Kommentare zu den Kapiteln

Der Inhalt dieser Website besteht aus dem Haupttext, der in Seiten gegliedert ist, und zahlreichen Fußnoten und Links, die zusammen einen größeren Inhalt repräsentieren.

Einzelne Aspekte werde ich nach Bedarf in Blogbeiträgen erklären. Dies erfolgt z.B. wenn neue Erkenntnisse auftauchen, die eine andere Sicht fordern als im veröffentlichten Buch eingenommen.

Gerne nehme ich auch Gastbeiträge an, die den Inhalt aus anderer Sicht darstellen wollen. Diese dürfen keinen kommerziellen Hintergrund haben. Ansonsten gebe ich die Beiträge unkommentiert wieder. Geprüft wird nur, ob der Inhalt Beleidigendes, Persönliches oder Strafbares enthält.

Blendung reloaded

Der sicherste Ort für Schiffe ist der Hafen.
Dafür werden die Schiffe aber nicht gebaut.
Anonymus

Blendung reloaded , kurzgefasst

Der Beitrag untersucht die wissenschaftliche Aussagekraft etablierter Verfahren zur Bewertung psychologischer Blendung in Innenräumen, insbesondere des Unified Glare Rating (UGR). Ausgangspunkt ist die methodische Unterscheidung zwischen Reliabilität, also der Zuverlässigkeit und Wiederholbarkeit einer Messung, und Validität, das heißt ihrer inhaltlichen Gültigkeit. Historisch entstand UGR aus älteren nationalen Modellen wie BGI, VCP und dem Söllner-Verfahren, um eine international einheitliche Bewertung zu ermöglichen. Der Index berücksichtigt Hintergrundleuchtdichte, mittlere Leuchtdichte, Größe und Position von Leuchten. Seine tabellarische Anwendung setzt jedoch standardisierte Raumgeometrien, Reflexionsgrade und regelmäßige Anordnungen eines Leuchtentyps voraus.

Die Analyse zeigt erhebliche Anwendungsgrenzen: Sehr kleine, großflächige oder inhomogen leuchtende Quellen sowie indirekte Beleuchtung werden unzureichend erfasst. Zudem ist UGR keine reine Leuchteneigenschaft, sondern von Raum, Anlage und Beobachterposition abhängig. Besonders problematisch sind große interindividuelle Streuungen in Probandenstudien, die Genauigkeit und Wiederholbarkeit der Blendungsurteile begrenzen. Damit wird bereits die Reliabilität infrage gestellt; ohne hinreichende Reliabilität ist eine Validierung des Verfahrens methodisch nicht möglich. Untersuchungen berichten darüber hinaus eine geringe Übereinstimmung vorhandener Blendindizes mit subjektiven Bewertungen, insbesondere bei komplexen Mehrleuchtensituationen und LED-Systemen.

Die praktischen Folgen reichen über momentanes Unbehagen hinaus. Beschäftigte verändern Beleuchtung, Arbeitsplätze oder Körperhaltung, um Direkt- und Reflexblendung zu vermeiden; mögliche Konsequenzen sind visuelle Ermüdung, Beschwerden des Bewegungsapparats und eine geringe Akzeptanz konventioneller Bürobeleuchtung. Ergebnisse aus Arbeitsumgebungen deuten darauf hin, dass formal gut entblendete Direktbeleuchtung dennoch stärkere Belastungen hervorrufen kann als indirekte oder individuell beeinflussbare Systeme. Eine ausschließlich auf UGR-Grenzwerte gestützte Planung unterschätzt daher die Wechselwirkungen zwischen Blendung, Kontrast, Reflexionen, Flimmern, spektraler Lichtwirkung, Bildschirmarbeit und fehlender Nutzerkontrolle. Erforderlich sind neue Bewertungsansätze, die reale Arbeitsaufgaben, zeitabhängige Belastungen, individuelle Unterschiede und weitere visuelle Stressoren integrieren. Bis zu einer solchen Neuformulierung sollten UGR-Werte nicht als präzise oder universell gültige Komfortkennzahlen interpretiert werden, sondern lediglich als begrenzte Planungsindikatoren innerhalb ihres definierten Anwendungsbereichs.

Blendung reloaded

Zum Thema

Nachdem die CIE in ihrem Standard “Research Roadmap for Healthful Interior Lighting Applications” (CIE 218:2016) die Blendung als eine Art Gesundheitsgefährdung identifiziert hat, wurden Forschungsarbeiten initiiert, um das Thema tiefergehend zu untersuchen.

Bei der 100-Jahr-Feier der LiTG 2012 hatte Völker sogar eine grundlegende Betrachtung des Phänomens gefordert: „Der vorliegende Beitrag zeigt, dass es möglich scheint, die vorhandenen Blendungsbewertungsmodelle auf ein Modell zurückzuführen. Zurzeit fehlen noch einige Einflussgrößen, welche aber bereits in Kürze vorliegen dürften. Diese müssen anschließend für alle Anwendungsfälle (Innen-, Außen-, Kfz-, Sportstättenbeleuchtung, etc.) validiert werden.“ (Stephan Völker: Blendung – Ein Rückblick über 100 Jahre Forschung. Licht 2012 Gemeinschaftstagung)

In dem Buch Genesis 2.0 – Schöpfung der elektrischen Sonne wurde die Blendung ausführlich betrachtet (Blendung – Was ich schon immer wusste und nie nachfragen wollte). Ein gewichtiger Teil des Kapitels zur Blendung behandelte das Problem der Validität der Blendungsbewertung in der Lichttechnik. Auch wenn die Lichttechnik unter einem generellen Validitätsproblem für alle ihre Größen leidet, weil keine lichttechnische Größe ein physiologisches Äquivalent hat, stellt sich die Frage insbesondere bei der Blendung dar, weil diese als Kenngröße für Leuchten angegeben wird, die eine Empfindung kennzeichnen soll. Was nützt eine Größe, wenn man nicht weiß, was sie bedeutet?

Methodisches

Bei jeder Messgröße, auch bei physikalischen Größen wie Gewicht oder Geschwindigkeit, muss man zunächst die Frage stellen, ob sie zuverlässig ermittelt worden ist. Dies nennt sich für alle Größen Reliabilität. Bei wichtigen Größen wie Zeit oder Gewicht beschäftigen sich mit der Reliabilität der Messung ganze Behörden, allen voran die Physikalisch-technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. Die Anstalt ist der Nachfolger der Physikalisch-technischen Reichsanstalt, deren Gründung Werner von Siemens persönlich betrieben hat. Sie gibt die richtige Bestimmung aller wichtigen  Größen an. Staatliche Eichämter, staatliche bzw. behördliche Stellen, sorgen dafür, dass Messgeräte im öffentlichen Bereich korrekt, ehrlich und verlässlich funktionieren.

Reliabilität ist die notwendige Voraussetzung dafür, dass eine Messgröße überhaupt in Betracht gezogen werden kann. Was nicht zuverlässig und mit einer berechenbaren Genauigkeit gemessen werden kann, verdient keine weitere Beachtung.

Ist eine Größe mit hinreichender Präzision (z.B. 100 g ± 0,5 g) gemessen, also reliabel, stellt sich die Frage, was sie bedeutet. So wird die in Gramm angegebene Größe meist als Gewicht interpretiert. Tatsächlich handelt es sich dabei aber um die Masse. Diese bleibt überall im Universum gleich, während sich das Gewicht von Ort zu Ort ändert.

Die Bedeutung einer Messgröße nennt man die Validität (= Gültigkeit). So ist die in Gramm gemessene Menge definitionsgemäß die Masse. Da sich auf der Erde das Gewicht relativ wenig von Ort zu Ort ändert, kann man die Messgröße auch als Gewicht interpretieren. So kann man durch die Massenbestimmung auch ein (hinreichend) valides Maß für das Gewicht eines Gegenstandes bekommen.

Bei der Bestimmung der Blendung mit Hilfe von Probanden muss man sich zunächst um die Reliabilität bemühen. D.h., wenn man heute in Berlin die Blendung einer Beleuchtung mit einer Gruppe von Menschen bestimmt, muss die Bewertung der gleichen Technik an jedem Ort der Welt und zu jeder Zeit dasselbe Ergebnis bringen.

Hat man ein solches reliables[1] Instrument entwickelt, was z.B. der Blendungsskala nach Hopkinson oder nach de Boer nachgesagt wird, stellt sich die Frage der Validität. Welche Empfindung misst die de Boer-Skala? Die Antwort könnte heißen: Die de-Boer-Skala misst die Stärke der Störung durch eine Beleuchtung.

Eine weitergehende Interpretation der Störung erhält keinen methodischen Namen mehr. Es sei denn, man möchte die Ermüdung messen, die durch die Blendung verursacht wird. Oder weitere Folgen.

Zum UGR-Verfahren

Das UGR-Verfahren ist das heute gültige, in der Normung eingesetzte Blendungsbewertungsverfahren. Es wurde aus den in mehreren Ländern üblichen Verfahren auf dem Papier zusammengesetzt. Es bewertet die sog. psychologische Blendung. Sofern man eine Blendungserscheinung mit physiologischen Phänomenen erklären konnte, wurde die Blendung “physiologisch“ genannt. Jede Lichterzeugung kann mit einer Blendung verbunden sein. Das gilt selbst für angenehme Lichter wie das der Kerze. Auch das von vielen hochgeschätzte Lagerfeuer erzeugt neben Licht und Wärme auch Blendung. Die Lichttechnik entschied sich sehr früh, die negativen Erscheinungen als Blendung zu erklären und diese gezielt zu vermeiden. Dafür muss die Blendung der Lichtquellen systematisch bewertet werden.

Die Blendungsbewertung erhielt in den 1940er Jahren eine neue Bedeutung für die Hersteller von Lampen und Leuchten, weil eine neue Generation von Lampen die Arbeitswelt eroberte, die Quecksilberdampfniederdrucklampe. Sie wurde in der Technik Leuchtstofflampe genannt, im Volksmund hieß sie Neonlampe.

Eines der ersten Blendungsbewertungsverfahren wurde von der Building Research Station (BRS) in Großbritannien entwickelt, der British Glare Index (BGI). Es beruhte auf einer empirischen Formel zur Addition der Blendwirkung aller im Gesichtsfeld befindlichen Lichtquellen.

In den USA und Nordamerika war (und ist teilweise noch) das VCP-Verfahren (VCP = Visual Comfort Probability, also die Wahrscheinlichkeit für den visuellen Komfort, was das auch sein mag) der verankerte Standard der IESNA (Illuminating Engineering Society of North America). VCP drückt die Blendungsbewertung als Prozentwert aus. Ein VCP-Wert von z. B. 70 bedeutet, dass voraussichtlich 70 % der Raumnutzer die Beleuchtungsanlage hinsichtlich der Blendung als komfortabel bzw. nicht störend empfinden.[2] Das VCP-System ist das mathematische und empirische Ergebnis der Forschungen von Guth. Guth legte in den 1940er- bis 1960er-Jahren am Nela Park Lighting Institute von General Electric die wissenschaftlichen Grundlagen, auf denen das VCP-Verfahren als US-Standard (durch die IESNA) aufgebaut wurde.

Das ursprüngliche System von Guth lieferte einen abstrakten Indexwert für die Blendung, die eine Lichtquelle im Raum verursachte. Um daraus ein praxistaugliches Bewertungsverfahren für Lichtplaner zu machen, wurde in den 1960er-Jahren daraus das VCP-System geformt.

Einen anderen Weg nahm man in Deutschland, wo die Hersteller eine Kennzeichnung ihrer Leuchten anstrebten. Die Absicht war, Güteklassen für Leuchten zu etablieren (Klassen 1, 2 und 3), so wurde in Deutschland, Österreich und vielen europäischen Ländern das nach H. Söllner benannte Verfahren über Jahrzehnte der maßgebliche Standard (verankert u. a. in der alten DIN 5035). Es ermittelte die psychologische Blendung über das sogenannte Söllner-Diagramm. Das Söllner-Verfahren bewertete lediglich die Einzelleuchte und das Entblendungsverhalten einer gesamten regelmäßigen Leuchtenanordnung in einem Raum. Die tatsächliche Raumgeometrie, die Anzahl der Leuchten im Raum oder die Reflexionsgrade von Decken und Wänden wurden im Gegensatz zum UGR-Verfahren nicht dynamisch verrechnet. Dies entsprach durchaus den Zielen der Industrie, die Leuchten mit einer Güteklasse bezüglich Blendung vertreiben wollte.[3]

Die scheinbare Vielfalt an Blendungsbewertungsverfahren war hinderlich für einen weltweiten Handel mit Leuchten. Dies ist umso schlimmer, weil die lichttechnische Größe, die für die Blendung maßgeblich erachtet wurde, die Leuchtdichte einer Leuchte aus einer bestimmten Blickrichtung, bis heute nicht messbar ist. Theoretisch kann man die räumliche Verteilung der Leuchtdichte jedes Objekts messen, wenn man die notwendigen Mittel besitzt. Leider ergibt sich daraus eine große Datenmenge, die recht schlecht handhabbar ist. Daraus entstand der Wunsch der CIE, zunächst eine einheitliche Methode zu finden, um die Blendung zu bewerten. Daher der Name UGR für das zu findende Verfahren. UGR bedeutet unified glare rating, d.h. die vereinheitlichte Blendungbewertung.

Der UGR-Wert beschreibt die Gesamtwirkung aller im Raum befindlichen Leuchten auf das Auge einer Person. Er errechnet sich über eine Formel, in der die Hintergrundleuchtdichte, die mittlere Leuchtdichte[4] der leuchtenden Fläche der jeweiligen Leuchte in Richtung des Betrachters und deren Ausdehnung sowie die Position im Raum berücksichtigt werden.

Die Berechnung kann mit einem Computerprogramm vorgenommen werden (z.B. DIALux oder Relux). Daraus ergibt sich immer noch keine Größe, mit deren Hilfe man unterschiedliche Anlagen schnell vergleichen kann. Daher wurde nach dem Wunsch der Hersteller ein Tabellenverfahren mit standardisierten UGR-Tabellen  entwickelt. Es geht von einem rechteckigen Raum mit festen Reflexionsgraden (z. B. Decke 70 %, Wand 50 %, Boden 20 %) aus. Das Ergebnis ist aussagekräftig nur für regelmäßige Rasteranordnungen eines einzelnen Leuchtentyps und nur dann, wenn die Leuchtdichte recht gleichmäßig ist.

Kritik an der Mechanik des Verfahrens

Das UGR-Verfahren erlaubt es nicht, beliebige Beleuchtungsanlagen miteinander zu vergleichen. Die wichtigsten bekannten Kritikpunkte sind:

  • Sehr kleine / punktförmige Lichtquellen: Für extrem kleine Hochleistungs-LEDs oder Spotlights überschätzt die Formel die Blendung, weshalb sie formell nicht angewendet werden darf.
  • Großflächige Lichtquellen: Lichtdecken oder breitflächig leuchtende Segmente fallen ebenfalls außerhalb des Anwendungsbereichs klassischer UGR-Tabellen.
  • Indirekte Beleuchtung wird nicht erfasst.
  • Inhomogene Oberflächen: Leuchten mit punktueller Leuchtdichteverteilung (z. B. klare Linsenraster vor einzelnen LEDs) werden durch die gemittelte Leuchtdichte nicht realitätsnah erfasst.
  • UGR ist KEINE reine Leuchteneigenschaft, wird aber als solche verkauft: Häufig wird z. geworben mit "UGR < 19 Leuchte". Physikalisch ist UGR jedoch eine Raum- und Anlageneigenschaft. Eine Leuchte kann in einem kleinen, dunklen Raum den Wert 19 überschreiten, während sie in einem großen, hellen Büro darunter bleibt.

 

Die angeführten Kritikpunkte gehen allerdings davon aus, dass die Bestimmung des UGR-Wertes ein valides Verfahren ist. Wie schon angeführt, bestehen daran nicht nur Zweifel.

Reliabilität der Blendungsbewertung

Die Erfassung der Reaktionen der Probanden auf die Blendung erfolgt auf einer simplen eindimensionalen Skala. Sie ist bei allen Verfahren ähnlich aufgebaut und besitzt einen Mittelpunkt, dessen Name die Absicht der Forschenden verrät. Beispielsweise sieht die in der Straßenbeleuchtung häufig benutzte de-Boer-Skala wie folgt aus:

Der Proband sitzt meist in einem leeren Raum und wird gebeten, die empfundene Störung durch eine Leuchte auf dieser Skala zu markieren. Die Mitte der Skala heißt hier “gerade zulässig”, bei Guth und Hopkinson hieß sie BCD = border between comfort and discomfort, also die Grenze zwischen behaglich und unbehaglich. Warum jemand eine Störung als zulässig erachten soll, erschließt sich mir nicht.

Unten im Bild sind zwei Untersuchungsräume abgebildet, deren Alter sich um mehrere Jahrzehnte unterscheidet:

Links ist die Versuchsanordnung zu sehen, die von Forschenden wie Guth benutzt wurde. Rechts ist eine Anordnung zu sehen, die nach 2010 in Deutschland benutzt wurde.

Wenn ein Mensch in einem dieser Räume sitzend etwas bewerten soll, das ein Gefühl der Behaglichkeit (visual comfort = visuelle Behaglichkeit) ausdrückt, muss ihm sehr genau gesagt werden, was er denn beurteilen soll. Wenn einem dabei noch der Kopf fixiert wird (im rechten Bild deutlich erkennbar), ist es sehr schwierig, sich ein Gefühl der Behaglichkeit überhaupt vorzustellen.

Probandenstudien zeigen regelmäßig, dass bei exakt demselben UGR-Wert im Raum die Bewertung unterschiedlicher Personen enorm schwankt – von "völlig unproblematisch" bis "störend blendend". Das war bei den Vorgängerversionen der Blendungsbewertung nicht anders. So wird in der LiTG-Schrift zum UGR-Verfahren ausgesagt: “Es ist auch anzumerken, dass bei der Bewertung von Blendsituationen durch Beobachterkollektive große Streuungen auftreten, die nur eine begrenzte Genauigkeit und Wiederholbarkeit der Ergebnisse zulassen.” (Das UGR-Verfahren, LiTG-Publikation 20:2003).

Diese Aussage bedeutet schlicht, dass die LiTG-Fachleute, die das UGR-Verfahren beurteilt haben, die Reliabilität der Verfahren zur Blendungsbewertung eher verneinen.

Eigentlich müsste man an dieser Stelle aufhören und von weiteren Betrachtungen absehen. Denn was nicht reliabel gemessen werden kann, kann nicht validiert werden. Dummerweise wird das die Fachleute nicht davon abhalten, immer wieder die gleichen Untersuchungen anzustellen. Zudem geben die Hersteller den UGR-Wert in ihren Katalogen sogar dreistellig an und täuschen eine Genauigkeit einer Messgröße vor, die man nicht einmal zuverlässig ermitteln kann.

Zur Validität der Blendungsbewertung

Hierzu sagt das folgende Statement sehr viel aus: Die psychologische Blendung ist eine extrem bedeutsame Eigenschaft der künstlichen Beleuchtung, aber ein schlecht verstandener Begriff. Die in der Praxis eingesetzten Verfahren sind veraltet und nachweislich nicht valide. Dies gilt für die früher entwickelten Verfahren aus den 1940er- bis 1960er-Jahren genauso wie für das aus ihnen abgeleitete UGR-Verfahren.

Untersuchungen zur Validität der UGR-Werte ergeben ein recht vernichtendes Urteil wie das folgende Beispiel: „Blendungsmodelle wurden nach fehlenden Untersuchungsbedingungen und Inkonsistenzen geprüft. Es wurden Mehrdeutigkeiten gefunden, wie die Einbeziehung von kleinen und großen Blendquellen und was überhaupt eine Blendquelle in komplexen Situationen mit mehreren Leuchten ist. … Die Blendungsmodelle wurden umgerechnet, um mit den Vorhersagen von 1949 von Luckiesh und Guth verglichen zu werden. Die Modelle zeigten eine geringe Aussagekraft. Wenn man Blendung in komplexeren Situationen [mehrere Leuchten, d. Autor] bewerten will, müssen die Modelle grundsätzlich neu formuliert werden.“

Clear, R. D. Discomfort glare: What do we actually know?, Lighting Research and Technology, 2012,  link

Noch etwas schärfer fiel die Kritik einer Studie aus, die die Anwendbarkeit der Verfahren auf LED-Beleuchtungen prüfte: „Existierende Blendindizes entsprechen nicht hinreichend den subjektiven Bewertungen.“ (Geerdinck, L.: Glare perception in terms of acceptance and comfort, Universität Eindhoven, 2012, Masterarbeit, Download hier)

Etwa gleich alt wie diese Aussage ist die Feststellung von Stephan Völker, Professor für Lichttechnik an der TU Berlin (Stephan Völker: Blendung – Ein Rückblick über 100 Jahre Forschung. Licht 2012 Gemeinschaftstagung): „Der vorliegende Beitrag zeigt, dass es möglich scheint, die vorhandenen Blendungsbewertungsmodelle auf ein Modell zurückzuführen. Zurzeit fehlen noch einige Einflussgrößen, welche aber bereits in Kürze vorliegen dürften. Diese müssen anschließend für alle Anwendungsfälle (Innen-, Außen-, Kfz-, Sportstättenbeleuchtung, etc.) validiert werden.“ Tröstlich zu hören, dass man nach 100 Jahren hofft, in Kürze einige Einflussgrößen zu finden. Dann wird man, - hoffentlich – die Methode validieren. Im Jahr 2026 spricht wenig dafür, dass man dies erreicht haben könnte.

Es spricht auch wenig dafür, dass es je gelingen wird, wenn man die Methode nicht ändert. Denn die psychologische Blendung wird in Räumen ermittelt, in denen keine Arbeit stattfindet und daher keine Augenbelastung vorhanden ist. Was mag ein Wert für eine Behaglichkeit wert sein, wenn man ihn ohne Stress, Ermüdung, Augenbelastung u.Ä. ermittelt?

Diese Kritik umfasst nicht alles, was die Wertigkeit der psychologischen Blendung in Frage stellt. Denn bei der Arbeit ist der Mensch diversen Erscheinungen ausgeliefert, die sich wie eine Blendung auswirken, d.h. das Sehen beeinträchtigen. Diese werden in dem Kapitel Was nicht als Blendung zählt, aber dennoch belastet ausführlich behandelt. Das sind Erscheinungen wie Verlust an Farben, Kontrastverlust oder Glanz, auf die der Mensch ähnlich reagiert wie auf Blendung.

Solche Erscheinungen wurden mit der Einführung von Bildschirmen in der Arbeitswelt zu Hauptbelastungen, deren Wirkungen man in der Augenheilkunde DES wie digital eye syndrome nennt. Das Phänomen wurde in den USA im Jahr 1995 von der American Optometric Association (AOA) unter dem Begriff Computer Vision Syndrome (CVS) als eigenständiges medizinisches Krankheitsbild definiert und klassifiziert.

Mit dem Aufkommen von Smartphones, Tablets und E-Readern erweiterte die US-Organisation The Vision Council Anfang der 2010er-Jahre den Begriff zu Digital Eye Strain (DES) bzw. Digital Eye Syndrome. Der Begriff beschreibt den symptomischen Komplex aus Sehstress, trockenen Augen, verschwommenem Sehen und Nackenschmerzen durch langanhaltende Bildschirmarbeit.

Während ein Augenmediziner zwischen Blendung und Faktoren, die DES verursachen, durchaus unterscheiden kann, kann kein normaler Mensch eine solche Unterscheidung vornehmen. Was mag der Wert einer Blendungsbewertung sein, wenn deren Ursachen gemeinsam mit ähnlich wirkenden Faktoren auftreten, die ein eigenständiges medizinisches Krankheitsbild begründen, ohne dass irgendwelche dieser Faktoren bei der Ermittlung wirksam werden?

Die Folge ist zumindest eine massive Unterschätzung der Blendung und ihrer Folgewirkungen.

Wenn Blendung unterschätzt wird .…

Die bestentblendeten Leuchten blenden am stärksten …

Eines der wichtigsten Ergebnisse des Projekts Licht und Gesundheit war das Aufzeigen der Blendwirkung verschiedener Beleuchtungsarten bei der Arbeit. Zu erwarten war, dass die sog. Bildschirmarbeitsplatzleuchte jeglicher Beleuchtung überlegen wäre, weil ihre Lichtausstrahlung so eng gebündelt wurde, dass man sie an der Decke kaum noch ausmachen konnte. Nach dem Söllner-Verfahren würde die BAP-Leuchte die beste Entblendung weit übertreffen.

Das Ergebnis war auch für uns sehr überraschend.

In dem obigen Bild bedeutet:

  • BAP eine Leuchte, die nach DIN 5035-7 gebaut war und in dem als kritisch angesehenen Winkelbereich über 50° eine mittlere Leuchtdichte von unter 200 cd/m² aufwies.
  • „Direkt/Indirekt“ bedeutet die gleiche Leuchte abgehängt und mit einem relativ kleinen Indirektanteil versehen.
  • „Indirekt/Direkt“ bedeutet eine Leuchte mit einem überwiegenden Indirektanteil
  • „Indirekt“ bedeutet eine reine indirekte Beleuchtung
  • „2K-Opt“ ist eine Beleuchtung mit einer indirekten Raumbeleuchtung, die durch eine Arbeitsplatzleuchte nach DIN 5035-8 ergänzt wird.

 

Die bezüglich der Entblendung theoretisch beste BAP-Leuchte erzeugte bei der Arbeit die größte Blendwirkung.

Wie Mitarbeitende ihre visuelle Umgebung selber in die Hand nehmen

Welche Reaktionen die Betroffenen zeigen können, wenn sie solche Wirkungen am Arbeitsplatz  erleben, hat der amerikanisch-britische Ergonom Alan Hedge untersucht. Sein Ergebnis zeigt die folgende Tabelle / Hedge, A.: The Cornell University Study, Cornell University, Ithaca, NY, 1990, Daten aus Çakir, A., Çakir, G., Licht und Gesundheit - Eine Untersuchung zum Stand der Beleuchtungstechnik in deutschen Büros, Ergonomic, Berlin, 1998):

Von den Benutzern getroffene Maßnahmen zur Verbesserung der visuellen Umgebungsbedingungen Indirekt- beleuchtung Direkt-beleuchtung
Lampen entfernt, um weniger Licht zu erhalten 15% 66%
Lampen entfernt, um Reflexblendung auf Bildschirmen zu reduzieren 12% 55%
Computer umgestellt, um Reflexblendung auf Bildschirmen zu reduzieren 34% 72%
Arbeitstisch umgestellt, um weniger Licht zu erhalten 10% 24%
Beleuchtung meistens abgeschaltet, um Reflexblendung auf Bildschirmen zu reduzieren 10% 39%

All diese Erscheinungen konnte man auch in deutschen Büros erleben. Das nachfolgende Bild zeigt, was Mitarbeitende im Extremfall tun, wenn sie mit der Beleuchtung unzufrieden sind. Die betreffende Mitarbeitende hat gleich mehrere Dinge geändert. Sie hat die Lampen an der Decke weiträumig entfernen lassen und sich eine Verdunkelung verordnet.

Sie hat sich bei ihrer Flucht vor dem Licht auch in die Isolation begeben, weil kaum jemand in dieser Umgebung arbeiten kann.

Die meisten lassen es dabei bewenden, das künstliche Licht so selten wie möglich zu benutzen. So mussten wir in den von uns untersuchten Räumen oft um Genehmigung für das Einschalten der Beleuchtung bitten. Wir mussten sie aber sofort abschalten, wenn wir mit den Messungen fertig waren.

Völlig anders verhielten sich die Leute in Räumen ohne Blendung. Häufig haben sie es sogar vergessen, das Licht auszuschalten, wenn das Tageslicht sehr hell war.

