Tumorgewebe zu lenken. Die Zulassung der Verfahren erfolgte in den 1990ern.

Der Einsatz von LEDs (Light Emitting Diodes) bietet gegenüber herkömmlichen Lasern entscheidende Vorteile: Sie sind günstig, entwickeln kaum Hitze und können großflächig oder sogar im Körperinneren eingesetzt werden. das Hauptanwendungsgebiet ist die photodynamische Therapie (PDT). Dabei wird dem Patienten ein spezieller Wirkstoff (Photosensibilisator) verabreicht, der sich bevorzugt in Tumorzellen anreichert. Die betroffene Stelle wird mit LED-Licht einer spezifischen Wellenlänge (meist rot oder blau) bestrahlt. Das Licht aktiviert den Wirkstoff, wodurch aggressiver Sauerstoff (Singulett-Sauerstoff) in der Zelle entsteht. Dieser zerstört die Tumorzelle von innen heraus, während gesundes Gewebe weitgehend geschont wird.

Für Interessenten über Details dazu gebe ich am Ende des Beitrags Literaturhinweise

Mehr zu PDT in Google Scholar mit > 500.000 Fundstellen

Licht heilt Wunden – Photobiomodulation

Dies ist die gängigste Methode, bei der „Strahlung“ zur Heilung genutzt wird. Man verwendet hierbei meist rotes oder nahinfrarotes Licht (Laser oder LED) mit geringer Intensität (Low-Level-Laser-Therapie). Das Licht dringt in das Gewebe ein und wird von den Mitochondrien (den „Kraftwerken“ der Zellen) absorbiert. Dadurch produzieren sie mehr ATP (Energie), was die Zellteilung und Gewebereparatur ankurbelt. Die Strahlung setzt Stickstoffmonoxid (NO) frei, das die Gefäße erweitert und die Durchblutung fördert. Mehr Blut bedeutet mehr Sauerstoff und Nährstoffe an der Wunde. Die Strahlung reduziert Botenstoffe, die Schwellungen und Schmerzen verursachen.

Spezielle Anwendungen sind:

  • WIRA (Wassergefiltertes Infrarot A): Eine spezielle Wärmestrahlung, die besonders tief eindringt, ohne die Hautoberfläche zu verbrennen. Sie wird häufig bei chronischen Wunden eingesetzt.
  • Blaues Licht: Wird häufig zur Desinfektion eingesetzt, da es Bakterien direkt abtötet, ohne die Hautzellen zu schädigen.

Mehr über wIRA, Wirkprinzipien und Wirkungen unter Hoffman, G. Klinische Anwendungen von wassergefiltertem Infrarot A, in Licht und Gesundheit, 6. Symposium, TU Berlin, 2008

Heilung Jenseits der Physik – Heilende Aussichten

Licht muss nicht in der Form einer Strahlung auf die Haut oder eine Wunde fallen, um eine heilende Wirkung hervorzurufen. Es tut dies auch durch die Information, die es trägt. Nicht umsonst gilt die deutsche Vorschrift (ArbStättV § 7.1) zur Sichtverbindung nach außen so erfolgreich, dass alle neuen Gebäudebewertungen für nachhaltiges Bauen sie übernommen haben (link zu dem Beitrag).

Eine Studie aus dem Feld der Forschung, die unter dem Namen Evidence-Based Design (evidenzbasierte Gestaltung) bekannt ist, zeigt, warum es geht. Die wichtigste und bahnbrechende Studie dazu stammt von dem schwedischen Architekturprofessor Roger Ulrich aus dem Jahr 1984. Sie ist bis heute in 10140 wissenschaftlichen  Artikeln zitiert worden. (download hier)

Das Besondere an der Studie ist, dass viele Verfälschungen von Feldstudien hier vermieden worden sind, weil die Studie retrospektiv durchgeführt wurde. Ulrich hat 1984 Daten aus einem Krankenhaus aus den Jahren von 1972 bis 1981 ausgewertet.

Ulrich untersuchte Aufzeichnungen über die Genesung von Patienten nach einer Cholezystektomie in einem Vor-Ort-Krankenhaus in Pennsylvania zwischen 1972 und 1981, um festzustellen, ob die Zuweisung zu einem Zimmer mit Fensterblick auf eine natürliche Umgebung einen regenerierenden Einfluss haben könnte. Dreiundzwanzig chirurgische Patienten, die Zimmern mit Fenstern mit Blick auf eine natürliche Umgebung zugewiesen wurden, hatten kürzere postoperative Krankenhausaufenthalte, erhielten weniger negative Bewertungen in den Notizen der Krankenschwestern und nahmen weniger starke Schmerzmittel ein als 23 vergleichbare Patienten in ähnlichen Zimmern mit Fenstern, die auf eine Backsteinmauer blickten.

Ulrich teilte die Patienten in zwei Gruppen auf, die in fast identischen Zimmern lagen – mit einem entscheidenden Unterschied:

  1. Gruppe A: Hatte einen Ausblick auf eine kleine Gruppe von Bäumen.
  2. Gruppe B: Hatte einen Ausblick auf eine braune Ziegelmauer.

Die Ergebnisse waren statistisch eindeutig:

  • Schnellere Entlassung: Patienten mit Blick ins Grüne konnten im Schnitt einen Tag früher nach Hause (7,96 Tage vs. 8,70 Tage).
  • Weniger Schmerzmittel: Sie benötigten deutlich weniger starke Analgetika (Schmerzmittel).
  • Bessere Stimmung: Das Pflegepersonal dokumentierte bei den "Naturguckern" weit weniger negative Kommentare wie "verstimmt" oder "ungeduldig".

Die Wissenschaft erklärt diesen Effekt heute durch mehrere psychologische und biologische Faktoren:

  • Stressreduktion (Attention Restoration Theory): Ein Blick in die Natur ist "faszinierend", aber nicht anstrengend. Er erlaubt dem Gehirn, sich vom kognitiven Stress der Krankheit zu erholen. Eine Mauer hingegen bietet keine visuelle Ablenkung und verstärkt das Gefühl des Gefangenseins.
  • Senkung des Cortisolspiegels: Schon drei bis fünf Minuten Betrachten von Natur (auch durch ein Fenster) senken nachweislich den Blutdruck, die Herzrate und das Stresshormon Cortisol.
  • Gefühl von Weite: Ein Blick in die Ferne verhindert den "Hospitalismus" (Depressionen durch Langzeitaufenthalte), da er das Gefühl von Freiheit und eine Verbindung zur Außenwelt aufrechterhält.

Die Studie von Ulrich und weitere Studien führten zu der Entwicklung von "Heilende Architektur". Hierzu muss man allerdings hinzufügen, dass die früheren Krankenhausbauer auch ohne Wissenschaft eine solche Architektur realisiert hatten, z.B. Krankenhaus Westend. Heute DRK Kliniken. Die DRK Kliniken Berlin Westend ist ein Krankenhaus im Berliner Ortsteil Westend und Teil der DRK Kliniken Berlin. Sie ist zudem ein Akademisches Lehrkrankenhaus der Charité.

Das Krankenhaus entstand ab den 1890er Jahren in mehreren Bauabschnitten und war im Besitz der Stadt Charlottenburg. Das ukb (Unfallkrankenhaus Berlin), das als ein Beispiel für heilende Architektur gilt, ist ebenso in den 1890ern entstanden. Es ist bekannt für seine großzügigen Parkanlagen und die Integration von Kunst und Natur, die besonders in der Rehabilitation wichtig ist.

Insgesamt zeichnet sich die Heilende Architektur durch folgende Merkmale aus:

Licht                        Synchronisation der inneren Uhr durch Tageslicht.

Luft                          Natürliche Belüftung und gute Raumluftqualität.

Farbe                      Warme, erdige Töne statt klinischem Weiß/Blau.

Soziales              Räume, die Begegnung mit der Familie fördern (Social Support).

Literaturangaben

Eine gute Zusammenfassung zu Heilende Architektur findet sich in Wikipedia (hier) https://de.wikipedia.org/wiki/Heilende_Architektur

Zur Ulrich-Studie, ähnlichen Arbeiten und Folgeartikeln hier :
View through a window may influence recovery from surgery

Literatur zu PDT (Beispiele)

  1. Soares da Silva, N. et al. (2024): Photodynamic therapy: challenges and innovations for treating cancer. Erschienen in Frontiers in Oncology. Dieser Artikel beleuchtet moderne technologische Innovationen und die synergetische Wirkung mit anderen Krebstherapien. (mehr hier https://www.elibrary.ru/item.asp?id=79810185)
  2. Alvarez, N; Sevilla, A. (2024): Current Advances in Photodynamic Therapy (PDT) and the Future Potential of PDT-Combinatorial Cancer Therapies. In Frontiers in Oncology. Ein aktueller Überblick über Kombinationen mit Chemotherapie und Radiotherapie zur Überwindung von Resistenzmechanismen. (komplettes Papier hier)
  3. Tanew, A. et al. (2024): Impact of light dose and fluence rate on the efficacy and tolerability of topical 5-ALA PDT. Veröffentlicht im Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology (JEADV). Wichtig für die Praxis, da hier untersucht wurde, wie man die Schmerzen während der Behandlung durch optimierte Lichtprotokolle reduzieren kann.

Literatur zu Heilende Architektur

Lawson, Brian: Healing Architecture, 2010 https://doi.org/10.1080/17533010903488517

T SimonsenJ SturgeC Duff Healing architecture. In healthcare: A scoping review

M Ghazaly, D Badokhon, N Alyamani Healing architecture, Civil Engineering and …, 2022  hier 

 

Portrait: Melatonin – Archaisch und lebenswichtig

Das größte Wunder der Forschung ist nicht die Lösung eines Rätsels,
sondern die Entdeckung von zehn neuen Fragen, die dahinter lagen.
Anonymus

Portrait: Melatonin

Vorbemerkung

In meinen Blogs ist seit Anbeginn im Jahr 2009 häufig von Melatonin die Rede. Dabei geht es immer oder fast immer um die zirkadianen Rhythmen des Menschen und deren Beeinflussung durch Licht. In der Lichttechnik oder gar in der Medizin, die sich mit den Lichtwirkungen beschäftigt, beschränkt man sich gar auf das Licht, das ins Auge tritt, okulares Licht. Ich habe immer beanstandet, dass man sich in der Forschung darauf verlassen hat, nur eine Wirkung von Melatonin zu betrachten, obwohl es mehr Wirkungen ausübt. Zudem habe ich ebenso beanstandet, dass man sich bei den periodischen Wirkungen auf die zirkadianen beschränkt, und bei diesen nur auf Licht. Wie relevant können die ignorierten Aspekte im Vergleich zu den betrachteten sein?.

Periode des Tages = Periode des Lichts?

Wenn man die Erdumdrehung in fast genau 24 Stunden als biologischen Taktgeber annimmt, ist der Verlauf von Hell und Dunkel mit Sicherheit die prägnanteste Änderung. So wundert es nicht, dass das Licht als der mächtigste Taktgeber gilt und in der Chronobiologie als Zeitgeber bezeichnet wird.

Allerdings wären Änderungen des Lichts stets von synchronisierten Verläufen von UV-Strahlung und Wärme (IR-Strahlung) begleitet. Beide sind in der Photobiologie seit über einem Jahrhundert als physiologisch hochwirksam bekannt und finden Anwendung in unzähligen Heilmethoden.

Menschliche Gesellschaften haben sich entsprechend dieser Periodizität entwickelt, auch wenn sie Wege gesucht und gefunden haben, dieser zu entfliehen. Ihr wichtigstes Hilfsmittel dazu war das künstliche Licht. Das Buch Genesis 2.0 – Schöpfung der elektrischen Sonne zeigt, wo das gelungen ist und wo wir total versagt haben.

Periodische Wirkungen von Licht auf biologische Abläufe

Länge der Periode

Biologische Rhythmen können sich in ihrem betrachteten Verhalten zwischen Sekunden und vermutlich über ein Jahrhundert bewegen.

Ultradiane Rhythmen (kürzer als 24 Stunden) wiederholen sich mehrfach am Tag. Sie sorgen für Phasen der Belastung und Erholung innerhalb des großen 24-Stunden-Tages. Dazu gehören z.B. Schlafphasen. Ein kompletter Zyklus aus Leicht-, Tief- und REM-Schlaf dauert ca. 90 Minuten. Die kürzesten Rhythmen sind allerdings Herzschlag und Atmung.

Infradiane Rhythmen (länger als 24 Stunden) dauern Tage, Wochen oder sogar Monate an, so der Menstruationszyklus bei Frauen. Saisonale Rhythmen, d.h. Anpassungen an die Jahreszeiten, wie z. B. der veränderte Vitamin-D-Haushalt oder das Haarwachstum gehört auch zu den infradianen Rhythmen.

Der circannuale Rhythmus (von lat. circa = „ungefähr“ und annus = „Jahr“) ist die „innere Jahresuhr“ des Körpers bzw. die zweite innere Uhr. Während der circadiane Rhythmus den Tag strukturiert, bereitet der circannuale Rhythmus den Organismus auf die sich wiederholenden Herausforderungen der Jahreszeiten vor. Der Haupttaktgeber des circannualen Rhythmus ist derselbe wie beim circadianen: Licht. Allerdings betrifft die Rolle andere Eigenschaften (Photoperiode).

Der Rekordhalter der biologischen Rhythmen ist die Bambusblüte. Der längste bekannte Rhythmus, supra-annualer Rhythmus, liegt bei etwa 120 bis 130 Jahren. Das Faszinierende ist, dass alle Individuen einer Art – egal, wo auf der Welt sie sich befinden – fast gleichzeitig blühen. Wenn ein Bambus in China blüht, blüht auch ein Ableger derselben Mutterpflanze in einem botanischen Garten in Europa. Diese Pflanzen sind „monokarp“, das heißt, sie blühen nur ein einziges Mal in ihrem Leben, produzieren massenhaft Samen und sterben danach ab.

Verursacher der Periodizität

All diese Wirkungen sind endogen, d.h. sie werden nicht durch externe Einflüsse erzeugt. Man nennt den Verursacher die “innere Uhr“, obwohl zuweilen der Kalender besser passt. Sie werden zumindest teilweise durch externe Einflüsse mit den natürlichen Rhythmen synchronisiert. So der zirkadiane Rhythmus mit dem Verlauf der Sonne am Tag auf 24 Stunden, der zirkannuale Rhythmus auf das Sonnenjahr.

Bei dem Mensturationszyklus ist kein Zufall, dass „Menstruation“ vom lateinischen Wort mensis (Monat) und dem griechischen mene (Mond) abstammt. Dieser beträgt 29,5 Tage und kommt in die Nähe der 28 Tage, die als Normalfall gelten.

Was bei den Pflanzen der Verursacher für den jährlichen Rhythmus gibt und was das Absterben einer Bambusart nach 80 bis 130 Jahren bewirkt, lässt sich nicht sagen. Wissenschaftliche Studien dazu sind kaum möglich, weil kein lebender Forscher eine Wiederkehr der Bambusblüte erlebt.

Melatonin – Die Ursubstanz für das Leben

Der evolutionäre Ursprung (Die Ur-Funktion)

Das Melatonin ist eines der ältesten Moleküle des Lebens. Man findet es nicht nur in Menschen, sondern auch in Algen, Bakterien und Pflanzen. Es existierte schon lange, bevor es Menschen, Tiere oder Pflanzen gab. Das evolutionäre Alter des Melatonin wird auf über 3 Milliarden Jahre geschätzt.

Das wissenschaftliche Alter ist aber mikrige 68 Jahre. Im Jahr 1958 isolierte der Dermatologe Aaron B. Lerner das Hormon erstmals aus der Zirbeldrüse eines Rindes. Er nannte es „Melatonin“, weil es die Hautfarbe von Fröschen beeinflussen konnte (Griechisch melas = schwarz, tonos = Spannung/Farbe).

Da Melatonin eines der ältesten Moleküle der Erde ist, hat es im Laufe der Evolution extrem vielfältige Rollen übernommen. Es fungiert bei fast allen Lebewesen als „biologisches Signal der Dunkelheit“, aber die konkreten Auswirkungen unterscheiden sich stark je nach Art.

Allerdings spielt das Melatonin auch bei Lebewesen in der Tiefsee eine Rolle, wo die Dunkelheit ohne Helligkeit ewig herrscht. Nicht nur das: Die Lebewesen folgen einem Tagesrhythmus, obwohl sie nie den Tag sehen. Die sogenannte Diel Vertical Migration (DVM) – zu Deutsch: Vertikale Tageswanderung – gilt als die größte synchronisierte Massenbewegung von Biomasse auf unserem Planeten. Jeden Tag bewegen sich Milliarden von Tonnen an Meereslebewesen (von winzigem Zooplankton bis hin zu Fischen) hunderte Meter auf und ab.

Die DVM spielt eine entscheidende Rolle sogar im globalen Kohlenstoffkreislauf. Indem die Tiere nachts an der Oberfläche Kohlenstoff (durch Nahrung) aufnehmen und ihn tagsüber in der Tiefe ausscheiden, transportieren sie aktiv Treibhausgase aus der Atmosphäre in das tiefe Meer.

Das Melatonin ist somit nicht nur einer der ältesten Moleküle des Lebens, sondern vermutlich eines der wichtigsten für das Leben auf der Erde überhaupt. Die Medizin, eine viele tausend Jahre alte Kunst und Wissenschaft, hat das Melatonin erst 1958 zufällig entdeckt.

