Luxmania – Die elektrische Sonne am Zenit

Wir haben die Technologie von Göttern, aber die Institutionen von mittelalterlichen Menschen und die Instinkte von steinzeitlichen Jägern
Frei nach E.O. Wilson

 

Ein Artikel aus dem Light Magazine 1957 vermittelt ein Gefühl dafür, wie die elektrische Sonne in den Jahrzehnten ihrer Zenit-Wanderung propagiert wurde. Das Thema ist ein 400 fc-Zimmer, also ein Büroraum, in dem die Tische mit 4304 lx beleuchtet wurden (1 fc = 10,76 lx). In der Mitte des Raums wurde 480 fc = 5164,8 lx gemessen. Wenn in Hamburg im November “Schietwetter” herrscht, gibt es mittags 1.000 bis 3.000 lx, an einem leicht bewölkten schönen Novembertag gibt es 5.000 bis 8.000 lx. Ergo hat man das Tageslicht am Mittag übertroffen.

Nicht nur das. Der direkte Vergleich mit den Bedingungen draußen wird fotografisch dokumentiert. Der Kommentar lautet, als hätte Luckiesh ihn selbst geschrieben, draußen wäre es schön gewesen, wäre der Blick in den Westen nicht mit Blendung verbunden gewesen. Man war glücklich, wieder im Büro zu sein, wo man das Licht mit Thyristoren dimmen kann. Hier der Vergleich (bitte nachsehen, dass die Bilder in die Jahre gekommen sind, photoshoppen wollte ich nicht).

Netterweise zeigt der Artikel wichtige Details wie die Leuchtdichte auf dem Schreibtisch mit 300 fL = 1.027,8 cd/m2. Das ist etwa die dreieinhalb-fache Leuchtdichte des Fensters. Die Decke des Raums mit 685 cd/m² schafft es zwar nicht in die Nähe des Mittagshimmels im Sommer, aber mit dem Novemberhimmel in Hamburg bei Schiet-Wetter kann sie es locker aufnehmen.

Jetzt zum nötigen Kleingeld: Diese Musterbude mit einer Fläche von 23,5 m² wurde mit 96 Lampen à 40 W beleuchtet. Die Anschlussleistung wird mit 5.400 W angegeben. Das sind stolze 230 W/m². Heute kommt ein Passivhaus mit einer Heizleistung von 10 – 15 W/m² aus, energiefressender Altbau braucht 100 – 120 W/m² . Die Beleuchtung übertrifft also die Heizleistung für einen schlecht isolierten Altbau um das Doppelte.

Die hier betrachtete Beleuchtung wurde in einem Büro von G.E. installiert. Am Ende des Artikels wird angegeben, dass noch weitere Kandidaten dem 400fc-Club beitreten wollen. Der nächste Kandidat wäre ein Bürohaus der Cleveland Electric Illuminating Company. Wer denkt, dass solche Träume nur in den USA geträumt wurden, irrt. In dem AEG-Labor in Springe stand ein Versuchsraum mit 4.000 lx beleuchtet als Schauobjekt. Der Ersteller dieses Raums baute ein paar Jahre später die Beleuchtung des Großraumbüros des Beamtenheimstättenwerks in Hameln. Er war zeitlebens stolz auf diese Leistung. Er hätte am liebsten alle 4.000 lx installiert, durfte jedoch nur 1.200 lx planen.

Wie hat der Betreiber den Erfolg erlebt? Als wir ihn fragten, ob wir die Beleuchtung untersuchen dürfen, bekamen wir die Antwort: „Bitte sehen Sie davon ab, wir wissen Bescheid.“ Viel deutlicher war eine Teilnehmerin einer Schulung bei einer Berufsgenossenschaft. Sie sagte: „Ich habe nichts mit Beleuchtung zu tun. Mein Vater hat in Hameln gearbeitet und erzählte immer, die Beleuchtung hätte sein Leben ruiniert. Ich will nur erfahren, warum er so was erzählt hat.

Der zitierte Artikel ist im Mai  1957 in den USA erschienen. Zu diesem Zeitraum waren die deutschen Ansprüche noch bescheiden, die LiTG absolvierte gerade ihre 1000-lx-Kampagne. In deutschen Städten veranstalteten die Energieversorger zusammen mit der lichttechnischen Industrie Werbeveranstaltungen für viel Licht (und elektrisches Kochen). Man erzählte, die Amerikaner hätten 10.000 lx im Visier. Zum Glück ist es bei Erzählungen geblieben.

(download Faximile des Artikels)

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