Das Bild zeigt einen Raum mit Direkt-/Indirektbeleuchtung, deren Direktteil abgeschaltet worden war. Ein solches Erscheinungsbild hat sich der Lichtplaner bestimmt nicht vorgestellt. Wenn in diesem Raum der Direktteil der Beleuchtung aktiviert wurde, fanden die Mitarbeitenden die Beleuchtung zu hell. Hingegen beanstandet niemand etwas an der Beleuchtung, wenn man die gleiche Beleuchtungsstärke indirekt erzeugt.

 

Ergonomische Folgeschäden

Wesentlich gefährlicher für die Betroffenen sind Fehlhaltungen, die sie einnehmen, wenn sie sich geblendet fühlen, ohne dass dieses Gefühl bewusst erlebt wird. Zuerst werden Deckenleuchten ausgeschaltet, Leuchtmittel herausgedreht oder Leuchten mit Papier, Karton oder Post-its abgeklebt, um direkte Blendung zu mindern. Wenn dies nicht hilft, ducken sich Mitarbeiter, neigen den Kopf zur Seite oder rücken ungewöhnlich nah an den Bildschirm heran, um Reflexionsflächen zu umgehen.

Dies führt zu Fehlhaltungen und diese zu Kopfschmerzen infolge der Fehlhaltung (Stichwort HWS-Syndrom, Hals-/Wirbelsäulensyndrom).

Dauerhaft unangenehmes Licht führt häufig zu spürbaren Belastungssymptomen wie Ermüdung der Augen, Brennen, Druckgefühl oder Flimmern vor den Augen, Nacken- und Schulterschmerzen durch die eingenommene Fehlhaltung.

Insgesamt gilt: Wenn die Beleuchtung am Arbeitsplatz als störend oder unangenehm empfunden wird, reagieren Beschäftigte meist mit einer Kombination aus Verhaltensanpassungen (Coping-Strategien), provisorischen Umbauten und körperlichen Ausweichbewegungen.

Folgeschäden für die Bürohäuser

In dem Beitrag “Licht für New Work” wird dargelegt, welche Bedeutung die Beleuchtung für moderne Arbeitskonzepte und Raumkonzepte hat. Wenn Designer oder Architekten einen Bereich umgestalten, z.B. in einen Coworking Space, bauen sie zuerst das Deckenlicht ab. Menschen, die bei der Gestaltung ihrer Arbeit und ihrer Arbeitsumgebung mitbestimmen können, lassen sich von Angaben wie “UGR = 19, komfortable Beleuchtung für das Büro“ nicht beeindrucken. Ein Lichtplaner, der einer entsprechenden Belegschaft erklären wollte, was denn UGR = 19 bedeutet, käme sofort in Erklärungsnöte, weil man dies nicht einmal aus der Fachliteratur einwandfrei ermitteln kann.

Mir liegen drei Schriften der LiTG vor, die sich auf das UGR-Verfahren beziehen:

  • Das UGR-Verfahren zur Bewertung der Direktblendung der künstlichen Beleuchtung in Innenräumen, LiTG Arbeitsgruppe Blendung (P. Dehoff, D. Fischer, D. Gall, J. Hesse, T. Müller, P. Prodell, W. Roddewig, P. W. Schmits, G. Seifert, K. Völs, P. Zwick), LiTG Publ. 20, 2003
  • Praktische Anwendung des korrigierten UGR-Verfahrens nach CIE 232:2019 Bewertung der Direktblendung von Leuchten mit inhomogener Leuchtdichtestruktur in Innenräumen, LiTG Publ. 46, 1. Auflage 2022, ISBN 978-3-927787-61-2
  • Das UGR-Verfahren zur Bewertung der Direktblendung der künstlichen Beleuchtung in Innenräumen - Ein Einblick in die LiTG-Publikation Nr. 20, LiTG September 2012

 

Sämtliche Autoren und sonstige Mitarbeitende in den Ausschüssen waren mir persönlich über mehrere Jahrzehnte hinweg bekannt. Obwohl ich die Historie der Blendungsbewertung seit meiner Dissertation von 1975 sehr gut kenne, ist es mir nie gelungen, zu erfahren, was ein bestimmter UGR-Wert bedeutet. Nach mühsamen Recherchen habe ich eine von drei mir bekannten Professoren akzeptierte Zahl ermittelt: Diese besagt, dass die auch in Deutschland gültige Norm DIN EN 12464-1 für Büros einen Wert von 19 vorgibt, der einem VCP von 65% entspricht. D.h. 65% der Probanden erachten eine Beleuchtung als „gerade zulässig“. Die restlichen 35% finden eine nach Norm empfohlene Beleuchtung offenbar nicht zulässig.

Wer über die Köpfe von Menschen postuliert, dass 35% der Nutzer von Büros die Beleuchtung dort nicht für zulässig halten, muss damit rechnen, dass die Nutzer das ändern wollen, sobald sie können. Genau das können die Menschen, deren Umgebung ihren Wünschen entsprechend gestaltet wird.

Seit der Corona-Zeit haben die Büronutzer auch eine andere Möglichkeit: die Flucht ins Homeoffice. Im August 2026 betrug der Leerstand von Büros 9,1 Mio. m². In Toplagen wie Frankfurt (11,8%) und Düsseldorf (12,4%) liegt der Leerstand besonders hoch. So denkt man viel über eine Umwandlung von Büroäusern in Wohnraum nach. Wenn ein solcher Schritt vorgenommen wird, gehört die Entfernung der Beleuchtung zu den ersten Maßnahmen, die ausgeführt werden.

Warum das so ist, kann man an den nachfolgenden Bildern erkennen. Das erste Bild zeigt eine Bürolandschaft, die einem einfällt, wenn man über große Büros nachdenkt. Es ist eigentlich ein geschöntes Bild, das ich trotzdem benutze, weil es im Kontrast zum zweiten Bild steht, das mir eine KI gezeichnet hat. Es soll ein Büro darstellen, in dem man sich wohlfühlt.

Eine solche Umgebung kann man nirgendwo finden, wo der Arbeitsschutz bei der Beleuchtung mitredet. Hingegen würde das Büro in dem oberen Bild anstandslos akzeptiert werden.

Beide Bilder entsprechen einem Klischee. Für mich besteht der wesentliche Unterschied daran, dass das übliche Bild vom Büro mit hellen Objekten über dem Kopf verbunden ist, die man bei jedem Blick weg vom Schreibtisch im Auge hat. Hundert elektrische Sonnen bis zum Horizont. Und alle weiß, grau odr bläulich. Hingegen sind in dem "schönen" Büro die Lichtquellen verteilt, warme Töne beherrschen die Szene. Die Beleuchtung dieses Raums würde nach Ansicht der Lichttechnik als Lichttöter bezeichnet werden.

Die Annehmlichkeit hat viel mit Farben zu tun, die in der Blendungsformel nicht auftauchen. Hingegen kommt man sich in dem Bürobild vor, als hätte jemand einem einen gräuliche Himmel übergestülpt. Tatsächlich haben Farben sehr wohl einen Einfluss auf die Blendwirkung, so wirken blaue oder kaltweiße Lichtquellen (z. B. modernere LED-Scheinwerfer) bei gleicher Helligkeit oft blendender als warmweißes Licht.

Die Gründe für die Ablehnung der typischen Bürobeleuchtung liegen nicht allein an der Blendung, sie werden aber immer mit der Blendung in Zusammenhang gesehen, insbesondere weil der Nutzer keine andere Möglichkeit hat, ein subjektives Urteil über die Beleuchtung abzugeben. Man kann sie wie folgt zusammenfassen:

  1. Visueller Stress: Blendung und Leuchtdichtekontraste

Das menschliche Auge muss sich ständig an die hellste Stelle im Raum anpassen. Stark schwankende Leuchtdichten oder schlechte Entblendung strengen die Augenmuskulatur extrem an.

  • Direktblendung: Zu helle, ungeschützte LED-Panels oder Rasterleuchten im Blickfeld (hoher UGR-Wert).
  • Reflexblendung: Lichtquellen, die sich auf Bildschirmen, glänzenden Tischen oder Glastrennwänden spiegeln.
  • Hohe Kontraste: Ein sehr hell beleuchteter Schreibtischausschnitt vor einem dunklen Hintergrund zwingt die Pupille zu ständiger Adaption, was zu schneller Augenermüdung und Kopfschmerzen führt.

 

  1. Biologische Fehlabstimmung: Lichtfarbe und Spektrum

Licht wirkt direkt auf den circadianen Rhythmus (die innere Uhr) des Menschen.

  • Falsche Farbtemperatur zur falschen Zeit: Kaltweißes Licht (über 4000 K bis 6500 K) wirkt zwar aktivierend, wird aber am späten Nachmittag oder Abend als ungemütlich und künstlich empfunden, da es die Melatonin-Ausschüttung unterdrückt.
  • Mangelhafte Farbwiedergabe: Minderwertige LEDs mit niedrigem Farbwiedergabeindex lassen Hauttöne und Materialien grau oder grünlich wirken, was unbewusst als unnatürlich wahrgenommen wird.
  • Fehlender Tageslichtbezug: Rein künstliches Licht ohne den natürlichen Dynamikverlauf des Tageslichts führt zu zeitlicher Desorientierung und Abgeschlagenheit.

 

  1. Technische Störfaktoren: Flimmern und Verteilung
  • Unsichtbares Flimmern (Flicker / Temporal Light Artifacts): Auch wenn Modulationsfrequenzen von Treibern nicht bewusst wahrgenommen werden, verarbeitet das Gehirn die Mikroschwankungen im Millisekundenbereich. Das führt zu chronischer Erschöpfung, Migräne und Konzentrationsabfall.
  • Rein direkte Beleuchtung: Leuchten, die nur nach unten strahlen, lassen die Decke dunkel ("Höhleneffekt"). Ein angenehmes Raumgefühl entsteht erst durch einen hohen indirekten Lichtanteil, der Decken und Wände gleichmäßig aufhellt.

 

Ein entscheidender Faktor ist indes die fehlende Kontrolle über die Umgebung: Ein wesentlicher Faktor für subjektives Unbehagen ist der Kontrollverlust: Wenn Mitarbeiter die Beleuchtung an ihrem Arbeitsplatz nicht dimmen, verändern oder an ihre spezifischen Aufgaben anpassen können, sinkt die Akzeptanz der Raumumgebung deutlich.

Eine fehlende Kontrolle über die Umgebung herrscht auch dann, wenn der Arbeitsplatz beengt ist. Wenn man eine mit den gleichen Leuchten in der gleichen Anordnung realisierte Beleuchtung von Nutzern beurteilen lässt, die nur 4 m² zur Verfügung haben, fällt ihr Urteil weit negativer aus als bei Personen, denen 12 m² oder 20 m² am Arbeitsplatz  zur Verfügung stehen.

[1] Die angegebenen Skalen werden in der Lichttechnik als reliabel gehandelt. Zweifel daran sind durchaus berechtigt.

[2] Was der Wert VCP wirklich bedeutet, konnte ich nie klar ableiten. Denn das Kürzel VCP bedeutet übersetzt “Wahrscheinlichkeit des Sehkomforts”. Bei der Ermittlung der Größe werden die Probanden aber nach discomfort, also nach einer Beeinträchtigung gefragt. Das Fehlen einer Beeinträchtigung kann allerdings nicht für Komfort gehalten werden.

[3] Die Zuordnung von Güteklassen zu einer Produktgattung ist eine sehr praktische Methode, die insbesondere dann hilfreich ist, wenn die Nutzer nicht über effiziente Mittel verfügen, um die Qualität eines Produktes zu ermitteln. Im Falle der Lichtplanung in Deutschland wurden über 90 % der Beleuchtungsanlagen durch Elektroplaner entwickelt und verbaut, als das Söllner-Verfahren entwickelt wurde. Auch im Jahre 2026 muss man davon ausgehen, dass relativ wenige Lichtplanungen von Firmen und Personen vorgenommen werden, die mit anderen Verfahren überfordert wären.

[4] Die Mittelung in diesem Fall übernimmt die Messmethode. Man misst die Lichtstärke in der fraglichen Richtung und errechnet daraus die Leuchtdichte, indem man die leuchtende Fläche zugrunde legt. Dabei fällt die Information über die Leuchtdichteverteilung weg, die für die Blendung sehr bedeutsam ist.

 

Déjà vu – Oder ich hatte einst einen Torwart interviewt

Das ist nicht effizient,
das ist einfach nur verkleideter Pfusch.
Anonymus

Déjà vu – Oder ich hatte einst … , kurzgefasst

Der folgende Beitrag verbindet eine persönliche Erinnerung mit einer aktuellen Kritik an der Stadionbeleuchtung. Anfang 1970 interviewte ich den Torhüter Sepp Maier für meine Doktorarbeit zur Beleuchtung des Münchner Olympiastadions. Mehr als fünf Jahrzehnte später erkenne ich dieselben Probleme in den Aussagen des Lichtplaners Daniel Petry wieder: mangelhafte Abnahmekontrollen, Blendung und unzureichende Farbwiedergabe.

Die historischen Untersuchungen zeigten, dass die Interessen von Zuschauern, Spielern und Fernsehen bei der Feldbeleuchtung grundsätzlich vereinbar sind: Hohe Sichtqualität führt nicht zwangsläufig zu mehr Blendung. Moderne LED-Systeme bieten gegenüber früheren HQI-Lampen große Vorteile, etwa hohe Effizienz, präzise Steuerbarkeit, Farbwechsel und flimmerfreien Betrieb für Zeitlupenaufnahmen. Dennoch können ihre kleinen, sehr leuchtdichten Flächen eine stärkere Blendwirkung erzeugen, wenn Planung und Ausschreibung vor allem Beleuchtungsstärken und Kosten berücksichtigen.

Auch die Farbwiedergabe der LED wird unzureichend bewertet. Der verbreitete allgemeine Farbwiedergabeindex Ra basiert überwiegend auf blassen Pastellfarben; gesättigtes Rot und Hauttöne werden nicht erfasst. Zudem fehlt den üblichen weißen LEDs UV-Strahlung, die optische Aufheller aktiviert und auch für Pflanzen bedeutsam ist. In der Allianz Arena mussten deshalb zusätzliche UV-Leuchten installiert werden. Dass Vereinsfarben unter Flutlicht verfälscht erscheinen können, ist somit kein unvermeidbares technisches Defizit, sondern eine Folge ungeeigneter Qualitätskriterien.

Im Zentrum steht die Kritik an einem missverstandenen Begriff der Wirtschaftlichkeit. Normen stellen Wirtschaftlichkeit neben Sehkomfort, Ergonomie, Sicherheit und Lichtqualität, obwohl Planer meist nur Kosten, nicht aber den wirtschaftlichen Nutzen einer Anlage bestimmen können. Werden messbare Mindestwerte zur alleinigen Entscheidungsgrundlage, setzt sich der billigste normgerechte Entwurf gegen die tatsächlich bessere Lösung durch – selbst bei Stadien und Übertragungen für ein Milliardenpublikum. Die Schlussfolgerung lautet daher: Nicht die LED-Technik verursacht zwangsläufig schlechte Beleuchtung. Sie kann hervorragendes, blendarmes und farbtreues Licht liefern. Entscheidend sind anspruchsvolle Ausschreibungen, geeignete Messgrößen und die Bereitschaft der Auftraggeber, Qualität ausdrücklich zu verlangen und angemessen zu bezahlen. Der technische Fortschritt ist vorhanden; überkommene Bewertungsmaßstäbe und kurzfristiges Kostendenken verhindern jedoch, dass sein Potenzial vollständig genutzt wird.

Déjà vu – Oder ich hatte einst …

… einen Torhüter interviewt. Der hieß Sepp Maier. Er sollte mir erzählen, was er von der Beleuchtung des Münchener Stadions hält. Nicht von der Flutlichtanlage der Allianz Arena, sondern von dem Olympiastadion. Daran hatte ich als Student mitgewirkt und brauchte die Bewertung für meine Doktorarbeit. Seine Antwort ist mir im August 2026 in der Augustausgabe von Licht begegnet. Nach mehr als 56 Jahren und aus dem Munde eines Fachmanns für Stadionbeleuchtung. Mein Interview hatte  Anfang 1970 stattgefunden.

Licht interviewte Daniel Petry, der seit langem Flutlichtanlagen plant, misst und bewertet. Petry beanstandet erstens, dass die Abnahme der Flutlichtanlage schlecht kontrolliert wird. Und zweitens? Die Blendung … Sein Beispiel aus der Praxis: “Vor kurzem wurde in einem Stadion eine neue Flutlichtanlage installiert. Nach dem ersten Testspiel beschwerte sich der Stammtorhüter der Heimmannschaft über die Blendung.” Exakt das hatte Sepp Müller nach dem ersten Testspiel im Olympiastadion von München getan. Und drittens die Farbwiedergabe. Petry sagt: „Wenn beispielsweise Bayern München sein Vereins-Rot exakt auf das natürliche Sonnenlicht abstimmt, wird das Rot durch die Flutlichtanlage in Nuancen anders wiedergegeben.”

Petry sieht das Problem beim Fernsehen: Er behauptet, das Fernsehen verlangt immer mehr und besseres Licht, um überall aufregende Aufnahmen vom Spielgeschehen erstellen zu können. Da man nur noch LEDs verbauen darf, muss das Problem irgendwie damit zusammenhängen.

Was Sepp Müller vor 56 Jahren nicht wissen konnte, steht in meinem Blog an anderem Ort, wo die Methoden der Bestimmung der Farbwiedergabe von Lampen behandelt wird. So beanstandet Daniel Petry drittens: „Das ist die Farbwiedergabe. Das Prinzip kennt man vom Friseur: Unter dem Salonlicht sieht die Farbe super aus. Geht man dann raus ins Tageslicht, wirkt die Haarfarbe anders. Im Stadion kommen besonders die Rot-Werte zu kurz. Bei Bundesliga-Anlagen sind die Werte oft auf einem messtechnisch schlechten Niveau, obwohl die offiziellen Vorgaben erfüllt sind.” Wieso kommen die Rot-Werte zu kurz, obwohl die offiziellen Vorgaben erfüllt sind? Muss Bayern München auf sein Vereins-Rot unter Flutlicht verzichten?

Interessant die Aussage eines Vereinspräsidenten nach dem Wechsel auf LED: „Das ist nicht mehr mein Verein, das sind nicht mehr unsere Farben.“ Identitätsverlust durch Beleuchtungsmängel?

Petry führt das Problem auf sog. wirtschaftliche Interessen zurück. Und liegt damit nicht falsch. Allerdings sind die wahren wirtschaftlichen Interessen nicht die der Clubs oder des DFB. Denn in eine der teuersten Anlagen (Allianz Arena, München) wurden im Sommer 2017 für umfassende Technik-Modernisierungen (darunter LED-Flutlicht, neue Videowände und Promenade-Upgrades) insgesamt rund 10 Millionen Euro investiert. Das mag viel klingen. Im Geschäftsjahr 2016/2017 (1. Juli 2016 bis 30. Juni 2017) erzielte der Konzern FC Bayern München einen Umsatz von 640,5 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss nach Steuern lag bei 39,2 Millionen Euro. Davon hätte man lässig vier Anlagen kaufen können.

Der FC Bayern München nimmt pro Champions-League-Saison in der Regel zwischen 100 und 180 Millionen Euro ein. Da solche Spiele immer unter Flutlicht ausgetragen werden und das Fernsehen erkleckliche Summen zahlt, wäre es ziemlich dumm, gerade an Flutlicht zu sparen. Wieso tut man es trotzdem? Eine Antwort wird der Vorstand von Bayern München nicht geben können. Wenn er wüsste, warum, würde er wahrscheinlich die Wände hochkrabbeln.

Was einst geschah …

Für das Thema meiner Doktorarbeit wurden die notwendigen Mittel 1970 in Rekordzeit bewilligt. Denn in 1974 stand eine Fußballweltmeisterschaft in Deutschland an. Die Befürchtung hieß: Das Fernsehen verlangt hohe Beleuchtungsstärken, die die Blendung erhöhen. Wenn man dem Wunsch des Fernsehens folgt, werden die Fans aus dem Stadion vertrieben. Daher das Interview mit Sepp Meyer, ob die Befürchtung wahr ist.

Nach einer Arbeit von drei Jahren habe ich nachweisen können, dass bei der Beleuchtung von Fußballstadien die Interessen der Zuschauer und des Fernsehens eigentlich zu gleichen Anforderungen führen, was die Beleuchtung auf dem Feld angeht. Bezüglich der Beleuchtung der Tribünen hatten die Zuschauer wie auch die Spieler das gleiche Interesse: möglichst wenig Licht auf die Tribüne, weil eine hellere Tribüne die Sichtbarkeit des Balls verringert. Für die Zuschauer bedeutet mehr Licht mehr Blendung. Und mehr Blendung heißt schlechtere Sicht auf das Spiel.

Das Thema Farbe, das Petry anspricht, war damals vor über 50 Jahren akut, aber die Anforderungen des Fernsehens hatten zu einer guten Lösung geführt: Die Beleuchtung wurde mit Lampen ausgeführt, die dem Tageslicht (nach Norm) entsprachen, also einer Farbtemperatur von etwa 6500 K. Das konnten nur Entladungslampen sein. Tatsächlich waren es HQI-Lampen, also Quecksilberdampflampen mit Halogenzusatz. Sie versprachen die bestverfügbare Farbwiedergabe.

Was heute anders ist …

Beispielsweise die Sache mit der Blendung …

Heute werden nur noch LEDs verbaut, was an sich kein Problem ist. LEDs sind sehr gut steuerbar, und man kann sie so betreiben, dass sie flimmerfrei arbeiten. Probleme entstehen, wenn die Anforderungen nur auf der Beleuchtungsstärke beruhen und die Farbwiedergabe nach dem Farbwiedergabeindex verlangt wird.

Tatsächlich verlangt das DFL-Stadionhandbuch horizontale und vertikale Beleuchtungsstärken (Neuanlagen benötigen mindestens 1000 Lux vertikal / 1400 Lux horizontal (2. BL) und 1250 Lux vertikal / 1500 Lux horizontal (1. BL). Bestandsanlagen müssen eine Kamerabeleuchtungsstärke von 1200 Lux (2. BL) bzw. 1600 Lux (1. BL) erfüllen. Für internationale Spiele sind oft 1500 Lux vertikal / 2000 Lux horizontal erforderlich. Quelle hier, ebenfalls von Petry)

Das von mir angeführte Olympiastadion in München hatte weit größere Beleuchtungsstärken zu bieten. Warum sollen die neuen Anlagen plötzlich mehr blenden? Das liegt an der LED und ihrer Effizienz. Heutige LEDs haben eine Lichtausbeute zwischen 130 – 200+ lm/W, also etwa doppelt so viel wie bei den HQI-Lampen mit 75 – 100 lm/W. Da die LEDs aber besser gebündelt strahlen können, ist deren Systemwirkungsgrad noch höher. Dafür sind die leuchtenden Flächen viel kleiner.

Man kann also mit halb so viel leuchtender Fläche die gleiche Beleuchtungsstärke erzielen. Im Klartext heißt das aber, dass die Leuchtdichte der LED-Scheinwerfer entsprechend höher liegt. Und damit auch die Blendwirkung. Denn der rechnerische Blendindex steigt mit dem Quadrat der Leuchtdichte.

Hinzu kommt, dass LEDs viel höhere Leuchtdichten erreichen als alle früheren Leuchtmittel. Deren Leuchtdichte kann über  betragen. Somit liegt diese bei etwa einem Drittel der Leuchtdichte der Sonne. Die nachfolgende Tabelle zeigt die Relation der Leuchtdichten von verschiedenen Lichtquellen.

Lichtquelle Leuchtdichte (cd/mm2) Leuchtdichte (cd/m2) Verhältnis zur Sonne
OLED / Mini-LED Display 0,001 – 0,004 1.000 – 4.000 1 : 400.000
HQI-Lampe / Metalldampf 10 – 60 10 Mio. – 60 Mio. 1 : 30
High-Power LED (z. B. 500 ) 500 500 Mio. 1 : 3
LEP / Spezial-Laser-Phosphor 700 – 1.000 700 Mio. – 1 Mrd. 1 : 1,6
Sonne (im Zenit) 1.500 – 1.600 1,5 – 1,6 Mrd. 1 : 1 (100 %)

Bei den Leuchtdichteangaben der LEDs muss man immer bedenken, dass der Strahl mit der höchsten Leuchtdichte, die die Blendung maßgeblich bestimmt, nur schlecht messbar ist. Daher erhält man einen zu kleinen Messwert.

Naturgemäss muss niemand bei einer Beleuchtungsanlage die höchsten Leuchtdichten realisieren. Wenn es aber um Kosten geht, sieht die Sache anders aus. Da schlägt Quantität die Qualität. Genau das meint Petry mit wirtschaftlichen Interessen, die den Ausschlag geben, wenn Qualität in der Ausschreibung keinen hinreichenden Niederschlag findet.

Und die Sache mit der Farbwiedergabe …

Die Tatsache, dass ein Fachmann von einem Problem spricht, das vor einem halben Jahrhundert gelöst worden ist, mag auf den ersten Blick überraschen. Tatsächlich waren die Verantwortlichen für die Beleuchtung der Allianz Arena echt überrascht, als das Fernsehen die Farbwiedergabe beanstandete. Dazu gehörte, dass auch der Rasen auf dem Spielfeld nicht gerade prächtig gedieh. Das lag an zwei Dingen: dem Spektrum der LED und der Vorgabe auf der Basis des Farbwiedergabeindex Ra. Und dieser Index war bereits bei seiner Einführung in 1964 falsch gewesen.

Das Spektrum der LED enthält meistens kein UV, während alle Entladungslampen auf Quecksilberbasis immer etwas UV abstrahlen. UV-Licht, das in den Berechnungen der Lichttechniker keine Rolle spielt, weil es bei denen nicht als Licht gilt, regt zum einen die optischen Aufheller an, die bei allen möglichen Oberflächen zur Anwendung kommen (Bettwäsche, Trikots, Wandanstriche, Make-Up, Papier), und zum anderen ist es für alle Pflanzen lebenswichtig.

Daher musste Bayern München 150 UV-Strahler nachinstallieren lassen. (Wieder mal zum Elend mit der Farbwiedergabe, Zusätzliche UV-Leuchten für das optimale Fernsehbild)

Viel weniger verständlich ist die Sache mit dem Farbwiedergabeindex. Wenn die Farben vieler Oberflächen, mit denen wir leben und arbeiten, von der UV-Strahlung abhängen, müsste das beim Farbwiedergabeindex berücksichtigt werden. Müsste! Er wird aber nicht nur nicht berücksichtigt, sondern auch noch missbräuchlich angewendet;

  • Die Farbwiedergabeeigenschaften von Leuchtmitteln werden ohne Berücksichtigung der UV-Strahlung festgelegt und angegeben.
  • Die Farbprüfung von Stoffen u.Ä. wird mit Normlichtarten vorgenommen, die einen definierten UV-Anteil Ansonsten könnte man auf die Prüfung verzichten. Das geht seit der Einführung des Farbwiedergabeindex im Jahr 1964 so.

 

Die Stadionbeleuchter werden also Opfer der Ignoranz ihres Faches bei der spektralen Verteilung des Lichts. Früher fiel das nicht auf, weil die meisten Leuchtmittel so nebenbei UV emittierten. Den LEDs muss man das beibringen. D.h., es gibt LEDs mit einer UV-Strahlung, aber übliche LEDs emittieren keine. Wer absichtlich UV-Strahlung dem sichtbaren Licht beimischt, muss sich Problemen mit dem Arbeitsschutz stellen. Diese sind zwar nicht gravierend. Aber niemand will Flöhe im Pelz haben.