Wirkungen beim Menschen

Melatonin ist ein systemisches Hormon, das fast jedes Organ beeinflusst, da fast alle Zellen im Körper Melatonin-Rezeptoren besitzen. Hier sind die wichtigsten Wirkungen des Melatonins beim Menschen:

  1. Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus
    Dies ist die bekannteste Wirkung. Melatonin ist kein klassisches „Einschlafmittel“ (wie ein Beruhigungsmittel), sondern ein Phasen-Moderator.
    • Vorbereitung: Es senkt die Körperkerntemperatur und den Blutdruck.
    • Müdigkeit: Es drosselt die Wachsamkeit des Gehirns und bereitet den Organismus auf die Regeneration vor.
    • Schlafarchitektur: Es unterstützt den Übergang in die Tiefschlafphasen, in denen die körperliche Erholung stattfindet.
  2. Das stärkste körpereigene Antioxidans
    Melatonin ist ein „Super-Radikalfänger“. Im Gegensatz zu Vitamin C oder E kann Melatonin die Blut-Hirn-Schranke mühelos passieren und schützt so direkt die Nervenzellen.
    Zellschutz: Es neutralisiert freie Radikale, die bei Stoffwechselprozessen entstehen und die DNA schädigen könnten.
    Anti-Aging für das Gehirn: Es schützt die Mitochondrien (die Kraftwerke der Zellen) vor oxidativem Stress, was für die Prävention von neurodegenerativen Erkrankungen wichtig ist.
  3. Modulation des Immunsystems
    Während wir schlafen, arbeitet das Immunsystem unter dem Einfluss von Melatonin auf Hochtouren.
    Aktivierung: Es stimuliert die Produktion und Aktivität von Immunzellen (z. B. T-Zellen und natürliche Killerzellen).
    Entzündungshemmung: Gleichzeitig wirkt es regulierend, um überschießende Entzündungsreaktionen im Körper zu dämpfen.
  4. Einfluss auf Hormone und Stoffwechsel
    Melatonin ist eng mit anderen Hormonsystemen vernetzt:
    Gegenspieler zum Cortisol: Wenn Melatonin abends steigt, sinkt das Stresshormon Cortisol. Am Morgen kehrt sich dieser Prozess um (der sogenannte Cortisol Awakening Response).
    Stoffwechsel: Es beeinflusst die Insulinempfindlichkeit. Eine Störung des Melatonin-Rhythmus (z. B. durch spätes Essen bei hellem Licht) kann das Risiko für Diabetes und Übergewicht erhöhen.
    Fortpflanzung: Es spielt eine Rolle bei der Regulierung des weiblichen Zyklus, da es die Ausschüttung von Gonadotropinen (Sexualhormonen) beeinflussen kann.
  5. Psychische Wirkung
    Ein ausgeglichener Melatoninspiegel ist essenziell für die psychische Stabilität.
    Stimmungsaufhellung: Da Melatonin aus Serotonin gebildet wird, hängen beide eng zusammen. Ein gestörter Melatonin-Rhythmus führt oft zu Serotoninmangel am Tag, was Reizbarkeit und Depressionen fördern kann.
    SAD (sog. Winterdepression): Die Erscheinungen, die mit der herbstlichen Änderung des physiologischen und psychologischen Zustandes des Menschen zu tun haben, haben eine enge Beziehung zu Melatonin.

Medizinische Nutzungen des Melatonin

Melatonin wird als Substanz in der Medizin für viele Heilmethoden eingesetzt. Das bedeutet, dass es eine Vielfalt an Wirkungen entfalten kann. Vermutlich hat es deswegen sehr lange gedauert, bis es in Deutschland frei erwerbbar wurde. Die Einsatzgebiete sind u.a.:

1. Schlafstörungen (Insomnie)
Melatonin ist vor allem für zwei Gruppen medizinisch zugelassen:

Menschen ab 55 Jahren: Mit zunehmendem Alter verkalkt die Zirbeldrüse oft und produziert weniger Melatonin (der sogenannte „Melatonin-Gap“). Hier wird retardiertes (verzögert freigesetztes) Melatonin verschrieben, um die natürliche Schlafstruktur wiederherzustellen.

Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen oder ADHS: Diese Kinder haben oft genetisch bedingt einen verschobenen Melatonin-Rhythmus. Die Gabe hilft ihnen, den Einschlafzeitpunkt zu finden, was oft die gesamte Familiensituation entlastet.

2. Rhythmusstörungen (Zirkadiane Schlaf-Wach-Störungen)
Hier geht es nicht um die Schlafqualität an sich, sondern um den Zeitpunkt:

Jetlag: Melatonin ist das Mittel der Wahl, um die innere Uhr schneller an eine neue Zeitzone anzupassen.
Schichtarbeitersyndrom: Es wird genutzt, um dem Körper "Dunkelheit" zu signalisieren, wenn eigentlich am Tag geschlafen werden muss.
Delayed Sleep Phase Syndrome (DSPS): Für „Eulen“, deren biologischer Rhythmus so weit nach hinten verschoben ist, dass sie im normalen Berufsleben nicht funktionieren können.

3. Einsatz in der Neurologie
Da Melatonin stark neuroprotektiv (nervenschützend) wirkt, wird sein Einsatz bei verschiedenen Erkrankungen erforscht und teils begleitend genutzt:
Demenz & Alzheimer: Zur Stabilisierung des oft völlig zerstörten Tag-Nacht-Rhythmus bei Patienten.
Cluster-Kopfschmerz: Da diese Schmerzattacken oft einen strengen circadianen Rhythmus haben, wird hochdosiertes Melatonin präventiv eingesetzt, um die Attacken zu dämpfen.

4. Chronopharmakologie (Krebstherapie)
Dies ist ein hochspannendes Feld: Man nutzt Melatonin, um die Verträglichkeit von Chemotherapien zu verbessern.
• Es schützt gesunde Zellen vor den oxidativen Schäden der Chemo, während es Tumorzellen (die oft einen gestörten Rhythmus haben) empfindlicher machen kann.
• Man kann die Wirksamkeit von Medikamenten insgesamt erhöhen, indem man die persönliche Körperzeit der Person berücksichtigt.

Nach aktuellen Schätzungen und Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) sowie von Organisationen wie den Vereinten Nationen (UNEP) zufolge liegt der Anteil des Energieverbrauchs bei etwa 15 % bis 19 % des weltweiten elektrischen Energieverbrauchs. Für Gewerbe und Dienstleistung wird er bis zu 50% geschätzt.

Die in dieser Rubrik angeführten Anwendungen stellen nur eine Auswahl aus den möglichen dar. Wer sich dezidiert für medizinische Anwendungen interessiert, findet relevante Informationen in Übersichtsartikeln (Review Articles) wie hier:

Rodrigo F N Ribeiro 1Marco Rios Santos Maria Aquino Luis Pereira de Almeida Cláudia Cavadas Maria Manuel C Silva.  The Therapeutic Potential of Melatonin and Its Novel Synthetic Analogs in Circadian Rhythm Sleep Disorders, Inflammation-Associated Pathologies, and Neurodegenerative Diseases, in Med Res Rev. 2025 Sep;45(5):1515-1539. doi: 10.1002/med.22117. Epub 2025 May 8.

Hautpflege

In der modernen Dermatologie wird Melatonin als „Hidden Champion“ gefeiert. Während es im Gehirn den Schlaf steuert, fungiert es in der Haut als einer der stärksten körpereigenen Schutz- und Reparaturfaktoren.

Da die Haut ein eigenes melatoninerges System besitzt – sie kann Melatonin also selbst produzieren und verarbeiten –, ist der Einsatz in der Hautpflege (topische Anwendung) hochwirksam.

Die Rolle von Melatonin in der Haut
Die Haut ist ständig oxidativem Stress (UV-Strahlung, Luftverschmutzung) ausgesetzt. Melatonin wirkt hier auf drei Ebenen:
Radikalfänger: Melatonin neutralisiert freie Radikale effektiver als Vitamin C oder Vitamin E. Es stoppt die Kettenreaktion, die Kollagen zerstört und zu Falten führt.
DNA-Reparatur: Es aktiviert Enzyme, die Schäden am Erbgut der Hautzellen reparieren, die z. B. durch einen Sonnenbrand entstanden sind.
Mitochondrienschutz: Es schützt die "Kraftwerke" der Hautzellen, wodurch die Zellen länger vital bleiben und sich schneller regenerieren.

Warum Melatonin in Cremes und Seren?

Man könnte meinen, Schlaf allein reiche aus, aber die Konzentration von Melatonin, die über das Blut in der Haut ankommt, ist gering. Topische Pflegeprodukte setzen direkt dort an, wo der Schaden entsteht:
Anti-Aging: Es fördert die Synthese von Kollagen und Elastin, was die Haut straff hält.
Reparatur über Nacht: Da die Haut nachts in den Regenerationsmodus schaltet, unterstützen Melatonin-Seren diesen natürlichen Prozess.
Schutz vor "Digital Aging": Es soll der Haut helfen, die negativen Effekte von Blaulicht (HEV-Licht) zu bekämpfen, dem wir durch Bildschirme ausgesetzt sind. (Vorsicht zu schlagwortlastig)

Kehrseite der Medaille

Wenn ein Hormon vielseitige Wirkungen auf andere ausübt und als Substanz hochwirksam medizinisch einsetzbar ist, ist es für mich ein Zeichen dafür, dass man mit ihm sehr vorsichtig umgehen muss. So gibt es wichtige medizinische Warnhinweise wie Folgendes:

Autoimmunerkrankungen: Da Melatonin das Immunsystem stimuliert, kann es bei Krankheiten wie Rheuma oder MS zu Schüben führen.
Wechselwirkungen: Es verstärkt die Wirkung von Beruhigungsmitteln und kann die Wirkung von Blutverdünnern oder Antibabypillen beeinflussen.
Dosierung: In Deutschland sind Präparate bis 0,5 mg bis 1 mg oft frei verkäuflich, medizinische Dosen liegen oft deutlich höher (2 mg bis 5 mg), sollten aber nie ohne Diagnose genommen werden.
Wenn man Melatonin in seine Hautpflege integrieren möchte, sollte man Folgendes beachten:
Zeitpunkt: Melatonin-Produkte sind fast immer Nachtpflege-Produkte. Tagsüber macht ihre Anwendung weniger Sinn, da sie den Reparaturmodus der Nacht unterstützen sollen.
Kombinationen: Melatonin lässt sich hervorragend mit Retinol (Vitamin A) oder Niacinamiden kombinieren. Während Retinol die Zellerneuerung anstößt, schützt Melatonin die Zelle während dieses Prozesses.
Die hormonelle Desynchronisation ist die größte Gefahr: Die Einnahme von Melatonin zum falschen Zeitpunkt kann die innere Uhr verstellen, statt sie zu heilen.
Rhythmus-Chaos: Wer Melatonin nimmt, während es draußen noch hell ist (oder zu spät in der Nacht), sendet dem Gehirn widersprüchliche Signale. Dies kann zu chronischer Insomnie führen.
Gewöhnungseffekt: Es gibt zwar keine körperliche Abhängigkeit wie bei Benzodiazepinen, aber die körpereigene Produktion kann bei dauerhafter Hochdosiszufuhr theoretisch träge werden (Feedback-Hemmung).

Gefährliche Wechselwirkungen
Melatonin interagiert mit einer Vielzahl von Medikamenten:
Blutverdünner: Melatonin kann die Blutungsneigung erhöhen.
Immunsuppressiva: Da Melatonin das Immunsystem stimuliert, kann es die Wirkung von Medikamenten aufheben, die das Immunsystem unterdrücken sollen (wichtig bei Transplantationen oder Autoimmunerkrankungen).
Diabetes-Medikamente: Es kann den Blutzuckerspiegel beeinflussen und die Einstellung des Insulins erschweren.
Die Pille: Da beide hormonell wirken, können sie sich gegenseitig in ihrer Intensität beeinflussen.

Besondere Risikogruppen
Kinder und Jugendliche: Da sich das Hormonsystem in der Pubertät massiv umstellt, warnen viele Experten vor einer langfristigen Gabe ohne ärztliche Aufsicht. Es gibt Bedenken, dass es die Entwicklung der Geschlechtsreife beeinflussen könnte.
Schwangere und Stillende: Es gibt keine ausreichenden Studien zur Sicherheit; daher wird von einer Einnahme dringend abgeraten.
Menschen mit Depressionen: In einigen Fällen kann Melatonin die Symptome einer Depression verschlimmern, besonders wenn bereits eine Antriebslosigkeit besteht.

Zum Aktionsspektrum von Melatonin

Die Wirksamkeit einer Strahlung auf eine Substanz wird bestimmt durch das Aktionsspektrum dieser, auch Empfindlichkeitskurve genannt. So wirken Strahlungen mit einer Wellenlänge zwischen 380 nm und 780 nm auf die optischen Empfänger im Auge derart ein, dass sich die bekannte V(λ)-Kurve als Summe ergibt. Dazu müssen diese Empfänger die Strahlung absorbieren. Tun sie das nicht, ist die Strahlung unwirksam für sie.

Den Vorgang kann man etwa mit der Wirkung von Licht auf glatte Oberflächen (Glas, Wasser, Spiegel u.ä.) erklären. Glas und Wasser gelten als „transparent“, d.h. durchlässig für Licht. Das ist allerdings ein Irrtum. Fällt das Licht senkrecht auf eine solche Oberfläche, geht es durch. Es wird aber teilweise im Glas bzw. Wasser absorbiert. Beide werden dadurch wärmer. Fällt der Strahl schräg ein, werden Glas und Wasser zu Spiegeln, sie weisen das Licht ab, es wird reflektiert. Ein perfekter optischer Spiegel, weist alle Strahlen ab und erscheint aus allen Richtungen gesehen schwarz. Nur aus der Richtung, die das Reflexionsgesetz bestimmt, sieht man den reflektierten Gegenstand.

Der ideale Spiegel ändert seinen Zustand durch Lichteinfall nicht. Das Wasser und die Gläser lassen den größten Teil durch und bleiben auch unverändert. Der absorbierte Teil der Energie bewirkt Änderungen. Das gilt auch für Melatonin. Es ist fast „blind“ für den größten Teil der Strahlung. Man konzentriert sich in der Chronobiologie und in der Lichttechnik auf den Wellenlängenbereich, in dem Melatonin „zerstört“ wird. Das ist der Bereich der Wellenlängen zwischen 440 nm und 490 nm, also der blaue Bereich (Blaulicht-Peak). Licht mit diesen Wellenlängen verhindert mehr oder weniger stark die Entstehung eines Melatoninpegels im Blut (Melatoninsuppression). Die melanopsinhaltigen Ganglienzellen (ipRGCs) im Auge reagieren am stärksten auf Licht bei etwa 460 nm bis 480 nm. Licht in diesem Bereich signalisiert dem Gehirn "heller Tag" und stoppt die Melatoninbildung.

Melatonin ist aber auch im UV-Bereich empfindlich. Es absorbiert Strahlung, also Energie, im UV-Bereich. Melatonin besitzt ein charakteristisches Absorptionsspektrum mit einem Maximum im UV-Bereich (Peak bei ca. 278 nm). Dies bedeutet, dass Melatonin-Moleküle in den Hautzellen in der Lage sind, hochenergetische UV-Strahlung (insbesondere UVB) direkt zu „schlucken“, bevor diese die DNA im Zellkern schädigen kann. Es fungiert wie ein molekularer Schutzschild, der einen Teil der Strahlungsenergie absorbiert und in harmlose Wärme umwandelt.

Aufgrund der Eigenschaften der Augenmedien hat UV nur geringe Chancen, ins Auge zu dringen und so die ipRGCs zu erreichen. So lassen sich die Wirkungen der Strahlung auf Melatonin auf zwei Wegen betrachten, über das okulare Licht ohne UV und über die Haut, insbesondere mit UV.
Wer die Beziehung zwischen Licht und Leben vertsehen will, muss die Wirkungen aller Strahlungen im optischen Bereich und die denkbaren Wirkungspfade berücksichtigen, die ich wie unten skizziert habe (aus ISO/TR 9241-610)

Quintessenz

Melatonin ist im wahrsten Sinne ein archaisches Molekül, das sich im Laufe der Evolution als einer der zentralen Schutz- und Regulationsfaktoren für fast alle komplexen Lebensformen etabliert hat. Seine bekannten Wirkungen allein sind sehr weitreichend. Man muss aber davon ausgehen, dass es mehr unbekannte Wirkungen geben kann, weil die Substanz gerade mal 68 Jahre bekannt ist. Die wichtigsten Wirkungen sind:

  1. Koordination der Zeit (Chronobiologie)

Melatonin fungiert als biologisches Signal der Dunkelheit. Es übersetzt den physikalischen Lichtwechsel der Umwelt in eine chemische Botschaft für den Körper.

  • Synchronisation: Es stellt sicher, dass alle Organe (Leber, Herz, Gehirn) zur gleichen Zeit „Nacht“ haben und regenerative Prozesse einleiten.
  • Saisonalität: Es hilft Tieren und Menschen, sich an Jahreszeiten anzupassen (Fortpflanzung, Winterruhe, Immunsystem).

Zellschutz und Anti-Aging

Auf zellulärer Ebene ist Melatonin eines der stärksten bekannten Antioxidantien.