Ebenfalls mit dem Farbwiedergabeindex hängt die Beschwerde von Petry mit den Rottönen zusammen. Die Farbwiedergabe der verwendeten Leuchtmittel wird mit Ra vorgegeben. Das finden auch Daniel Petry und sein Vater, auch ein Lichtexperte, sehr gut. Ich lese auf deren Website: “Farbwiedergabe und Lichtqualität: Die Farbwiedergabe des Lichts ist von zentraler Bedeutung für eine klare und naturgetreue Darstellung der Spielumgebung. Die DFL fordert, dass das Flutlichtsystem eine [sic!] Farbwiedergabeindex (Ra) von mindestens Ra ≥ 80 aufweist. Dies sorgt dafür, dass sowohl die Spieler als auch die Farben des Spiels klar und lebendig wiedergegeben werden.”

Dieser Farbwiedergabeindex von 80 sorgt mitnichten für klare und lebendige Farben. Der allgemeine Farbwiedergabeindex wird mit 8 blassen Pastellfarben berechnet. Gesättigtes Rot  (Testfarbe R9) fehlt komplett in der Durchschnittsberechnung wie auch sonstige gesättigte Farben. Die “Farben der Spieler”, also die Farben ihrer Haut, sind in den Testfarben nicht enthalten. Ebensowenig gehören gesättigte Farben zu den Testfarben. Aber gerade sie machen das Bild lebendig. Egal wie gut die Farben von Altrosa bis Fliederviolett wiedergegeben werden, weder naturgetreu noch lebendig wird ein Fußballspiel wiedergegeben.

Standard-LEDs sparen aus Effizienzgründen im langwelligen Rotbereich (über 600 nm). Dadurch wirken Hauttöne blass oder fahl, Holzmaserungen verlieren ihre Tiefe und Textilien wirken farblos. Im Wellenlängenbereich um 480 nm entsteht zwischen dem blauen Peak und der Phosphorkurve ein Einbruch (Cyan-Lücke). Das beeinträchtigt die Differenzierung von Türkis-, Blau- und Grüntönen. Weiße LEDs nutzen meist einen blauen Halbleiterchip (ca. 450 nm) mit gelblicher Phosphorbeschichtung. Dieser scharfe Peak kann bei minderwertigen LEDs zu kaltem oder blaustichigem Licht führen.

Wer sagt aber, dass man für die teuersten Sportanlagen der Welt, in denen Mannschaften auftreten, die bis 720 Millionen Euro wert sind (Startaufstellung von Manchester City), Standard-LEDs einsetzen muss, weil sie effizient sein sollen? Wenn Manchester City gegen Paris Saint-Germain auftritt, stehen über 1,3 Milliarden auf dem Feld. Wenn der Gegner Real Madrid heißt, darf noch eine Milliarde darauf gepackt werden. Die Flutlichtanlage, die diese Mannschaften in vollster Schönheit durch die Kameras einfangen hilft, kostet eine niedrige zweistellige Millionensumme. Das größte Publikum, das ein solches Spiel am Fernseher verfolgt hat, war etwa 1,5 Milliarden Menschen stark (Argentinien vs. Frankreich, 2022). Da soll man an Lampen gespart haben?

Die nüchterne Realität ist, dass eine Flutlichtanlage auf der Basis einer Ausschreibung erstellt wird, bei der die erforderliche Qualität gefordert wird. Ist diese schlecht definiert, gibt der Auftraggeber kaum größere Summen extra aus, weil jemand behauptet, das Licht sei falsch definiert. Zwar sind alle in diesem Beitrag – und die von Petry in dem Licht-Interview -  beschriebenen Probleme durch die LED verursacht. Aber es gibt LEDs, bei denen keines der Probleme auftreten muss.

Lichtqualität und  Wirtschaftlichkeit

 Die Verquickung von “Wirtschaftlichkeit” mit der Lichtqualität hat in der Lichttechnik lange Tradition. So wurden die Ziele der Beleuchtung in der ersten Beleuchtungsnorm DIN 5035 folgendermaßen formuliert: “Die künstliche Beleuchtung von Innenräumen muß den Forderungen der Gesundheit und Schönheit entsprechen, dabei zweckmäßig und wirtschaftlich sein.”

Die drei aufgezählten Faktoren, Gesundheit, Schönheit und Zweckmäßigkeit, definieren die Ziele der Lichtgestaltung. Aber Wirtschaftlichkeit? Es steht weder der Norm noch dem Lichtplaner zu, die Wirtschaftlichkeit einer Lichtanlage für den Betreiber zu beurteilen oder zu berücksichtigen.

Aber auch in der allerletzten geschriebenen Beleuchtungsnorm ISO 8995-1:2025 steht 90 Jahre später die Wirtschaftlichkeit (hier economy genannt) gleichwertig neben den Faktoren, die die Lichtqualität bestimmen. So erklärt man, wie die Vorgaben für die Beleuchtung (Beleuchtungsstärke u. Ä.) ermittelt wurden:

„Die Werte gelten für übliche Sehbedingungen und berücksichtigen die folgenden Faktoren:
— psychophysiologische Aspekte wie Sehkomfort und Wohlbefinden;
— Anforderungen an Sehaufgaben;
— visuelle Ergonomie;
— praktische Erfahrung;
— Beitrag zur Betriebssicherheit;
— Wirtschaftlichkeit.

Was hat die visuelle Ergonomie mit der Wirtschaftlichkeit einer Beleuchtung zu tun? Sie hat zwar möglicherweise sehr viel damit zu tun, aber kein Lichtplaner weiß, wie das zu werten ist. Wie rechnet man Wohlbefinden gegen Wirtschaftlichkeit auf?

Erstens kann niemand die Wirtschaftlichkeit einer Beleuchtung berechnen, sondern bestenfalls die Kosten. Zweitens sollte ein Lichtplaner dem Auftraggeber überlassen, welche Kosten dieser für welche Qualität akzeptieren will. Und drittens kann niemand Aspekte der Betriebssicherheit gegen eine irgendwie geartete Wirtschaftlichkeit aufrechnen, wenn das vom ihm zu erstellende Produkt sehr langlebig ist. Soll etwa der Besteller einer Beleuchtung eine geringere Betriebssicherheit in Kauf nehmen, um Kosten zu sparen?

Was man erntet, wenn man es trotzdem versucht, zeigen die obigen Zahlen: Unternehmen mit einem Milliardenwert (Fußballverein) werden dazu gebracht, (vermutlich unwissentlich) an ihrer Wirkungsstätte, die ihnen jährlich einen dreistelligen Millionenumsatz bringt (Stadion), bei einer einmaligen langfristigen Investition (Flutlicht) in der Höhe einer niedrigen zweistelligen Millionensumme etwas zu sparen, was die Qualität ihres Produktes (Spiele im Fernsehen) mindert.

Schwer zu glauben, dass irgendjemand so etwas überhaupt gewollt haben kann.

Nachwort

Aus diesem Beitrag soll niemand herauslesen, dass es früher (ohne LED) besser gewesen sein soll. Die eine besagte Flutlichtanlage von Bayern München im Olympiastadion hatte zwar bis zu 4000 lx auf den Rasen gebracht. Während der Olympischen Spiele 1972 hatten aber manche Sportfotografen schwarze Bilder geschossen (hier Flimmern bei Olympia 1972). Dank der zeitlichen Ungleichmäßigkeit des Lichts. LEDs kann man so steuern, dass sogar Superzeitlupen ruckelfrei möglich sind.

Für die Schlussfeier der Olympischen Spiele hat man das Licht der Flutlichtanlage einmal um das Stadion herumleuchten lassen. Dazu müssten sehr teure Steuergeräte entwickelt werden. Die Show kostete dennoch viele Lampen das Leben. Überhaupt gingen damals bei jedem Einschalten ein paar Lampen zu Bruch. Eine LED-Beleuchtung hingegen kann man beliebig schnell und in Farben und Helligkeiten nach Wunsch steuern. Hingegen ließ eine HQI-Lampe nicht einmal eine starke Änderung der Brennlage zu, ohne an Lichtqualität einzubüßen – oder gar das Leben aufzugeben. Bei der Einhaltung des wichtigsten Qualitätsmerkmals, der Farbtemperatur, war die Lampe ohnehin ein lausiges technisches Objekt. Es war sehr schwierig, zwei Lampen aus einer Fertigung mit exakt gleicher Farbtemperatur zu bekommen.

Die Technik hat also riesige Fortschritte gemacht. Nur die Vorstellung von vermeintlicher Wirtschaftlichkeit, also von Kosten, ist gleich geblieben. Dort, wo klar messbare Qualitätsmerkmale wie Beleuchtungsstärke  neben qualitativen Größen wie Farbwiedergabe nebeneinander existieren, schlägt das Kostendenken gnadenlos zu.

Die LED-Technik kann Tomaten in schönstem Rot präsentieren. Wenn Tomaten eher wie Kartoffeln aussehen oder die Farbe von verrottenden Möhren tragen, liegt die Schuld nicht an der Technik, sondern an der Wirtschaftlichkeit. Muss ein Fachmann im Jahr 2026 beklagen, dass die Vereinsfarbe von Bayern München nicht richtig gezeigt werden kann oder gar der Präsident eines anderen Vereins meint, das wäre nicht mehr sein Verein?

Wie falsche Normung die Autoindustrie behinderte – und was die Lichtnormung davon lernen kann

Ein gut gemeinter Standard von heute
kann der Innovationskiller von morgen sein.
Anonymus

Wie falsche Normung die Autoindustrie behinderte , kurzgefasst

Der folgende Beitrag zeigt am Beispiel der US-amerikanischen Sealed-Beam-Scheinwerfer, wie eine ursprünglich sinnvolle Norm durch jahrzehntelange Starrheit technischen Fortschritt, Gestaltung und Sicherheit behindern kann. Die ab 1940 vorgeschriebene, versiegelte Standardeinheit sollte Ersatzteilprobleme lösen, gleichbleibende Qualität sichern und Ausfälle durch Feuchtigkeit oder verschmutzte Reflektoren verhindern. Diese Ziele waren nachvollziehbar. Problematisch war jedoch, dass die Vorschrift nicht nur die geforderte Leistung, sondern auch Bauform, Größe und technische Ausführung festlegte.

Dadurch mussten Fahrzeughersteller über vier Jahrzehnte runde Standardscheinwerfer verwenden. Europäische und japanische Modelle erhielten für den US-Markt veränderte Frontpartien; aerodynamische Formen, asymmetrisches Abblendlicht, Kurvenlicht und weitere Innovationen wurden verzögert oder verhindert. Die Folgen gingen über ästhetische Einschränkungen hinaus: geringere Reichweite, schlechtere Ausleuchtung, mehr Streulicht und stärkere Blendung beeinträchtigten die Verkehrssicherheit. Eine gute Idee wurde so zum technologischen Hindernis.

Deutschland verfolgte dagegen überwiegend ein Leistungsprinzip: Nicht die geometrische Bauform wurde vorgeschrieben, sondern die lichttechnische Wirkung. Hersteller durften unterschiedliche Formen und Technologien einsetzen, sofern Grenzwerte für Ausleuchtung und Blendung eingehalten wurden. Damit konnten Breitband-, Halogen- und später Xenonscheinwerfer wesentlich flexibler eingeführt werden.

Aus diesem Vergleich leitet der Beitrag eine grundsätzliche Kritik an heutigen Beleuchtungsnormen ab. Die aktuelle Normung beschreibt zahlreiche Arbeitsplatztypen und konkrete Beleuchtungsstärken, erklärt ihre Ziele jedoch nur unzureichend. Wer eine gleichwertige oder bessere Lösung entwickeln will, kann deren Zielerreichung deshalb kaum nachweisen. Als Alternative werden klare Leitsätze und nachvollziehbare Qualitätskriterien vorgeschlagen, während die konkrete Umsetzung den Lichtplanern überlassen bleibt. Vorbild ist DIN 5035 von 1935, die die Gütemerkmale der Innenraumbeleuchtung formulierte. Gute Normung sollte Schutzziele offenlegen, überprüfbare Leistungsanforderungen definieren und technischen wie gestalterischen Spielraum erhalten. Sie muss Sicherheit gewährleisten, ohne eine einzige Lösung festzuschreiben. Andernfalls droht auch in der Beleuchtungstechnik jene Innovationsblockade, die der Sealed-Beam-Standard in der Autoindustrie ausgelöst hat.

Wie falsche Normung die Autoindustrie behinderte – und was die Lichtnormung davon lernen kann

Ein Wort zu Normung und US-Amerika

In diesem Beitrag spielt der Unterschied zwischen den Normungssystemen der USA und Europas eine wichtige Rolle. Daher ein paar Worte zum Geleit.

Wenn man gefragt wird, wie sich der übliche Amerikaner bzw. die übliche Amerikanerin, John und Jane Doe, von Lieschen Müller oder Otto Normalverbraucher unterscheiden, werden die meisten hierzulande dem Otto Normalverbraucher eine Vorschriftengläubigkeit zuschreiben. Das US-amerikanische Pendant wird hingegen mit Freiheitsliebe und Ablehnung von Normen in Verbindung gebracht. Der typische Amerikaner hat ja nicht einmal einen Personalausweis. Aber unsereins muss sich bei der Behörde ummelden, wenn er ein Haus weiter umzieht.

Es ist wahr, dass die US-Bürger nicht viel von der Obrigkeit halten und stolz darauf sind, niemals nutzlose Individuen wie Junker und Könige gefüttert zu haben. Und geschriebene Normen vermeiden sie so gut es geht. Vorschriften gegenüber sind sie auch negativer eingestellt als hierzulande.

Das reale Leben erzählt aber andere Geschichten. Wenn ein Sachverhalt es in den USA zum “Standard“ gebracht hat, wird er sklavisch befolgt. Gnade Gott, einer weicht davon ab. Nicht einmal zum Positiven darf man abweichen, weil die Normen und Vorschriften häufig nicht angeben, was sie eigentlich bezwecken. Wenn der Zweck einer Vorschrift nicht bekannt ist, kann man nie beweisen, dass man ihn besser erfüllt.

Hingegen ist im Lande von Lieschen Müller ein oberstes Prinzip im Landesrecht, dass “Normen”, also Bestimmungen  von Gesetzen, nur eine bestimmte Lösung bringen. Wer die Ziele und den Zweck einer Norm, also auch einer DIN-Norm, mit anderen Mitteln gleich gut oder gar besser erreichen will, ist willkommen. In den letzten Jahren enthalten staatliche Normen und ähnlich qualifizierte Regelwerke einen ausdrücklichen Verweis darauf, weil die obersten Prinzipien leicht vergessen werden. Dabei stehen sie immer über dem geschriebenen Recht bzw. das geschriebene Recht wird unter Berücksichtigung der obersten Prinzipien verfasst und interpretiert. So steht in der Einleitung jeder technischen Regel für Arbeitsstätten: “Bei Einhaltung der Technischen Regeln kann der Arbeitgeber insoweit davon ausgehen, dass die entsprechenden Anforderungen der Verordnung [ArbStättV] erfüllt sind. Wählt der Arbeitgeber eine andere Lösung, muss er damit mindestens die gleiche Sicherheit und den gleichen Gesundheitsschutz für die Beschäftigten erreichen.”

Der Beitrag erklärt die schlimmen Folgen für eine Branche, die sich daraus ergeben, dass ein solches Prinzip nicht existiert oder angewendet wird. Da die Branche die Autoindustrie ist und der betrachtete Sachverhalt die Verkehrssicherheit lebenswichtigerweise betrifft, geht das Problem praktisch jeden an, auch wenn er Fußgänger ist.

Das betrachtete Problem ist eine lichttechnische Regelung, zu der es zwei unterschiedliche Lösungen, eine schlechte und eine gute, gegeben hat, die mehrere Jahrzehnte nebeneinander existiert haben. Das Thema ist Blendung, mein Steckenpferd nicht erst seit meiner Promotion.

Der Bürger muss geschützt werden, aber wie?

Das Thema ist jedem bekannt: Beim Straßenverkehr haben zwei Autofahrer, die sich auf einer Straße treffen, sehr unterschiedliche Interessen, was die Beleuchtung angeht. Der Fahrer möchte nachts möglichst gut sehen. Der ihm entgegenkommende Fahrer will allerdings dasselbe. So muss Blendung gegen Sehleistung optimiert werden. Nicht zu vergessen, die wichtigste Randbedingung: Man beleuchtet einen praktisch schwarzen Straßenbelag, den Asphalt. Auch die gefährdeten “Objekte”, die Fußgänger, sind in der durchaus gefährlichsten Situation, Regen und nasse Fahrbahn, recht dunkel bekleidet. Also keine Win-Win-Situation, sondern das Gegenteil davon.

Die Lösung, die in den USA gefunden wurde, heißt „sealed beam“, also „versiegelter Strahl“. bezeichnet eine Bauform von Scheinwerfern oder Lampen, bei der das Leuchtmittel (der Glühfaden), der Reflektor und die Streuscheibe (das Glas) fest zu einer einzigen, geschlossenen Einheit verschmolzen sind. Die so geschaffenen Scheinwerfer prägten das Automobildesign über vier Jahrzehnte lang tiefgreifend. Ihre Wirkung auf die Fahrzeugästhetik ergab sich vor allem aus einer strikten gesetzlichen Standardisierung, die Automobilherstellern über lange Zeit jegliche Freiheit bei der Gestaltung der Fahrzeugfront nahm.

Der Zwang zur Rundheit (1940–1956): 1939 führte die US-amerikanische Behörde für Verkehrssicherheit (NHTSA) eine Norm ein, die ab dem Modelljahr 1940 für alle in den USA verkauften Fahrzeuge verpflichtend wurde: Sehr bezeichnend war die Einheitsgröße: Standardisiert war ein einziger Scheinwerfertyp – rund mit einem Durchmesser von 7 Zoll (ca. 178 mm).

Designer konnten Scheinwerfer nicht mehr als individuelles Stilelement gestalten. Frontpartien mussten um genau zwei gleich große, runde Kreise herum entworfen werden. In den 1940er und 1950er Jahren wandelte sich das Autodesign vom freistehenden Scheinwerfer hin zur voll integrierten Pontonform. Die 7-Zoll-Rundscheinwerfer wurden tief in die vorderen Kotflügel eingebettet und oft von massiven Chromringen (Headlight Bezels) eingehaust.

Erst 1957 passte die US-Behörde die Regularien an und erlaubte nun ein System aus vier Scheinwerfern: Vier runde Einheiten mit je 5,75 Zoll (ca. 146 mm) Durchmesser (zwei pro Seite, getrennt für Fern- und Abblendlicht). Designer konnten nur mit der Platzierung experimentieren: Horizontal: nebeneinander auf gleicher Höhe (Standard bei den meisten Muscle Cars der 1960er). Vertikal / Gestaffelt: Übereinander angeordnet (z. B. Pontiac GTO ab 1965, Ford Galaxie 1965–1967 oder Mercedes-Benz W108/W109 in der US-Ausführung).

Da europäische und japanische Hersteller für den lukrativen US-Markt eigene Frontpartien entwickeln oder anpassen mussten, entstanden ikonische Ausweichlösungen:

Klappscheinwerfer (Pop-up Headlights): Um trotz der flachen, aerodynamischen Keilform (z. B. beim Porsche 924/944, Mazda MX-5 NA, Ferrari Daytona oder Corvette C4) die vorgeschriebene Mindesthöhe und Form der US-Sealed-Beam-Einheiten einzuhalten, wurden die Scheinwerfer tagsüber in der Karosserie versenkt.

Doppel-US-Varianten europäischer Autos: Europäische Autos besaßen oft aufwendig geformte Breitbandscheinwerfer hinter einer Glasscheibe (z. B. Citroën DS, Mercedes W114/W115, BMW E30). Für den Export in die USA mussten die Fronten oft auf doppelte Rund-Sealed-Beams umgerüstet werden, was das Erscheinungsbild der Fahrzeuge massiv veränderte.

Besonders hart wurde das ikonische Design des Citroën DS getroffen. Das einmalig formschöne Auto bekam zwei Glupschaugen. Die Plexiglasabdeckung musste entfernt werden, und auch das Kurvenlicht wurde verboten. Citroën musste die Front umbauen und vier offen liegende, runde Sealed-Beam-Einheiten einsetzen, was die aerodynamische Ästhetik des Wagens stark beeinträchtigte.

Andere Autos wie Mercedes-Benz „Strich-Acht“ (W114 / W115) & S-Klasse (W116), Jaguar XJS (1975–1996)oder der BMW 3er (E30) & 5er (E28) erlebten diverse Modifikationen, die ihr Design derart veränderten, dass Kenner von einem Kulturschock sprachen. Selbst den in den USA viel geliebten Porsche 911 hat es getroffen.

Wenn es nur beim verschandelten Design geblieben wäre …

Das Festhalten an den “sealed beam”-Scheinwerfern von 1940 bis 1983 hat dem amerikanischen Autobau massiv geschadet, aber auch die Verkehrssicherheit beeinträchtigt. Denn folgende Folgen gehen eindeutig auf die Normung zurück:

  • Verbot des asymmetrischen Abblendlichts: Mit zwei identischen Rundscheinwerfern kann man kein asymmetrisches Abblendlicht realisieren. Also war es faktisch verboten. Das US-Verbot von beweglichen und adaptiven Scheinwerfern hat die Verkehrssicherheit messbar beeinträchtigt. Während europäische Fahrer Hindernisse, Fußgänger oder Tiere in dunklen Kurven Sekundenbruchteile früher erkannten, fuhren US-Fahrer mit starren Sealed-Beam-Scheinwerfern bei Kurvenfahrt stetig in ein „schwarzes Loch“. Die Beibehaltung veralteter Vorschriften führte dazu, dass der US-Verkehrssektor jahrzehntelang bei der nächtlichen Sichtbarkeit hinter Europa zurückblieb.
  • Verbot des Kurvenlichts: Die von den Lenkradbewegungen gesteuerte Ausleuchtung von Kurven war verboten. Die NHTSA räumte die physikalische Überlegenheit des Systems intern zwar ein, hielt das Verbot aber aufrecht, um das starre Standardisierungssystem für Sealed-Beam-Hersteller zu schützen.
  • Schlechteres Licht: Bei den BMW-Modellen leuchteten die US-Scheinwerfer aber durch die vorgeschriebene Versiegelungstechnik deutlich schlechter und benötigten oft zusätzliche Kunststoff-Abdeckringe. Aber der Zwang zur Symmetrie bedingte, dass der rechte Scheinwerfer deutlich schwächer war als beim asymmetrischen Abblendlicht.
  • Mehr Blendung: Sealed-Beam-Scheinwerfer haben den Gegenverkehr deutlich stärker geblendet als Autos mit europäischem asymmetrischem Licht – und das, obwohl sie insgesamt eine spürbar schlechtere Leuchtkraft besaßen. Dieses Paradoxon lag nicht an der Helligkeit der Glühlampe, sondern an der grundlegend unterschiedlichen Lichtverteilung und Optik.
  • Schlechtere Optik der Streuscheiben-Linsen: Da die Toleranzen bei der Fertigung bei den komplett gegossenen Glaskolben hoch waren und massenhaft billig produziert werden mussten, war die Optik der Streuscheiben nicht sehr präzise. Ein beträchtlicher Teil des Lichts wurde nach oben und zur Seite gestreut, statt exakt auf die Straße projiziert zu werden. Dieses Streulicht führte bei Regen, Nebel und nasser Fahrbahn zu starker Eigen- und Fremdblendung.

 

Insgesamt wurden die Autofahrer wie auch die Fußgänger durch den Standard doppelt hart getroffen:

  • Weniger Sicht: Das Licht reichte nach vorne und rechts nicht weit genug, um Hindernisse bei höheren Geschwindigkeiten rechtzeitig zu erkennen.
  • Mehr Blendung: Trotz der geringeren Wattzahl und niedrigeren Gesamthelligkeit blendete der entgegenkommende US-Verkehr wegen der fehlenden asymmetrischen Abschneidung stärker als der europäische Gegenverkehr.

 

Der Standard wurde wegen seiner Auswirkungen als  „Gefängnis für den Autodesigner” bezeichnet. (Anm.: Der Begriff jailbreak wurde nicht von den Autodesignern erfunden, sondern von Apple-Usern von iPhones. Sie ließen sich nicht durch die Vorschriften des Herstellers davon abhalten, innovativ zu werden.)

Was wollte die US-Behörde eigentlich erreichen?

Die Einführung der Sealed-Beam-Pflicht im Jahr 1939 durch die US-Behörden (später von der NHTSA verwaltet) verfolgte ursprünglich zwei Hauptziele: die Lösung eines massiven Ersatzteil-Chaos und die Behebung gravierender Sicherheits- und Qualitätsmängel der damaligen Lichttechnik.

In den 1920er und 1930er Jahren gab es in den USA Hunderte Automobilhersteller. Jeder entwickelte eigene, maßgeschneiderte Scheinwerfergehäuse, Linsen und Glühlampen. Fiel eine Glühlampe oder ein Glas aus, gab es kaum universellen Ersatz. Autofahrer mussten oft wochenlang auf spezifische Ersatzteile warten oder fuhren gänzlich ohne funktionierendes Licht („Geisterautos“). Die Behörden wünschten sich ein System wie bei einer Haushaltslampe: Fällt ein Scheinwerfer aus, fährt man an die nächste Tankstelle, kauft für wenig Geld die Standard-Einheit (7-Zoll-Rund) und tauscht sie in Minuten selbst aus.

Das Ziel war also durchaus sicherheitsrelevant. Die Geisterautos sieht man heute noch in armen Ländern, in denen es mit dem Ersatzteilnachschub nicht klappt. Musste man aber in dem Autoland Nummer 1 der Welt über 40 Jahre an alten Zöpfen hängen?

Ein weiteres Ziel der Behörden war die Oxidation und der Qualitätsverlust der Beleuchtung. Vor den Sealed-Beams bestanden Scheinwerfer aus getrennten Teilen: einem Metallreflektor, einer losen Lampe und einer aufgesetzten Glasscheibe. Die Gehäuse waren selten vollkommen dicht. Feuchtigkeit, Straßenschmutz und Abgase drangen ein. Der Silber- oder Chromreflektor erblindete innerhalb weniger Monate und verlor einen Großteil seiner Strahlkraft. Beim Sealed Beam (versiegelter Strahl) wurden Glühfaden, Reflektor und Frontglas in einer Vakuumkammer fest miteinander verschmolzen. Dadurch blieb der Reflektor vor Sauerstoff und Schmutz geschützt. Der Scheinwerfer lieferte von Tag 1 bis zum Durchbrennen des Fadens etwa die gleiche Lichtleistung.

So wurde eine gute Idee zum technologischen Hindernis:

Ursprünglicher Vorteil (1940) Die Kehrseite (1960–1980)
Einfache Verfügbarkeit Verbot jeglicher neuer Scheinwerferformen und aerodynamischer Fronten.
Garantierte Qualität Blockade von Innovationen wie Halogenlicht, Asymmetrie, Freiform-Linsen und Glasklarglas.
Strenge Normung Zwang für europäische und japanische Importeure, ihre Autos für die USA visuell und technisch zurückzubauen.

Die Behörde hielt das Regelwerk über 40 Jahre lang extrem starr aufrecht. Aus der ursprünglichen Absicht, Qualität und Sicherheit zu sichern, wurde eine Überregulierung, die die US-Lichttechnik im internationalen Vergleich jahrzehntelang zurückwarf. Die mittelbare Wirkung war viel schlimmer. Das Design der US-Autos wurde massiv eingeschränkt, die Aerodynamik wie auch die Sicherheit des nächtlichen Verkehrs beeinträchtigt.

Was in Deutschland anders gelaufen ist

Was in der gleichen Problemlage in Deutschland gelaufen ist, war “vorbildlich” im Sinne der Normung. Die ach so liberale internationale Normung hat das Vorbild relativ spät gegen 1990 aufgegriffen. Das Vorgehen heißt Leistungsprinzip. Bei dieser Art des Vorgehens gibt man nicht vor, wie ein Produkt physikalisch oder technisch gestaltet wird, sondern was es leisten soll (Beispiel - die echten Zahlen stehen in den Regelungen): In 100 m vor dem Fahrzeug 1 lx auf der Fahrbahn.

So verfolgten im Gegensatz zum starren, formdiktierenden Ansatz der US-Behörden zuständigen deutschen Institutionen wie das Reichsverkehrsministerium, das spätere Bundesministerium für Verkehr und das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) eine völlig entgegengesetzte Philosophie: funktionale Leistungsvorgaben statt Bauformzwang.

Deutsche Behörden schrieben nie vor, wie ein Scheinwerfer geometrisch auszusehen hatte, sondern ausschließlich, was er optisch leisten musste. Anstatt eine Einheitsgröße wie den US-7-Zoll-Rundscheinwerfer vorzuschreiben, etablierten die deutschen Behörden das System der lichttechnischen Bauartgenehmigung: Herstellern wie Hella, Bosch oder Carello wurde vollkommene Gestaltungsfreiheit bei der Form (rund, oval, rechteckig, trapezförmig) gelassen.

Weil deutsche Richtlinien formneutral gehalten waren, konnten technische Innovationen der Heimindustrie ohne jahrzehntelange Gesetzesänderungen sofort in Serie gehen:

  • 1961 (Breitbandscheinwerfer): Ford Deutschland (Taunus P3 „Badewanne“) und Hella führten den ersten nicht-runden, ovalen/rechteckigen Scheinwerfer ein. Die Behörden segneten die Konstruktion ab, da das Lichtbild die gesetzlichen Vorgaben erfüllte.
  • 1962/1967 (Halogenlicht H1 / H4): Als Philips und Osram das wesentlich hellere Halogenlicht entwickelten, sperrten sich deutsche Behörden nicht, sondern zertifizierten die Zweifaden-Halogenlampe H4 rasch für den Straßenverkehr.
  • 1991 (Xenonlicht): BMW führte im 7er (E32) als weltweit erster Hersteller Gasentladungslampen ein. Die deutschen Behörden reagierten flexibel: Sie forderten für die Genehmigung nur technische Sicherheitskompensationen (wie die Pflicht zu einer automatischen Leuchtweitenregulierung und Scheinwerferreinigungsanlage), blockierten die Technologie aber nicht.

Während die US-Behörde NHTSA durch das Diktat der Sealed Beam das Fahrzeugdesign für über 40 Jahre in starre Geometrien zwang und Innovationen blockierte, agierten die deutschen Behörden als Anforderungs- und Prüfinstanz. Sie setzten strenge Sicherheitsgrenzen bei Blendung und Ausleuchtung, überließen das visuelle Design sowie die Wahl der Technologie jedoch den Ingenieuren und Designern.

Den Lichttechnikern, insbesondere denen von Osram, hat die beschriebene Entwicklung viel zu verdanken. Diese will ich kurz anführen:

  • Erfindung der Bilux-Lampe (1925): Zwei Lichtquellen in einem Kolben
  • Durchbruch des asymmetrischen Abblendlichts (1957)
  • Die Halogen-Revolution: H1 und H4 (1960er/1970er)
  • Wegbereitung für frei geformte Breitbandscheinwerfer

Ohne die lichttechnischen Erfindungen von Osram (insbesondere Bilux und H4) hätten europäische Behörden und Autohersteller kaum die Argumente gehabt, sich dem US-amerikanischen Sealed-Beam-Standard entgegenzustellen. Osram bewies, dass man Sicherheit durch Präzision im Leuchtmittel erreicht – und nicht durch das Diktat einer starren Bauform.

Gute und schlechte Normung unterscheiden sich möglicherweise nicht in ihren Bestimmungen, sondern daran, dass sie ihre Ziele deklarieren, eine gute Lösung vorgeben und den Fähigkeiten der Designer und Gestalter vertrauen.

Was die Normung für die Beleuchtung lernen kann

Wie in meinen Blogs mehrfach dargelegt, unterscheidet sich die letzte Beleuchtungsnorm ISO/CIE 8995-1:2025 im Prinzip kaum von ihrer ersten Version von 1913, die in New York entstanden ist: Die Norm listet eine Reihe von Arbeitsplätzen bzw. Arbeitsbereichen auf und gibt eine Beleuchtungsstärke dafür an (s. Osterhaus W.K.E. Office Lighting: A Review of 80 Years of Standards and Recommendations, 1993) . Darauf kommt es den Machern in erster Linie an.

Der Unterschied zwischen gestern (1913) und heute (ISO/CIE 8995-1:2025) besteht insbesondere darin, dass die Liste unendlich länger geworden ist (331 Arbeitsplatztypen in 54 Tabellen statt einer einzigen Tabelle mit 9 Zeilen). Neben der Beleuchtungsstärke werden seit etwa 1972 die Lichtfarbe (Auswahl aus zwei Optionen, ohne Empfehlung), die Farbwiedergabe (meist 80) und die Blendungsbegrenzung (früher Güteklasse nach Söllner, seit 2001 UGR). Dazu gab es noch die Gleichmäßigkeit der Beleuchtungsstärke. (Anm.: Ab 2021 werden noch weitere drei Beleuchtungsstärken angegeben. Ich habe aber noch keine Planung gesehen, die diese berücksichtigt und anders ausfällt als frühere Planungen.)

Wie kam man zu den Vorgaben zu den 331 Arbeitsplatztypen? Den Vorgang erklärt die Norm so:

„Die Werte gelten für übliche Sehbedingungen und berücksichtigen die folgenden Faktoren:
— psychophysiologische Aspekte wie Sehkomfort und Wohlbefinden;
— Anforderungen an Sehaufgaben;
— visuelle Ergonomie;
— praktische Erfahrung;
— Beitrag zur Betriebssicherheit;
— Wirtschaftlichkeit.

Das hört sich zunächst sehr seriös an. Wenn man sich aber die einzelnen Faktoren anschaut, wird sich jeder Mensch als gebildeter Laie fragen, wie man denn Sehkomfort, einen undefinierten Begriff, mit Wohlbefinden, einem wichtigen, für Außenstehende aber recht nebulösen Gemütszustand, zusammen betrachtet, um daraus unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit einen Wert für die Beleuchtungsstärke abzuleiten.

Wenn der Fragesteller nicht ein gebildeter Laie ist, den die Frage theoretisch interessiert, sondern ein Lichtplaner, der besser gestalten will als die Norm verlangt, dürfte es ihm sehr schwerfallen, die gleiche bzw. eine bessere Zielerreichung nachzuweisen. Wie es im schlimmsten Fall ausgehen kann, hat ein renommierter deutscher Lichtdesigner (und sein Auftraggeber) drastisch erlebt. Er sollte für ein großes Bauvorhaben (150.000 m² Bürofläche) ein Beleuchtungssystem entwerfen, damit der Vermieter das Objekt als Premiumbüro vermieten konnte. Drei Monate vor dem Einzug des Mieters verweigerte die Gewerbeaufsicht die Betriebsgenehmigung mit der Begründung, die geplante Beleuchtung sei keine Allgemeinbeleuchtung. Und sie hatte sogar formal recht.

Das oben ausführlich dargestellte Problem der Autoindustrie und deren desaströse Folgen für die Autonation der Amerikaner sollten Anlass dazu geben, die Beleuchtungsnormen ersatzlos abzuschaffen. Es genügt, wenn man Leitsätze einführt und die Ausführung den Lichtplanern überlässt. Für ein solches Dokument gibt es sogar eine gute Vorlage, DIN 5035 von 1935: Beleuchtung mit künstlichem Licht. In dieser ersten Fassung von 1935 wurden erstmals grundlegende „Leitsätze für die Innenraumbeleuchtung mit künstlichem Licht“ als verbindliche Gütemerkmale definiert.

Gütemerkmal ist ein anderes Wort für Qualitätskriterium. Der Begriff wurde in der deutschen Lichtnormung bis zur Abschaffung der nationalen Normung im Jahr 2001 gepflegt. Hingegen hat die internationale Community erst 2021 geschafft, den Begriff Qualität in das Vokabular aufzunehmen.

Licht, Effizienz und Unfallrisiko

Keine Sorge, das ist eine ganz einfache Frage –
es sei denn, man fängt versehentlich an, darüber nachzudenken.“
Anonymus

Licht, Effizienz und Unfallrisiko , kurzgefasst

Der Beitrag untersucht die Frage, ob und wie Licht das Unfallrisiko beeinflusst. Ausgangspunkt ist ein Vortrag aus dem Jahr 2008, dessen Aussagen vor dem Hintergrund neuer Erkenntnisse der Lichtforschung erneut betrachtet werden. Zwar wird Sicherheit auch in aktuellen Beleuchtungsnormen als Ziel genannt, doch ein belastbarer empirischer Nachweis direkter Zusammenhänge zwischen Beleuchtung und Unfallgeschehen bleibt schwierig. Die Gründe liegen vor allem in der Komplexität der Wirkungen: Licht beeinflusst nicht nur das bewusste Sehen, sondern auch circadiane Rhythmen, Wachheit, Motivation, Ermüdung, Gesundheit und das Zusammenspiel mit der Arbeitsumgebung.

Der Beitrag zeigt, dass klassische lichttechnische Größen wie Beleuchtungsstärke nur begrenzt geeignet sind, sicherheitsrelevante Wirkungen zu beschreiben. Bei vielen Tätigkeiten – insbesondere an Bildschirmen, in Warten oder bei reflektierenden Oberflächen – kann eine bloße Erhöhung der Beleuchtungsstärke sogar störend wirken. Entscheidend sind vielmehr Sehgeometrie, Blendung, Reflexe, Spektrum, Tageszeit, individuelle Unterschiede und die konkreten Anforderungen der Aufgabe. Auch die circadianen Wirkungen des Lichts sind bedeutsam, aber schwer zu messen und praktisch zu beherrschen, weil sie zeitabhängig sind, nachwirken und von der biologischen Uhr des Einzelnen abhängen.

Die zentrale Schlussfolgerung lautet daher: Licht kann Sicherheit fördern, wenn es differenziert geplant und auf Aufgabe, Mensch und Umgebung abgestimmt wird. Es ist jedoch kein einfaches Mittel zur Unfall- oder Fehlervermeidung. Die Hoffnung, durch mehr Licht automatisch bessere Leistung oder höhere Sicherheit zu erzielen, ist überholt. Stattdessen müssen visuelle, biologische und organisatorische Wirkungen gemeinsam betrachtet werden. Auch ohne eindeutigen statistischen Nachweis sollte Licht als möglicher sicherheitsrelevanter Faktor ernst genommen und vorsorglich in die Arbeitsgestaltung einbezogen werden.


Licht, Effizienz und Unfallrisiko

Zum Thema

Diesen Beitrag habe ich in Erinnerung an die guten alten Zeiten geschrieben, als die Entdeckung der intrinsisch photosensitiven Ganglienzellen (ipRGCs) alle Beteiligten in Euphorie versetzt hatte. Man glaubte endlich einen Hebel gefunden zu haben, um den nicht ganz fehlerfreien Menschen mit Hilfe von Licht zu sichererem Verhalten zu trimmen. Auch wenn man dazu die Lichttechnik neu erfinden müsste, wie mancher hochkarätiger Experte sogar schriftlich von sich gab, schien die Zeit reif.

Dass man mit Licht eine bessere Leistung erzielen würde, und das auch über eine Reduzierung der Fehler, schien Gemeingut seit fast 100 Jahren. Und jetzt auch noch das: Man kann die circadianen Rhythmen des Menschen verschieben wie mit einer Tasse Espresso. Und das binnen Minuten.

Ich hatte allerdings bereits im Jahr 2008 eine lange Karriere mit der Untersuchung vom menschlichen Fehler in industriellen Umgebungen hinter mir. Diese hatte auf dem Gebiet der nuklearen Sicherheit abgespielt, wobei man Licht und Sicherheit seit dem Nuklearunfall auf Three Mile Island 1979 im Visier hatte.

Der Beitrag beruht auf Folien eines Vortrags in 2008 und wurde in August 2026 geschrieben.

Dieser Beitrag kommentiert die Rolle des Lichts beim Unfallrisiko. Die Folien stammen alle – ohne Auslassungen – aus meinem Vortrag an der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften vom 26. Mai 2008. Seitdem sind über 18 Jahre vergangen. Die Lichtforschung hat vermutlich mehr Papiere hervorgebracht als im Jahrhundert zuvor, weil nach und nach bewusst wurde, welche prominente Rolle Licht für das Leben insgesamt spielt.

Dass die Rolle des Lichts auch die Sicherheit des Menschen umfasst, wurde bereits vor über einem Jahrhundert postuliert. Aber auch die jüngste Beleuchtungsnorm ISO/CIE 8995-1:2025 zählt die Sicherheit zu den Zielen, die diese Norm verfolgt. Nicht hier oder da, sondern global.

Durch welche Erkenntnisse ist dieses Postulat belegt? Das war das Thema des Vortrags. Ich wiederhole ihn jetzt schriftlich, weil wir sehr viele neue Erkenntnisse haben. Ob sie auch in Sachen Sicherheit etwas Neues bedeuten?

Die Übersicht beginnt mit der Arbeitsgestaltung und dem Beitrag der Lichttechnik, den diese leisten kann oder bereits geleistet hat. Die Ergonomie kennt vier hierarchisch angeordnete Ebenen der Arbeitsgestaltung, in denen man einen Beitrag eines Umweltfaktors verorten kann. Dieser kann je nach Ebene positiv oder negativ sein oder ganz fehlen.

Des Weiteren werden der Begriff Leistung und die Wirkung der menschlichen Leistung(sfähigkeit) auf den Fehler angeführt.

Licht und Strahlung wirken sich nicht nur auf die Augen oder auf die Haut aus. Sie greifen in alle Lebensvorgänge ein. Und alle diese Lebensvorgänge können für den Fehler und damit für den Unfall relevant sein.

Fast alle Studien in der Lichttechnik benutzen die Beleuchtungsstärke als die unabhängige Variable, sprich als verursachenden Faktor. Ich spreche lieber von der Intensität, weil Beleuchtungsstärke ein sehr spezieller Begriff ist, der eher Verwirrung stiftet, wenn Laien ihn benutzen. Kann man eine Beziehung zwischen der Lichtintensität und der Sicherheit aufzeigen?

Die Beziehung zwischen Unfällen und Licht ist das Hauptthema dieses Beitrags. Es ist zumindest plausibel, dass gutes Licht das Unfallgeschehen positiv beeinflusst. Hat man das empirisch belegen können?

Farbe und Spektrum gehören schon immer zu den wichtigsten Merkmalen einer Beleuchtung. Jede Vorschrift, die Beleuchtung thematisiert, schreibt vor, dass alle Sicherheitsfarben klar erkennbar sein müssen. Ist das auch heute so?

Hier sind die Arbeiten aufgezählt, die das Ergonomic Institut vor 2008 zu den genannten Themen ausgeführt hatte.

Licht und Schichtarbeit im Büro wurden sehr selten untersucht, weil es im Büro sehr selten Schichtarbeit gab. Diese Studie hatte 6 Gruppen mit je 25 Frauen in drei unterschiedlichen Räumen untersucht, die in zwei Schichten wechselweise arbeiteten. So konnte man z.B. die unterschiedliche Bewertung der gleichen Beleuchtung bei Nacht und bei Tage studieren. Zwei der Räume hatten viel Tageslicht, der dritte war ein Großraum ohne Tageslicht. Es wurde gezeigt, dass die Bildschirmarbeit bei Tageslicht weniger belastet, obwohl die Mitarbeitenden auf ihren Bildschirmen kaum etwas sahen.

Die Rolle des Lichts in den Warten von Kernkraftwerken findet besondere Beachtung seit Three Mile Island 1979. (s. Kemeny Report) Man versuchte danach, die Leistungsfähigkeit der Menschen durch hohe Beleuchtungsstärken in der Nacht zu erhöhen. Wir haben diese in sechs kerntechnischen Anlagen in Deutschland untersucht.

Licht in den Warten von Verkehrsunternehmen wurde bei der Deutschen Bundesbahn und bei verschiedenen städtischen Bahnen untersucht.

Licht und Farbe für die Fluglotsen wurden im Control Center Langen der Deutschen Flugsicherung GmbH untersucht, um die Erkenntnisse über circadiane Rhythmen umzusetzen.

Licht und Farbe für den Luftverkehr wurden im Auftrag von Airbus untersucht.

Licht und Gesundheit allgemein wurden von Ergonomic bei allen Betriebsstudien (über 300) in die Untersuchungen einbezogen.

Diese Folie symbolisiert die bis heute übliche Nutzung der künstlichen Beleuchtung, um Räume zu erschließen, in die das Tageslicht nicht hineinkommt. Das Ziel dieser Nutzung war schon immer die Erzeugung einer Sehleistung, um eine Arbeit auszuführen.

Diese Rolle des Lichts blieb über Jahrtausende gleich. Später kam hinzu, dass man mit Hilfe des künstlichen Lichts auch die Arbeitszeiten erweiterte. Am Ende steht die Gesellschaft, die nie schläft, die 24/7-Gesellschaft.

Die gesamte Entwicklung des Lichtmachens von der Öllampe bis zu Displays, die eine ganze Straße überspannen, wurde in Epochen der Kunst des Lichtmachens dargestellt.

Menschliche Arbeit muss ausführbar sein, um als solche anerkannt zu werden. Einzelaktionen, die Akrobaten oder Künstler ausführen, deren Beherrschbarkeit fraglich ist, gelten in diesem Sinne nicht als Arbeit.

Eine höherwertige Arbeit ist schädigungslos. D.h., sie lässt sich über ein ganzes Arbeitsleben ausführen, ohne dass die Arbeitenden physisch oder psychisch einen Schaden erleiden.

Die nächsthöhere Ebene ist die Zumutbarkeit der Arbeit. Unter der Zumutbarkeit der Arbeit versteht die Ergonomie das Ausmaß einer Arbeitsbelastung, das unter Berücksichtigung rechtlicher, ethischer und gesellschaftlicher Normen von Beschäftigten ohne gesundheitliche Beeinträchtigung oder Überforderung dauerhaft erbracht und akzeptiert werden kann.

Zufriedenheit ist eine subjektive Dimension. Die Ergonomie versteht unter Arbeitszufriedenheit den positiven emotionalen und kognitiven Zustand von Beschäftigten, der aus einer optimalen Übereinstimmung zwischen ihren individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten sowie den tatsächlichen Arbeitsbedingungen, -umgebungen und -aufgaben resultiert.

Unter der Sozialverträglichkeit der Arbeit versteht die Ergonomie die Gestaltung von Arbeitsbedingungen, die gesellschaftliche Werte wie Gesundheit, Chancengleichheit, soziale Teilhabe und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben nachhaltig sichern und fördern.

Welchen Beitrag kann Licht zur Ausführbarkeit der Arbeit leisten? Die Antwort wurde schon auf der Folie mit der steinzeitlichen Höhle gegeben. Für viele Arbeiten, wenn nicht für fast alle, bedeutete Licht die erste Voraussetzung zur Ausführbarkeit. Entweder nutzte man das natürliche Licht oder man schuf künstliche Quellen. Eine bestimmte Sehleistung, die die Beleuchtung erzeugt, wurde für fast jede Arbeit benötigt.

Das hat sich mit der Einführung von Bildschirmen geändert. Zunächst schleichend, weil man neben dem Bildschirm noch das Papier als Medium gebraucht hat.

Die Antwort fasst die nächste Folie zusammen.

Man gibt vor, dass das Hauptziel der Beleuchtung von Arbeitsstätten eine sog. „Sehleistung“ sei. Dies mag einst in den 1930ern wahr gewesen sein. Für manche Arbeiten macht man immer noch Beleuchtung, um eine Sehleistung zu erzielen.

Aber spätestens seit 1972 ist das Ziel der Beleuchtungsnormung nicht die Sehleistung. Dies habe ich in mehreren Beiträgen dargelegt (s. Weiterführende Beiträge)

Ein wesentlicher Faktor, der in der Lichttechnik nie erwähnt wird, ist das Erkennen von Farben. Dies wurde nie als Sehleistung bezeichnet, die übrigens gemessen an ihrer Bedeutung, eher miserabel definiert ist (s. Weiterführende Beiträge).

Für mindestens die Hälfte der Mitarbeitenden ist fast ausschließlich die Sehleistung bedeutsam, die das Sehen am Bildschirm betrifft. Diese wird von jeder Beleuchtung mehr oder weniger beeinträchtigt, weil alle Bildschirme aktive Anzeigen sind, deren Abbildung durch Fremdlicht an Qualität verliert.

Der Qualitätsverlust ist bei Büroarbeiten mit üblichen Anwendungen relativ klein und wird nur noch selten als Problem erlebt. Je wichtiger das Erkennen von Farben und Formen für eine Tätigkeit ist, desto gewichtiger ist der Qualitätsverlust. Das oberste Ende der Skala bildet das Bearbeiten hochqualitativer Fotos und Videos, für das man praktisch Dunkelheit braucht.

Medizinische Eingriffe, für die man einst sehr hohe Beleuchtungsstärken gebraucht hat, finden heute in praktisch abgedunkelten Räumen statt.

Summa summarum hat die Beleuchtung ihre Bedeutung für das gezielte Sehen stark eingebüßt oder gar ganz verloren.

Weiterführende Beiträge

Es war einmal … - Drei Ingenieure und das Märchen von der Sehleistung
Licht und Sehleistung – Wer braucht wie viel Licht
Legendenbildung und Märchenerzählung – Ungewöhnliche Aktivitäten für Ingenieure
Ist LED-Beleuchtung effizienter als die Glühlampenbeleuchtung? Eine physiologische Betrachtung
Warum man nicht nachweisen kann, dass gutes Licht die Arbeitsleistung verbessert

Die Schädigungslosigkeit ist eine Dimension, bei der das Licht eine ganz andere Bedeutung gewonnen hat, sodass man sogar die offizielle Definition der Beleuchtung geändert hat. So hieß Beleuchtung im CIE-Wörterbuch bis 2011:

“application of light to scene, objects or their surroundings so that they may be seen“ (Anwendung von Licht auf Beleuchtung eine Szene, auf Objekte oder ihrer Umgebung, damit diese sichtbar werden).

Jetzt heißt es nur noch: “application of light to a scene, objects, or their surroundings“. Mit der Beleuchtung ist kein Zweck mehr vorhanden.

Dass man mit einer Beleuchtung den Zweck verbindet, Dinge sichtbar zu machen, gilt seit 15 Jahren nicht mehr. Dies hängt mit der seit 2001 verstandenen Rolle des Lichts für die circadiane Rhythmik des Menschen zusammen. Licht kann Schaden verursachen, wenn es zur falschen Zeit wirkt. Aber auch das Fehlen von Licht zu einer Zeit, zu der der Organismus Licht erwartet, kann einen Schaden verursachen.

An diesen Erkenntnissen werden wir lange zu arbeiten haben. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, dass das viele Licht, das man nachts in Warten erzeugen wollte, um die Arbeit nachts sicherer zu machen, von der WHO 2007 als mögliche Ursache einer kanzerogenen Wirkung anerkannt wurde.

Die Lichttechnik hat immer versucht, unangenehme Wirkungen des Lichts über eine Blendungsbegrenzung zu vermeiden. Allerdings hat über 100 Jahre Forschung nicht einmal Klarheit darüber geschaffen, was Blendung eigentlich ist.

Die Lichttechnik hat auch versucht, durch hohe Beleuchtungsniveaus eine positive Wirkung zu erzielen. Erkenntnisse zu circadianen Wirkungen des Lichts, sprechen dafür, dass hohe Beleuchtungsstärken tagsüber positive Wirkungen auf den Menschen ausüben können. Da diese Wirkungen mit einer Stabilisierung der circadianen Rhythmik zusammenhängen, kann man erwarten, dass sie nicht nur der „Schädigungslosigkeit“ des Menschen dienen, sondern auch helfen, seine Arbeit sicherer zu gestalten.

Allerdings haben die auch im Jahr 2008 diskutierten Mittel, dynamisches Licht, 18 Jahre später kaum Boden gut gemacht. Das „blaue“ Licht, das 2008 als eine Art „Intelligenzverstärker“ propagiert wurde, „Blau macht schlau“, wird heute kaum noch erwähnt.

Ein ordentlicher Tropfen Wein kam im Jahr 2021 von führenden Chronobiologen, die erklärten, dass Licht ab 19:00 drastisch reduziert werden müsse, um ab 22:00 praktisch abgestellt zu werden. Wie man das anstellen soll, wenn allein die verwendeten Bildschirme mehr Licht produzieren als zulässig, weiß bis heute niemand. (Brainard et al.)

Die CIE, die seit 2015 richtiges Licht zur richtigen Zeit propagiert, ist seitdem ziemlich sprachlos. Man vergleiche die Erklärungen der CIE zum richtigen Licht zur richtigen Zeit aus den Jahren 2015, 2019 und 2024.

 Licht kann zur Zumutbarkeit der Arbeit auf vielfältige Weise beitragen. So wurde z.B. einst die Beleuchtung so bemessen, dass ein gewisser Komfort erreicht werden sollte. Brauchte man für eine Arbeit 10 lx, um gerade noch genug zu sehen, wurden 150 lx erzeugt, damit man „komfortabel“ sehen konnte. Das sollte die Ermüdung reduzieren.

Dummerweise kann man Ermüdung auch heute nicht messen. Deswegen blieben die positiven Wirkungen im theoretischen Bereich. Praktisch wirkte sich das ganze Ergebnis der Bemühungen der Lichttechnik im Gegenteil aus. Das Netzwerk LinkedIn ermittelte unter deutschen Führungskräften nach der Frage, wie sie sich einen idealen Arbeitsplatz vorstellen, folgendes Ergebnis:

Wie die LinkedIn-Studie gezeigt hat, ist den Führungskräften nach einer Flucht vor dem künstlichen Licht. Die obige Folie zählt die Gründe dafür auf.

Die schon 2008 bemängelte Ignorierung der circadianen Wirkungen und des anderen Bedarfs an Licht zu verschiedenen Zeiten wurde in einer von der BAuA (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin) beauftragten Studie (Çakir, A., Çakir, G., Kramer, H., Schierz, C., Wunsch, A. (2011). Der Stand von Wissenschaft und Technik bei neuen Beleuchtungstechnologien am Arbeitsplatz und ihre Auswirkungen. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund) von uns als eine gesicherte Erkenntnis dargestellt. Aber auch im Jahr 2026 geben Beleuchtungsnormen wie auch Arbeitsschutzvorschriften den Betrieben vor, Tag und Nacht die gleiche Beleuchtung zu betreiben.

Während im Jahr 2008 noch viel Hoffnung bestand, diese Dimension der Beleuchtungswirkungen zu ändern, sieht die Lage 2026 hoffnungslos aus.
Kann ein Umweltfaktor zumutbar sein, wenn dessen Benutzung mit Gefahren für die Gesundheit verbunden sein soll? Die Quintessenz der Expertenbeurteilung bestehender Beleuchtungen ist:

„Neben dem Fokus auf Energieeinsparung beschränken die bestehenden Richtlinien die Beleuchtungsstärke in Innenräumen auf Werte, die in der Regel mindestens eine Größenordnung unter denen der natürlichen Lichtverhältnisse im Freien liegen. Dadurch entsteht eine Lichtumgebung in Innenräumen, die für die Gesundheit, Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden des Menschen möglicherweise nicht optimal ist.“ (Brainard et al)

Bereits oben bei der Diskussion der LinkedIn-Studie wird klar ausgedrückt, dass der Beitrag von Licht zur Zufriedenheit mit der Arbeit eher negativ sein kann.

Während man Führungskräften zutrauen kann, dass sie Mittel und Wege finden können, um die Beleuchtung ihrer Umgebung doch etwas angenehmer zu gestalten, stellt sich die Situation für „normale“ Arbeitende schlimmer dar. Eine Besserung ist wenig wahrscheinlich, weil es nicht nur von den Möglichkeiten abhängt, die dem Lichttechniker zur Verfügung stehen. Denn hinter der negativen Wertung der Führungskräfte steckt in erster Linie die Knappheit des Büroraums, die eine gute Lichtplanung eher behindert.