  • Mitochondriale Gesundheit: Es schützt die Energiekraftwerke der Zellen (Mitochondrien) vor freien Radikalen. Da mitochondriale Schäden eine Hauptursache des Alterns sind, gilt Melatonin als zentrales „Anti-Aging-Hormon“.
  • DNA-Reparatur: Während wir schlafen, fördert Melatonin die Reparatur von Erbgutschäden, was langfristig das Krebsrisiko senken kann.

Immunologische Abwehr

Melatonin wirkt als Immunmodulator. Es stärkt das Immunsystem nicht nur pauschal, sondern hilft ihm, intelligenter zu reagieren:

  • Es unterstützt die Produktion von Abwehrzellen.
  • Es wirkt entzündungshemmend, um chronische Entzündungsprozesse (Silent Inflammation) im Körper zu begrenzen.

Psychische Resilienz

Es besteht eine enge Verbindung zwischen Melatonin und der mentalen Gesundheit. Ein stabiler Melatoninspiegel ist die Basis für:

  • Einen erholsamen Tiefschlaf (essentiell für die emotionale Verarbeitung).
  • Die Regulation von Neurotransmittern wie Serotonin und Dopamin.

Man kann Melatonin als den Projektleiter des nächtlichen Wartungsprogramms bezeichnen. Während wir schlafen, nutzt der Körper dieses Hormon, um aufzuräumen, zu reparieren und das System für den nächsten Tag zu kalibrieren.

 

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Wer sorgt für ein gesundes Licht im Büro?

Der eine wartet,
dass die Zeit sich wandelt,
der andere packt sie an und handelt.
Dante Alighieri

Zur Bedeutung

Die Kosten für das Licht in Arbeitsstätten lassen sich kaum spezifizieren, weil ein erheblicher Teil der Kosten für die Versorgung mit Tageslicht entsteht, die seit dem Beginn des Bauens von Gebäuden selbstverständlich dazu gehört. Tageslicht steht nicht etwa kostenlos zur Verfügung, wie manche Naturfanatiker oder gar Techniker gerne behaupten.

Welche Kosten für die künstliche Beleuchtung entstehen, kann man ebenso schwer abschätzen, weil die verfügbaren Daten einen eher verwirren. So behauptete ich einst, 40% des Stroms in Bürohäusern würde für die Beleuchtung benutzt. Mehrere Fachleute sprachen dagegen und wollten andere Zahlen liefern. Beim Wollen ist es geblieben.

Nach aktuellen Schätzungen und Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) sowie von Organisationen wie den Vereinten Nationen (UNEP) zufolge liegt der Anteil des Energieverbrauchs bei etwa 15 % bis 19 % des weltweiten elektrischen Energieverbrauchs. Für Gewerbe und Dienstleistung wird er bis zu 50% geschätzt.

Für Deutschland (und ähnlich hochindustrialisierte Länder) liegt die Schätzung bei etwa 10%. Das entspricht einer jährlichen Strommenge von rund 40 bis 45 Terawattstunden (TWh).

Welche Bedeutung das Licht selber für die Gesundheit der Menschen besitzt, werden “Fachleute“ je nach Fach unterschiedlich einschätzen. Bis zum Verbot der EU, Arbeitsschutzbelange in privaten Normen zu regeln, konnte man in den Normen der Lichttechnik lesen, dass alles genormte Licht gesund sei. Bei unserer Studie Licht und Gesundheit haben wir 1990 festgestellt, dass 57 % der Betroffenen die Beleuchtung ihrer Büros für eine Gefahr für ihre Gesundheit erachteten. Im Jahr 2021 veröffentlichten 18 führende Chronobiologen, dass vorhandene Beleuchtungssysteme die circadianen Rhythmen des Körpers störten.

Am radikalsten war das Urteil deutscher Führungskräfte, die gefragt wurden, welche Eigenschaft ihnen an ihrem Arbeitsplatz am wichtigsten scheint. Die meistgenannte Eigenschaft war “frei von künstlichen Lichtquellen” (37%). Die Bedeutung kann man abschätzen anhand der Bewertung der größten Pest im Büro, des Lärms, der in allen ergonomischen Studien den ersten Rang behauptet. Ihn würden nur 21 % nennen.

Gründe für meinen Optimismus

Ein erheblicher Teil des Buches Genesis 2.0 – Schöpfung der elektrischen Sonne handelt von dem Versagen der Bemühungen der Lichtingenieure, die gebaute Umwelt mit Licht zu gesunden. Heute erleben wir den Beginn des zweiten Jahrhunderts nach der Erscheinung von Luckiesh’ Buch Light and Health, des Mannes, der die gesunde Strahlung der Sonne in die Wohnstuben bringen wollte. Nur noch Milch, verstärkt mit Vitamin D, erinnert noch an die Episode.

Meine Interpretation der Gründe des Versagens sagt mir, dass der Fehler in der mangelnden Einbindung derjenigen Persona liegt, die über die Jahrtausende für die gebaute Umwelt gesorgt hatte und für das Licht darin. Das ist der Architekt. Dementsprechend hoffe ich, dass bestimmte Bewegungen, die die Architektur als Ziel haben, in Sachen gesundes Lichts erfolgreicher sein werden. Eine davon habe ich neulich ausführlich kommentiert (DGNB) (Visueller Komfort) Der Titel des damaligen Beitrags verrät auch den Grund für meinen Optimismus – eine ganzheitliche Betrachtung eines Sachverhalts statt die Behandlung von Teilen aus der Sicht des am meisten spezialisierten Gewerks.

Dieser Optimismus kommt nicht irgendwoher. Er gründet sich auf den Erfahrungen mit den aus meiner Sicht erfolgreichsten Lichttechnikern, Prof. Jürgen Krochmann und Dr. Georg Roessler. Diese haben in einer Zeit, in der sowohl Architekten als auch Lichttechniker von fensterlosen Räumen träumten und diese für die Zukunft hielten, eine gesetzliche Vorschrift erarbeitet, die den Bau von Arbeitsstätten in Deutschland beherrscht. Selbst die Arbeitsmedizin hielt Räume ohne Tageslicht damals für hygienisch unbedenklich. (hier). Die Vorschrift fand sich in der ersten Arbeitsstättenverordnung von 1975 (§ 7.1 Sichtverbindung nach außen) entgegen der vorherrschenden Meinung der Wissenschaft. Sie wurde durch verschiedene Urteile von Sozialgerichten und Verwaltungsgerichten bestätigt. Und überlebte auch den Minister Clement, der kein Arbeitsminister sein wollte, aber dessen Aufgaben hatte. Dieser schaffte, dem Wunsch der Wirtschaft folgend, die Sichtverbindung als Vorschrift ab. Der Druck von allen Seiten sorgte dafür, dass sie wieder eingeführt wurde.

Das Besondere an der Leistung zweier Lichttechniker? Die Vorschrift (und ihre Auslegung in der ASR 7.1) enthält keine lichttechnische, sondern eine psychologische Anforderung. So hat z.B. 1997 das Bundesverwaltungsgericht (BverwG) geurteilt: Das Gericht stellte fest, dass die Sichtverbindung ins Freie notwendig ist, um psychische Belastungen wie den sogenannten „Klausureffekt“ (Gefühl des Eingeschlossenseins) zu vermeiden. Der visuelle Kontakt zur Umwelt und zum Tagesverlauf ist für die Gesundheit der Beschäftigten essenziell.

Wie unten dargestellt, teilen alle architektonischen Gebäudebewertungen die Ansicht des Gerichts und somit die besondere Leistung der beiden Lichttechniker.

Zu den Protagonisten

Die Organisationen, die ich anführen will, beschäftigen sich mit der Nachhaltigkeit von Gebäuden in der Erstellung und im Betrieb. Das ist eine klare Abkehr von der einstigen Denke, wonach man wertvolle Bausubstanz abriss, weil das Neubauen billiger schien als der Erhalt. In der Nachkriegszeit soll diese Denke in Deutschland mehr Schaden verursacht haben als der Krieg selbst. Heute weiß man zudem, dass die Herstellung von Zement eine der größten Erzeuger von CO2 ist. Und dass man Sand in die arabische Wüste karren muss, weil Sand knapp geworden ist.

Aber auch die später entwickelte ökologische Denkweise, die sich auf Einzelaspekte konzentrierte, z.B. auf den Energieverbrauch, war nicht umfassend genug, um ganzheitlich den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes oder eines Quartiers zu betrachten bzw. diesen Lebenszyklus zu verlängern.

Ich will nicht all deren Wirken und Methoden kommentieren, sondern mich auf Sachverhalte beschränken, die Licht und Gesundheit betreffen. Die gemeinten Organisationen sind:

DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
LEED - Leadership in Energy and Environmental Design, USA
BREEAM - Building Research Establishment Environmental Assessment Method, UK
WELL – WELL Building Institute (IWBI) (mit Gesundheit und Wohlbefinden im Mittelpunkt)
Living Future Institute - Living Building Challenge

Das ist eine Auswahl von Organisationen, die nachhaltiges Bauen definiert und mess- und prüfbar gemacht haben. Ihr Ziel ist zum einen die Bewertung von Gebäuden und zum anderen das Bewirken einer Bauweise in ihrem Sinne.

Zu Leed

In der LEED-Zertifizierung spielt das Thema Licht eine entscheidende Rolle, da es zwei Hauptziele verbindet: die Energieeffizienz (weniger Stromverbrauch) und die Gesundheit der Nutzer (Wohlbefinden durch natürliches Licht). Während das erste Hauptziel zwar für die USA relativ ungewöhnlich scheint, bedeutet “Wohlbefinden durch natürliches Licht” eine Rückkehr zu den Zeiten, als die Progressiven in den USA gegen die Krankheiten der Finsternis kämpften (Krankheiten der Finsternis).

Licht wird bei LEED vor allem in folgenden Kategorien bewertet:

  • 1. Tageslicht (Daylight): LEED belohnt Gebäude, die so entworfen sind, dass elektrisches Licht tagsüber kaum nötig ist. Es gibt Punkte, wenn ein bestimmter Prozentsatz der regelmäßig genutzten Flächen (Büros, Klassenzimmer) ausreichend mit Tageslicht versorgt wird.
  • 2. Sichtverbindung nach außen: Ein Gebäude bekommt zusätzliche Punkte, wenn die Nutzer von fast jedem Platz aus einen unverstellten Blick ins Freie haben. Das reduziert Stress und steigert die Produktivität.
  • 3. Innenraumbeleuchtung (Interior Lighting): Hier geht es um die Qualität des künstlichen Lichts. LEED gibt vor, dass Licht nicht nur "hell" sein darf, sondern gesundheitlich unbedenklich sein muss, z.B. Kontrolle der Nutzer über Licht: Nutzer sollten ihr Licht selbst kontrollieren können (z. B. Dimmen oder einzelne Schalter für kleine Zonen), anstatt dass eine riesige Etage nur einen "Ein/Aus"-Schalter hat. Blendfreiheit: Leuchten müssen so verbaut sein, dass sie nicht blenden (z. B. durch Raster oder indirekte Abstrahlung).
  • 4. Lichtverschmutzung (Light Pollution Reduction): z.B.: Außenleuchten dürfen kein Licht direkt in den Nachthimmel strahlen (insbesondere Schutz von Insekten und Erhalt des Sternenhimmels). Lichtimmissionsschutz: Das Licht darf nicht über die Grundstücksgrenze hinaus in die Fenster der Nachbarn scheinen.

 

Gutes Lichtdesign in LEED-Gebäuden soll dazu führen, dass Menschen weniger Kopfschmerzen haben, konzentrierter arbeiten und dass Gebäude gleichzeitig deutlich weniger Strom verbrauchen.

Mehr Info findet sich in den offiziellen Publikationen des Systemgebers USGBC (U.S. Green Building Council) (z.B. LEED v4/v5 Reference Guides) bzw. des deutschen Partners GGBA German Green Building Association.

Zu BREEAM

BREEAM (Building Research Establishment Environmental Assessment Method) ist das älteste und eines der weltweit am häufigsten verwendeten Zertifizierungssysteme für nachhaltiges Bauen. BREEAM bewertet Gebäude anhand eines Punktesystems in verschiedenen Kategorien. Die Punkte werden in 9 Hauptkategorien vergeben:

  • 1. Management: Nachhaltige Planung, Baustellenmanagement und Gebäudebetrieb.
  • 2. Gesundheit und Wohlbefinden: Fokus auf Tageslicht, Luftqualität und thermischen Komfort für die Nutzer.
  • 3. Energie: Effizienz der technischen Anlagen und CO2-Ausstoß.
  • 4. Verschmutzung: Vermeidung von Lichtverschmutzung, Lärm und Kältemittelemissionen.
  • 5. ….

BREEAM unterteilt die Anforderungen an Licht hauptsächlich in die Kategorien "Health and Wellbeing" (Gesundheit) und "Pollution" (Emissionen).

  1. Visueller Komfort (Health and Wellbeing - Hea 01): Dies ist der wichtigste Bereich für die Nutzer im Gebäude. BREEAM vergibt hier Punkte für:
    - Tageslichtnutzung: Es wird genau berechnet, wie viel natürliches Licht in die Räume fällt (der sogenannte Daylight Factor).
    - Ausblick (View Out): Nutzer müssen von ihren Arbeitsplätzen oder Wohnbereichen einen qualitativen Blick nach draußen haben (Verbindung zur Außenwelt).
    - Blendfreiheit (Glare Control): BREEAM fordert Systeme, die Blendung durch die Sonne verhindern
    - Beleuchtungsqualität: z.B. Flimmerfreies Licht: Einsatz von Hochfrequenz-Vorschaltgeräten oder flimmerfreien LEDs (wichtig für die Konzentration). Zonierung: Das Licht muss in kleinen Gruppen oder individuell schaltbar sein, damit nicht ein ganzes Großraumbüro beleuchtet wird, wenn nur eine Person dort arbeitet.
  2. Reduzierung der Lichtverschmutzung (Pollution - Pol 06): z.B.
    - Up-Light-Kontrolle: Außenleuchten (z. B. auf Parkplätzen oder an Fassaden) dürfen kein Licht direkt nach oben strahlen.
    - Lichtimmission: Es muss nachgewiesen werden, dass das Licht des Gebäudes nachts keine Anwohner stört und die natürliche Dunkelheit für Tiere (Insekten, Vögel) weitgehend erhalten bleibt.

Kurz gefasst:

Nutzer: Viel Tageslicht, gute Sicht nach draußen, individuelle Steuerung.
Technik: Hocheffiziente LEDs, flimmerfreie Treiber, Sensortechnik.
Umwelt: Keine Abstrahlung in den Himmel, Abschaltung bei Nacht.

Mehr Info findet sich zu BREEAM z.B. hier https://breeam.com/

Zu WELL

Während die DGNB, LEED und BREEAM das „Gebäude“ als Ganzes (Technik, Ökologie, Kosten) bewerten, macht WELL (der WELL Building Standard) etwas völlig anderes: Er stellt den Menschen und seine Gesundheit radikal ins Zentrum. WELL deklariert 10 Konzepte in der Version V2:

  1. Luft: Extrem strenge Grenzwerte für Schadstoffe (VOCs), Feinstaub und CO2. Es wird oft mit Sensoren live gemessen.
  2. Wasser: Filterung und regelmäßige Tests der Trinkwasserqualität direkt am Wasserhahn.
  3. Ernährung: Förderung gesunder Ernährung (z. B. durch Obstkörbe, weniger Zucker in Automaten und klare Kennzeichnung von Allergenen in der Kantine).
  4. Licht: Fokus auf das zirkadiane Licht (biologisch wirksames Licht), das den Schlaf-Wach-Rhythmus unterstützt.
  5. Bewegung: Anreize für körperliche Aktivität, z. B. durch attraktive Treppenhäuser (statt versteckter Brandschutztüren) und Stehschreibtische.
  6. Thermischer Komfort: Individuelle Steuerbarkeit der Temperatur für die Nutzer.
  7. Schall: Optimale Akustik zur Reduzierung von Stress und Ablenkung.
  8. Materialien: Verbot von giftigen Inhaltsstoffen in Möbeln, Teppichen und Wandfarben.
  9. Geist (Mind): Unterstützung der mentalen Gesundheit durch Rückzugsräume, Pflanzen (Biophilie) und Stressmanagement-Angebote.
  10. Gemeinschaft: Förderung von Inklusion, Barrierefreiheit und sozialem Miteinander im Gebäude.

In der WELL-Zertifizierung ist Licht eines der technisch anspruchsvollsten Konzepte, weil es weit über die bloße Helligkeit hinausgeht. Hier steht die biologische Wirkung des Lichts auf den Körper im Vordergrund.