Hinzu kommt, dass die Büros immer mehr mit grauen Akustikpaneelen vollgestellt werden, weil die neue Arbeit viel stärker auf verbaler Kommunikation beruht als früher. Diese machen jede gute Lichtplanung leicht zunichte.

Kann die Beleuchtungstechnik aus eigener Kraft für Zufriedenheit mit der Arbeit sorgen? Wie groß kann der Beitrag hierzu sein?

Ein geschlossenes Konzept, das für Zufriedenheit sorgen könnte, ist weit und breit nicht zu entdecken. Ausgenommen hiervon sind die individuellen Beiträge zu Einzelprojekten des Lighting Designs bzw. der Lichtplanung, die für eine hohe Lichtqualität sorgen. Dazu muss man wissen, dass der Begriff Lichtqualität erst nach einem Jahrhundert in das Wörterbuch der Lichttechnik aufgenommen wurde (s. Weiterführende Beiträge).

Beleuchtungsnormen oder ähnliche Richtlinien, die es seit 1913 gibt, gehen auf die individuellen Unterschiede im Lichtbedarf nicht ein, die spätestens in den 1960ern in der Lichttechnik bekannt waren.

Selbst die Accessibility, die alle Normen berücksichtigen müssen, die etwas mit dem Menschen und seiner Arbeit zu tun haben, ist in der Lichttechnik kein Begriff.

Die persönliche Einflussnahme, die mit der ISO-Norm DIN EN ISO 9241-6 Ergonomische Anforderungen für Bürotätigkeiten mit Bildschirmgeräten - Teil 6: Leitsätze für die Arbeitsumgebung in die Normung eingeführt wurde, war traditionell kein Thema für die Lichttechnik. Erst als die Steuerung von Licht einfacher wurde, wurde eine individuelle Einflussnahme auf die Beleuchtung auch in den Beleuchtungsnormen (ISO 8995-1:2025) erwähnt. Ihre hervorragende Bedeutung war 1990 mit unserer Studie Licht und Gesundheit nachgewiesen worden. (Licht und Gesundheit)

Die Beziehung zwischen der Funktionalität der Beleuchtung, die für die Sehaufgabe relevant sein kann, und der Umweltgestaltung blieb diffus, obwohl genau diesen Aspekt ein Forschender bereits 1962 thematisiert hatte. Bodmann (Bodmann, H.W.: Beleuchtungsniveaus und Sehtätigkeit, Int. Licht Rundschau, 1962, S. 4; Bodmann, H.W.: Kriterien für optimale Beleuchtungsniveaus, Lichttechnik, 15. Jahrg. Nr. 1/ 1963, S. 24-26) hatte untersucht, welche Beleuchtungsstärke Büromitarbeiter benötigten, um ihre Sehaufgaben zu erfüllen. Nach seinen Studien genügten etwa 50 lx bis 100 lx. Bodmann postulierte, dass für ein Büro 400 lx benötigt wurden, um ein helles Ambiente zu schaffen. Interessant ist, wer Bodmann war: Nach der Promotion in Kiel arbeitete Bodmann über zehn Jahre (1956-1967) in den Philips-Forschungslaboratorien in Hamburg und Aachen. Danach wurde er Professor für Lichttechnik in Karlsruhe.

Dass diese Erkenntnis nie in den Beleuchtungsnormen auftauchte, ist dem Bemühen zu verdanken, dem Arbeitgeber, als dem Auftraggeber für die Beleuchtung, vorzutäuschen, dass die Beleuchtung der Produktivität diene. Dass eine Zufriedenheit mit der Arbeitsumwelt sogar mehr zur Produktivität beitragen kann als Sehleistung, wäre für das Marketing schwer vermittelbar gewesen.

Die neuere Normung (DIN EN 12464-1:2021 und ISO/CIE 8995-1) bewegt sich weg von der Beleuchtung der Arbeitsebene, die das Maß aller Dinge war, und gibt Beleuchtungsstärken für Wände und Decken vor, was sicherlich die Zufriedenheit mit der Beleuchtung verbessern wird. Diesbezügliches Wissen war allerdings bereits in den 1970ern längst vorhanden.

Weiterführende Beiträge

CIE definiert Lichtqualität - Aber wie?
CIE definiert Lichtqualität - Was verstehen die Leute unter Qualität?
Welche Qualität haben wir bekommen?

 Das Wirkungsmodell der Ergonomie, das die Beziehung zwischen Licht und Leistungsfähigkeit herstellen will, lässt deutlich erkennen, warum es allein mit den Mitteln der Lichttechnik immer schwerfallen wird, diese Beziehung schlüssig zu belegen. Die in den grauen Kästchen aufgezählten Faktoren entziehen sich zum größten Teil der Gestaltung durch den Lichttechniker. Die ergeben die “Qualität der Sehleistung”, die aber nicht identisch ist mit der Leistungsfähigkeit der Arbeitenden. Diese wird in erheblichem Maße durch die Person und ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten bestimmt. Eine Effizienzsteigerung bzw. eine verbesserte Sicherheit wird durch das Zusammenspiel aller Faktoren erreicht.

Das von mir damals benutzte Wirkungsmodell ist bewusst simpel dargestellt worden. Jennifer Veitch, die derzeitige Präsidentin der CIE, hat die Beziehung zwischen den lichttechnisch relevanten Bedingungen und dem erzielten Ergebnis (“organisatorische Auswirkungen“) erheblich komplexer dargestellt. Die Komplexität ihrer Darstellung erklärt, warum ein empirischer Nachweis zwischen den Eigenschaften der Beleuchtung und den dadurch bewirkten Folgen (Arbeitsleistung, Fehler, Sicherheit) sehr schwer zu erbringen ist.

Mit solchen Schwierigkeiten kämpft praktisch jeder, der die Aufgabe hat, einen solchen Nachweis zu erbringen. In der Praxis ist es nicht einmal gelungen, schlüssig nachzuweisen, dass man unter gutem Licht besser lesen kann, was man in den 1930er Jahren versucht hat.

In den 1920er Jahren versuchte man, in einem Industrieunternehmen eine Verbesserung der Leistung von Industriearbeiterinnen durch verbessertes Licht nachzuweisen und erlebte eines der größten Traumata der Wissenschaft (Hawthorne-Effekt). (s. Weiterführende Beiträge)

All dies besagt nicht, dass es die behaupteten oder angestrebten Wirkungen nicht gibt. Es handelt sich eher um die Unfähigkeit empirischer Methoden, die Beziehungen aufzudecken.

Weiterführende Beiträge

Leistung, Leistung über Alles! Eine kleine Geschichte aus Hawthorne Works

Indirekte Modelle zielen darauf, die komplexen Beziehungen in kleinere aufzubrechen. So kann man durchaus zeigen, dass Menschen eine bessere Leistung durch die Aktivierung durch eine hellere Umgebung erbringen können. Das wurde in den erwähnten Versuchen nach Three Mile Island mit sehr hellen Warten in der Nacht versucht. Ein anderer Versuch war, das sog. „Mittagstief“ mit hohen Beleuchtungsstärken zu verhindern.

Man kann aber bessere Leistungen durch eine höhere Motivation erzielen. Dazu lieferte die oben zitierte Hawthorne-Studie einen guten Beweis. Theoretisch kann eine verbesserte Beleuchtung eine Leistungsverbesserung durch eine erhöhte Motivation bewirken.

Auch die Verhinderung vorzeitiger Ermüdung oder die Vermeidung von Leistungstiefs kann eine größere Sicherheit bewirken.

Keines dieser Modelle ist empirisch belegt. Den wesentlichen Grund habe ich beim Kommentar zu der vorherigen Folie erklärt.

Wer versucht, eine erhöhte Wachsamkeit in der Nacht durch hohe Beleuchtungsstärken zu erzielen, könnte bei diesem Bestreben die Mitarbeitenden auch gefährden.

Ein Großversuch, die circadiane Rhythmik von Arbeitern mit hohen Beleuchtungsstärken in der Nacht zu verschieben, um dadurch eine größere Sicherheit des Handelns zu erzielen, wurde bei einem VW-Werk ausgeführt. Über die Ergebnisse schweigt man heute lieber.

Eine Norm (DIN EN 12464-1:2001) implizierte in ihrem Geltungsbereich, dass Sehkomfort, Sehleistung und Sicherheit die wichtigsten Bedürfnisse bezüglich Beleuchtung seien. Daraus seien die Bestimmungen dieser Norm abgeleitet worden.

Das Ganze war im Jahr 2008 unwahr. Der Sehkomfort ist auch 2026 nicht definiert. Der Begriff taucht in keinem lichttechnischen Wörterbuch auf.

Mit diversen Definitionen der Sehleistung kann niemand etwas anfangen, so etwa mit dieser: „Sehleistung - Qualität der Leistung des visuellen Systems eines Beobachters in Bezug auf das zentrale und periphere Sehen“ (DIN EN 12665). Noch weniger brauchbar war die Definition aus dem CIE-Wörterbuch der Lichttechnik: „Sehleistung - Leistung des visuellen Systems, wie sie beispielsweise durch die Geschwindigkeit und die Genauigkeit gemessen wird, mit welcher eine Sehaufgabe gelöst wird.”

Das Wort „Sicherheit“ darf gemäß ISO Guide 51 „Safety aspects – Guidelines for their inclusion in standards” nur mit einem Qualifier wie “Funktionale Sicherheit” benutzt werden. Dies gilt seit 1990 für alle ISO- und IEC-Standards. In der Lichttechnik handelte man schon immer diesem Guide zuwider. Das gilt sogar für einen Standard, den die CIE mit der ISO gemeinsam entwickelt hat (ISO/CIE 8995-1:2025)

Die Ergonomie zeigt eine weitere Komplexität in der Beziehung zwischen Licht und der menschlichen Leistung. Neben den bislang diskutierten Faktoren kommen die momentane Disposition zum Zeitpunkt des Handelns einer Person und die Motivation hinzu, die das „Leistungsangebot“ bestimmen, das letztlich in der abgegebenen Leistung mündet. Ob ein Mensch sicher handelt oder nicht, wird durch sein Leistungsangebot bestimmt.

Diese Folie zeigt den prinzipiellen Verlauf der wichtigsten physiologischen Größe eines Warmblüters, der Körperkerntemperatur. Jeder Organismus versucht, diese so gut es geht stabil zu halten. Der ungestörte Melatoninspiegel orientiert sich an diesem Verlauf.

Das Melatonin existiert seit den Zeiten, als das Licht der Sonne für die meisten Lebewesen tödlich war, also seit über 2,5 Milliarden Jahren. Es gibt jedem Organismus ein Signal, das anzeigt, dass die Sonne kommt oder geht. Tagaktive Tiere verstehen das Signal am Abend als einen Hinweis, dass die Ruhezeit beginnt. Bei den nachtaktiven Tieren bewirkt das Signal das Gegenteil.

Auch Lebewesen in den Tiefen der Meere, in die kein Licht mehr eindringt, folgen dem Signal. Bei Einbruch der Dämmerung steigen Milliarden von Kleinstlebewesen (Zooplankton wie Krill und Ruderfußkrebse) sowie kleine Fische und Quallen aus Tiefen von 200 bis 1000 Metern an die lichtdurchflutete Oberfläche auf (Diel Vertical Migration, DVM). Vor Sonnenaufgang sinken oder schwimmen sie wieder in die dunkle Tiefe zurück. Nach der kombinierten Biomasse gilt die DVM als die größte tägliche synchrone Tierwanderung des Planeten.

Bereits seit langem ist der tägliche Verlauf der menschlichen Leistungsfähigkeit bekannt. Der deutsche Arbeitsphysiologe Otto Graf ermittelte die Grundlagen der zirkadianen Leistungskurve des Menschen („Graf’sche Leistungskurve“) im Rahmen seiner Forschungen von den 1930er bis in die 1950er Jahre. Eine seiner zentralen Veröffentlichungen zur Arbeitskurve und den tagesperiodischen Leistungsschwankungen erschien 1934 („Untersuchungen über die tageszeitlichen Schwankungen der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit“).

Die Kurve beschreibt die typischen Schwankungen der menschlichen Leistungsfähigkeit über einen 24-Stunden-Tag:

  • Vormittagshoch (ca. 8:00 – 11:00 Uhr): Absolutes Leistungsmaximum des Tages für Konzentration und körperliche Arbeit.
  • Mittagstief (ca. 12:00 – 14:00 Uhr): Deutlicher Abfall der Leistungsfähigkeit („Suppenkoma“ / postprandiales Tief).
  • Nachmittagshoch (ca. 16:00 – 18:00 Uhr): Zweiter, schwächerer Leistungsgipfel.
  • Nachtleistungstief (ca. 2:00 – 4:00 Uhr): Absoluter Tiefpunkt der physischen und psychischen Belastbarkeit (hohes Fehlerrisiko bei Schichtarbeit).

Die Kurve dient bis heute als Standardmodell in der Arbeitswissenschaft und Ergonomie für die Gestaltung von Arbeitszeiten, Pausenregeln und Schichtplänen.

In die Kurve eingezeichnet sind Versuche, mit Licht die Leistung des Menschen zu ändern. Der grüne Pfeil zeigt an, zu welcher Zeit man ein Leistungstief bei Arbeitenden durch Anheben der Aktivierung überwinden will. Der gelbe Pfeil markiert das Bemühen, den Zeitpunkt eines Leistungstiefs zu verschieben, damit dieser außerhalb der Arbeitszeit liegt.

Hier ist die Darstellung von Vietch, die die wirkenden Faktoren wie Leuchtdichte und die angestrebte Wirkung (“Organisatorische Auswirkungen”) zeigt. Das untere Kästchen in der Mitte (“Gruppenbeziehungen”) zeigt den Faktor, der das Hawthorne-Experiment hat scheitern lassen.

Nach dieser Darstellung lösen die Arbeitsbedingungen psychobiologische und psychologische Prozesse aus, die sich auf die Person auswirken, die handeln soll.

Insgesamt stellt sich die Beeinflussung des Menschen durch Licht als schwer nachweisbar dar.

Eine vorhandene Wirkung kann durch eine andere ausgeschlossen werden, wodurch ein Nachweis weiter erschwert wird.

Allein das Tageslicht beeinflusst durch seinen UV-Anteil Hunderte von Genen. UV steuert die Kommunikation zwischen den Zellen (z.B. systemische Kommunikation (Haut-Hirn-Achse) ).

Licht kann sich durch sein Fehlen auswirken. Alle Beeinflussungen der circadianen Rhythmik ändern diese nicht, sie verschieben sie. So erwartet der Körper morgens helles Licht. Fehlt dieses z.B. in Büroräumen, entsteht eine Lichtwirkung ohne Lichteinwirkung.

Erschwerend kommt hinzu, dass die individuellen Unterschiede enorm groß sind. Von dieser Erkenntnis profitiert z.B. die circadiane Medizin, die sich zu einem formidablen Forschungsgebiet entwickelt hat. (Charité Circadiane Medizin).

Wo sich Faktoren in medizinischem Sinne auswirken können, sind ethische Fragen für die Forschenden nicht fern. Aber auch die Lichtanwendung muss sie berücksichtigen. Dies erschwert auch den Nachweis einer Wirkung auf die Leistung und auf die Sicherheit des Handelns.

Jeder Forschende, der Lichtwirkungen bestimmen will oder soll, muss sich mit der Frage der Intensität beschäftigen. Und das ist keine leichte Aufgabe.

Wenn man Licht als Ursache für eine Wirkung begründen will, trifft man immer wieder auf die Größe Beleuchtungsstärke. Diese wurde seit über 100 Jahren in Normen vorgegeben, bei der Planung von Beleuchtungsanlagen primär berücksichtigt. Es gibt kaum eine lichttechnische Publikation, in der sie nicht vorkommt. Dummerweise entsteht dadurch mehr Konfusion denn Wissen. (zu Beleuchtungsstärke s.: Basis der Festlegung von Beleuchtungsstärkewerten in Beleuchtungsnormen und Beleuchtungsstärke – Grundgröße oder Irreführung?)

Es gibt keine einzige nachgewiesene physiologische Wirkung, die eine Beziehung zur Beleuchtungsstärke aufweist. Das wäre auch unwahrscheinlich, weil die Beleuchtungsstärke eine künstliche Größe ist, die den Beitrag aller leuchtenden Flächen über einem Betrachtungsgegenstand zusammenrechnet. Sie ist nur geeignet für die Berechnung der Lichtmenge, die an einem Punkt ankommt, wenn die Einfallsrichtung egal ist.

Wenn man die eine Art der Blendung berücksichtigen will, die das Sehen messbar beeinträchtigt, heißt die relevante Größe Lichtstärke. Die genannte Art der Blendung wird physiologisch genannt, weil man diese auch an toten Augen messen kann. Die Lichtstärke lässt sich außerhalb eines technischen Labors kaum messen. Wo sie dennoch gemessen wird, sind es die Prüfstellen von TÜVs, die Autoscheinwerfer messen müssen. Für Forschende außerhalb der Lichttechnik gibt es kaum eine  Möglichkeit, Lichtstärken zu bestimmen. Daher wird man in keiner Publikation über Leistung, Sicherheit oder Unfall  Messdaten zu Lichtstärke jemals finden.

Die für die meisten Menschen relevante Blendung nennt man “psychologisch”, weil bislang niemand physiologische Korrelate nachweisen konnte, die “Blendung” bedeuten. Die lichttechnische Größe, die für diese Art Blendung maßgeblich sein soll, ist die Leuchtdichte bzw. ihre Verteilung im Gesichtsfeld eines handelnden Menschen.

Bereits die Definition der Leuchtdichte ist ein kleines Kunststück (Ein unmöglicher Umgang mit der wichtigsten Größe – Leuchtdichte). Ihre Messung ist ein weiteres. So nimmt es nicht Wunder, dass bei Fehlern oder Unfällen niemand verwertbare Daten erfasst. Daher wird man weder die psychologische Blendung noch die Leuchtdichte in Publikationen oder Unfallprotokollen finden können.

Wenn man circadiane Wirkungen untersuchen und deren Rolle bei Fehlern oder Unfällen feststellen will, muss man sich mit einer weiteren Größe beschäftigen. Das ist die Bestrahlungsstärke auf der Retina. Diese unterscheidet sich von einer Beleuchtungsstärke dadurch, dass ihr Spektrum unbewertet ist. Wird eine Strahlung nach der V(λ)-Kurve bewertet, wird sie zu einer Beleuchtungsstärke. Ob das zulässig ist, entscheidet sich an der Empfindlichkeitskurve des Empfängers.

Da der Mensch sich und seinen Kopf häufig bewegt und zusätzlich zu beiden Bewegungen auch die Augen bewegt, ist es eine wahre Kunst, die maßgebliche physikalische Größe und ihre Intensität zu messen.

Keine in einer Planung berücksichtigten Größen sind ein Maß für die circadiane Wirkung einer Umgebung. Als Konsequenz darauf ergibt sich die Tatsache, dass die circadian wirksamen physikalischen Größen selbst in Laborumgebungen schlecht messbar sind. Daher sind alle Untersuchungen mit einem großen Fehler behaftet.

Die CIE hat im Jahr 2018 den Standard CIE S 026 CIE System for Metrology of Optical Radiation for ipRGC-Influenced Responses to Light veröffentlicht. Danach werden alle relevanten lichttechnischen Größen in ein Äquivalent umgerechnet, das die circadiane Wirkung beschreiben soll. Die Umrechnung erfolgt abhängig vom Spektrum, d.h. die neuen Größen sind z.T. sehr stark von den üblichen (photopischen) Größen und heißen jetzt melanopisch.

Wenn eine Lichtquelle eine Farbtemperatur von 6304 K hat, sind ihre photopischen und melanopischen Größen gleich, allerdings nur für 32-Jährige, weil die melanopischen Größen auch noch alterabhängig sind. Diese Abhängigkeit rührt insbesondere von der unterschiedlichen Durchlässigkeit der Augenmedien für blaues Licht her. Zusätzlich dazu spielen alle Alterungsvorgänge des Auges eine Rolle.

Wer auf circadiane Wirkungen des Lichts auf die Leistung und auf Unfallgeschehen abhebt, muss bereits bei der Bestimmung der physikalischen Wirkungsgröße von früheren Größen Abschied nehmen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass man zwar weiß, dass die circadiane Rhythmik eine große Rolle im Unfallgeschehen spielt – alle großen Katastrophen des Industriezeitalters passierten spät nach Mitternacht -, aber kaum fassbare Studien finden kann.

Der Inhalt dieser Folie hat heute dieselbe Bedeutung wie vor 18 Jahren. Wenn Fehler bei visuell geführten Tätigkeiten entstehen und mit dem Sehen in Zusammenhang stehen, kommen drei Alternativen in Frage

  • Man sieht etwas nicht, obwohl man es sehen sollte. Ein bekannter Effekt ist, dass man als Autofahrer einen Fußgänger übersieht, weil die Straßenbeleuchtung und die Eigenbeleuchtung des Fahrzeugs derart ergänzen, dass der Fußgänger unsichtbar wird. In konventionellen Schaltwarten übersieht man die Signallichter nicht, wenn die Beleuchtung zu stark ist. Auf Bildschirmen sieht man manches nicht, was durch eine Reflexion verdeckt ist.
  • Die Beleuchtung kann auch dazu führen, dass man etwas sieht, was nicht da ist. Viele optische Täuschungen beruhen darauf. Flimmerndes Licht sorgt dafür, dass man bewegte Objekte sieht, die nicht mehr da sind. Falsch positionierte Leuchten werfen tiefe Schatten, die Vertiefungen, Kanten oder Schalter überdecken. Umgekehrt können steile Schattenränder als physische Kanten fehlinterpretiert werden, was Fehltritte provoziert.
  • Am wahrscheinlichsten ist es, dass man Objekte, Bildschirmdarstellungen u.ä. verfälscht sieht. So werden auf Grafiken Farben verfälscht, Kontraste reduziert, dünne Linien verschwinden.

 

Licht wirkt nicht gleich und gleichartig. Man kann seine Wirkungen in drei Ebenen sehen.

  1. Primäre Wirkung: unmittelbare Reaktion auf das Licht und das Beleuchtete. ZU diesen Wirkungen zählt das Sehen oder die Hautpigmentierung infolge Strahlungseinfalls. Die primären Wirkungen sind meistens der Grund für eine Beleuchtung.
  2. Sekundäre Wirkung: mittelbar entstehende Wirkungen. Eine Aktivierung durch die helle Umgebung kann die Aufmerksamkeit erhöhen und dadurch Fehler zu vermeiden helfen. Blendung kann zu Ermüdung führen und dadurch Fehler begünstigen. Erfreuliches Sehen kann die Motivation erhöhen.
  3. Tertiäre Wirkung: Folgewirkungen primärer und sekundärer Wirkungen. Beim Beispiel einer Krebsentstehung (gilt nicht für Hautkrebs) wird davon ausgegangen, dass die Beleuchtung mittelbar über die Verhinderung der Melatoninausschüttung in der Nacht die Arbeit der Krebszellen vereinfacht. Die denkbare Erkrankung wird weder direkt durch das Licht verursacht, noch indirekt.

Durch diese Betrachtungsweise kann man plausibel erklären, warum früher behauptet wurde, dass das Licht von Leuchtstofflampen Krebs erzeuge und warum Arbeitsmediziner die Behauptung strikt ablehnten.

Wie diese Ebenen funktionieren, habe ich in einem Beitrag ausführlich dargestellt (Licht als Stressoer oder Stimulans - Psychophysiologische Wirkungen der Beleuchtung auf den arbeitenden Menschen)

 In dem Vortrag wurden Arbeitsunfälle und sog. Fehlhandlungen thematisiert. Unter Arbeitsunfällen versteht man Handlungen, die zu einem Schaden bei der Arbeit geführt haben, meist an der Person selbst.

Der Begriff Fehlhandlung vermeidet das Wort Fehler, das erstens sehr vieldeutig ist und zweitens bei bestimmten Arbeitsumgebungen ungern gesehen werden. Fehlhandlung ist neutral und besagt einfach, dass eine Handlung ihr Ziel nicht ganz erreicht hat.

Fehlhandlungen können sporadisch eintreten und sind kaum systematisch untersuchbar. Bei zufälligen Fehlhandlungen hat man eine Chance, ihre Entstehung zu studieren und zu beeinflussen.

Die besten Möglichkeiten einer Beeinflussung hat man bei systemischen Fehlhandlungen. Wie gut hat man in der Vergangenheit diesbezüglich agiert?

Die erste Studie, die das Licht als Unfallursache anführt, ist vermutlich in 1910 erschienen. Sie besagt, dass 10% der Arbeitsunfälle auf die Beleuchtung zurückzuführen seien.

In Deutschland hat Loef 30% bis 50% der Arbeitsunfälle als “beleuchtungsabhängig” erklärt.

Mir hat eine Unfallanalyse von 1979 sehr zu bedenken gegeben, bei der nur gesagt wurde, dass die Beleuchtung als Unfallursache nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann.

Das Unfallgeschehen lag Heinz Rüschenschmidt sehr am Herzen, weil er neue Vorschriften für die Beleuchtung von Arbeitsplätzen unter Berücksichtigung des gesetzlichen Auftrages "Verhütung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren" erarbeiten wollte. Hierzu hat er alle denkbaren Bemühungen unternommen, um eine Beziehung zwischen Beleuchtung und Unfallgeschehen zu belegen. Was er erreicht hat, ist der Nachweis, dass die Unfallzahlen im Sommer um 11,7% zurückgehen.

Mir wurde trotz Kenntnis vieler Meta-Analysen zum Unfallgeschehen keine Studie bekannt, die im Sinne des o.g. Auftrags klare Beziehungen zwischen Licht und Unfallgeschehen belegt hat.

Aber auch dieser Befund sagt nichts über den Wahrheitsgehalt aus. Denn wer Unfallanalysen betreibt und Unfallberichte schreibt, wird kaum in der Lage sein, die gesamte visuelle Umgebung zur Zeit des Unfallgeschehens zu erfassen und richtig zu interpretieren.

Bei den Verkehrsunfällen, bei denen ich Mitgutachter war, war selbst lichttechnisch geschultem und qualifiziertem Personal (Professor für Lichttechnik, Doktorand für das Fach u.ä.) nur schwer möglich, die nächtliche Situation zu rekonstruieren. Und wir hatten viel Zeit und Technik zur Verfügung.

Aus der Sicht von 2026 scheint es unwahrscheinlich, dass man eine Beziehung zwischen Licht und Unfallgeschehen allgemein nachweisen kann.

Das Thema hat die CIE auch interessiert, weil es zum internationalen Kontext gehört, in dem die CIE agiert. Sie hat einen einzigen Bericht dazu veröffentlicht. Damals haben 14 Länder angegeben, sie hätten Vorschriften zu Licht, die die Sicherheit und Gesundheit der Arbeitenden schützen sollen.

Auf welcher empirischen Basis diese Vorschriften erlassen worden sind, wollte kein Land kommentieren.

Diese Folie fasst die Gründe dafür zusammen, warum man eine Beziehung zwischen Licht und Unfallgeschehen nicht herstellen konnte.

Auch im Jahr 2026 kann ich dazu nichts ergänzen.

Zwei weitere Gründe dafür, dass man Licht als Täter entlarven konnte und kann, werden auf dieser Folie angeführt.

Licht und Sehen sind häufig die Hauptfaktoren. So kann ein Unfall auf einer regnerischen Straße eher durch eine unangemessen hohe Geschwindigkeit entstehen, wobei er bei einer besseren Beleuchtung möglicherweise weniger wahrscheinlich gewesen wäre.

Bei einem Sturz, den ein Mitarbeiter erleidet, der zuvor lange in ein helles Arbeitsobjekt geguckt hatte und so eine Stolperfalle übersehen hat, wird zwar die Fehladaptation auch von einem lichttechnischen Laien erkannt und angeführt werden. Man wird aber zunächst die Stolperfalle thematisieren.

Ein “latenter” Fehler ist ein Fehler, dessen Entdeckung die Schutzmechanismen von gut geschützten Systemen verhindern. Der Fehler kommt nie zum Vorschein, weil er sich hinter einem Schutzwall versteckt. Er kann dort ewig unwirksam bleiben.

Hier ist das Modell des Psychologen Reason, mit dem er große Katastrophen analysierte. Ein gut geschütztes System hat bis zu vier unüberwindbare Barrieren. Fehler hinter einer solchen Barriere haben üblicherweise keine Chance, einen Schaden zu verursachen. Die Schutzsysteme verhindern aber auch  deren Entdeckung. So die ingenieurmäßige Betrachtung der Sicherheit. Der Fehler ist latent  vorhanden und wird von der Technik geschützt, die eigentlich das System schützen soll.

Nach Reasons Modell sind die Barrieren aber nicht unüberwindbar, sondern nur sehr schwer zu durchdringen. Sie ähneln einem Schweizer Käse mit relativ wenigen Löchern. Gelingt es einem Fehler, eine Lücke in der Barriere zu finden, kann der latente Fehler hinter der Barriere in Erscheinung treten.

Gelingt es dem Fehler alle vier Barrieren zu überwinden, entstehen die größten Katastrophen. Genau diese hat Reason analysiert. Sein Rat war, nie zu glauben, dass ein System sicher genug wäre. Man muss vielmehr von einer Infektion ausgehen, die der Körper sicher bekämpfen kann, bis er geschwächt ist.

Der Rat für die Behandlung der Beziehung zwischen Licht und Unfallgeschehen, der aus dieser Betrachtung abgeleitet wird, ist, dass man davon ausgeht, dass alle von mir behandelten Aspekte berücksichtigt werden und entsprechend vorgesorgt wird, auch wenn ein empirischer Nachweis fehlt. Denn diesen Nachweis wird man zwar schwer erbringen können. Das will aber nicht heißen, dass damit bewiesen wäre, dass keine Gefahr existiere.

Das Allheilmittel der Lichttechnik, das Sehen durch eine höhere Intensität, z.B. durch eine höhere Beleuchtungsstärke, zu verbessern und so eine höhere Sicherheit der Handlungen zu erreichen oder Ermüdung entgegenzuwirken, bleibt in den meisten Fällen wirkungslos.

Das oben gezeigte Beispiel einer Maschine zeigt eine mögliche Fehlerquelle, die Verdeckung der relevanten Information durch eine Reflexion auf eine Maschine. Wenn man hier die Beleuchtungsstärke erhöhen will, muss man entweder die Leuchtdichte der Lampen erhöhen oder mehr Lampen installieren. In beiden Fällen wird die Störung größer.

Hingegen kann man durch eine konstruktive Maßnahme (Neigung der Scheibe anpassen) die Störquelle beseitigen. Wenn dies nicht möglich sein sollte, kann man durch eine Stufe vor dem Gerät die Sehgeometrie ändern.

Die Generallösung aller Beleuchtungsnormen, seit 1952 spiegelnde Objekte matt zu gestalten, wird bei Maschinen selten funktionieren. Die Alternativlösung, die Anordnung der Arbeitsmittel zwischen den Leuchtenreihen, wird ebenso wenig funktionieren. Sie funktioniert nicht einmal bei simplen Tastaturen.

Der meistversuchte Ansatz, das Unfallgeschehen mit der Beleuchtungsstärke in eine Beziehung zu bringen, kann in der Praxis aus mehreren Gründen nicht funktionieren. Der wichtigste Grund liegt in der betrachteten Größe selbst. Die Beleuchtungsstärke ist eine Laborgröße, die nur in der Nutzung in lichttechnischen Laboren zuverlässig funktioniert.

Die Beleuchtungsstärke in betrieblichen Umgebungen wurde in den Jahrzehnten, in denen die Betriebe entstanden sind, immer wieder neu definiert und anders gemessen. (Tiefere Erkenntnisse - Ein Wort zur zylindrischen Beleuchtungsstärke) Allein deswegen ist es unwahrscheinlich, dass man statistische Daten über das Unfallgeschehen finden kann, aus denen man ein Urteil über die Bedeutung der Beleuchtungsstärke ableiten kann.

Ein weiterer Grund, möglicherweise ein gewichtigerer, liegt in der Nutzung der Größe selbst. Kaum jemand in der Arbeitswelt, der von Beleuchtungsstärken spricht, ist sich bewusst, dass es sich um einen Vektor handelt, der neben der Größe noch eine Richtung hat. Das Letztere kann für das Sehen und somit auch für das Unfallgeschehen eine viel größere Wirkung entfalten.

Bei allen glänzenden Teilen besteht die Gefahr einer Reflexblendung. Diese ist aber kaum von der Beleuchtungsstärke abhängig. Es ist eher so, dass die Größe an sich so berechnet wird, dass die Richtung der blendenden Objekte eliminiert wird. Will man also eine Abhilfe durch eine höhere Beleuchtungsstärke schaffen, wird die Gefahr der Reflexblendung eher erhöht.

In Schaltwarten wird fast immer mit Informationsquellen gearbeitet, die reflektierende Oberflächen haben, so heute mit sehr vielen Bildschirmen. In früher gestalteten Warten dominierten Messgeräte mit Glasabdeckungen, Schaltpulte mit Instrumenten etc. So hat Völker gezeigt, dass in den Schaltwarten die Erhöhung der Beleuchtungsstärke von 200 lx auf 1.400 lx einen starken Leistungsrückgang bewirkt hat. Da der gesamte Produktionsprozess in Industrieanlagen, aber auch die Steuerung der Haustechnik in Bürohäusern über Warten gesteuert werden, bleiben Fehler, die dem Personal unterlaufen, nicht auf falsche Daten beschränkt.

Die in der Folge des AKW-Unfalls in Three Mile Island angestrebte Anhebung der Beleuchtungsstärke in den Warten auf 2.000 Lux ist überall auf Widerstände gestoßen. (Anm.: Bei guter Planung kann man solche Werte ohne Probleme realisieren. Es ist halt sehr aufwendig.)

Später hat man verstanden, dass das nächtliche Licht im Verdacht steht, Krebs auszulösen. Seit 2007 ist diese Kenntnis von der WHO anerkannt worden.

Völker hat gezeigt, dass der Einsatz von Maschinenleuchten (kleine lokale Lichtquellen, die das Sehobjekt beleuchten und sehgerecht ausgerichtet werden können) die Leistung um 10% steigern kann. (Völker, S., Ermittlung von Beleuchtungsniveaus für Industriearbeitsplätze, Wirtschaftsverlag NW, Bremerhaven, 2000)

Wie Schmidt-Claußen 1985 nachgewiesen hat, ist die präzise Anpassung der Beleuchtung bei den Arbeitsplatzleuchten, um ein Mehrfaches wirksamer als die Erhöhung der Beleuchtungsstärke. (Schmidt-Clausen, H.-J.; Hartge, J.E., Einflüsse gerichteter und diffuser Arbeitsplatzbeleuchtung auf die Erkennbarkeit, Bundesanst. f.Arbeitsschutz, Dortmund, 1986)

Erke et al haben gezeigt, dass eine Optimierung nur über eine Abstimmung der Beleuchtung, der Informationsträger (Bildschirme, Papier, Anzeigen) möglich ist. (Erke, H.; Henken, H.-M.; Kirchner, J.-H. u.a., Optische Strukturierung der Arbeitsumgebung, Wirtschaftsverlag NW, Bremerhaven, 1988)

Eigentlich muss man dies nicht nachweisen. Wenn man mit offenen Augen durch Läden, Büros oder Fabrikhallen geht, erkennt man sehr schnell, dass es anders nicht geht.

Das Ganze ist nicht einmal eine neue Erkenntnis. Bereits in den 1960er Jahren unterhielt die Siemens AG ein Ergonomielabor, dessen Hauptaufgabe darin bestand, durch eine Optimierung von Sehaufgaben und Beleuchtung die Qualität der erstellten Produkte zu erhöhen.

Das wichtigste Ziel einer funktionellen Beleuchtung besteht in der Unterstützung des bewussten Sehens. Dies funktioniert nach dem Reiz-Reaktions-Modell, dessen wichtigstes Merkmal ein S-förmiger Verlauf zwischen Reiz und Reaktion ist. D.h. bis zum Erreichen eines Schwellenwertes erfolgt keine Reaktion durch den Organismus. Danach gibt es einen steilen Anstieg, der in einem Sättigungsbereich endet. Dieser Sättigungsbereich ist beispielsweise für Büroarbeiten bei 1000 lx erreicht.

Anders als circadiane Wirkungen funktioniert das bewusste Sehen ohne Gedächtnis. Sobald man das Licht ausschaltet, sieht man nichts mehr. Was man während des beleuchteten Zeitraums gesehen hat, wirkt visuell nicht mehr nach, außer bei Nachbildern, die aber schnell abgeklungen sind.

Man betrachtet die Beziehungen zwischen Licht und bewusstem Sehen mit Hilfe von “lichttechnischen“ Größen. Diese sind sämtlich aus strahlungsphysikalischen Größen abgeleitet, die man mit Hilfe der V(λ)-Kurve bewertet. Anders als in der Lichttechnik behauptet, sind sie keine physiologischen Größen. Für keine lichttechnische Größe gibt es ein physiologisches Korrelat.

Für das Unfallgeschehen ist weiterhin relevant, dass das bewusste Sehen mitnichten eine Art fotografische Aufnahme der Umgebung durch das Auge ist. Die Erfahrung spielt eine von den meisten Experten übersehene Rolle, wie Juristen sie aus vielen Prozessen kennen, bei denen die Zeugen Dinge gesehen haben wollen, die es nie gab. Richter wundern sich nicht, dass Zeugen ein rotes Auto gesehen haben, obwohl es grün war.

Zuweilen gelingt es manchen Künstlern, nicht nur manche, sondern gleich alle zu täuschen. So haben die Konstrukteure eines im wahrsten Sinne des Wortes lebenswichtigen Bauteils dieses so gezeichnet, dass es in allen Fällen verkehrt herum eingebaut worden ist. Das war nicht irgendein Bauteil, sondern gehörte zum Reaktorschutzsystem deutscher AKW. Die durch den falschen Einbau verfälschte Anzeige betraf nicht irgendein Hilfssystem, sondern die Anzeige des Wasserstandes im Reaktor.

Die sekundäre Wirkung der Hormonausschüttung funktioniert nicht nach dem Reiz/Reaktions-Modell. Wonach es wirklich funktioniert, weiß man auch 2026 nicht. Auf jeden Fall weiß man, dass fehlende Reize (kein helles Licht in den Morgenstunden) eine Wirkung entfalten können, während übliche physikalische Umweltfaktoren vorhanden sein müssen, um zu wirken.

Die circadianen Wirkungen können durch frühere Ereignisse ausgelöst werden. So kann ungeeignete Beleuchtung am Morgen Reaktionen in der Nacht zur Folge haben. Dies erschwert die Beherrschung solcher Wirkungen enorm, weil der Arbeitgeber nur für die Beleuchtung während der Arbeitszeit zuständig ist. Zudem darf er von Arbeitnehmenden nicht verlangen, ihre häusliche Beleuchtung im Sinne der Arbeit auszurichten.

Eine weitere Besonderheit besteht darin, dass circadiane Wirkungen zeitabhängig sind. Diese Zeit ist nicht die an den Uhren gezeigte Zeit, sondern die Körperzeit des Individuums. So kann ein gewisser Lichtimpuls zur rechten Zeit die circadiane Rhythmik stabilisieren. Kommt dieser zur falschen Zeit, erfolgt eine negative Wirkung. (Siehe CIE-Erklärungen zum richtigen Licht zur richtigen Zeit CIE Statement on Non-visual Effects of Light 2015, 2019, 2024)
Circadiane Wirkungen sind zwar stark lichtabhängig, aber es gibt auch mächtige soziale Zeitgeber, über deren Wirkung man kaum geforscht hat.
Nicht zuletzt gilt der Fakt, dass Licht in der Definition der Lichttechnik allein wenig aussagefähig ist, weil diese UV und IR ausschließt. US-amerikanische Standards gehen davon aus, dass man bei circadianen Wirkungen stets das gesamte optische Spektrum berücksichtigen muss. (s. IES TM-18-08 Light and Human Health, IES TM-18-18 LIGHT AND HUMAN HEALTH)

Die Studien, die darauf abzielten, die Nacht- und Schichtarbeit mit Licht zu beeinflussen, zeigten klar, dass sich der circadiane Rhythmus bei den meisten Menschen nie vollständig an dauerhafte Nachtarbeit anpasst. Zwar lassen sich Spitzen der Müdigkeit abmildern und die kognitive Leistungsfähigkeit stabilisieren, das grundlegende gesundheitliche und verhaltensbedingte Risiko durch die Entkopplung von innerer Uhr und Außenwelt bleibt jedoch bestehen.

Traditionell wird in der Beleuchtungstechnik mit Lichtfarben statt mit echten Spektren gearbeitet. Dies beruht auf der Annahme, dass gleich empfundene Lichtfarben ungeachtet ihrer Spektralverteilung die gleiche Wirkung auslösen, weil die drei Farbempfänger im Auge nur integrale Signale liefern können. Die deutsche Lichttechnik hat diese Annahme durch Sehphysiologen untersuchen lassen. (s. Hartmann, E.; Müller-Limmroth, W.: Stellungnahme zur Frage der Verträglichkeit des Leuchtstofflampenlichtes. LiTG, Karlsruhe, 1981)

Fast alle Lichtmessgeräte geben ein Signal ab, das die Wirkung des Spektrums integriert. Beleuchtungstärkemesser integrieren gar die Wirkung aller Lichtquellen drumherum räumlich.

Beides ist bezüglich circadianer Wirkungen nicht haltbar. So wird die Wirkung dem Licht zugeschrieben, das ins Auge eintritt, d.h. beispielsweise, dass eine Horizontalbeleuchtungsstärke keinerlei Wirkung auslösen kann. Daher heben heute Forschende auf die Vertikalbeleuchtungsstärke ab.

Hinsichtlich der Spektralverteilung ist sogar eine größere Wende erfolgt. Die circadianen Wirkungen werden primär auf der Basis der Spektralverteilung der Lichtquellen berechnet.

Die Aussagen zu dieser Folie von 2008 sind sämtlich gleich geblieben. Da es in der Lichttechnik bis heute anhaltende Bestrebungen gibt, die nicht-visuellen Wirkungen der optischen Strahlung auf Licht i.S. der Lichttechnik und auf das okulare Licht zu beschränken, habe ich einen internationalen Standard als Gegenstück zu der von der CIE propagierten Konzept (s. ISO/CIE 21783 Light and lighting — Integrative lighting — Non-visual effects) beantragt und gegen die Widerstände aus der (europäischen) Lichttechnik durchgesetzt (ISO/TR 9241-610 Ergonomics of human-system interaction — Part 610: Impact of light and lighting on users of interactive systems). Die Lichttechniker der USA sind ebenfalls der Überzeugung , dass die Definition des Lichts in diesem Fall falsch ist.

Während es in lichttechnischen Kreisen üblich ist, davon zu sprechen, dass Licht als sichtbare Strahlung definiert sei, war in den Standards der US-amerikanischen IES seit 1947 angegeben worden, dass dieses Verständnis von Licht für die Zwecke der Beleuchtungstechnik gültig sei.

Ein Kapitel für sich sind die circannualen Wirkungen. Diese sind jährlich wiederkehrende Ereignisse  wie Winterschlaf. Circannuale (zirkannuale) Wirkungen sind biologische Effekte und physiologische Anpassungen, die einem endogenen Rhythmus von etwa einem Jahr (circa = ungefähr, annus = Jahr) folgen. In der Chronobiologie zählen sie zu den infradianen Rhythmen. Während zirkadiane Rhythmen den 24-Stunden-Tag-Nacht-Zyklus steuern, steuern zirkannuale Mechanismen saisonale Veränderungen im Organismus. Diese innere Jahresuhr wird hauptsächlich durch die kontinuierliche Veränderung der Tageslänge (Photoperiode) als zentralem externen Zeitgeber synchronisiert.

Die jährliche Schwankung der Tageshelligkeit verändert u.a. das Verhältnis von Melatonin (längere Synthesephasen im dunklen Winter) zu Serotonin und beeinflusst die saisonale Ausschüttung von Cortisol, Testosteron sowie Schilddrüsenhormonen. Somit stehen die circannualen und circadianen Rhythmen in einer engen Beziehung zueinander. Daher müssen sie, zumindest in der Forschung gemeinsam betrachtet werden.

Die Aussagen dieser Folie wurden mittlerweile ohne Ausnahme akzeptiert. Der CIE-Standard CIE S026:2018 berechnet die Wirkgröße auf der Basis des Spektrums.

Zwar war bereits 2001 bekannt, dass nur ein Teil des Spektrums (im blauen Bereich) für die circadianen Wirkungen wichtig war. Damals wurde aber davon ausgegangen, dass der neue Empfänger im Auge unabhängig von den bekannten Empfängern arbeiten würde. CIE S 026 geht von einer gemeinsamen Wirkung aller Empfänger im Auge aus, die sich in ihrer spektralen Empfindlichkeit unterscheiden.

Ein Thema ist in der gesamten Lichttechnik stark unterbelichtet, die emotionale Wirkung von Farbe und deren physiologische Korrelate. Küller hat nachgewiesen, dass unterschiedliche Farbgebungen in einem Raum auch physiologische Reaktionen auslösen können.

Dabei hatte Kurt Goldstein, ein deutsch-amerikanischer Neurologe und Psychiater, bereits in den 1930er Jahren die ersten grundlegenden empirischen Nachweise über die motorischen und autonomen Reaktionen des menschlichen Körpers auf Farben erbracht. Seine Schlussfolgerung: Farben wirken nicht nur als visuelle Information im Gehirn, sondern greifen direkt in das vegetatische Nervensystem und das motorische System ein.

Später hat Heinrich Frieling, ein deutscher Zoologe, Physiologe und Begründer des Instituts für Farbenpsychologie, ab den 1950er-Jahren gezielt die Wirkung von Farbräumen auf das menschliche Befinden und den Körper erforscht. In seinen Versuchen schätzten Probanden die Temperatur in rot/orange gestalteten Räumen um bis zu 3 bis 4 °C wärmer ein als in blau/grünen Räumen – bei exakt identischer realer Raumtemperatur. Frieling wies nach, dass farbige Raumumgebungen messbare Veränderungen der Herzfrequenz, der Pupillenreaktion und des Hautwiderstands hervorrufen.

Empirische Studien zur menschlichen Arbeitsleistung und zum Unfallgeschehen sind allerdings mit großen Fehlern behaftet, weil die Bestimmung der Reizgröße schwierig ist. Die Messung von Farben an sich ist schwieriger als die Messung von lichttechnischen Größen. Hinzu kommt, dass es Farben nicht gibt, sondern nur in Verbindung mit einer Beleuchtung. Die Farbe ist, wie die Helligkeit auch, eine Empfindung. Dabei ist Helligkeit eine Komponente der Farbe, sie kann sich aber auf viele physiologische Vorgänge auswirken. Für beide, Helligkeit wie Farbe, ist zudem die physikalische Ausdehnung aus Sicht des Betrachters bedeutsam. Die hierfür in der Lichttechnik gebräuchliche Größe, der Raumwinkel, ist in den meisten Disziplinen kein Begriff.

Die Wirkung des Spektrums auf physiologische Vorgänge (hier Alpha-Frequenzband () Beta-Band im Bereich von  wurde spätestens 1987 von Küller nachgewiesen. Ein Anstieg des relativen Alpha-1-Anteils (linkes Bild) gilt als sensibler Indikator für sinkende Wachheit, mentale Monotonie und das Einsetzen von Schläfrigkeit.

Im Gegensatz zu höheren Beta-Frequenzen (Beta 2 und Beta 3, ab ), die oft mit innerer Unruhe, Stress oder Angstzuständen korrelieren, steht Beta-1 (rechtes Bild) für einen zielgerichteten, aber physiologisch stabilen Arbeitsmodus des Gehirns.

Die Diagramme zeigen einen Effekt, der viel später im Zuge der Standardisierung der melanopischen Wirkung der Beleuchtung berechenbar wurde (CIE S 026:2018).

Diese Diagramme aus einer japanischen Studie zeigen neben dem circadianen Effekt auch den Fakt, dass die Wirkung nach dem Lichtereignis lange anhält.

Das zeitliche Nachwirken eines Lichtereignisses hat beim bewussten Sehen nur wenig Bedeutung. So passt sich das Auge an eine höhere Helligkeit meist binnen Minuten an. Auch die Anpassung an Dunkelheit (Dunkeladaptation), ist nach spätestens einer halben Stunde abgeschlossen. Nicht so bei circadianen Vorgängen.

Es gibt noch eine weitere Besonderheit bei hormonellen Wirkungen: Während die Anpassung an das Helligkeitsniveau (Adaptation) die Qualität des Sehens mitverändert (z.B. durch eine veränderte Unterschiedsempfindlichkeit), bewirken circadian wirksame Lichtreize keine Änderung der Wirkungskurve, sondern nur eine zeitliche Verschiebung. Das wird in dem Sinne interpretiert, dass der zeitliche Verlauf der Hormonausschüttung nicht durch exogene Faktoren bestimmt wird. Sie laufen nach einem festgelegten Programm ab.

Die Folie zeigt rechts die V(λ)-Kurve, die die Wirkung verschiedener Wellenlängen auf die Helligkeitsempfindung darstellt. Die linke Kurve symbolisiert die sog. melanopische Wirkung. Beide Kurven wurden ohne Wellenlängen dargestellt, weil die Form der linken Kurve 2008 nicht präzise genug bekannt war. Tatsächlich musste die Funktion nachgebessert werden. So ging die deutsche Normung bis 2021 von der Wirkungsfunktion der Melatoninsuppression aus. Das musste in DIN/TS 5031-100:2021-09 geändert werden. Nunmehr gilt die Empfindlichkeit des Photopigments Melanopsin als maßgeblich.

Im Jahr 2026, also 18 Jahre nach diesem Vortrag, kann man die damalige Fragestellung trotz vieler neuer Entwicklungen, so auch der Standardisierung der “melanopischen” Wirkungen in CIE S 026:2018, DIN/TS 5031-100:2021-09, DIN/TS 67600:2022-08, nicht viel anders behandeln. Der wesentliche Grund ist, dass die Beleuchtungspraxis und die Normung der Beleuchtung von Arbeitsstätten die neuen Erkenntnisse weitgehend ignorieren. Zwar kann man in den neueren Beleuchtungsnormen (DIN EN 12464-1:2021-11, ISO/CIE 8995-1:2025) verbale Erklärungen zu circadianen Wirkungen lesen, aber nur in informativen Anhängen.

Ungeachtet dessen bleibt die Frage nach den circadianen Wirkungen von Licht und Beleuchtung auf die Leistungsfähigkeit des Menschen und damit auf das Unfallgeschehen sehr bedeutsam, zumal die Nachtarbeit nicht mehr nur in klassischen Anwendungsbereichen ausgeübt wird. Heute rüttelt ein Teil der Politik an der Begrenzung der täglichen Arbeitszeiten und will mehr „Freiheit“ für den Unternehmer. Nicht eingerechnet einzelne Menschen und Gruppen, die sich diese Freiheit auch selbst in die Hand nehmen. Licht macht es möglich. Aber mit den Folgen müssen nicht diese allein herumschlagen. Alle großen technischen Katastrophen des Industriezeitalters haben sich in der Nacht ereignet, in der Zeit, in der die aktiven Menschen stärker zu Fehlern neigen, und die Resilienz des Rests auf einem Minimum liegt. Die Bemühungen, mit Licht Abhilfe zu schaffen, waren nicht erfolgreich genug.

 

Eine salutogenetische Betrachtung von Licht – Umsetzungshindernisse und Chancen

Der sicherste Ort für Schiffe ist der Hafen.
Dafür werden die Schiffe aber nicht gebaut.
Anonymus

Eine salutogenetische Betrachtung von Licht , kurzgefasst

Der Beitrag untersucht die neueste Beleuchtungsnorm ISO/CIE 8995-1:2025 aus einer salutogenetischen Perspektive und fragt, ob die Norm geeignet ist, Licht nicht nur als technische Mindestanforderung, sondern als Ressource für Gesundheit, Orientierung und Handlungsfähigkeit zu begreifen. Ausgangspunkt ist das Salutogenese-Modell, dessen Kohärenzgefühl aus Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit besteht. Diese drei Dimensionen werden auf die Beleuchtungsnorm übertragen, um deren praktische und begriffliche Leistungsfähigkeit kritisch zu prüfen.

Im Hinblick auf die Verstehbarkeit zeigt der Text erhebliche Defizite. Die Norm beansprucht, Anforderungen an Beleuchtung für Sehkomfort, Leistungsfähigkeit und Sicherheit zu formulieren. Gerade diese Zielgrößen erscheinen jedoch begrifflich unscharf oder unzureichend definiert. Der Begriff des Sehkomforts bleibt ohne belastbare Definition, Leistungsfähigkeit wird als zu weit gefasster Allgemeinbegriff kritisiert, und der Sicherheitsbegriff steht nach meiner Auffassung in Spannung zu normativen Vorgaben, die eine präzise Zweck- oder Schutzzielformulierung verlangen. Zusätzlich problematisiert der Beitrag den Geltungsbereich für Personen mit „normalem“ oder auf Normalwerte korrigiertem Sehvermögen und Lichtempfinden, da solche Normalwerte praktisch und rechtlich fragwürdig sind.

Die Handhabbarkeit wird vor allem daran gemessen, ob Betroffene oder Lichtplanende über geeignete Mittel verfügen, um Beleuchtung an individuelle Bedürfnisse anzupassen. Ich argumentiere, dass starre Beleuchtungsstärken, komplexe Tabellenwerte, unklare Begriffe und schwer überprüfbare Anforderungen die praktische Aneignung erschweren. Besonders problematisch erscheinen Bildschirmarbeitsplätze, an denen Fremdlicht Reflexionen, Blendung und visuelle Belastungen erzeugen kann. Diese werden kaum berücksichtigt, als wäre der Computer gerade erfunden worden. Zugleich weist der Beitrag darauf hin, dass moderne LED-Technik, tunable White, zonale Beleuchtung und individuell steuerbare Lichtsysteme neue Möglichkeiten eröffnen, Licht flexibler, nutzerbezogener und experimentell handhabbar zu machen.

Die Dimension der Sinnhaftigkeit verschiebt den Blick von bloßer Normkonformität auf gesundheitsförderliche Lichtumgebungen. Sichtverbindung nach außen, Tageslichtdynamik, atmosphärische Raumqualität und anpassbare Beleuchtung werden als Faktoren beschrieben, die biologische Rhythmen, Motivation und Wohlbefinden unterstützen können. Insgesamt kommt der Beitrag zu dem Ergebnis, dass eine rein pathogenetische Lichtplanung, die Augenbeschwerden, Unfälle oder Mindestwerte vermeiden will, nicht ausreicht. Eine salutogenetische Lichtplanung fragt vielmehr, wie Licht Verstehen, Bewältigen und Sinnstiftung im Arbeitsraum ermöglicht. Damit wird Licht als Bestandteil einer menschengerechten, flexiblen und gesundheitsfördernden Arbeitsumgebung verstanden, insbesondere im Kontext digitaler Arbeit und New-Work-Konzepte.