Das zentrale Stichwort bei WELL ist das circadiane Licht – also Licht, das unseren inneren Biorhythmus (Schlaf-Wach-Zyklus) unterstützt. Es gehört zu den drei Säulen für Licht:

  1. Circadianes Lichtdesign (Circadian Lighting): Licht wird nicht nur in Lux (Helligkeit) gemessen, sondern in EML (Equivalent Melanopic Lux). Tagsüber benötigen Mitarbeiter "biologisch wirksames" Licht (hoher Blauanteil), um wach und konzentriert zu bleiben. Abends hingegen sollte das Licht wärmer werden und einen niedrigen EML-Wert haben, damit der Körper zur Ruhe kommen kann.
  2. Visuelle Lichtqualität (Visual Quality):
    - Farbwiedergabe (CRI): WELL fordert eine sehr hohe Farbtreue (oft CRI ≥ 90), damit Farben natürlich wirken und die Augen nicht ermüden.
    - Blendung (Glare Control): Die Leuchten müssen so gestaltet sein, dass sie nicht blenden.
    - Flimmerfreies Licht: Ein strenges Augenmerk liegt auf dem "Flicker". Billige LEDs flimmern oft unmerklich, was bei Menschen Kopfschmerzen auslösen kann – WELL verbietet solche Leuchtmittel.
  3. Zugang zu Tageslicht (Daylight Access): Naturlicht ist die beste Lichtquelle für den Menschen. Fensternähe: WELL belohnt Gebäude, in denen fast alle Arbeitsplätze (meist 70% oder mehr) in unmittelbarer Nähe (ca. 7,5 Meter) zu einem Fenster liegen. Sichtverbindung: Es wird bewertet, wie gut der Blick ins Grüne oder nach draußen ist, um die psychische Belastung zu senken.

WELL hebt wesentlich deutlicher auf das sog. circadiane Licht ab. In deren Konzepten wie HCL ist eine Personalisierung des Lichts mitenthalten. Zugang zum Tageslicht und Sichtverbindung werden belohnt.

Zu Living Future Institute

Das International Living Future Institute (ILFI) ist eine globale Non-Profit-Organisation, deren Ziel es ist, den Wandel hin zu einer Gesellschaft zu leiten, die sozial gerecht, kulturell reich und ökologisch regenerativ ist. Während andere Systeme Licht oft als technische Notwendigkeit oder Energiesparpotenzial betrachten, sieht das ILFI Licht als fundamentales Menschenrecht und Heilmittel.

Living Building Challenge (LBC), das Flaggschiff-Programm, besagt: Ein Gebäude gilt erst dann als „Living“, wenn es nachweislich (nach einem Jahr Betrieb) mehr Energie erzeugt als verbraucht, alles Wasser vor Ort gewinnt und reinigt sowie keine Schadstoffe der „Red List“ enthält.

Anstatt nur technische Checklisten abzuarbeiten, nutzt das Institut die Metapher einer Blume, die aus Blütenblättern besteht. Diese werden Petals genannt  Ein Gebäude sollte wie eine Blume funktionieren:

  • Energie ausschließlich aus der Sonne ziehen.
  • Wasser aus dem Boden und dem Regen sammeln.
  • Sich perfekt in das lokale Ökosystem einfügen und gleichzeitig schön sein.

Das Thema Licht ist primär im Health + Happiness Petal (Gesundheit & Glück) verankert:

  1. Radikaler Fokus auf Tageslicht (Natural Daylight): Das Ziel ist einfach, aber extrem anspruchsvoll: Wenn die Sonne scheint, darf im Gebäude kein künstliches Licht benötigt werden.
    - 75 % Regel: Mindestens 75 % aller regelmäßig genutzten Flächen müssen vollständig natürlich belichtet sein.
    - Sichtverbindung: 95 % der genutzten Räume müssen eine direkte Sichtverbindung nach draußen und Zugang zu Tageslicht haben.
    - Sonnentubes & Oberlichter: Um diese strengen Quoten zu erreichen, werden oft innovative Lösungen wie Lichtkamine (Solar Tubes) oder großflächige Skylights eingesetzt
  2. Individuelle Kontrolle (Individual Control)
    - Licht wird nicht "von oben herab" gesteuert. Die Nutzer müssen die Macht über ihre Umgebung haben:
    • Jeder Nutzer muss die Möglichkeit haben, die Beleuchtungsstärke an seinem Platz individuell anzupassen.
    • Dies gilt oft in Kombination mit manuell bedienbarem Blend- und Sonnenschutz.
  3. Net-Zero Energy (Die Kehrseite)
    Da das Gebäude im Rahmen der Living Building Challenge eine positive Energiebilanz (Net Positive Energy) über 12 Monate nachweisen muss, darf Kunstlicht kaum Energie verbrauchen:
    • Effizienz: Jedes Watt für künstliches Licht muss durch eigene Photovoltaik-Anlagen am Gebäude wieder "reingespielt" werden.
    • Vermeidung: Wenn künstliches Licht während der Tageslichtstunden brennt (z. B. durch falsches Nutzerverhalten), gefährdet dies direkt die Zertifizierung.
  4. Die "Red List" bei Leuchten (Materials Petal): Ein oft unterschätzter Punkt: Die Inhaltsstoffe der Lampen.
    • Das ILFI verbietet eine lange Liste von Schadstoffen (Red List), die in vielen Standard-Elektronikbauteilen vorkommen (z. B. Quecksilber in alten Röhren oder bestimmte Flammschutzmittel in Kabeln).
    • Hersteller müssen über das Declare-Label offenlegen, woraus ihre Leuchten bestehen.

Während die DGNB oder LEED die Qualität von Kunstlicht (Farbwiedergabe, Blendung) detailliert bewerten, zielt das Living Future Institute systematisch darauf, künstliches Licht überflüssig zu machen.

Zu DGNB

Die DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen) ist die zentrale Institution in Deutschland, wenn es um zukunftsorientiertes Bauen und den Betrieb von Immobilien geht. Sie versteht Nachhaltigkeit nicht nur als Umweltschutz, sondern als ganzheitliche Qualität, die auch wirtschaftlich und sozial sein muss.

Zu dem System des DGNB gehören sechs gleichwertig betrachtete Themenfelder:

  1. Ökologische Qualität: Umweltschutz, CO2-Bilanz und Ressourcenschonung.
  2. Ökonomische Qualität: Lebenszykluskosten (was kostet das Haus über 50 Jahre?) und Wertstabilität.
  3. Soziokulturelle & Funktionale Qualität: Gesundheit, Komfort (z. B. Raumluft), Barrierefreiheit und Sicherheit.
  4. Technische Qualität: Brandschutz, Schallschutz und wie einfach man das Gebäude später wieder zurückbauen kann (Kreislaufwirtschaft).
  5. Prozessqualität: Wie gut wurde geplant und gebaut?
  6. Standortqualität: Anbindung an Verkehrsmittel und das Umfeld.

Licht gehört zu Themenfeld 3 “Soziokulturelle & Funktionale Qualität”. In der DGNB-Zertifizierung wird das Thema Licht primär im Kriterium SOC 1.4 „Visueller Komfort“ bewertet. Ziel ist es, eine „ausreichende und störungsfreie Versorgung mit Tages- und Kunstlicht“ sicherzustellen.

Das DGNB-System vergibt Punkte in sieben spezifischen Bereichen, um die Lichtqualität eines Gebäudes zu bewerten:

  1. Tageslichtverfügbarkeit im Gesamtgebäude: Es wird gemessen, wie viel Prozent der Nutzfläche einen ausreichenden Tageslichtquotienten (TQ) erreichen (z. B. TQ ≥ 2% für eine gute Bewertung).
  2. Tageslichtverfügbarkeit an dauerhaften Arbeitsplätzen: Hier geht es um die Qualität des Lichts dort, wo Menschen tatsächlich arbeiten
  3. Sichtverbindung nach außen: Ein Gebäude punktet, wenn ein hoher Anteil der Arbeitsplätze einen direkten, unverstellten Blick ins Freie bietet.
  4. Blendfreiheit bei Tageslicht: Belohnt werden Systeme, die helles Sonnenlicht abschirmen, ohne den Raum komplett zu verdunkeln (z. B. lichtlenkende Jalousien).
  5. Kunstlicht-Qualität:
    o Farbwiedergabe: Ein Index von Ra ≥ 90 bringt Zusatzpunkte (Der Standard ist meist Ra ≥ 80).
    o Beleuchtungsstärke: Höhere Werte auf Wänden und Decken zur Steigerung der Raumhelligkeit.
  6. Sonnendauer (Besonnung): Wie viele Stunden am Tag fällt direktes Sonnenlicht in die Räume? (Wichtig für das psychische Wohlbefinden)
  7. Farbechtheit des Tageslichts: Bewertung der Verglasung, damit das natürliche Licht durch die Fensterscheiben farblich nicht verfälscht wird.

Der DGNB-Katalog enthält noch einen wichtigen Aspekt: Lichtverschmutzung (TEC 1.7). Dieser Faktor ist nicht nur für die Umwelt bedeutsam, sondern auch für den Menschen (mehr hier)

Zu BauNetz – Wissen

Detailliertes Wissen zu allen vorhandenen Bewertungssystemen, deren Nachweisen und Zertifikaten kann man in BauNetz Wissen abrufen. Diese füge ich der Einfachheit halber hier ein. Liste alphabetisch sortiert:

  1. BNB: Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude
  2. BNK/BNG Zertifizierung
  3. REEAM: Internationales Nachhaltigkeitszertifikat
  4. CASBEE: Asiatisches Nachhaltigkeitszertifikat
  5. DGNB: Deutsches Nachhaltigkeitszertifikat
  6. eco-Institut-Label
  7. Green Star: Australisches Nachhaltigkeitszertifikat
  8. HQE: Französisches Nachhaltigkeitszertifikat
  9. LEED: Amerikanisches und kanadisches Nachhaltigkeitszertifikat
  10. LENOZ: Luxemburgisches Nachhaltigkeitszertifikat
  11. Nachhaltigkeitszertifizierung des Concrete Sustainability Councils
  12. Nachweis der Energieeffizienz: Wohngebäude Nach EnEV
  13. NaWoh: Qualitätssiegel Nachhaltiger Wohnungsbau
  14. Nordic Swan Ecolabel

Zur Rolle der Industrie und Wissenschaft

Wie in den Erläuterungen der einzelne Organisationen bzw. Methoden dargestellt, kommt der Sichtverbindung nach außen eine weltweit anerkannte Rolle zu. Die Grundlagen dazu wurden ab 1968 in einem lichttechnischen Projekt erarbeitet, die von der DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft) gefördert wurde. Das Projekt trug einen Namen, der die heute vorherrschende Art der Beleuchtung charakterisiert: Tageslichtergänzungsbeleuchtung.

Das Projekt wurde auf Wunsch der lichttechnischen Industrie eingestellt. So wäre es ohne das persönliche Engagement der beiden Protagonisten, Jürgen Krochmann und Georg Roessler, ohne Ergebnis geblieben. Zu der Einstellung des Projekts muss aber etwas hinzugefügt werden: DFG Projekte können nicht von der Industrie eingestellt werden. Ergo haben zwei (oder mehr?) Wissenschaftler das Projekt abgelehnt. Ein Grund mehr, dem Stand der Wissenschaft zu misstrauen.

 

 

Wieder mal zum Elend mit der Farbwiedergabe

Ich sehe das Bessere und heiße es gut,
doch dem Schlechteren folge ich.

Ovid

Wie an anderer Stelle erklärt, hat das Licht, das als Beleuchtung dient, zwei vornehmliche Aufgaben. Die erste ist für Helligkeit zu sorgen. Genau dafür hat man das Licht vor 101 Jahren offiziell so definiert. Es ist "optische Strahlung, die direkt eine Seh-Empfindung hervorruft." Die zweite Aufgabe fällt etwas diffiziler aus: Dem Menschen reicht die Helligkeit nicht aus; er will auch Farben sehen. So musste sich die CIE um ein zweites Feld bemühen. Auf der CIE-Sitzung in Cambridge wurde das heute noch fundamentale CIE-Normvalenzsystem (auch bekannt als das 1931er-System) verabschiedet.

Wo liegt das Problem, wenn beide Aspekte über ein Jahrhundert bzw. fast ein Jahrhundert anscheinend gut geregelt sind? Mehrere Menschengenerationen haben nicht gelernt zu begreifen, womit sich die CIE hier beschäftigt. Denn Helligkeit gibt es nicht. Sie ist eine Empfindung. Die Definition des Lichts dient nicht dazu, diese Empfindung messbar zu machen, sondern die Lichtmenge, die eine Lampe erzeugt. Wenn man dieses so definierte Licht in einen Raum bringt, wird es darin hell. Wie hell? Das lässt sich leider nicht sagen. Es hängt davon ab, wie das Licht verteilt wird und was da in dem Raum sonst an hellen Objekten vorhanden ist. Licht wurde definiert, um eine Brücke zwischen der physikalischen Menge des Lichts und der menschlichen Wahrnehmung zu schlagen. Vorsicht, auf der Brücke kann man leicht ausrutschen.

Nicht etwas, sondern wesentlich schlimmer sieht es mit der Farbe aus. Diese gibt es erst recht nicht, auch wenn man im Malergeschäft Regale voller Töpfe sehen kann, in denen Farbe lagert. Wenn man sich eine Dose greift, sieht man darauf viele gesetzlich vorgeschriebene Angaben, z.B. zu Sicherheit und Entsorgung, aber mindestens eine Bezeichnung der Farbe, z.B. „Premium-Seidenmattlack“, und eine Nummer dazu: z. B. „RAL 7000 Fehgrau“. Die letztere Nummer wird man allerdings in keinem Fachgeschäft sehen, sie gehört zu U-Booten der Bundesmarine als Überwasseranstrich. Der Unterwasseranstrich war früher unterschiedlich je nach Einsatzgebiet, Ostsee oder Nordsee. Denn Farben sieht niemand absolut, sondern immer in Verbindung mit dem beleuchtenden Licht und mit der Umgebung.

Wenn man Farben nicht absolut sehen kann und jedes Farbensehen vom auffallenden Licht abhängt, muss man, wenn man mit Farben oder farbigen Objekten handeln will, wenigstens eine verlässliche Grundlage für die Erscheinung schaffen. Genau dafür sorgen die sog. Normlichtarten, die die CIE im Laufe der Jahrzehnte definiert hat. Sie hießen einst A, B und C.

Normlichtart A war 1931 für fast alle Umgebungen im Innenraum maßgeblich. Sie entsprach der Wolfram-Glühlampe (ca. 2856 K). Sie ist bis heute der Standard für künstliches Wohnraumlicht, auch wenn der Glühlampe mittlerweile das Licht ausgegangen ist. Normlichtart B sollte das direkte Sonnenlicht darstellen. Sie war kein Hit, weil es die direkte Sonne nur im Weltraum gibt. Auf Erden ist es noch niemandem gelungen, Sonnenlicht vom restlichen Licht zu trennen, außer im Labor.

Normlichtart C repräsentierte einst "durchschnittliches" Tageslicht ohne UV-Anteil (ca. 6774 K). Sie war entstanden, als sich die CIE noch nicht für UV verantwortlich fühlte. Sie war für die CIE in den 1930er Jahren ein Störfaktor. UV wurde eher als Problem wahrgenommen, da die damaligen Filterlösungen für Tageslichtsimulatoren den UV-Anteil des natürlichen Sonnenlichts kaum korrekt abbilden konnten. UV wurde eher als Problem wahrgenommen, da die damaligen Filterlösungen für Tageslichtsimulatoren den UV-Anteil des natürlichen Sonnenlichts kaum korrekt abbilden konnten.

Dann kamen die 1960er Jahre. Die CIE war mit ihrem Latein am Ende, weil ihre Normlichtarten Farben so "gut" wiedergaben, dass die Industrie nichts damit anfangen konnte. In der Industrie kamen immer mehr optische Aufheller (in Papier, Textilien, Wandanstriche und Waschmitteln) zum Einsatz. Diese Stoffe wandeln unsichtbares UV-Licht in sichtbares blaues Licht um. Um diese Farben korrekt zu messen, musste die Lichtquelle im Messgerät nun zwingend einen definierten UV-Anteil enthalten. Solche Stoffe wurden im Übrigen vor rund 200 Jahren entdeckt und benutzt. Man hatte herausgefunden, dass Auszüge aus der Rinde der Rosskastanie die Weißkraft von Leinen und Baumwolle verbesserten.

So wurde 1964 die D-Serie eingeführt (D50, D55, D65, D75). Diese enthält standardmäßig ein UV-Spektrum. Dumm nur, dass die CIE 1965 den Farbwiedergabeindex Ra (CIE 13) einführte, ohne die Wirkung von UV zu berücksichtigen. Das Konzept ist mittlerweile 1974 (CIE 13.2) und 1995 (CIE 13.3) revidiert worden, aber jeweils ohne UV. In der Industrie (Papier, Textilien, Waschmittel) wurden in den 90ern aber immer komplexere optische Aufheller eingesetzt. So werden zwar Produkte wie Stoffe oder Autos unter dem Licht bestimmter Normlichtarten geprüft, wer aber Lampen herstellt und verkauft, gibt den Farbwiedergabeindex ohne UV an.

Was bedeutet so etwas in der Praxis? Wenn Papier, Textilien, Waschmittel bei der Herstellung bzw. in der Prüfung mit UV bestrahlt und später ohne UV benutzt werden, dann haben sie einen Gelbstich. Textilien vergilben mit der Zeit ohnehin und sehen ohne UV nie frisch weiß aus. Eine Lampe mit der höchstmöglichen Farbwiedergabe ist bestenfalls in der Lage, acht Farben wiederzugeben. Darunter befindet sich keine einzige gesättigte Farbe. Wer freut sich, dass in seinem Wohnraum Asterviolett oder Senfgelb gut erscheinen?