Eine salutogenetische Betrachtung von Licht - Umsetzungshindernisse und Chancen

Zum Thema

Der Beitrag Warum wir eine neue Perspektive für Lichtwirkungen brauchen kam mir in den Sinn, als ich versuchte, die neueste Beleuchtungsnorm ISO/CIE 8995-1:2025 zu verstehen. Denn die in dem Beitrag vorgeschlagene Methode, Licht salutogenetisch zu betrachten, setzt sich aus drei Komponenten zusammen:

  • der Verstehbarkeit(Fähigkeit die Situation auf ihre Ursachen hin zu analysieren)
  • der Handhabbarkeit(Wissen um die eigenen Ressourcen) und
  • der Sinnhaftigkeit(Sinnhaftigkeit eines Bewältigungsversuches)

 

Die besagte Norm ist eine wie keine andere. Sie soll global gelten, außer im erdnahen Orbit. Sie fasst in 113 Seiten so ziemlich alles zusammen, was Lichttechniker gut für die arbeitende Bevölkerung halten. Daher gelten die nachfolgenden Ausführungen auch global, also für jeden arbeitenden Menschen auf allen 6 Kontinenten.

Zu Verstehbarkeit

Die Verstehbarkeit steht nicht ohne Grund an erster Stelle in der Liste der Komponenten der Salutogenese, die eine aktive Form der Auseinandersetzung mit der Umwelt ist. So müssten die Betroffenen zumindest verstehen, was die Norm will, soll, und was sie als Instrumente bietet.

Die Norm ISO/CIE 8995-1 dient als eine globale Norm für Arbeitsplätze nach eigenem Anspruch hierzu:

„Dieses Dokument legt die Anforderungen an die Beleuchtung von Arbeitsstätten in Innenräumen fest, die den Bedürfnissen hinsichtlich Sehkomfort, Leistungsfähigkeit und Sicherheit von Personen entsprechen, deren Sehvermögen und Lichtempfindlichkeit normal sind oder auf einen normalen Wert korrigiert wurden.“

Um zu verstehen, was die Norm erreichen will, müsste jeder Mensch eine ungefähre Vorstellung davon haben, was Sehkomfort bedeutet. Aber unter den 1.347 Definitionen der CIE, dem Herausgeber dieser Norm, findet sich keine Definition von Sehkomfort. Anderswo kann man trotz intensiver Suche auch keine Definition entdecken.

Bei der Leistungsfähigkeit braucht man erst gar nicht zu suchen, denn das englische Original, performance, ist ein Allgemeinplatz. Es kann alles bedeuten, oder auch nichts. Man könnte der Meinung sein, dass es sich dabei um Sehleistung handelt. Denn die Vorlage für diese Norm, EN 12464-1, spricht im Geltungsbereich tatsächlich von Sehleistung. Warum man in der globalen Norm lieber von Leistungsfähigkeit spricht, ist vermutlich der Marketingidee für diese Norm zu verdanken. Denn mit Licht die Leistungsfähigkeit zu fördern, war schon immer ein Ziel des Lichtmarketings. Allerdings ist bereits der erste Großversuch kläglich gescheitert. (s. Kapitel Legendenbildung und Märchenerzählung – Ungewöhnliche Aktivitäten für Ingenieure und Außergewöhnliche Folgen des Hawthorne-Projekts)

Bleibt noch Sicherheit als Ziel. Die Sicherheit darf in der Normung seit 1990 nicht ohne einen Qualifier benutzt werden, schon gar nicht im Geltungsbereich. Es gibt hierzu eine offizielle Vorgabe (ISO/IEC Guide 51) den Leitfaden für die Aufnahme von Sicherheitsaspekten in Normen, wonach das Wort „Sicherheit“ (oder „sicher“) aus zwei wesentlichen Gründen nicht ohne präzisen Kontext oder Zusatz (Qualifier) verwendet werden darf:

  • Das Missverständnis der „absoluten Sicherheit“
  • Die Pflicht zur Präzision (Gegenstandsbezug)

 

Bei ISO-Standards gibt es noch ein Hindernis bei der Benutzung des Wortes Sicherheit wie safety: Ein ISO-Standard darf keine Information enthalten, die gegen örtliche gesetzliche Bestimmungen verstoßen könnte. Dazu gehören zumindest Arbeitsschutzbestimmungen, die es in den meisten Ländern gibt. Allerdings unterschieden sich diese Bestimmungen wie die Arbeitskultur selbst. Bei ISO 8995-1 steht bereits im Geltungsbereich, dass die Regelsetzer nicht allzu viel von Regeln halten, an die sich jeder halten muss.

Normen müssen eindeutig, prüfbar und unmissverständlich sein. Ein reines „Dieses Gerät ist sicher“ erfüllt dieses Kriterium nicht. Der ISO/IEC Guide 51 verpflichtet Normengremien dazu, das Wort „Sicherheit“ durch den konkreten Zweck oder das Schutzziel zu ersetzen oder zu ergänzen. Beispiele: „Schutzhelm“ (Indikation des Ziels), „Verbund-Sicherheitsglas“ (technische Eigenschaft), „Funktionale Sicherheit von Steuerungssystemen“ (Art der Sicherheit).

Dass die CIE im Jahr 2025, also 35 Jahre nach der Veröffentlichung von ISO/IEC Guide 51, einen Sündenfall begeht, ist kein Zufall, auch kein Versehen. Man beansprucht seit Jahrzehnten das Feld Arbeitsschutz – in Deutschland seit 1935 (sic!) – obwohl hierzu die Grundlage fehlt. Nach einer CIE-Untersuchung hatten 14 Staaten der Welt Vorschriften dazu, aber keiner konnte die Grundlage benennen (s. CIE 103-1993 Technical Reports, Research Notes and Reporters' Reports 103/2 Industrial Lighting and Safety at Work).

Dass die Norm gegen die ISO-Regularien verstößt und trotzdem wundersamerweise dennoch veröffentlicht wurde, macht sie nicht formal richtig, zumindest nicht für die 27 EU-Staaten. Denn die EU-Arbeitsschutzrichtlinien verbieten seit 1990 den „privaten“ Normern (z.B. IEC, CIE, ISO, DIN, VDI), auch nur zu behaupten, ihre Standards würden sich um den Arbeitsschutz kümmern. Die in Deutschland gültige „Version“ von ISO 8995-1, DIN EN 12464-1, trägt ein nationales Vorwort, in dem dies ausdrücklich klargestellt wird:

„Sicherheit und Gesundheitsschutz
Grundsätzliche Anforderungen an die Beleuchtung hinsichtlich der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit werden in Deutschland nicht in dieser Norm, sondern in der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) geregelt. ...”

Können Menschen oder Lichtplaner das alles verstehen? Sollten sie das wider Erwarten einigermaßen schaffen, werden sie spätestens an dieser Stelle echte Schwierigkeiten bekommen: Die Norm gilt gemäß Geltungsbereich für Personen „deren Sehvermögen und Lichtempfindlichkeit normal sind oder auf einen normalen Wert korrigiert wurden.“

Solche Personen existieren vermutlich nicht. Ich kenne jedenfalls weder Personen, deren Lichtempfindlichkeit normal ist, noch irgendwelche Methoden, die eine Anpassung bewerkstelligen sollen, falls einer nicht „normal“ sein soll. Ein „normales“ Sehvermögen gibt es auch nicht.

Es gibt nur einen Visus (Sehschärfe) von 1,0, der in der Ophthalmologie als Standardwert gilt. Es gibt aber Leute, die einen Visus bis 1,6 erreichen. In der Arbeitswelt gibt es Menschen, deren Visus aber bei 0,3 liegt, die bestimmte Aufgaben noch wahrnehmen können. Was normal sein soll, weiß niemand. Muss auch keiner wissen. Denn Normen für Arbeitsstätten müssen für alle Arbeitnehmer gelten und nicht nur für manche. Das Prinzip dahinter heißt Accessibility (meist übersetzt als Barrierefreiheit) und begründet ein Menschenrecht. (s. Human Factors in Lighting – alias Ergonomie der Beleuchtung). Von Rechts wegen darf eine solche Norm gar nicht veröffentlicht werden. (ISO 8995-1 wird in Deutschland nicht als nationale Norm veröffentlicht.)

Die erste Komponente der Salutogenese, die Verstehbarkeit, ist m.E. bereits durch den oben erklärten Gültigkeitsbereich nicht gegeben. Die Norm hat gemäß den Regularien der herausgebenden Stelle mindestens einen schweren formalen Fehler. Zudem ist sie nicht innerhalb der EU zulässig, weil sie die Sicherheit regeln will. Außerdem verstößt sie mit ihrem Geltungsbereich gegen ein fundamentales Menschenrecht (UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK)). Sämtliche Zielvorgaben (Sehkomfort, Leistungsfähigkeit und Sicherheit von Personen) sind entweder nicht definiert oder nicht einmal eindeutig benannt.

Bleibt noch das Problem mit der Verstehbarkeit des Inhalts, der selbst mir als promovierter Lichttechniker und Autor von 20 Normen, davon drei mit lichttechnischem Inhalt, schwerfällt. Die inhaltlichen Fragen will ich unter Handhabbarkeit behandeln.

Zu Handhabbarkeit

Was ist Handhabbarkeit?

Handhabbarkeit ist das tiefe, innere Vertrauen einer Person, dass geeignete Ressourcen zur Verfügung stehen, um die anstehenden Anforderungen und Belastungen des Lebens erfolgreich zu bewältigen.

Dabei bedeutet Handhabbarkeit nicht, dass man jedes Problem im Alleingang oder aus eigener Kraft lösen muss. Es geht vielmehr um das Wissen: „Ich habe die Mittel, um damit umzugehen – entweder durch meine eigenen Fähigkeiten oder durch die Hilfe von außen.“

Die gemeinte Hilfe von außen kann im Falle von Licht beispielsweise durch den Lichtplaner erfolgen, der den wohlgemeinten Rat von Experten, in diesem Falle die Norm, i.S. des Individuums in die Praxis umsetzt. Im Idealfall verstehen die Autoren einer Norm oder einer Arbeitsstättenregel ihr Werk als ein “antizipiertes Sachverständigengutachten”, d.h., sie erkennen die Bedürfnisse des Betroffenen bezüglich der Beleuchtung und beschreiben eine Lösung. Der Betroffene muss nur noch erkennen, wo diese Lösung seine persönlichen Bedürfnisse berührt oder diesen zuwiderläuft, um geeignete Mittel zu aktivieren. Der Lichtplaner sorgt durch seine Tätigkeit im Voraus dafür, dass der Einzelne später möglichst wenig tun muss.

Beispiel für Handhabbarkeit

Um diese Vorstellung an einem einfachen Beispiel zu erklären, reicht die Arbeitsplatzleuchte als Zusatz zur Deckenbeleuchtung eines Raumes. Wenn die Letztere für einen größeren Teil der Rauminsassen hinreichend viel Licht produziert, kann die Beleuchtungsstärke an einem bestimmten Arbeitsplatz problemlos verdoppelt werden, wo es einen Bedarf gibt. Es gibt Leuchten dieser Art, mit denen man für Schwerbehinderte bis zu 10.000 lx auf dem Sehobjekt erzeugen kann. Wem das Licht in einem Raum nicht hell genug erscheint, muss also nicht allzu viel tun. Zudem betrifft die individuelle Maßnahme niemanden sonst, wenn die Leuchte nach DIN 5035-8 gebaut ist. Diese Norm verlangt zu jeder Leuchte eine Anleitung für deren sinnvolle Nutzung, die mit der Leuchte zusammen ausgeliefert werden muss. Leuchten nach DIN 5035-8 liefern auch die einzige Beleuchtung, die ihre Aufgabe nachweisbar erfüllt. (s. Beitrag: Die einzige zertifizierbare Beleuchtung).

Wenn aber die geplante Beleuchtung eines Raumes für bestimmte Leute zu viel LIcht generiert oder blendet, gibt es keine Lösung außer Abschalten. Dazu müsste man nur einen Schalter umlegen. Doch so leicht ist die Sache nicht, denn die ASR A3.4 Beleuchtung und Sichtverbindung schreibt nicht nur Beleuchtungsstärken für die Arbeitsplätze vor. Sie gibt sogar die Punkte an, an denen diese gemessen werden müssen.

Die vorgeschriebenen Werte sind einer Beleuchtungsnorm entnommen, deren Verwendung theoretisch freiwillig ist. Auch die ASR A3.4 muss niemand so anwenden, wie sie geschrieben steht. Mir ist aber weder ein Lichtplaner noch ein Arbeitgeber bekannt, der diese erfolgreich in Frage gestellt hat. Wie soll man denn gegen eine Vorschrift argumentieren, die vorgibt, die geforderten Beleuchtungsstärken an allen in dem unteren Bild gegebenen Punkten zu messen?

Bedauerlicherweise ist ASR A3.4 zum Planen einer Beleuchtung nicht gut geeignet, sodass man in der Praxis zumindest zu den Normen greifen muss. Da wird es richtig schwierig, weil nicht einmal die Autoren der Normen einem genau erklären können, wie man eigentlich die im Geltungsbereich angeführten Ziele erreichen kann.

Mehr Licht = Besseres Licht?

Wenn man dem Tenor der Norm (z.B. EN 12464-1 oder ISO/CIE 8995-1) folgt, geschieht dies primär durch Einhalten einer bestimmten Beleuchtungsstärke, die nie unterschritten werden darf. Dieser Wert heißt seit 2001 Wartungsbeleuchtungsstärke, wurde aber neuerdings ergänzt durch einen “höheren” Wartungswert, der eigentlich auch nie unterschritten werden darf, wenn eine der folgenden Bedingungen gilt:

— die Sehaufgabe kritisch für den Arbeitsablauf ist;

— Fehler nur unter hohen Kosten behoben werden können;

— Genauigkeit, höhere Produktivität oder erhöhte Konzentration von großer Bedeutung sind;

— Aufgabendetails ungewöhnlich klein oder ungewöhnlich geringen Kontrast aufweisen;

— die Aufgabe ungewöhnlich lange ausgeführt wird;

— der Bereich der Sehaufgabe oder Tätigkeit über wenig Tageslicht verfügt.

— die Sehfähigkeit des Arbeitnehmers unter dem üblichen Sehvermögen liegt.

Eigentlich gilt eine dieser Bedingungen immer. Nehmen wir an, dass der Arbeitnehmer, der das Licht seines Arbeitsplatzes salutogenetisch handhaben will, derjenige mit dem zu geringen Sehvermögen ist. Welche Mittel stehen ihm zur Verfügung, um eine Änderung zu bewirken? Was sagen seine Kolleginnen zu seinen Bemühungen, wenn sie schon beim minimalen Wartungswert zu viel Licht und zu viel Blendung erleben?

Was mag es bedeuten, dass die Sehfähigkeit eines Menschen unter dem üblichen Sehvermögen liegt? Man wird auch bei einer langen Literatursuche keine Quelle finden, aus der man das übliche Sehvermögen ableiten  kann.

Was ist, wenn das Licht einem zu viel wird?

Die Frage nach zu viel Licht ist nicht etwa von theoretischer Natur. Denn die Normen EN 12464-1 und ihr Abkömmling ISO/CIE 8995-1 sind praktisch ohne Berücksichtigung der Computertechnik entstanden, die die Mehrzahl der Arbeitsplätze in den meisten Wirtschaftsbereichen dominiert. Für alle Arbeitsplätze werden 8 Werte vorgegeben, davon sind  fünf Beleuchtungsstärken. Dort, wo die Autoren der Norm Computerarbeitsplätze vermuten, steht eine Bemerkung in der Spalte „Besondere Anforderungen“: „DSE-work, siehe 5.10“. DSE steht für display screen equipment. Ihre Nutzung scheint sehr selten zu erfolgen, denn diese besondere Anforderung erscheint nur 10-mal in 53 Tabellen mit 331 Arbeitsplatztypen. Meiner Erfahrung nach war die Verbreitung von Computerarbeitsplätzen bereits 1990 viel weiter.

Wer der Anforderung in der Tabelle nachgeht, findet unter Abschnitt 5.10 neben einer allgemeinen Erläuterung zu Bildschirmarbeit eine Tabelle mit maximalen Leuchtdichten in Abhängigkeit von der Helligkeit des Bildschirms. Woher der Lichtplaner das Wissen herholen soll, was der künftige Betreiber eines Arbeitsraums an Displays installieren wird, wäre eine Preisfrage. Welche Technik der spätere Arbeitgeber auch nehmen mag, die Norm gilt für Bildschirme, deren Neigung maximal 15° beträgt. Sie gilt daher nicht für Laptops, die heute etwa die Hälfte der Arbeitsplätze bevölkern. Deren Neigung beträgt etwa 35°. Auch die restliche Hälfte der Bildschirme sollte gemäß einer ergonomischen Norm (DIN EN ISO 9241-500) 35° nach hinten geneigt sein.

Einäugige Betrachtung der Sehleistung

Bleibt noch das Problem mit den unerwünschten Reflexionen. Dazu verweist die Norm auf ISO 9241-307: „Die Norm ISO 9241-307 enthält Empfehlungen zu den visuellen Eigenschaften von Displays hinsichtlich unerwünschter Reflexionen.“ Erstens enthält dieser Standard keine einzige Empfehlung. Und zweitens: Sie darf keine Empfehlungen enthalten, weil sie eine Messnorm ist. Drittens: Wenn unter der Bezeichnung besondere Anforderung für einen bestimmten Arbeitsplatztyp ein Hinweis steht, man solle sich eine bestimmte Norm ansehen, kann sich der Lichtplaner veräppelt vorkommen, weil nicht angegeben ist, was man danach machen soll. Bei dem fraglichen Sachverhalt handelt es sich immerhin um eine erhebliche Beeinträchtigung der Sehleistung und um eine starke Belästigung. Wenn ISO 8995-1 vorgibt, für Sehleistung, Sehkomfort und Sicherheit zu sorgen, und dabei die Reflexionen auf Bildschirmen auf die leichte Schulter nimmt, liegt sie hinter dem Stand der Normung von 1977 zurück. Denn die Bekämpfung von Reflexionen war Gegenstand einer der ersten Bildschirmnormen in Deutschland.

Der Bezug in einer Norm von 2025 auf die ISO 9241-307 ist besonders pikant. Denn diese Norm war bereits im Entwurfsstadium für eine Bewertung von Displays erkennbar ungeeignet. So baten deutsche Prüfstellen meinen Ausschuss bereits in den Nuller-Jahren eine praktische Hilfe zu schaffen, damit man die Norm überhaupt hätte verwenden können. So entstand DIN SPEC 92413:2014-12 - Leitfaden zur Anwendung der ISO 9241-307 - LCD-Bildschirme für Bildschirmarbeitsplätze. Auch im internationalen Bereich gab es Bedarf für eine praktische Hilfe. So bekam mein internationaler Normenausschuss den Auftrag, den deutschen Standard in einen internationalen überzuführen. Das Ergebnis ist ISO/TR 9241-311:2022- Ergonomics of human-system interaction — Part 311: Guidance on application of ISO 9241-307: LCD screens for workstations. Beide Papiere sind gültige Standards. Beide wurden bei der Erstellung von ISO/CIE 8995-1:2025 nicht zur Kenntnis genommen.

 Während die Sehleistung bei der Hauptsehaufgabe für mindestens die Hälfte der Arbeitnehmerschaft immer mehr oder weniger stark unter Fremdlicht leidet, ist die Sehleistung, die man mit der Beleuchtung erzielen kann, seit etwa drei Jahrzehnten unbedeutsam. In den Büros sind die papiergebundenen Informationen, zu deren Lesen man Licht gebraucht hat, längst verschwunden. Und die Computermonitore brauchen kein Licht. Ganz im Gegenteil, jedes Fremdlicht stört die Funktion der Monitore mehr oder weniger stark.

Das betrifft insbesondere kreative Arbeiten im graphischen Gewerbe und überall dort, wo man Farben und Linien erkennen muss. Während in der Praxis die Nutzer von CAD-Bildschirmen am liebsten im Dunkeln sitzen, soll die Beleuchtungsstärke an ihrem Arbeitsplatz von 500 lx mindestens auf 1.000 lx erhöht werden, z.B. wenn Fehler nur unter hohen Kosten behoben werden können. Mir ist kein Konstruktionsarbeitsplatz bekannt, an dem Fehler ohne Kosten behoben werden können.

Welche Mittel kann ein Nutzer aktivieren, um sich vor zu viel Licht zu schützen, wenn er meint, es schade seiner Gesundheit? Systematische Abhilfen sind mir nicht bekannt, aber rabiate Methoden wie das Ausschlagen von Lampen mit einem Besenstiel oder das Abdunkeln mit Bordmitteln u.ä. Besonders durch die Beleuchtung gequälte Mitarbeitende greifen sogar zu der Maßnahme der Selbstverdunkelung.

Man kann überall ähnliche Vorgehensweisen entdecken, aber keine Systematik, wonach Lichtplaner oder Nutzer vorgehen, um Lichtbedürfnisse mit der Realität ihrer Arbeitsumgebung in Harmonie zu bringen.

Wer es dennoch versucht, wird sehr schnell kapitulieren, denn die neuen Normen reden nicht von einer Beleuchtungsstärke, sondern von vielen. Wer sie, also die Normen, verstehen will, müsste all die Beleuchtungsstärken, ihre Höhen und Gleichmäßigkeiten kennen und deren Auswirkungen auf seine Umgebung verstehen. In der nachfolgenden Tabelle ist eine Auslese von Formeln und Begriffen, die man alle kennen muss, aber nicht kennen kann. Dabei reicht nicht einmal Kennen, man müsste begriffen haben, was das alles heißt.

Die nachfolgende Tabelle habe ich aufgestellt, um einen Einspruch gegen die Norm EN 12464-1 zu formulieren. Als die Tabelle fertig war, habe ich auf den Einspruch gerne verzichtet. Wer soll wissen, was eine mittlere modifizierte Beleuchtungsstärke im Bereich der Tätigkeit ist?

Wer Weiss Denn Sowas Bedeutung
𝐸in Neuwert der Beleuchtungsstärke
𝑓m Wartungsfaktor
Ēm,r Minimaler Wartungswert der Beleuchtungsstärke
Ēm,u Höherer Wartungswert der Beleuchtungsstärke
Uo Gleichmäßigkeit
Ra Mindestwerte der Farbwiedergabe-Indizes
RUGL Maximale UGR-Grenzwerte
ĒZ Mindestwert der zylindrischen Beleuchtungsstärke
Ēm,Wand Mittlere Beleuchtungsstärke, Wand
Ēm,Decke Mittlere Beleuchtungsstärke, Decke
Ēm,modified Mittlere modifizierte Beleuchtungsstärke
Änderungen der Präferenzen der Anwender undefiniert
Bereich der Tätigkeit Nur in dieser Norm definiert
Minimaler Wartungswert Nur in dieser Norm definiert
Intervall von Wartungswerten undefiniert
Höherer Wartungswert Nur in dieser Norm definiert
maximale UGR-Grenzwerte definiert
Mindestwert der mittleren Beleuchtungsstärke an Decken Nur in dieser Norm definiert
Neu-Adaptation Undefiniert, jede Adaptation ist neu
Sehaufgabe Undefiniert (Die visuellen Elemente der auszuführenden Arbeit)
Sehkomfort undefiniert
Sehleistung undefiniert
Sichtbarkeit der Sehaufgabe undefiniert
Typ der Sehaufgabe undefiniert
Ungewöhnlich kurze Zeit undefiniert
Visuelle ergonomische Parameter Undefiniert, nicht einmal beabsichtigt
Wartungsplan definiert

Wer z.B. die Norm 8995-1 hinsichtlich der Auswirkungen auf seine visuelle Umgebung verstehen und ggf. seinen Bedürfnissen entsprechend modifizieren, will, muss ein lichttechnisches Fachbuch mit 113 Seiten lesen, verstehen und auch noch das nötige Wissen mitbringen, um sich gegen eventuelle negative Wirkungen zu schützen, die man selbst verursacht.

Hilfe durch die Technik

Eine salutogenetische Sichtweise bekommt eine erhebliche Hilfe durch die neue Technik, z.B. bei der Umsetzung von ISO/CIE 8995-1, die anders als ihre Vorgänger sehr leicht regelbar bzw. steuerbar ist. Insbesondere die im Wohnbereich einst sehr beliebten Halogenlampen reagierten auf eine Regelung mit einer Zerstörung, weil der Halogenkreisprozess nicht mehr funktionierte. Man konnte sie zwar noch durch „Freibrennen“ retten. Dazu musste man aber den Prozess verstanden haben. Während man bei Glühlampen nur den Lichtstrom steuern konnte, und das auf Kosten der Lichtfarbe, und bei Leuchtstofflampen eine Steuerung häufig mit Flimmern verbunden war, kann man bei LEDs den Lichtstrom und die Lichtfarbe (Farbtemperatur) sehr einfach ändern. Mit ausgeklügelten Techniken kann man sogar gezielt die Richtung steuern, einzelne Flächen aussparen u.Ä., was man bei Kfz-Scheinwerfern und Straßenbeleuchtungen einsetzt.

So enthält die neueste Beleuchtungsnorm eine ungewöhnlich lange Erläuterung von „Variabilität und Einstellbarkeit des Lichts“. Diese Erläuterung hat nicht nur das Vierfache ihrer Vorgängerin in EN 12464-1. Sie umfasst wesentlich mehr Aspekte und Möglichkeiten. Alle dort aufgezählten Möglichkeiten können i.S. einer salutogenetischen Betrachtung von Licht ausgenutzt werden.

Hinzu kommt, dass eine Realisierung der angeführten Möglichkeiten nicht mehr prohibitiv teuer ist. Vielmehr ist die Steuerbarkeit Teil der Technologie. tunable White (auch als Dynamic White oder CCT-Steuerung bekannt) bezeichnet eine Lichttechnologie, bei der die Farbtemperatur von weißem Licht stufenlos zwischen warmen und kühlen Tönen verändert werden kann, während die Helligkeit reguliert wird. Materialien wirken je nach Lichtfarbe völlig unterschiedlich. Während Holz, Leder und warme Farben bei 2.700 K einladend und wohnlich wirken, benötigen Sichtbeton, Glas, Stahl oder weiße Oberflächen oft kühleres Licht (4.000 K bis 5.000 K), um sauber, präzise und modern zu wirken. Mit Tunable White lässt sich die Raumwirkung flexibel an die Nutzung anpassen.

Die Handhabbarkeit in diesem Sinne ist relativ einfach, wenn man einmal den Sinn der Sache verstanden hat. Da man aufgrund der geringen Kosten und der guten Handhabbarkeit ohne viel Mühe viel experimentieren kann, kann man das Anliegen der Salutogenese besser verstehen lernen.

Zu Sinnhaftigkeit

Während die anderen beiden Komponenten (Verstehbarkeit und Handhabbarkeit) eher kognitiver und praktischer Natur sind, bildet die Sinnhaftigkeit das motivationale Fundament. Sie entscheidet darüber, ob ein Mensch überhaupt die Energie aufbringt, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen.

Ein Mensch mit einem hohen Maß an Sinnhaftigkeit:

  • Sieht Herausforderungen nicht als unfaire Bestrafung oder sinnlose Quälerei, sondern als lohnende Aufgaben, an denen man wachsen kann.
  • Empfindet wichtige Lebensbereiche (wie Familie, Beruf, Hobbys oder ein Ehrenamt) als zutiefst bedeutsam.
  • Er ist bereit, Unannehmlichkeiten, Schmerz oder Stress vorübergehend zu ertragen, weil das übergeordnete Ziel als wertvoll erachtet wird.

 

Ein Beispiel für die Sinnhaftigkeit der visuellen Umgebung ist die Sichtverbindung nach außen. Das Licht stiftet eine tiefe Verbindung zur Natur, unterstützt die innere Uhr (circadianer Rhythmus) und signalisiert dem Gehirn die emotionale und biologische "Richtigkeit" der Situation. Wie in dem Beitrag Der längste Kampf des deutschen Angestellten – Ein Plätzchen an der Sonne gezeigt, kann der Mensch in der Folge sogar mit argen Widrigkeiten wie Arbeiten an einem Bildschirm an einem Südfenster ohne Sonnenschutz fertig werden. Andere Widrigkeiten wie Lärm im Büro, zu hohe oder geringe Temperaturen stören weniger.