Besonders schlimm ist das bei LED-Leuchtmitteln. Tatsächlich emittieren die meisten Standard-LEDs für den Haushalt so gut wie gar kein ultraviolettes Licht. Sie können aber sehr hohe Ra-Werte erreichen und täuschen damit eine sehr gute Farbwiedergabe vor. Es gibt UV-basierte weiße LEDs, bei denen der Chip UV-Licht aussendet, das eine spezielle Mischung aus verschiedenen Leuchtstoffen (Rot, Grün, Blau) anregt. Deren Farbwiedergabe ist besser, sie kommt aber nicht in der technischen Angabe zur Wirkung.

Sind solche Aspekte für den Praktiker relevant? In einem anderen Beitrag habe ich das Problem etwas ausführlicher behandelt und dargelegt, dass das Problem zum täglichen Leben gehört, so z.B. wenn man gerne Brühwurst isst (hier) oder seine neu gekauften Fummel abends in der guten Stube anprobiert. Man kann auch wertvolle Zeit verlieren, wenn man Farben aufeinander abstimmen muss. Einer der Geschädigten war ich, als ich für meine Doktorarbeit ein Modell des Berliner Olympiastadions erstellte. Es war 35 m² groß und hatte drei Farben (Grau = Tribüne, Grün = Spielfeld, Rostrot = Laufbahn). Diese Farben habe ich vor Ort gemessen und die entsprechenden Mischungen vorbereitet. Dazu gehörte das Färben von 10 m² Frotteestoff mit den Schattierungen frisch gemähten Rasens. Das Streichen und Belegen des Modells hat etwa eine Woche gedauert. Ein paar Wochen später kam der Scheinwerfer, der das Ganze beleuchten sollte. Dieser hatte aber einen hohen UV-Anteil. So musste ich die ganze Prozedur wiederholen. Und die ganzen Farbmischungen unter dem Licht des Scheinwerfers neu erstellen.

Die Lampe in diesem Scheinwerfer stammte von einem der namhaftesten Hersteller, dessen Laborchef ich sehr gut kannte. Dieser hat mir nichts von den späteren Problemen erzählt. Der Scheinwerfer selbst war entworfen worden, um eine der "heiligen" Stätten des deutschen Sports, das Münchner Olympiastadion, zu beleuchten. Auch der Planer dieser Sportstätte hatte mir nichts davon erzählt. Dieser war aber einer der wichtigsten Berater meines Projekts.

"Mein" Problem, also die Beleuchtung des wichtigsten Stadions in München, sollte sich mehrere Jahrzehnte später wiederholen. Diesmal wurde es richtig teuer. Als die Allianz Arena eine "moderne" Beleuchtung bekam, war das Fernsehen mit dem Bild unzufrieden. Und zweitens verkümmerte der Rasen. Man hatte vergessen, dass die alten Scheinwerfer UV abstrahlten, die neuen mit LED nicht. So musste nachgerüstet werden, und das nicht zu knapp. In der TZ war zu lesen: "Den edlen Rasen streicheln 540 UV-Strahler mit ihrem Licht, wenn kein Spiel auf dem Programm steht." (Gelesen am 29.01.2024 hier) Hingegen meint Bayern München selber, sie hätten "Zusätzliche UV-Leuchten für das optimale Fernsehbild …" (hier)

Wer glaubt, die Planer der Allianz Arena und ich hätten zu dusselig gehandelt, sollte sich das letzte Opfer ansehen, das sich in die Irre führen ließ (hier). Es war Prof. Manfred Richter, der Schöpfer des DIN-Farbensystems. Er konnte trotz einer Farbsehschwäche Testfarben richtig abschätzen. Aber nicht die fehlende Wirkung von optischen Aufhellern. Licht ist eben optische Strahlung, die direkt eine Sehempfindung hervorruft. Dass es auch indirekt dazu beiträgt, ist seit 200 Jahren bekannt, seit 1964 als relevant erkannt, wird aber erst im Laufe des 21. Jahrhunderts in die Farbwiedergabe einfließen. Bis dahin ist niemand vor Irrtümern sicher, obwohl das Leuchtmittel LED eine schnellere Berücksichtigung gefordert hätte. Gottes Mühlen mahlen langsam, noch langsamer handelt …

 

Warum es derzeit nicht möglich ist, Gesetze und Normen mit Bestimmungen zu Licht zu revidieren

Ich sehe das Bessere und heiße es gut,
doch dem Schlechteren folge ich.

Ovid

Zum Thema

Normen und Basis ihrer Festlegungen

Normen mit Festlegungen bezüglich der Beleuchtung gibt es im systematischen Sinne seit den 1930er-Jahren. Die erste wirklich umfassende deutsche Norm für die Beleuchtung mit künstlichem Licht war die DIN 5035, die im November 1935 erstmals veröffentlicht wurde. Sie definierte erstmals Richtwerte für die Beleuchtungsstärke in Arbeitsstätten und Wohnräumen. Es ging nicht mehr nur darum, dass Licht "da" ist, sondern dass es hell genug für bestimmte Sehaufgaben ist (z. B. im Büro oder in der Industrie).

Die ersten “normativen” Bestimmungen an die Beleuchtung stellten in den 1920er Jahren die Experten für Scientific Management auf, z.B. W.H. Leffingwell in “Scientific Office Management“.  Leffingwells Empfehlungen füllten eine Liste von gerade mal 12 Arbeitsbereichen im Büro aus.

Was diese Liste nicht sagt, ist, wann die darin genannten Beleuchtungsstärken benötigt würden. Denn üblich war damals, dass man während des Tages arbeitet („9to5“). Dass die Zeit für die Beleuchtung eine Bedeutung hat, hat sich bis heute bei vielen nicht herumgesprochen. Sie wurde erst im 21. Jahrhundert ein Thema. Allerdings ist es sehr relevant.

Die Chronobiologie, die erst im Jahr 1960 als eigenständige akademische Disziplin anerkannt wurde, brachte die Erkenntnis, dass die sog. nichtvisuellen Wirkungen des Lichts von dem Zeitpunkt der Lichtexposition abhängen. D.h., das gleiche Licht am Morgen wirkt sich anders aus als am Abend, wenn alle sonstigen physikalischen Bedingungen gleich sind. Das liegt daran, dass viele Körperfunktionen dem Rhythmus des Tages folgen.

Diese Wirkungen hören zudem nicht auf, wenn man das Licht abschaltet, sie wirken nach. Hingegen gibt es für das Sehen keine vergleichbaren Wirkungen. Nach einer gewissen Zeit der Gewöhnung, in der Fachsprache Adaptation, sieht man gleichbleibend gut, bis das Licht abgeschaltet wird. Diese Zeitspanne ist zudem relativ kurz und beträgt von wenigen Sekunden (moderate Helladaptation) über ca. 10 Minuten (Farbumstimmung) bis ca. 30 Minuten (vollständige Dunkeladaptation). All diese Vorgänge hinterlassen keine bleibenden Spuren, außer vielleicht Ermüdung, die aber sehr schwer nachzuweisen ist. Nach geltender Meinung führen Adaptationen mit Sicherheit nicht zu bleibenden Schäden.

Anders die nichtvisuellen Wirkungen. Diese können von Schlafstörungen bis Krebserkrankungen reichen. Die Ersteren lassen sich im Labor relativ leicht nachweisen. Hingegen ist die Wissenschaft bei den Krebserkrankungen seit etwa 1980 dabei, eine ursächliche Beziehung mit dem künstlichen Licht zu erforschen. Das gestaltet sich aus mehreren Gründen schwierig. Erstes Hindernis ist das Tageslicht. Menschen leben und arbeiten zumindest teilweise unter Tageslicht. Dass die Qualität des Tageslichts eine Beziehung zu Krebserkrankungen hat, wurde bereits in den 1980er Jahren festgestellt. D.h., eine festgestellte Erkrankung bzw. ein Schutz vor Erkrankungen könnte mit dem Tageslicht zusammenhängen, was den Nachweis der künstlichen Beleuchtung als Verursacher erschwert. Das zweite Hindernis besteht im Wirkmechanismus. Eine direkte Wirkung von Licht auf eine Krebsentstehung ist schlecht vorstellbar. Nicht einmal bei Hautkrebs, der durch Strahlungseinwirkungen entstehen kann, ist eine ursächliche Wirkung leicht nachweisbar.

Ein Wirkmechanismus scheint bei Schichtarbeitern nachweisbar, bei denen der Melatoninhaushalt im Blut gestört ist. Studien an Schichtarbeitern (insbesondere bei Pflegepersonal) haben gezeigt, dass ein chronisch gestörter Melatoninhaushalt mit einem erhöhten Risiko für bestimmte Krebsarten korreliert, vor allem Brustkrebs und Prostatakrebs. So hat die WHO (Weltgesundheitsorganisation) die Schicht- und Nachtarbeit als "wahrscheinlich krebserregend" (Gruppe 2A) eingestuft, da sie den Biorhythmus stört, was das Risiko für bestimmte Krebsarten wie Brust-, Prostata- und Darmkrebs erhöhen kann. Der vermutete Wirkmechanismus beruht auf den Wirkungen des Hormons Melatonin, das als starkes Antioxidans und „Radikalfänger“ wirkt. Es schützt die DNA vor oxidativen Schäden. Aktuelle Studien (z. B. Zanif et. al. Melatonin supplementation and oxidative DNA damage repair capacity among night shift workers: a randomised placebo-controlled trial. In Occupational and Environmental Medicine (März 2025) weisen darauf hin, dass Melatonin die körpereigenen Reparaturmechanismen der DNA während des Schlafs verstärkt. Lichtverschmutzung bei Nacht unterdrückt die Ausschüttung von Melatonin und schwächt diesen Schutzschild.

Für alle Menschen wird davon ausgegangen, dass die Umgebung tagsüber hell sein sollte, weil der Mensch an sich lichtliebend, also phototroph, ist. Die in den Arbeitsstätten vorhandenen Lichtniveaus liegen weit unter dem erforderlichen Lichtbedarf. Stets gleichbleibendes Licht in Arbeitsumgebungen, das zudem viel schwächer ist als in der Natur, stört die circadiane Rhythmik ebenfalls.

Als Quintessenz der langjährigen Forschung haben 18 führende Chronobiologen eine Empfehlung für ein gesundes Zeitregime für die Beleuchtung erarbeitet. (Brown et. al. Recommendations for healthy daytime, evening, and night-time indoor light exposure, 2021) Dieses gibt vor, dass das Licht in den Innenräumen tagsüber (zwischen 06:00 und 19:00 Uhr) viel stärker sein müsste als heute üblich. Zwischen 19:00 Uhr und 22:00 Uhr ist ein erheblich reduziertes Lichtniveau zulässig. Danach soll bis zum nächsten Morgen fast absolute Dunkelheit herrschen. Das Regime ist im folgenden Bild skizziert:

(Anm.: 1 mel-EDI lx ist je nach Art (Spektrum) des Lichts 1 lx (Tageslicht) bis 10 lx (Kerzenlicht). Bei einer üblichen Bürobeleuchtung ist es ca. 1,5 lx vertikal auf dem Auge. Somit entsprechen 250 lx einer Beleuchtungsstärke von etwa 1200 lx horizontal.)

Lichtverschmutzung neu definiert – Beleuchtung kann auch als Lichtverschmutzung gelten

Unter Lichtverschmutzung versteht man im Allgemeinen überflüssige künstliche Beleuchtung am falschen Ort oder zur falschen Zeit. Hingegen wird niemand die Beleuchtung der Straßen nachts oder der Büros während des Tages als Lichtverschmutzung bezeichnen. Erst recht wird niemand auf die Idee kommen, das Licht der Handys oder der Computer in diese Kategorie einzuordnen. Aber von der physiologischen Wirkung her ist das Vorgehen konsequent. Ein Körper weiß nicht, ob das Licht um ihn herum einen Zweck hat oder unbeabsichtigt ist.

Die Einordnung einer Beleuchtung als Lichtverschmutzung erfolgt nicht auf physikalischer Basis, sondern aufgrund einer unbeabsichtigten negativen Wirkung auf den Menschen oder auf die Umwelt. So ist z.B. die Beleuchtung von Straßen eine beabsichtigte Wirkung. Hingegen zählen die dadurch entstehenden Irritationen für Insekten oder deren Jäger wie die Fledermäuse zur Lichtverschmutzung.

So gesehen haben die Chronobiologen das künstliche Licht am Abend und in der Nacht faktisch zu einer Lichtverschmutzung erklärt. Aber genau die Beleuchtung in diesem Zeitraum war der Grund für die Erfindung des künstlichen Lichts noch während der Eiszeit. Zudem kann man dem Rat der Forschenden nicht einmal dadurch folgen, indem man die Beleuchtung ausschaltet. Die Bildschirme erzeugen abends und nachts ein Vielfaches von dem als zulässig angesehenen Licht. Man dürfte deswegen abends und nachts keine Bildschirme benutzen. Nichtsdestotrotz folgte die Empfehlung konsequent auf der Basis von Erkenntnissen intensiver Forschung.

Was zu ändern ist … und wie?

Im normalen Leben reagiert man auf Gefährdungen am effektivsten durch Abschaffen ihrer Ursachen. Das gelingt allerdings nur in relativ seltenen Fällen. So kommt niemand auf die Idee, das Auto abzuschaffen, weil es viele Menschen das Leben kostet. Man behilft sich mit vielen Einzelmaßnahmen, zuweilen auch konzertiert, bis der Schaden hinreichend klein genug ist. So gab es in Deutschland 1970 21.332 Tote in Westdeutschland und 2.139 in der DDR, also insgesamt 23.471 Tote. In 2025 gab es etwa 2.800 Tote, obwohl das Verkehrsaufkommen und der Fahrzeugbestand um ein Vielfaches höher waren. Auch in der Arbeitswelt verfährt man häufig ähnlich, wenn die Ursache selbst nicht beseitigt werden kann.

Da man davon ausgehen kann, dass Menschen nachts Licht machen wollen, selbst wenn es verboten wäre, könnte man die Erkenntnisse der Chronobiologie nutzen, um die Unterdrückung des Melatonins durch Licht zu vermeiden. Dies würde z.B. bei Licht ohne blaue Anteile funktionieren, weil die Melatoninunterdrückung nachweislich durch die Blauanteile des Lichts erfolgt.

Man kann zudem versuchen, nur so viel Licht zu erzeugen, wie gerade nötig. Diese Maßnahme ließe sich mit der ersten koppeln, indem man reduziertes Licht und Licht mit der geringsten Wirkung auf das Melatonin benutzt.

Was man auch sonst noch alles anstellen könnte, ist, die Gesetze zu ändern, die die gleiche Beleuchtung bei Tage und in der Nacht fordern. Und dazu die Normen, die dasselbe empfehlen. Wenn eine Anforderung gilt, eine bestimmte Beleuchtungsstärke zu erzeugen, unabhängig von der Tageszeit, widerspricht diese eindeutig dem Stand der Wissenschaft.

Zu den gesetzlichen Bestimmungen

Indirekte und direkte Bestimmungen

Gesetzliche Bestimmungen, die sich auf die künstliche Beleuchtung auswirken, sind indirekt solche, die sich auf den Stand der Technik beziehen. Dies ist zunächst ASR A3.4 Beleuchtung und Sichtverbindung (Neufassung Mai 2023), die die ArbStättV auslegt. Zum anderen gilt DIN EN 12464-1 (Ausgabe 2021) formal auch als Stand der Technik, deutsche Ausgabe einer europäischen Norm. Selbst wenn eine Vorschrift mit einem direkten Bezug zu einem Sachverhalt wichtiger zu sein scheint, sind es die indirekten Auswirkungen, die schwerer zu ermitteln und zu beseitigen sind. So kämpft derzeit die Bundespolitik mit “Vorschriften“ zum Bauen, die die Erstellung von Gebäuden verteuern und in die Länge ziehen. Ändern kann sie nur die direkten Bezüge.

Direkt auf die künstliche Beleuchtung bezieht sich die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) in „Anhang Anforderungen und Maßnahmen für Arbeitsstätten nach § 3 Absatz 1“ unter 3.4 Beleuchtung und Sichtverbindung: (6) Die Beleuchtungsanlagen sind so auszuwählen und anzuordnen, dass dadurch die Sicherheit und die Gesundheit der Beschäftigten nicht gefährdet werden." (Mehr zu Sichtverbindung hier)

Diese Bestimmung ist eine umfassende Vorschrift, die über allen Normen steht und deren Bestimmungen die aller Normen außer Kraft setzen. Normen dürfen zudem keine Bestimmungen enthalten, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten berühren.

Zu den Normen und ihren Bestimmungen zu nichtvisuellen Wirkungen

In Deutschland sind derzeit zwei Normen gültig, die sich auf die künstliche Beleuchtung von Arbeitsplätzen beziehen:

  • DIN EN 12464-1: 2021-11 Licht und Beleuchtung - Beleuchtung von Arbeitsstätten - Teil 1: Arbeitsstätten in Innenräumen; Deutsche Fassung EN 12464-1:2021
  • DIN EN ISO 9241-6: 2001-03 Ergonomische Anforderungen für Bürotätigkeiten mit Bildschirmgeräten - Teil 6: Leitsätze für die Arbeitsumgebung (ISO 9241-6:1999); Deutsche Fassung EN ISO 9241-6:1999)

 

DIN EN 12464-1: 2021-11 ist eine Beleuchtungsnorm für Arbeitsstätten, die ein europäisches Gremium erstellt hat. Deutschland muss formal diese übernehmen und darf keine gleichwertige Regelung mit dem gleichen Geltungsbereich schaffen. Falls eine europäische Norm mit den Gesetzen eines Landes in Konflikt steht, muss darin eine sog. A-Abweichung für Klärung sorgen, z.B. durch eine Erklärung, dass eine bestimmte Bestimmung in diesem Land nicht gilt. Im Falle von EN 12464-1 musste in einem nationalen Vorwort erklärt werden, dass eine Regelung für die Beleuchtung von Arbeitsstätten die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) zuständig ist. Die Norm darf daher keine Bestimmungen zur Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten enthalten. Daher gibt sie an, dass ihre Bestimmungen für Sehkomfort und Sehleistung gelten: “Dieses Dokument legt Beleuchtungsanforderungen für Menschen an Arbeitsplätzen in Innenräumen fest, die den Anforderungen an den Sehkomfort und die Sehleistung von Personen mit normalen oder auf normal korrigiertem Sehvermögen entsprechen." EN 12464-1 erwähnt nichtvisuelle Wirkungen in einem informativen Anhang, der keine Anforderungen oder Empfehlungen enthält. Mögliche Konsequenzen für Beschäftigte mit nicht "normalem" Sehvermögen werden nicht angegeben.

DIN EN ISO 9241-6 ist eine ergonomische Norm, die eine gesunde und angenehme Umgebung erzielen will und nicht nur auf die Beleuchtung abhebt. Die Beleuchtung liefert einen gewissen Beitrag dazu. Ihre Ausgestaltung wird aber begrenzt durch das vornehmliche Arbeitsmittel, den Bildschirm, dessen Bild prinzipiell bei jedem Lichteinfall an Qualität verliert. Der Verlust an Bildqualität muss daher wirksam begrenzt werden.

Zudem wurde im Jahr 2022 eine DIN/TS 67600 veröffentlicht, die sich auf die nichtvisuellen Wirkungen von Licht bezieht:

  • DIN/TS 67600:2022-08 Ergänzende Kriterien für die Lichtplanung und Lichtanwendung im Hinblick auf nichtvisuelle Wirkungen von Licht

DIN/TS 67600 beschreibt laut DIN die nichtvisuellen Wirkungen des Lichts auf den Menschen (Ursache-Wirkungs-Beziehungen) übergreifend für viele Lebensbereiche. Überall, wo sich Menschen über längere Zeiträume aufhalten, können die nichtvisuellen Wirkungen des Lichts bei der Beleuchtung eine Rolle spielen. Daher beschreibt dieses Dokument den Einsatz von Beleuchtung zur Förderung von nichtvisuellen Wirkungen für alle Lebensbereiche, sowohl private als auch berufliche. Diese Norm enthält aber nur „Ergänzende Kriterien“. D.h., die Bestimmungen der Beleuchtungsnormen haben Vorrang, somit auch der Konflikt mit der Zeitabhängigkeit der Beleuchtungswirkung.

Zuletzt wurde auch unter Beteiligung deutscher Experten eine ISO/CIE-Norm ISO/CIE 8995-1:2025-01 Licht und Beleuchtung - Beleuchtung von Arbeitsstätten - Teil 1: Innenräume erarbeitet. Diese soll die globale Beleuchtungsnorm für alle Arbeitsstätten darstellen. (Meine Meinung zu globalen Beleuchtungsnormen hier) Allerdings braucht kein Land diese Norm anzuwenden. Sie verdient aber Beachtung wegen der juristischen Relevanz der Regelungen (Lex-posterior-Regel). Der lateinische Merksatz bedeutet übersetzt: „Das spätere Gesetz hebt das frühere Gesetz auf.“ Während man früher nach dem Jahr 2001 vorhergesagt hatte, man müsste die gesamte Lichttechnik neu ordnen, weil man einen neuen Empfänger im Auge entdeckt hatte, dessen Wirkungen man mit den bekannten Mechanismen nicht erklären konnte, geht ISO/CIE 8995-1 vom folgenden Bild aus, das in einem informativen Anhang erscheint als Zusatzinformation:

(Bild gezeichnet nach Kort, Y.A.W. and Veitch, J.A. From blind spot into the spotlight: Introduction to the special issue ‘Light, lighting and human behaviour’. Journal of Environmental Psychology, 2014)

Zum Stand der Technik der Beleuchtung von Arbeitsstätten

Stand der Technik ist ein unbestimmter Rechtsbegriff mit größter Bedeutung für das Handeln von Firmen und Behörden. Einfach gesagt: Es ist das „Level“, auf dem sich eine Technologie zu einem bestimmten Zeitpunkt befindet. Stand der Technik ist das, was technisch machbar ist und von Pionieren erfolgreich eingesetzt wird, auch wenn es noch nicht „Mainstream“ ist. Es ist gleichgültig, woher die Erkenntnisse stammen, d.h. sie können weltweit gelten.

Da der Begriff Stand der Technik im Arbeitsschutz sehr unterschiedlich ausgelegt werden kann, lässt der Bundesminister für Arbeit für alle Bestimmungen der ArbStättV sog, ASR erarbeiten, die seit 1975 traditionell Arbeitsstättenrichtlinie heißen. Die Bezeichnung seit 2004 lautet „Technische Regeln für Arbeitsstätten (ASR)“. Diese werden regelmäßig aktualisiert, um den „Stand der Technik“ abzubilden. Sie enthalten standardmäßig die Phrase:

Die Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) geben den Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene sowie sonstige gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse für die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten beim Einrichten und Betreiben von Arbeitsstätten wieder.

Somit ist die ASR A3.4 formal der Stand der Beleuchtungstechnik für Arbeitsstätten.

Allerdings behandelt ASR A3.4 nicht alle Aspekte der Beleuchtung, die für den Menschen relevant sind. So wird zwar eine Begrenzung der Blendung gefordert, aber kein Bezug auf die Entblendung von Leuchten (UGR-Verfahren) genommen. Es wird nur gefordert, Leuchten und Leuchtmittel geeignet auszuwählen und anzubringen. Die entsprechende Information findet sich z.B. in DIN EN 12464-1.

Auch das Flimmern von LED-Lampen und Leuchten wird nur gestreift und gefordert, dass es nicht zu Unfallgefahren oder Ermüdung führen darf. Man müsste die hinreichende Information anderswo suchen. Gerade das Flimmern bildet ein heißes Thema, um das in Brüssel gerungen wird.

ASR A3.4 ist nicht kompatibel mit den Normen, was die Vertikalbeleuchtungsstärke angeht. So fordert sie eine mittlere vertikale Beleuchtungsstärke nur für bestimmte Arbeitsplätze (Bücherregale, Wandtafel). Hingegen wird in DIN EN 12464-1 eine “mittlere zylindrische Beleuchtungsstärke im Tätigkeitsraum“ für fast alle Arbeitsplätze gefordert. Diese soll ein besseres Sehen von Gesichtern und ein besseres Helligkeitsgefühl durch hellere Wände und Decken erzeugen. Zu diesem Zweck werden Anforderungen an die Beleuchtungsstärke an den Wänden und der Decke gestellt.

Die „zylindrische“ Beleuchtungsstärke ist eine Zusammenrechnung von vertikalen Beleuchtungsstärken aus allen Richtungen, die als Maß für die nichtvisuelle Wirkung einer Beleuchtung benutzt wird. Somit wäre ein solches Maß in den Normen vorhanden, in der ASR A3.4 nicht. Allerdings bezieht sich dieses Maß auf den visuellen Komfort, was der immer sein mag. Denn visueller Komfort wird in keiner Norm und in keinem Wörterbuch definiert. (mehr unter Visuellen Komfort Realisieren - mit Normen oder ganzheitlich  .

Dafür darf eine Norm keine Anforderungen enthalten, die Sicherheit und Gesundheitsschutz betreffen. Das Nationale Vorwort von DIN EN 12464-1 besagt: „Grundsätzliche Anforderungen an die Beleuchtung hinsichtlich der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit werden in Deutschland nicht in dieser Norm, sondern in der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) geregelt.“ Die Konsequenzen können gravierend sein: „Werden die Planung und/oder der Betrieb von Beleuchtungsanlagen in Arbeitsstätten ausschließlich nach dieser Norm vorgenommen, kann das dazu führen, dass die o. a. staatlichen Mindestanforderungen oder die Anforderungen der Unfallversicherungsträger an die Beleuchtung nicht eingehalten sind.” Es werden fünf gravierende Abweichungen festgestellt. Somit wäre ein Lichtplaner verpflichtet, die ASR A3.4 einzuhalten, selbst wenn er den Auftrag hätte, eine normgerechte Beleuchtung zu erstellen.

In Klartext: Der Staat erkennt die Beleuchtungsnorm nicht als gleichwertig mit seinem Papier zum gleichen Thema an, das er als „Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene sowie sonstige gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse für die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten“ deklariert. Das Letztere, sonstige gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse, bezieht sich auf das Betriebsverfassungsgesetz, das den Arbeitgeber verpflichtet. gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse zu beachten (BetrVG § 91). Tut er das nicht, kann die Mitarbeitervertretung Mitbestimmung einfordern oder gar die Lösung ablehnen.

Dass der Staat seine Regelung als juristisch geltend erachtet, folgt aus dem Arbeitsschutzrecht, wonach in der EU nur Staaten solche Regelungen treffen dürfen. Zudem ist hier sichergestellt, dass die Anpassung an die Bedürfnisse der Arbeitswelt zeitnah erfolgt. Hierfür arbeiten die Ausschüsse unter der Kontrolle der BAuA, der für den Arbeitsschutz zuständigen Behörde, unter Beteiligung der Sozialpartner.

Die Lage ist unbefriedigend für jeden Planer, weil in der ASR A3.4 manche Aspekte fehlen, dafür würde eine Planung nach der Norm nicht den Stand der Technik bezüglich Sicherheit erfüllen.

Was müsste in den Normen geändert werden

Alle genannten Normen außer DIN/TS 67600 beruhen auf Vorstellungen bezüglich des Sehens. DIN EN 12464-1 oder ISO/CIE 8995-1 sind zwar neueren Datums, ihre Regelungen sind allesamt aus DIN 5035-2 aus dem Jahr 1979 entstanden bzw. sie enthalten Erweiterungen.

Bei ISO 9241-6 besteht eine Aufforderung zu einer Aktualisierung seit dem Jahr 2011. Da diese Norm aber keine Beleuchtungsnorm ist, sondern Aspekte der Beleuchtung im Rahmen der gesamten Arbeitsumwelt behandelt, sollte ihre Revision nach einer entsprechenden Revision der Beleuchtungsnormen erfolgen. Nunmehr hat CEN die EN 12464-1 im Jahr 2021 revidiert, die CIE hat ISO/CIE 8995 im Jahr 2025 ebenso, aber in den Anforderungen findet man nichts zu den gesundheitlichen Wirkungen, also zu den nicht visuellen Wirkungen. (Anm. Diese werden in einem informativen Anhang erläutert. Solche Anhänge ziehen keine Konsequenzen nach sich.)

Für Computernutzer sieht die Sache noch schlechter aus, weil sie mit Bildschirmen arbeiten müssen, die mehr blaues Licht erzeugen als jede Beleuchtung und zudem immer im Blickfeld stehen. D.h., wenn die Erkenntnisse der Chronobiologie zutreffen, sind Computernutzer allein deswegen schlimmer dran. Hinzu kommt, dass die Beleuchtungsnormen die Computernutzung nicht einmal angemessen berücksichtigen.

Die Weltorganisation der Lichttechnik, CIE, hat sich in einem Memorandum von 2015 mit dem Titel “CIE Statement on Non-Visual Effects of Light - RECOMMENDING PROPER LIGHT AT THE PROPER TIME” zu einer Änderung der lichttechnischen Regelwerke im Sinne der Zeitabhängigkeit der Wirkungen der Beleuchtung bekannt. Diesem Ziel entsprechend wurde eine globale Norm CIE S 026:2018 “CIE System for Metrology of Optical Radiation for ipRGC-Influenced Responses to Light” erarbeitet, die lichttechnische Größen nach ihrer nichtvisuellen Wirkung berechnet und dabei statt Größen wie Lux neu auf der Basis dieser Wirkungen einführt (“melanopische” Größen).

Das Memorandum wurde mit dem gleichen Titel 2019 neu veröffentlicht. Die dritte Version erschien im Jahr 2024 mit einem etwas veränderten Titel: “CIE Position Statement on Integrative Lighting - Recommending Proper Light at the Proper Time”. Mittlerweile hatte man die “nichtvisuellen Effekte“ gegen “Integrative Lighting“ ausgetauscht, dessen Bedeutung wie folgt definiert wurde: “lighting integrating both visual and non-visual effects, and producing physiological and/or psychological benefits upon humans “ (in ISO/TR 21783). Auf Deutsch ist das ein Beleuchtungskonzept, das nicht nur dafür sorgt, dass man gut sehen soll, sondern auch die biologische und psychologische Wirkung von Licht auf den Menschen berücksichtigen will. Integrative Lighting sollte nicht mit "Integrierende Planung" verwechselt werden. Integrierende Planung bedeutet, dass nicht nur die visuellen, nichtvisuellen und emotionalen Wirkungen von Licht berücksichtigt werden, sondern auch die bauliche Lage und Nutzungen des Objektes, die wesentlichen Einfluss auf den Tageslichtanteil und damit auch auf die Planung der Beleuchtung haben.

Dies bedeutet aber, dass die bisher geplanten und ausgeführten Beleuchtungen dies nicht tun. Diese Interpretation ist nicht meine Vorstellung, sie folgt aus den Geltungsbereichen der Normen.

Was hat sich seit dem Jahr 2001 tatsächlich geändert?

Im Grunde genommen, unterscheiden sich die neueren Normen, EN 12464-1:2021 oder ISO/CIE 8995:2025 nicht grundsätzlich von ihren Vorgängern aus den Jahren 2011 bzw. 2002. Hat ein Autor wie Leffingwell im Jahre 1931 eine Tabelle aufgestellt, auf der z.B. für „Bookkeeping and accounting“ (typische Büroarbeit) 30 fc (= 323 lx) gefordert wird, findet man in den beiden Normen rund das Hundertfache an Tabellen, bei denen primär eine Beleuchtungsstärke von etwa in der gleichen Höhe gefordert wird. Daneben werden weitere Werte angegeben, z.B. für die zylindrische Beleuchtungsstärke an Wänden oder Decken, die nichts mit den Erkenntnissen der Chronobiologie zu tun haben, sondern mit dem visuellen Komfort. Kein Mensch außer wenigen Lichttechnikern weiß, was eine zylindrische Beleuchtungsstärke sein soll. Dass irgendjemand deren Wirkung auf die Gesundheit und Psyche von Arbeitnehmern untersucht haben könnte, ist so wahrscheinlich wie die Existenz von Einhörnern.

Das ist so verwunderlich nicht, weil sich die lichttechnische Industrie, die sich einst vehement für die Berücksichtigung der nichtvisuellen Wirkungen einsetzte, leise davon verabschiedet hat. Sie propagierte diesbezügliche Bemühungen als ein Konzept namens HCL (human centric lighting), das eine Beratungsfirma ihr empfohlen hatte. Dieses Konzept wurde geräuschlos begraben. Ein vor 20 Jahren groß angelegtes Projekt, PLACAR = Plasma LAmpen für CirCAdiane Rhythmen, das vom Forschungsministerium gefördert wurde, verschwand gar relativ spurlos. (zum Kapitel PLACAR)

Stattdessen gab sich die CIE damit zufrieden, einen ISO-Technical Report, ISO/TR 21783 Light and lighting — Integrative lighting — Non-visual effects, zu veröffentlichen, der keinerlei Anforderungen enthält. Die Wahl der Form dieses Reports, TR = informativ per se, zeigt, dass nicht die Absicht bestanden hat, Anforderungen an die Beleuchtung zu stellen, die sich nach den chronobiologischen Erkenntnissen richten. Das Format erlaubt nicht einmal Empfehlungen.

Die deutschen Normer haben allerdings das einst gesetzte Ziel nicht aus den Augen verloren. Sie erarbeiteten die Norm DIN/TS 67600, die die Anwendung der chronobiologischen Erkenntnisse in der Beleuchtung regelt. Sie mussten sich allerdings damit zufriedengeben, dass ihre Information nachrangig bleibt.

Allzu verwunderlich ist der Zustand angesichts der letzten Ausgabe des CIE-Memorandums „CIE Statement on Non-Visual Effects of Light - RECOMMENDING PROPER LIGHT AT THE PROPER TIME“ nicht. Denn man muss nicht einmal zwischen den Zeilen lesen können, um die Kehrtwende zu erkennen: Die neuen Empfehlungen lassen sich auch so lesen, dass die Erkenntnisse schwer Anwendung finden können. Insbesondere u.a.

  • Zweifel daran, ob die für den Tag erforderliche minimale vertikale Beleuchtungsstärke 250 lx M-EDI sich mit der Energieeffizienz vereinbar sind, und ob man diese ohne Blendung und Verlust an Sichtbarkeit (auf Bildschirmen) realisieren kann,
  • Zweifel daran, ob eine über den Tag gleichmäßig verteilte Bestrahlung erreicht werden kann, sowie ob das überhaupt dem Konzept passt. Denn die gleichbleibende Beleuchtung war zuvor als eine Ursache für die Störung der circadianen Rhythmik identifiziert worden.
  • Zweifel daran, ob in den Abendstunden eine Beleuchtungsstärke von 10 M-EDI ausreichen würde, um den Sehanforderungen zu genügen.

 

Die wichtigsten Zweifel betreffen aber die Natur der Normen und Vorschriften zur Beleuchtung. Die CIE hebt hervor, dass diese für Räume oder Raumteile gelten, aber nicht für Individuen. Die Mitarbeitende kann man in der Arbeitswelt wohl kaum in Räume verweisen und innerhalb dieser Räume so platzieren, dass sie optimal bestrahlt werden.

Das Papier, das im August 2024 veröffentlicht wurde, verweist auf die Revision der Norm ISO/CIE 8995-1:2002, die seit 2025 vorliegt. Eine Änderung ist dabei aber nicht zu verzeichnen. Diese wird auch so bald nicht kommen. Denn die Empfehlungen der Chronobiologie beruhen auf dem Licht, das ins Auge fällt, wie das Bild zeigt:

Der günstig für eine melanopische Wirkung angezeigte Bereich lässt sich recht schlecht mit Leuchten bedienen, die an der Decke angebracht sind. Alle bislang geplanten und gebauten Beleuchtungen hatten das Ziel, die Sehobjekte zu beleuchten und nicht den Nutzer. Das Licht, das direkt ins Auge fällt, galt immer als Blendung bzw. als ein Beitrag zur Blendung. Die künstliche Beleuchtung von Arbeitsstätten fällt immer von der Decke nach unten. Die Beleuchtung durch das Tageslicht fällt zwar vornehmlich vertikal ein, aber genau deswegen werden die Arbeitsplätze so angeordnet, dass der Lichteinfall ins Auge am geringsten ist.

Die im obigen Bild eingezeichnete Ausrichtung des Auges entspricht nicht der Arbeitshaltung. Diese ist in allen Abbildungen in der Lichttechnik, die z.B. die Blendung darstellen, weit nach unten geneigt. In der Ergonomie ist ein Gesamtneigungenwinkel für das Auge von 35° zur Horizontalen genormt (DIN EN 9241-5:1998). Bei der Revision der gleichen Norm im Jahr 2024 änderte sich der Winkel nicht. Das bedeutet, dass bei einer korrekten Kopfhaltung am Arbeitsplatz das künstliche Licht nur geringfügig wirksam werden kann. Nur das Licht, das in dem Bereich zwischen der Horizontalen und 10º darüber einfällt, trifft den melanopisch günstigen Bereich im Auge. Nicht alle alles Licht von den Fenstern gehört dazu. Und nichts von der Beleuchtung an der Decke.

Die in dem Bild gezeigte Anordnung der Arbeitsplätze gilt nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Ländern, deren Büros vornehmlich mit Tageslicht beleuchtet werden, als eine Art „Optimum“ zwischen der Tagesbeleuchtung und der Sichtverbindung auf der positiven Seite und der Blendung durch den Himmel und die Sonne auf der negativen. Auch die Beleuchtung mit dem künstlichen Licht folgt dieser Anordnung, indem man zwei Leuchtenreihen vom Fenster in das Rauminnere anordnet.

Wer also die Beleuchtung von Arbeitsstätten nach den neuen Erkenntnissen der Chronobiologie regeln will, muss nicht nur die künstliche Beleuchtung neu ordnen. Man müsste den Sinn der Beleuchtung überhaupt neu bestimmen.

Dies ist tatsächlich geschehen. So wurden die seit immer bestehende Zielsetzung der Beleuchtung sowie deren Definition geändert. Vermutlich seit der Erfindung der ersten Öllampe vor rund 17.000 Jahren diente die künstliche Beleuchtung dem Sehen. Die Definition der CIE entsprach genau dieser Verwendung: Von 1938 bis zum Jahr 2018 hieß es: „Beleuchtung – Anwendung von Licht, um Sehobjekte und Umgebungen des Menschen sichtbar zu machen.“ Seit 2018 ist Beleuchtung nur noch „Anwendung von Licht auf eine Szene, Objekte oder deren Umgebung“. Der Zweck der Anwendung wird nicht mehr angegeben.

Gründe für die Verschiebung der Revision von ISO 9241-6

Zu der Norm und den Gründen der (Nicht-)Revision

Wie schon oben erwähnt, dient diese Norm der Einordnung der Bedeutung und Ausführung der physikalischen Faktoren wie Beleuchtung, Klimatisierung, Lärm u.ä. für die Computerbenutzer. Die Norm verzichtet auf eigene Anforderungen, wie sie in den einzelnen (Branchen)Normen zu den behandelten Sachverhalten gestellt werden. Diese sind aus der Sicht des jeweiligen Gewerkes gestellt worden und stehen nicht selten mit denen der anderen Gewerke überkreuz. Will ein Planer bei der Besiedlung einer Arbeitsumgebung das Ganze i.S. der Nutzer optimieren, wäre seine Aufgabe praktisch unlösbar. Das ist aber der Auftrag von Büroplanern oder Designern für den Innenraum, und nicht die Erfüllung jeder Norm, die als auf einen Raum anwendbar erklärt worden ist.

Bei Anwendung von ISO 9241-6 können Lösungen, die im Einzelfall von bestimmten Anforderungen einer Branchennorm, z.B. aus den Bereichen Licht oder Akustik, abweichen, in ihrer Wirkung abgeschätzt und begründet werden. Ein solches Vorgehen ist nicht etwa ein Freibrief, um wohlüberlegte Regeln ignorieren zu dürfen. Es ist in der Architektur seit langem üblich und seit der Einführung der Gefährdungsbeurteilung im Arbeitsschutz am 21. August 1996 im neuen Arbeitsschutzgesetz methodisch angesagt.

Nach dem Prinzip der Gefährdungsbeurteilung wird nicht die Gesamtheit aller anwendbaren Normen und Regeln geprüft, indem man Checklisten abarbeitet, sondern die Wirkung einzelner Faktoren auf die Beschäftigten ermittelt. Die Prüfung ist auch keine einmalige Gelegenheit, um die Einhaltung aller Vorschriften formal abzuprüfen, sondern eine wiederkehrende mit dem Zweck, die Belastungen zu ermitteln und abzubauen.

Auch wenn die Einführung der Gefährdungsbeurteilung fast 30 Jahre her ist, haben selbst professionelle Organisationen ihren Sinn nur schlecht verstanden. Diejenigen, die Normen und sonstige Regeln schreiben, haben sie auch nicht verinnerlicht.

Zu dem Standard ISO/TR 9241-610

Erläuterung der Bedeutung nichtvisueller Wirkungen von Licht und Beleuchtung

Die Norm ISO 9241-6:1998 wurde entwickelt, um Leitlinien für die Arbeitsumgebung einschließlich der Beleuchtung zur Unterstützung des Sehvermögens zu geben. Seit der Entdeckung eines dritten Sensors im menschlichen Auge im Jahr 2001 haben umfangreiche Forschungen gezeigt, dass die Lichtexposition des Auges nicht nur die visuelle Wahrnehmung unterstützt, sondern auch viele Aspekte der menschlichen Physiologie und des Verhaltens beeinflusst, darunter circadiane Rhythmen, Wachsamkeit und Schlaf, Stimmung, neuroendokrine und kognitive Funktionen.

Benutzer interaktiver Systeme, die meist mindestens eine visuelle Anzeige alias Monitor enthalten, sind sowohl vom Licht, das ihre Arbeitsgeräte erzeugen, als auch von der Beleuchtung als Umweltfaktor betroffen. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse belegen, dass die Lichtexposition durch Arbeitsgeräte ein ähnliches Ausmaß erreichen kann wie die Umgebungsbeleuchtung (Brown et al., 2020). Solche Expositionen galten nie als Gefahr, weil die Intensitäten der Strahlungsquellen relativ gering sind. Dies gilt weiterhin für ihre Funktion, die das Sehen unterstützt.

Seit der Veröffentlichung des Internationalen Beleuchtungsvokabulars der CIE im Jahr 1938 wird Beleuchtung als die Verwendung von Licht zur Sichtbarmachung von Gegenständen definiert. In der 1987 veröffentlichten 4. Auflage lautete die Definition „Anwendung von Licht auf Szenen, Objekte oder deren Umgebung, damit diese gesehen werden können” (CIE, 1987). Die Rolle der Beleuchtung wurde in den letzten zwei Jahrzehnten vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Erkenntnisse gründlich überdacht, sodass die international anerkannte Definition in der letzten Fassung geändert werden musste (CIE, 2019). Die Definition lautet nun „Anwendung von Licht auf eine Szene, Objekte oder deren Umgebung“ (e ilv 17-559). Diese historisch einmalige Änderung der Aufgabe der Beleuchtung wurde nicht einmal in Fachkreisen diskutiert oder kommuniziert.

Der nun fehlende Teil der Definition „… damit sie gesehen werden können“ wurde aufgrund der neuen, zusätzlichen Rolle des Lichts gestrichen. Sowohl Wissenschaftler als auch Praktiker fordern, dass bei der Gestaltung der Beleuchtung gesundheitliche Auswirkungen berücksichtigt werden. Derzeit ist „Licht und Gesundheit“ zu einem Slogan geworden, der auf das neue Ziel hinweist. Dies kann als Berücksichtigung und Unterstützung der menschlichen circadianen Rhythmen charakterisiert werden, die von der circadianen Uhr gesteuert werden. Obwohl solche Rhythmen seit Jahrzehnten untersucht werden, wurde die Entdeckung der molekularen Mechanismen, die sie steuern, 2017 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Die Illustration des Nobelpreiskomitees kann auch als kurze Beschreibung für dieses Dokument dienen: „Diese Uhr [zirkadiane Uhr] hilft bei der Regulierung von Schlafmustern, Fressverhalten, Hormonausschüttung, Blutdruck und Körpertemperatur.

Ein großer Teil unserer Gene wird von dieser Uhr reguliert.“

Bild: Die circadiane Uhr (auch als circadianer Oszillator bekannt) und ihre Auswirkungen auf unsere Physiologie (aus der Presseerklärung des Nobelpreiskomitees, übersetzt)

Zur Geschichte der Nobelpreise für Medizin oder Physiologie und Licht

Es sei darauf hingewiesen, dass der erste Nobelpreis für Medizin 1903 an Niels Ryberg Finsen für seinen Beitrag zur Behandlung von Krankheiten mit optischer Strahlung verliehen wurde. Die neue Rolle des Lichts wurde nicht nur von Wissenschaftlern, sondern auch von verschiedenen Institutionen berücksichtigt, die sich mit Ergonomie, Arbeitsorganisation, Sicherheit und Gesundheit befassen. Aufgrund der Vielzahl relevanter Quellen wurde dieses Dokument auf der Grundlage von Dokumenten erstellt, die die veröffentlichten Ergebnisse von Expertenbewertungen der Literatur mit einer guten allgemeinen Übereinstimmung darstellen, obwohl sie mit einem Zeitunterschied von mehr als einem Jahrzehnt veröffentlicht wurden.

Der Standard ISO/TR 9241-610 „Auswirkungen von Licht und Beleuchtung auf Nutzer interaktiver Systeme“ bietet Anwendern interaktiver Systeme, also allen Computerbenutzern, eine Zusammenfassung des aktuellen Wissensstands zu ergonomischen Überlegungen hinsichtlich des Einflusses künstlicher (elektrischer) und natürlicher Beleuchtung von Umgebungen auf den Menschen, abgesehen vom Sehvermögen, mit dem Schwerpunkt auf nichtvisuellen Wirkungen.

Das Dokument kann darüber hinaus als Leitfaden für die Spezifizierung von Nutzungsumgebungen unter Berücksichtigung nicht-visueller Auswirkungen der Beleuchtung, auch als nicht-bildgebende Funktionen (NIF) bezeichnet, verwendet werden. Die therapeutische Nutzung von Licht und optischer Strahlung ist nicht Bestandteil dieses Dokuments.

Warum die Norm ISO 9241-6 dennoch nicht revidiert werden kann

Vielfalt an nichtvisuellen Wirkungen nicht adressiert

In der Vergangenheit wurde eine Vielfalt an nichtvisuellen Wirkungen des Lichts nachgewiesen, die sich nicht auf die Beleuchtung am Arbeitsplatz beschränken. Diese sind u.a.

  • die Hormonausschüttung verändern, wobei Melatonin das wichtigste Hormon ist, das viele physiologische Prozesse auslöst;
  • die „biologische“ Zeit des Menschen durch Beeinflussung des Tagesrhythmus einstellen und zurücksetzen;
  • wichtige Parameter des menschlichen Körpers wie die Körperkerntemperatur beeinflussen;
  • den thermischen Komfort durch Beeinflussung der Hauttemperatur beeinflussen;
  • die Gehirnaktivität über das für das Sehen übliche Maß hinaus beeinflussen;
  • die Herzaktivität beeinflussen;
  • den Geschmackssinn verändern;
  • die Stimmung und Erregung beeinflussen;
  • langfristige biologische Auswirkungen wie die Entstehung oder Hemmung bestimmter Krebsarten oder das Körperwachstum von Kindern verursachen oder auslösen.

 

Die meisten dieser Wirkungen wurden unter Laborbedingungen untersucht. In der Lichttechnik herrscht die Meinung, dass dies Lichtwirkungen seien. Allerdings ist Licht in Bezug auf nichtvisuelle Wirkungen falsch definiert. Es umfasst nur den Bereich der sichtbaren Strahlungen, während eine Expertenkommission der IES (Illuminating Engineering Society) im Jahr 2008 wie im Jahr 2018 bestimmt hat, dass für die Betrachtung der nichtvisuellen Wirkungen das gesamte optische Spektrum berücksichtigt werden muss. (Figueiro, M. G., Brainard, G. C., Lockley, S. W., Revell, V. L., & White, R. (2008). IES TM-18-08 Light and Human Health: An Overview of the Impact of Optical Radiation on Visual, Circadian, Neuroendocrine, and Neurobehavioral Responses. Illuminating Engineering Society of America)

Dieser Aspekt ist fundamental. Denn die CIE-Definition von Licht als sichtbare Strahlung wird nur von ihr und in Teilen der Lichttechnik geteilt. Die IES schrieb schon 1947, dass die CIE-Definition nur für die Zwecke der Beleuchtungstechnik für Menschen zum Sehen gilt. (The Lighting Handbook, Illuminating Engineering Society of North America, Ausgabe 1947, The Standard Lighting Guide.) Das Konzept der CIE beruht zwar auf „Tageslicht“, aber dieses ist nicht etwa das, was Menschen und Tiere draußen erleben, sondern eine Standardstrahlung mit der Farbtemperatur 6504 K (D65), die dem Himmel über Wien im Juni entspricht, allerdings ohne die Anteile von UV und IR. Das Normlicht selbst schließt aber die Strahlung von 300 nm bis 830 nm ein. Eine Lampe, die als „D65“ verkauft wird, muss aber nicht notwendigerweise UV enthalten. Jemand, der ein solches Licht, „Tageslicht“, für seine Studien benutzt, muss nur den Bereich von 380 nm bis 780 nm berücksichtigen. Selbst wenn er das nicht weiß, werden seine lichttechnischen Messgeräte nur diesen Bereich messen. Es ist zumindest verwirrend, dass das "Licht" gemäß CIE nicht alles enthält, was die CIE als Normlichtart definiert.

Da Versuche mit realen Lampen gefahren werden und nicht mit theoretischen Normlichtarten, darf man davon ausgehen, dass die Erkenntnisse auf sichtbarem Licht beruhen. Eine große Vielfalt von biologischen Prozessen wird jedoch von den Strahlungsanteilen UV und IR beeinflusst, was man an den therapeutischen Methoden mit diesen Strahlungen sehen kann. Es ist daher nicht sinnvoll, sich auf Licht als Ursache zu beschränken, sofern dies nicht nachgewiesen wurde.

Ein solcher Nachweis wäre zu schwer zu erbringen, weil das natürliche Licht in seinem Tagesrhythmus wiederkehrende Rhythmen auch für diese Strahlungen einschließt. D.h., ein klarer Sonnentag beginnt morgens mit einer “blauen Stunde“, die bei Sonnenaufgang in Gold-Gelb bis Orange übergeht. Dies wird begleitet von einer Zunahme der Beleuchtungsstärke. Die Morgensonne entspricht der Lichtfarbe Neutralweiß, sie wird mittags recht weiß. Bei Sonnenhöchststand erreicht sowohl das Licht als auch die UV-Strahlung das Maximum. Das Licht wird am Nachmittag gelblicher. Und abends sieht man eben das Abendrot. Etwa 60 % bis 75 % der gesamten täglichen UV-Dosis fallen in die Zeit von zwei Stunden vor bis zwei Stunden nach dem Sonnenhöchststand. Den absoluten Peak erreicht die Strahlung am „astronomischen Mittag“ (meist gegen 13:00 Uhr Sommerzeit), wenn der Weg der Sonnenstrahlen durch die Atmosphäre am kürzesten ist. Die Temperaturentwicklung der Luft folgt derjenigen der Strahlung mit etwa 3 Stunden Verzögerung.

Vielfalt an „Tageslichtern“

Das folgende Bild zeigt diverse „Tageslichter“, wovon D65 der übliche Standard ist. Tageslicht in der Fotografie und im Druckwesen ist D50. Autolacke werden mit D55 geprüft, was dem Tageslicht mit Sonnenlicht näherkommt. Die US-amerikanische Industrie benutzt auch gerne D75, um Stoffe mit höherem Blauanteil zu prüfen.

Solche Fakten waren bei keiner Untersuchung der circadianen Wirkung von Licht und Beleuchtung ein Thema gewesen. Die Forschenden wären froh gewesen, hätten sie überhaupt das Licht korrekt messen können, denn die Wellenlänge der wirksamen Strahlung liegt in dem Bereich, wo die Lichtmessgeräte ihre größten Fehler haben. Zudem ist die Bestimmung des Lichts, das in das Auge eintritt, eine Kunst für sich.

Andere biologische Rhythmen nicht berücksichtigt

Circadiane Rhythmen sind nicht die einzigen biologischen Rhythmen. Sie sind zudem nicht unabhängig von den anderen. Sie stehen in engem Zusammenhang mit den jährlich wiederkehrenden Rhythmen, den circannualen. Der circannuale Rhythmus (ca. 365 Tage) steuert langfristige Prozesse wie den Winterschlaf, den Vogelzug oder die Fortpflanzung. Damit ein Organismus weiß, in welcher Jahreszeit er sich befindet, muss er die Tageslänge (Photoperiode) messen.

So kann eine Optimierung des circadianen Rhythmus, wie er von den Chronobiologen empfohlen wurde, dem Körper die immerwährend gleiche Jahreszeit vortäuschen. Ob dies beim Menschen der Fall ist, wurde im Rahmen der Studien zu Licht und circadianem Rhythmus nicht thematisiert. Hierzu wären viel längere Untersuchungszeiträume erforderlich, was die Möglichkeiten der Forschenden stark einschränkt.

Der Körper besitzt ein circadianes Fenster der Lichtempfindlichkeit (meist etwa 12 Stunden nach Sonnenaufgang). Fällt das Tageslicht in dieses Fenster (lange Tage im Sommer), werden hormonelle Prozesse für den „Sommermodus“ ausgelöst. Bleibt es in diesem Fenster dunkel (kurze Tage im Winter), schaltet der Körper auf den „Wintermodus“ um. Hierbei spielt das Melatonin eine Vermittlerrolle. Melatonin wird nur nachts ausgeschüttet (das „Hormon der Dunkelheit“). Da die Nächte im Winter länger sind als im Sommer, ist auch das Melatonin-Signal im Winter zeitlich länger ausgedehnt. Das Gehirn (speziell die Hypophyse) „liest“ die Dauer des Melatonin-Signals aus und erfährt so, ob es gerade Winter oder Sommer ist.

Die Folgen dieser Prozesse kennt jeder, selbst wenn er unter fast künstlichen Bedingungen lebt. Die vom Menschen besiedelten Gebiete der Erde reichen vom Äquator bis tief in die Polargebiete. Die Länge der hellen Stunden am Tag variiert derart stark, dass ein über das Jahr gleichbleibendes Regime für die Beleuchtung kaum Sinn machen kann.

Aus diesen Gründen kann der derzeitige Zustand des Wissens der Beziehungen zwischen Beleuchtung und Körperrhythmen nicht hinreichen, um ein circadian wirksames Licht für alle zur Norm zu erklären. Dies bedeutet allerdings nicht, dass die Erkenntnisse individuell bzw. kontrolliert umgesetzt werden können.

Soziale Zeitgeber nicht berücksichtigt

Die physikalischen Zeitgeber sind die dominanten Faktoren, wobei der wichtigste Faktor "Licht" ist, allerdings definiert i.S. der Medizin. Der Tagesrhythmus des Menschen wird aber auch von einer Reihe sozialer Faktoren mitbestimmt, deren Rolle in keiner Untersuchung berücksichtig worden ist, obwohl der Begriff etwa so alt ist wie die Chronobiologie. Er wurde von Aschoff geprägt, der zu den Vätern der Disziplin gehört.

Dass sich solche Faktoren mächtig auswirken können, zeigt das sog. Mittagstief, auch Suppenkoma genannt. Es gehört zu den Schwankungen der Leistungsfähigkeit bei der Arbeit, die etwa in den 1920ern bekannt wurden. Der Tagesverlauf der wichtigsten von der Chronobiologie untersuchten Körperfunktion, der der Körperkerntemperatur, kennt kein Mittagstief. Es ist Folge der Ernährungsgewohnheiten.

Soziale Zeitgeber müssten bei den chronobiologischen Studien zumindest als Nebenwirkungen mituntersucht worden sein. Bei Maßnahmen, die die Beleuchtung von Arbeitsstätten mit der circadianen Rhythmik begründet werden, müssten sie berücksichtigt werden. Es sei denn, man weiß nach, dass ihre Wirkungen marginal sind. Ein solcher Nachweis wurde nicht einmal versucht.

Expositionsgeschichte (Memory Effekt des Körpers)

Die behaupteten wie auch die nachgewiesenen Wirkungen einer circadianen Beleuchtung beruhen wesentlich auf dem Gedächtnis des Körpers, das etwa 24 Stunden wirksam ist. D.h., ein momentanes Lichtereignis kann physiologisch Stunden später zur Wirkung kommen. Das ist z.B. ein Grund dafür, dass man viel Licht am frühen Morgen empfiehlt.

Diese Erkenntnis bedeutet in der Praxis, dass sich ein Lichtereignis während der Arbeitsszeit in dem Zeitraum danach auswirken kann und umgekehrt. Lichtplaner für Arbeitsstätten können aber nur für die Beleuchtung für die Arbeitszeit sorgen. Für die restliche Zeit gibt es keinen Lichtplaner. Arbeitgeber, die für die Beleuchtung am Arbeitsplatz verantwortlich sind, fühlen sich nicht für die Zeit danach verantwortlich und haben auch keine Handhabe dazu.

Es ist fraglich, ob es überhaupt statthaft ist, dass der Arbeitgeber eine “integrative“ Beleuchtung planen darf, also eine Beleuchtung, die nicht nur dafür sorgt, dass man gut sehen soll, sondern auch biologisch und psychologisch vorteilhaftes Licht schaffen will. Im Prinzip werden physikalische Umgebungsbedingungen so gestaltet, dass negative Wirkungen vermieden werden. So wird die Innenraumluft ggf. bereinigt, wenn Kontaminationen vorliegen, ansonsten soll sie der Außenluft entsprechen. Die Luft mit Düften zu versehen, damit sich die Beschäftigten wohlfühlen, gehört nicht dazu. Dafür sprechen auch die früheren Erfahrungen mit „Musik am Arbeitsplatz“. Diese wurde einst von der Firma Muzak angeboten und war in Hotels, in Supermärkten u.ä. üblich. Die Arbeitgeber wurden dem Verdacht ausgesetzt, ihre Mitarbeitenden zu manipulieren. Übrigens, dasselbe wurde von dem "integrativen" Licht behauptet, nur unter einem anderen Namen: Lichtdoping.

Der Memory-Effekt bedeutet zudem, dass die Einwirkung des Lichts, so man sie vorsieht, nicht ständig vorhanden sein muss. Das bedeutet u.a., dass man nicht alle Aufenthaltsbereiche mit „gesundem“ Licht ausstatten muss, sondern dafür sorgt, dass der circadiane Rhythmus normal bleibt. Anders als in dem Papier von Brown et al. gefordert, geht auch die CIE davon aus, dass circadiane Wirkungen eine bestimmte Exposition zu Licht mit einer bestimmten Dosis bedingen und keine ständige Bestrahlung.

Rolle der Bildschirme

Die Studien zu Licht und circadiane Rhythmik thematisieren selten die Rolle der Bildschirme. Deren Licht ist zwar nicht so intensiv wie das der Raumbeleuchtung, aber es enthält wesentlich mehr Blau. So hat man bei Studien „blau-angereichertes“ Licht mit 5000 K benutzt, während Bildschirme standardmäßig mit 9300 K betrieben werden. Zudem befinden sie sich bei der Arbeit fast immer im Zentrum des Arbeitsplatzes. Ihre Wirkung ist also relativ größer als die der Beleuchtungskörper, die man nie direkt anschauen muss.

Die Bildschirme spielen auch bei der Verteilung des circadian wirksamen Lichts (vertikal) eine Rolle. Sie schatten es teilweise ab. An vielen modernen Arbeitsplätzen wie dem hier abgebildeten bilden sie eine Wand vor dem Benutzer.

Wenn sie nicht so hoch angebracht sind, gibt es in den Räumen noch andere Hindernisse, so z.B. Schallschirme. Im nächsten Bild ist ein nicht unüblicher Raum abgebildet, der selbst am Tage eher nächtlich aussieht, obwohl er voll befenstert ist. Hier sorgen energieoptimierte Fenster in Tateinheit mit schalloptimierten Innenteilungen dafür, dass weder das Tageslicht noch das künstliche Licht ihre Wirkung entfalten können.

Praktisch entscheidend ist aber der Konflikt mit der Funktionalität der Bildschirme, die vom Licht in der vertikalen Ebene immer mehr oder weniger stark beeinträchtigt wird. Normen zu Bildschirmen behandeln diese bestenfalls für das Licht in der horizontalen Ebene, dahingehend, dass man es so anordnen kann, dass es die Bildschirme wenig stört. Zudem berücksichtigt keine Norm die Beeinträchtigung von Farben.

Für einen großen Teil der Arbeitswelt befindet sich die Sehaufgabe auf einem Bildschirm oder auf vielen. Diese brauchen keine Beleuchtung, weil sie selber leuchten. Ihre Funktion wird durch eine Beleuchtung mehr oder weniger stark gestört. In manchen Räumen braucht man Beleuchtung nur für Wartung und Reinigung.

Individuelle Unterschiede

Es ist bekannt, dass circadiane Rhythmen individuell sehr unterschiedlich sind. Diese Unterschiede betreffen u.a.

  • Die Person: Menschen können als Chronotyp zu Eulen (Spätaufsteher) bis Lerchen (Frühaufsteher) gehören, als Normaltyp gilt die Taube (in anderer Namensgebung der Bär).
  • Das Alter: Circadiane Rhythmen sind stark altersabhängig. Die meisten wechseln ihren Chronotypen im Laufe ihres Lebens.
  • Die Lichtabhängigkeit: Das menschliche Auge altert ständig, wobei sich mehrere Funktionen ändern, so auch die Transparenz der Augenmedien, die Lichtempfindlichkeit generell, Vergilben der Augenmedien usw.
  • Die interne Körperzeit: Für die circadiane Rhythmik ist die persönliche Körperzeit maßgeblich, für die Arbeitszeiten die soziale Zeit. Die Differenz zwischen den beiden nennt man den sozialen Jetlag. Dieser ist i.d.R. individuell unterschiedlich. (Mehr zum sozialen Jetlag hier.)

Wenn man eine Arbeitsstätte beleuchten will, muss bei jedem üblichen Arbeitsplatz mit Personen von 16 Jahren bis 67 Jahren gerechnet werden und mit allen Chronotypen. In Klassenräumen muss immer mit Personen unterschiedlichen Alters gerechnet werden. Wenn man eine positive Wirkung für eine bestimmte Gruppe erzielen will, können andere negativ beeinflusst werden.

Aussichten

Zumindest für Deutschland und für den deutschen Arbeitsschutz wird sich in den kommenden Jahren nur wenig hinsichtlich der Berücksichtigung der Erkenntnisse zu Licht und circadiane Rhythmik ändern. Der wesentliche Grund hierfür ist erfreulich: Ist ein Arbeitsraum nach deutschen Gesetzen gebaut und eingerichtet, hat dieser eine Sichtverbindung nach außen (ArbStättV). Ist dieser nach einer der Landesbauordnungen korrekt gestaltet, so ist ein Mindestniveau an Tageslicht gewährleistet.

Nach der Meinung des zuständigen Ausschusses (ASTA = Ausschuss für Arbeitsstätten) ist somit bezüglich der Tagesrhythmik hinreichend gesorgt. (ASTA Stellungnahme download) Das betrifft aber nicht das Licht in der Nacht. Nachdem diesbezügliche Projekte entweder versagt haben (PLACAR) oder kaum erfolgreich waren (Versuche der Berufsgenossenschaften mit Licht ohne Blauanteile), ist wenig Bewegung auf diesem Gebiet. Der Grund hierfür ist nicht etwa ein Ignorieren der Problematik. Er besteht insbesondere in der Verbreitung von Schichtarbeit in der Nacht, die sich immer weiter verbreitet. Auch im Bereich des Privatlebens stehen Lebensgewohnheiten großer Bevölkerungskreise einem “gesunden“ Lichtregime entgegen.

Wir haben somit kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. Leider ist das Letztere von fundamentaler Natur und das Bewusstsein für einen bestimmten Umgang mit Licht ist schwach ausgeprägt.

Hilfe zur Selbsthilfe

Dass bestimmte Erkenntnisse nicht für alle umgesetzt werden können, weil Menschen unterschiedlich sind, soll nicht heißen, dass individuelle Umsetzungen keine Aussicht haben. Im Falle des Lichts leiden viele darunter, dass die Arbeit immer mehr an den Computer übergegangen ist, sodass die Augen stärker in Anspruch genommen werden. Dass Licht im Arbeitsbereich häufig als Stressfaktor und als eine Beeinträchtigung der Gesundheit empfunden wird, ist seit den 1960er-Jahren bekannt und wurde vor drei Jahrzehnten in dem Forschungsbericht „Licht und Gesundheit“ nachgewiesen. (download Forschungsbericht) Aus diesen Gründen erwarte ich, dass es hinreichend viele Anwender für meine Empfehlungen gibt, die ich in den Standard ISO/TR 9241-610 geschmuggelt habe. Das sind die einzigen Empfehlungen, die in einem offiziellen Standard veröffentlicht werden konnten, weil sie die Regularien unterlaufen haben. Es wird zu jeder Erkenntnis ein entsprechend geeignetes Verhalten angeben: „Beispiele für nützliche Verhaltensweisen von Nutzern oder vorteilhafte Bedingungen für die physische Umgebung“

Erkenntnis Nützliches Verhalten/nützliche Umgebung
Circadiane Rhythmen werden durch den Hell-Dunkel-Wechsel des natürlichen Lichts gesteuert.
  • Die Sonne suchen. Insbesondere am Vormittag entfaltet das natürliche Licht die größte die größte Wirkung auf die Körperrhythmen.
  • Am Tage das Helle suchen, abends das Dunkle
Licht in den frühen Stunden des Tages entfaltet die größte circadiane Wirkung.
  • Am frühen Vormittag die Räume möglichst hell halten.
  • Pausen am Vormittag möglichst in nicht verglasten Bereichen des Hauses verbringen.
  • Während des Tages die Stärke der Beleuchtung ändern (hell vormittags, dunkler nachmittags
Künstliches Licht in der Nacht kann eine Gesundheitsgefahr sein.
  • Licht am Abend und in der Nacht möglichst vermeiden. Wenn man Licht braucht, soll es möglichst nicht direkt die Augen treffen.
  • Abends möglichst wärmeres Licht benutzen.
  • Abends Lichtquellen mit möglichst geringer sichtbarer Helligkeit benutzen (abgeschattet oder gedimmt).
Nur natürliches Licht enthält alle Teile der Strahlung, die viele biologische Wirkungen entfalten.
  • Sich dem natürlichen Licht aussetzen, wenn immer es möglich ist.
  • Pausen oder Arbeitsunterbrechungen in nicht verglasten Bereichen von Gebäuden verbringen.
Circadiane Wirkungen hängen vom Lichtspektrum ab.
  • Je nach Tageszeit unterschiedliche Beleuchtungen benutzen (wahlweise circadiane Wirkungen verstärken bzw. vermeiden).
  • Verstärken durch hellere Beleuchtung, höhere Lichtfarbe (kälteres Licht), Lichteinfall vorzugsweise von oben; vermeiden umgekehrt.
Licht von Bildschirmen entfaltet circadiane Wirkungen.
  • Am Abend und in der Nacht mit möglichst geringer Helligkeit betreiben. (Nachtmodus bei Bildschirmen und Handys)
  • Am Abend und in der Nacht mit niedrigerer Farbtemperatur betreiben (wärmeres Bild).
  • Bei Bedarf Filter-Apps benutzen (z.B. flux)
  • Bildschirme einsetzen, bei denen man circadiane Wirkungen gezielt ändern kann, ohne die Farben oder die Helligkeit stark zu ändern.
Circadiane Wirkungen hängen vom Alter ab.
  • Beleuchtung dem Alter anpassen (unterschiedlich nach Kleinkinder, Jugendliche, Erwachsene und Ältere).
Das Lichtniveau während des Tages meist zu gering.
  • Nähe zu Tageslicht suchen (z.B. Arbeitsplatz näher an Fenster rücken, Pausenbereiche mit Tageslicht versehen, Pausen bei Tageslicht verbringen)
  • Bei künstlichem Licht die Richtung ändern (stärker horizontal strahlen)
Der Körper hat ein Gedächtnis für die Beleuchtung.
  • Licht mit circadianer Wirkung je nach Bedarf begrenzen oder erhöhen.
  • Tageslicht vormittags verstärkt benutzen, nachmittags begrenzen.
Die räumliche Verteilung der Lichtquellen spielt bei der circadianen Wirkung eine wichtige Rolle.
  • Wenn tagsüber eine starke circadiane Wirkung erwünscht ist, größere Lichtquellen benutzen.
  • Abends und in der Nacht räumlich kleinere Lichtquellen benutzen (z.B. Tischleuchten, Arbeitsplatzleuchten)