Ein anderes Beispiel ist sog. dynamisches Licht. Der Mensch ist evolutionär an den dynamischen Verlauf des Tageslichts angepasst. Künstliches, statisches "Dauerlicht" entzieht dem Körper den zeitlichen Kontext. Salutogenetischer Wert: Eine dynamische Beleuchtung, die den Tagesverlauf simuliert (morgens aktivierendes Blaulicht, abends beruhigendes warmes Licht), vermittelt dem Körper biologische Sinnhaftigkeit. Melatonin- und Cortisolspiegel harmonieren mit der realen Uhrzeit. Der Körper versteht, warum er jetzt wach oder müde sein soll.

Nicht zuletzt sollte die Raumatmosphäre genannt werden, die Licht sehr positiv beeinflussen kann: Licht gestaltet Räume und erzeugt Stimmungen. Ein rein funktional, rein pragmatisch ausgeleuchteter Raum (z. B. sterile Rasterdeckenleuchten) wirkt oft emotional "leer" oder gar entfremdend (Stichwort Sick Building Syndrome). Salutogenetischer Wert: Eine differenzierte Beleuchtung (Akzentlicht, Lichtzonen, warme Farbtemperaturen in Ruhebereichen) schafft Aufenthaltsqualität. Sie signalisiert Geborgenheit oder Fokus und gibt dem Raum eine emotionale Bedeutung. Wenn sich ein Raum "richtig" anfühlt, steigt das psychische Wohlbefinden und die Bereitschaft, sich auf die Umgebung einzulassen. Salutogenetischer Wert: Eine differenzierte Beleuchtung (Akzentlicht, Lichtzonen, warme Farbtemperaturen in Ruhebereichen) schafft Aufenthaltsqualität. Sie signalisiert Geborgenheit oder Fokus und gibt dem Raum eine emotionale Bedeutung. Wenn sich ein Raum "richtig" anfühlt, steigt das psychische Wohlbefinden und die Bereitschaft, sich auf die Umgebung einzulassen.

Eine rein pathogenetische Lichtplanung fragt nur: „Wie verhindern wir Augenbeschwerden oder Unfälle?“ (Einhaltung von Mindest-Luxwerten und UGR-Grenzwerten). Eine salutogenetische Lichtplanung geht einen Schritt weiter und fragt:

„Wie unterstützt das Licht den Menschen aktiv dabei, vital, motiviert und im Einklang mit seiner Biologie zu bleiben?“

Die Sinnhaftigkeit ist dabei der Hebel, der aus einem rein "normgerecht beleuchteten Arbeitsplatz" eine gesundheitsfördernde, lebendige Umgebung macht. Sie sorgt dafür, dass das visuelle System und der Hormonhaushalt nicht gegen die Umwelt ankämpfen müssen, sondern durch sie gestärkt werden.

Was bringt eine salutogenetische Betrachtungsweise des Lichts?

Die Verbesserungen, die wir vor vielen Jahren durch eine nutzerorientierte Beleuchtungsentwicklung erzielt haben, sprechen dafür, dass eine konzeptionelle Änderung vielversprechend ausfallen wird. Das nachfolgende Bild vergleicht die gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die Benutzer an 1500 Arbeitsplätzen mit ihrer Beleuchtung erlebten (Bezeichnung: Decke, BAP = tiefstrahlende Beleuchtung nach DIN 5035-7:1988), und deren Änderung nach der Installation einer optimierten Beleuchtung (2K-Opt), bei der die Benutzer eine gute Kontrolle über ihren Arbeitsplatz bekommen hatten. (Legende: 1 = gar nicht, 4 = stark)

Obwohl die mit relativ einfachen Mitteln erzielten Verbesserungen erheblich waren, kann man von einer konzeptionellen Neuausrichtung sehr viel mehr erwarten. Was dabei herauskommen kann, behandelt der Beitrag Licht für New Work.

In der modernen Arbeitswelt assoziieren wir New Work meist mit:

  • Flexibilität: Zeit- und ortsunabhängiges Arbeiten.
  • Agilität: Flache Hierarchien und eigenverantwortliche Teams.
  • Digitalisierung: Einsatz moderner Tools zur Zusammenarbeit.
  • Purpose: Die Suche nach Sinnhaftigkeit im Job.

Eine für solche Arbeitsumgebungen geeignete Beleuchtung harmoniert mit der Möblierung und Architektur des Raums. New Work setzt z.B. agile Setups voraus. Wenn Möbel rollbar sind und Wände verschoben werden, darf das Licht nicht festgeschraubt sein. Beispiele sind:

  • Stehleuchten statt Deckenraster: Moderne LED-Stehleuchten mit Präsenz- und Tageslichtsensoren sind ideal, weil sie mit dem Arbeitsplatz „mitwandern“ können.
  • Schienensysteme (Track Lighting): Ermöglichen sie, Strahler je nach Bedarf neu zu positionieren?
  • Zonale Beleuchtung: Wenn Möbel und Wände verschiebbar sind, müssen nicht unbedingt die Leuchten mitwandern, es geht auch, wenn sich die Charakteristik der Beleuchtung lokal verändern lässt. Dies hat die LED-Technik sehr erleichtert.
  • Mobile Akkuleuchten: Diese können frei im Raum platziert werden, wenn Teams Tische für ein Projekt zusammenschieben.

 

Die in dem Beitrag „Licht für New Work“ behandelten Konzepte sind ziemlich das Gegenteil der Beleuchtung, die heute bei einer Umwandlung von Büros für andere Verwendungen als Erstes rausfliegt. Und in Büros, in denen die Arbeitenden viel mitbestimmen, wird niemand Reihen von Industrieleuchten an der Decke platzierren.

Warum wir eine neue Perspektive für Lichtwirkungen brauchen

Der sicherste Ort für Schiffe ist der Hafen.
Dafür werden die Schiffe aber nicht gebaut.
Anonymus

Eine neue Perspektive für Lichtwirkungen, kurzgefasst

Die Lichttechnik hat sich über Jahrzehnte vor allem „pathogenetisch“ entwickelt: Sie fragt danach, was stört, blendet, schädigt oder vermieden werden muss. Beleuchtungsstärke, Blendungsbegrenzung, matte Oberflächen, Farbwiedergabe nach Mindestwerten und photobiologische Sicherheit bilden daher den Kern vieler Normen. Diese Sicht ist unverzichtbar, wenn klar definierte Gefahren bestehen, etwa bei UV-Strahlung, Lasern oder akuter Blendung.

Sie greift jedoch zu kurz, wenn Licht nicht nur Schäden verhindern, sondern Gesundheit, Wohlbefinden und Lebensqualität fördern soll. Hier setzt die salutogenetische Perspektive an. Sie fragt nicht primär, was krank macht, sondern welche Lichtumgebungen Menschen stärken, orientieren, aktivieren und ihnen Handlungsspielraum geben.

Dazu gehören visuelle Klarheit, lebendige Farben, Glanz als positive Qualität, Tageslichtbezug, individuelle Steuerbarkeit und eine zeitlich passende biologische Lichtdosis. Besonders deutlich wird dies bei UV-Licht und circadian wirksamer Beleuchtung: Nicht jede Exposition ist gefährlich, und nicht jede pauschale Empfehlung ist praktisch sinnvoll. Entscheidend ist die angemessene Dosis zur richtigen Zeit, angepasst an Menschen, Tätigkeiten und Lebensrhythmen.

Während die bestehenden Regeln künstliche Beleuchtung meist zeitlos und statisch behandeln, sind die nichtvisuellen Wirkungen des Lichts längst als tageszeitabhängig bekannt. Eine moderne Lichtplanung müsste daher pathogenetische Schutzprinzipien mit salutogenetischer Gestaltung verbinden. Ziel wäre nicht eine störungsfreie, aber freudlose Umgebung, sondern Licht, das Sehen ermöglicht, Ressourcen stärkt und den Menschen in seinem biologischen und psychischen Alltag unterstützt. Hier ist das Individuum besonders gefragt, weil niemand sonst seine circadiane Rhythmik erfolgreicher beeinflussen kann.

Warum wir eine neue Perspektive für Lichtwirkungen brauchen

Die Lichttechnik hat sich seit rund 100 Jahren im Wesentlichen damit beschäftigt, Helligkeit zu erzeugen. Das erkennt man vor allem daran, dass die Basis aller ihrer Größen die V(λ)-Kurve ist, die die Hellempfindung beschreibt, die die optische Strahlung mit den Wellenlängen von 380 nm bis 780 nm hervorruft. Nicht ohne Grund wollte die CIE die Einheit des Lichtstroms, Lumen, zu einer Basiseinheit des internationalen SI-Systems anerkennen lassen. Die Menge an „Lumen“, die auf eine beleuchtete Fläche fällt, die Beleuchtungsstärke, ist bei Weitem das meistgenutzte Wort in der lichttechnischen Literatur und die Basis aller Beleuchtungsnormen.

Man kann dies einerseits dadurch verstehen, dass das Helle für den Menschen immer etwas Positives bedeutet. Den Menschen nannte Carl von Linné in seinem Werk Systema Naturae homo diurnus (Tagmensch). Die Schöpfungsgeschichte der Bibel beginnt ja mit Licht; die Dunkelheit folgt danach.

Man kann es andererseits auch dadurch verstehen, dass das verfügbare künstliche Licht dem Bedarf an Licht für viele Sehaufgaben nicht ausreichte. Fast über die gesamte Geschichte der Menschheit herrschte in Arbeitsräumen ein Lichtmangel vor. Seit 2021 behaupten die Chronobiologen, existierende Beleuchtungen würden nicht hinreichend viel Vertikalbeleuchtungsstärke erzeugen, um den circadianen Rhythmus des Menschen zu aktivieren. Diese sind nicht etwa Randfiguren, die sich mit esoterischen Fragen beschäftigen, sondern eine Elite der medizinischen Forschenden, die die Chronobiologie vorwärtsgebracht hat. Somit darf die Lichttechnik des Segens der Medizin sich sicher fühlen.

Wenn man einen Schritt weitergeht und der Vorstellung folgt, dass der Mensch täglich eine bestimmte Lichtdosis braucht, unabhängig davon, wo er sich aufhält, kann man auch verstehen, dass man in Innenräumen Licht in ähnlicher Größenordnung wie draußen erzeugen wollte. Allerdings bin ich mir sicher, dass die Wahl der Vorbilder allzu glücklich war. (s. Falsche Vorbilder – Die Sonne und der Himmel.)

Das Vorgehen wurde allerdings zum einen durch die Blendung gebremst, die bereits Edison kannte. Er hatte, wie immer zu Beginn eines Projekts, sein Ziel in seinem Notizbuch präzise skizziert: Ich will ein Licht erfinden, das so wenig kostet, dass nur reiche Leute sich Kerzen leisten wollen. Und das Licht wird nicht blenden. So sind die Bemühungen um eine Begrenzung der Blendung fast so alt wie das elektrische Licht, aber leider bis heute nicht sehr erfolgreich. (s. Kapitel Blendung – Was ich schon immer wusste und nie nachfragen wollte)

Der fehlende Erfolg für eine Frage von zentraler Bedeutung, Blendung, trotz aller Bemühungen, kann eine Folge davon sein, dass der Begriff falsch gesetzt ist. In dem oben zitierten Kapitel habe ich detailliert ausgeführt, was falsch sein kann bzw. vermutlich ist. Das Vorgehen kann aber ebenso fundamental falsch sein, weil die Sichtweise fehlerhaft ist. Denn genau dieselben physikalischen Merkmale, die zu einer Blendung führen, können positive Emotionen auslösen. Nicht nur die gesamte Beleuchtung von Jahrmärkten oder Konzerthallen ist pure „Blendung“. Alles, was glänzt, kann man als Störung bezeichnen oder ebenso gut als schönen Glanz, der einem Freude macht. Ein Kollege hatte dies auf einen klaren Nenner gebracht: Beim Make-up beträgt der Abstand zwischen Positiv (Lipgloss) und Negativ (glänzende Nasenspitze) nur wenige Millimeter. So kann es sein, dass man in dem Bemühen, störungsfreies Sehen zu ermöglichen, alles verhindert, was positive Wirkungen entfalten kann. Man lebt ungestört, aber nicht gerade glücklich.

Die mächtigere Bremse, die die Lichttechnik davon abhielt, im Innenraum ähnlich hohe Beleuchtungsstärken wie draußen zu generieren, war die Energie. Zum einen war die elektrische Energie recht teuer. Zum anderen wandelten die Lampen sie nur zu einem Teil in Licht um. Der Rest lastete als Wärmestrahlung auf den Benutzern. So war es mit Glühlampen kaum möglich, eine Allgemeinbeleuchtung mit mehr als 500 lx zu erzeugen. Die Grenze lag bei Leuchtstofflampen deutlich höher, aber die Strahlungsbelastung war schon bei 2000 lx merklich. Diese Beleuchtungsstärke entspricht aber nicht unserer Vorstellung von einem heiteren Himmel, sondern nicht einmal einem trüben Novembertag in Hamburg.

So leben wir mit einem künstlichen Licht, das für viele Fachleute unzureichend ausfällt. Nicht nur Fachleuten ist das Problem der Blendung bewusst, das trotz über 100 Jahren Forschung wenig verstanden ist. Heute sagt die medizinische Forschung dazu auch noch, die künstliche Beleuchtung müsse ganz anders werden. Sollen wir etwa in Trauer versinken, weil etwas, was wir dringend brauchen, auch Probleme verursacht?

Ich will in diesem Beitrag die zwei Perspektiven in der Medizin gegenüberstellen, die allerdings keine Alternativen sind: Pathogenese und Salutogenese. Diese behandeln Störungen, Probleme, Krankmacher u. Ä. auf zweierlei Art. Daraus kann man eine Antwort auf die obige Frage geben.

Die Konzepte und ihre Unterschiede

Die Pathogenese (páthos (Leiden/Krankheit) und génesis (Entstehung)) reflektiert die Sichtweise der klassischen Medizin, die nach Faktoren sucht, die Menschen krank machen. Die Suche erfolgt mit dem Ziel, die Faktoren ausfindig zu machen und ggf. zu eliminieren. Bei Licht müssen die gesuchten Faktoren nicht unbedingt krank machen. Es genügt, wenn es die Menschen sich krank fühlen lässt, statt ihnen eine Freude zu bereiten.

Zumindest dann, wenn ein untersuchter Faktor ein biologischer Krankheitserreger war, war die Pathogenese äußerst erfolgreich. So hatte Robert Koch einwandfrei festgestellt, dass Krankheiten nicht etwa durch Myasmen entstehen, die den Menschen schwächen und mürbe machen, sondern durch jeweils einen Erreger. Zwar kann ein bestimmter Erreger einem anderen das Feld ebnen, damit auch dieser zum Zuge kommt, aber ein Tuberkuloseerreger wird nie Malaria erzeugen. Das ist seit Robert Koch bekannt, war aber nicht immer selbstverständlich. Allein dieser Erkenntnis dürfte ein erheblicher Teil der Menschheit seine Existenz verdanken.

Während die Pathogenese eine historisch lange (erfolgreiche) Tradition hat, ist die Salutogenese noch sehr jung. Sie bedeutet Entstehung und Erhaltung von Gesundheit. Das Wort setzt sich aus dem lateinischen salus (Gesundheit/Wohlbefinden) und dem griechischen génesis (Entstehung) zusammen. Das Konzept wurde in den 1970er-Jahren vom Medizinsoziologen Aaron Antonovsky als Gegenmodell zur Pathogenese entwickelt. Es fragt nicht, warum Menschen krank werden, sondern warum sie trotz Belastungen gesund bleiben. Der fundamentale Unterschied zwischen den beiden Modellen liegt in der Blickrichtung. Während die klassische Medizin (Pathogenese) den Blick auf das Defizit und die Ursache von Krankheiten richtet, fokussiert die Salutogenese die Ressourcen und die Entstehung von Gesundheit.

Antonovsky kam zu seiner Vorstellung, als er den Gesundheitszustand von Frauen untersuchte, die das Schlimmste überlebt hatten, was dem Menschen vermutlich begegnen kann: Trotz der unvorstellbaren Grauen und Traumata des Holocausts wurden 29 % der früher im KZ internierten Frauen als psychisch „völlig gesund“ und beschwerdefrei eingestuft (in der Kontrollgruppe „gesunde Frauen“ waren es 51 %), also nicht einmal doppelt so hoch. Das hat selbst einen Medizinsoziologen überrascht. So entstand die Vorstellung, dass Menschen nicht gesund oder krank sind, sondern sich in einem Zustand zwischen völliger Gesundheit und schwerer Krankheit bewegen. Die Salutogenese zielt nicht auf völlige Gesundheit, sondern auf eine – möglichst hohe – Verbesserung weg von Krankheit.

Zum Verständnis für meinen Beitrag stelle ich die besonderen Merkmale der Konzepte gegenüber:

Merkmal Pathogenese Salutogenese
Zentralfrage Was macht den Menschen krank? Was hält den Menschen gesund?
Verständnis von Gesundheit Zustand: Die Abwesenheit von Krankheit (Dichotomie: gesund oder krank). Dynamischer Prozess: Ein Kontinuum zwischen völliger Gesundheit und schwerer Krankheit.
Hauptfokus Risikofaktoren, Defizite, Erreger, Symptome und Anomalien. Schutzfaktoren, Ressourcen, Resilienz und Bewältigungsstrategien.
Rolle des Menschen Eher passiv: Patient leidet unter einer Störung und wird therapiert/„repariert“. Aktiv: Mensch reguliert sich ständig selbst und gestaltet seine Gesundheit mit.
Ziel der Maßnahme Kuration & Schadensbegrenzung: Beseitigung von Krankheitsursachen, Schmerzlinderung. Prävention & Stärkung: Aufbau von Widerstandsressourcen und Erhöhung des Kohärenzgefühls.
Umgang mit Stress Stressoren sind primär schädlich, pathogen und müssen vermieden werden. Stressoren sind normaler Teil des Lebens; entscheidend ist die erfolgreiche Bewältigung.

 

Um den Unterschied zu verdeutlichen, nutzte Aaron Antonovsky das Bild eines wilden Flusses:

  • Der pathogenetische Ansatz: Der Mensch ist in den Fluss gefallen und droht zu ertrinken. Die Pathogenese konzentriert sich darauf, den Ertrinkenden mit hohem technischem Aufwand aus dem Wasser zu retten (Therapie) oder Warnschilder an reißenden Stellen aufzustellen (klassische Risikovermeidung).
  • Der salutogenetische Ansatz: Da der Fluss des Lebens ohnehin voller Gefahren und unvorhersehbarer Strömungen ist, fragt die Salutogenese nicht nur, wie man jemanden herausholt. Sie fragt: „Wie lernt der Mensch, in diesem Fluss ein guter Schwimmer zu werden?“ (Ressourcenstärkung).

 

Dieses Modell war mir bereits als Kind aus einer anderen Welt bekannt: In der Türkei findet man an unendlich vielen Stellen am Wasser Schilder, die dort das Schwimmen verbieten. Sie werden aufgestellt, nachdem dort ein Mensch ertrinkt. Das Verbot bleibt ewig bestehen. Trotzdem oder gerade deswegen ertrinken viele Menschen, weil man nirgendwo vernünftig schwimmen lernen kann.

Beide Modelle schließen einander nicht aus, sondern ergänzen sich in der modernen Medizin und Arbeitswissenschaft. Während die Pathogenese in der Akutmedizin unverzichtbar ist, bildet die Salutogenese das Fundament für nachhaltige Prävention, ganzheitliche Ergonomie und Gesundheitsförderung. Kurz gesagt, bedeutet eine salutogenetische Orientierung eine Ausrichtung auf attraktive Gesundheitsziele und Erschließen bzw. Schaffen hilfreicher Ressourcen.

Ist die Betrachtungsweise der Lichttechnik eher pathogenetisch?

Nach meiner obigen Darstellung der Blendung ist zumindest die Betrachtung der Blendung eher pathogenetisch. Vermeide Blendung – und du bist ungestört. Dass man eine physikalische Erscheinung, die die Lichttechnik Blendung nennt, auch positiv sehen kann und für anregend halten, bleibt anderen überlassen. Die beiden Vorstellungen kollidieren insbesondere dort, wo Arbeitnehmer, die man vor Blendung schützen soll, mit Menschen zusammenkommen, für die der Arbeitsbereich der anderen als “stimmungsbetonter” Raum gestaltet wird. So etwa große Verkaufsräume, Restaurants oder Opernfoyers.

Eine Welt ohne Glanz, damit man nie gestört werde

Viel problematischer ist der Umgang mit dem Glanz in der Lichttechnik. Seit Jahrzehnten predigen die Beleuchtungsnormen, dass alles matt sein müsste, damit die Beleuchtung keine Störungen durch Glanz oder Reflexblendung erzeugen kann. Am schlimmsten kam es mit der DIN 5035-7:1988. Dort werden für alles im Raum Reflexionsgrade und Glanzgrade vorgegeben. Besonders restriktiv sind die Vorgaben bezüglich der Dinge, die sich im Bildschirm spiegeln könnten (Wände, Stellwände, Betriebseinrichtungen).

Die letztere Idee ist eigentlich nicht falsch oder auch nur problematisch, wenn man sie in einem eingerichteten Raum an einem existierenden Arbeitsplatz ausführt. Man kann gleich sehen, was dort stört, und eine Lösung finden. Manchmal dreht man den Bildschirm um 20° und schon ist man das Problem los. Wenn man aber Räume plant, muss man dafür sorgen, dass die Bedingungen immer eingehalten werden. So wird niemand damit glücklich werden, dass die Reflexionen auf seinem Bildschirm weniger geworden sind, aber dafür alle Wände einen Reflexionsgrad von 0,3 bis 0,5 haben müssen, wie die Norm es empfiehlt. Sie müssten auch matt bis halbmatt ausgeführt sein. Sollte irgendwo ein Bild hinter dem Bildschirm hängen, dürfte es nicht in einem Glasrahmen sein. In einem solchen Raum möchte aber niemand sitzen.

Die Norm ist derart rigoros, dass sie selbst helle Oberbekleidung zu Dingen zählt, die sich im Bildschirm spiegeln können. Einen salutogenetischen Umgang mit der Arbeitsumgebung stellt man sich besser anders vor.

Man stelle sich ein Haus, einen Laden oder ein Opernfoyer vor, wo sämtliche Gegenstände matt sind, damit sich nichts in einem Bildschirm spiegeln kann, der sich heute in allen Lebenslagen finden lässt. Der Bildschirm heißt heute Display, aber ansonsten spiegelt er immer noch. Man müsste sich selbst seine Hemden danach aussuchen. Eine freudlosere Umgebung lässt sich schwer vorstellen. Dem Menschen werden die Lösungen normativ vorgegeben, auch wenn die Probleme ihn gar nicht berühren.

Farben zählen nicht zur Sehleistung …

Den Umgang mit der Farbe kann ich nicht richtig einordnen. Hierzu gehört zum einen die Tatsache, dass das Farbenerkennen nicht als Sehleistung zählt und daher nicht zu den Zielen der Beleuchtungstechnik gehört. Man beleuchtet eine Umgebung, um die Welt zu sehen, wie sie ist. Dabei soll es egal sein, wie ihre Farben erscheinen?

Zum Glück ist es nicht egal. Denn da Licht ohne Farbwiedergabe so gut wie wertlos ist, verlangen die Normen immerhin einen CRI ≥ 80 für viele Arbeitsplätze. Selbst wenn dieser Wert 100 beträgt und nicht mehr gesteigert werden kann, muss eine Beleuchtung keine einzige gesättigte Farbe wiedergeben können. Gefragt sind nur 8 Pastellfarben wie Altrose, Senfgelb oder Fliederviolett. Wenn ein Mensch seine Umgebung so beleuchtet, dass er von lauter solchen Farben umgeben ist, ist es kaum wahrscheinlich, dass Freude aufkommt. Daher würde ich den Umgang mit Farbe pathogenisch nennen.

Ob eine Beleuchtung die erforderliche Farbwiedergabe erreicht, prüft indes niemand, da die Anforderung nur für die Lampen gilt. Das Farbklima in einem Raum wird aber von den Leuchten und von dem Raum selbst mitbestimmt. Die einzige Anforderung an die Erkennung von Farben betrifft die Sicherheitsfarben. Ihre Erkennbarkeit muss jede Beleuchtung gewährleisten.

Etwas verkürzt gesagt, gewährleistet die Beleuchtung das Erkennen von Objekten, aber nicht deren Farben. So hilft sie Formen in Graustufen erkennen. Wenn es mehr ist, ist es eher dem Zufall zu verdanken. Glanz wird eher verboten denn gefördert. Einen Anlass zur Freude bietet eine Beleuchtung kaum, wenn sie nur ihre Pflicht tut.

Selbstverständliches ausgespart, obwohl als wichtig bekannt

Eine Spezialität, die nur wenige kennen, hat mir sehr angetan. Die seit den 1960er Jahren bis heute geltenden Bestimmungen für die Festlegung der Farbwiedergabeeigenschaften der Lampen berücksichtigen die Wirkung von UV auf die Wiedergabe von Farben in einem Raum systematisch nicht. Die UV-Strahlung wirkt sich auf die “Weißmacher“ aus und sorgt für frische Farben. Das kennt die Menschheit länger als den Namen und die Bedeutung der Strahlung, die UV genannt wird. Der Effekt wurde einst mit dem Sud der Roßkastanie erreicht. Ansonsten wirkt z.B. Weiß leicht vergilbt.

Optische Aufheller (auch bekannt als fluoreszierende Weißmacher oder „optische Aufheller“) werden überall dort eingesetzt, wo Materialien von Natur aus einen leichten Gelbstich haben, aber strahlend weiß, sauber oder brillant wirken sollen. Sie funktionieren, indem sie unsichtbares UV-Licht absorbieren und als sichtbares, bläuliches Licht wieder abgeben, was das menschliche Auge als „schneeweiß“ wahrnimmt. Sie sind in allen Wasch- und Reinigungsmitteln enthalten. Viele Textilien (weiße Kleidung (T-Shirts, Hemden, Socken), Bettwäsche, Handtücher, Gardinen und Vorhänge) enthalten optische Aufheller wie auch Wandanstriche, Lacke, Papier, Kartonagen u.Ä. In der Kosmetikbranche wird davon fleißig Gebrauch gemacht.

Während der Farbwiedergabeindex Ra der Lampen ohne eine Berücksichtigung ihrer Wirkung auf die optischen Aufheller erfolgt, also ohne UV, haben alle neu definierten Normlichter der CIE (D50, D65, D75) einen UV-Anteil. Weil eine Abmusterung von Farben von Oberflächen ohne UV wenig Sinn macht, musste die CIE wider die eigene Definition des Lichts handeln und eben die neuen Tageslicht(er) festlegen. Ansonsten wären die Normlichtarten der CIE wertlos für die Farbabmusterung.

Frische Farben, schneeweiße Bettwäsche, aufregendes Make-up – alles bei der Herstellung geprüft und gut gefunden. Ob man sie so sieht, wie der Hersteller es annimmt, ist dem Zufall überlassen. Manche LEDs haben UV, andere nicht. Das steht aber auf keiner Lampenverpackung. Man merkt es erst, wenn es Nacht wird und die Umgebung eigenartig traurig ausschaut.

Um die Psyche sollen sich andere kümmern

Beim Umgang mit Farbe gehören die psychische Wirkung von Farben und ihre kulturelle Bedeutung dazu. Die Technik (Lichtechnik, Farbmesstechnik) betrachtet Farben physikalisch und neutral. Ihre Methoden sind weltweit gleich, die Bewertung der Ergebnisse auch. Hingegen besitzen manche Farben kulturell unabhängig bestimmte Bedeutungen, andere sind hingegen stark kulturabhängig. So die Farbe Rot, die als Zeichen immer Gefahr bedeutet. Die Farbe Rot ist aber psychologisch und kulturell wohl die intensivste Farbe überhaupt. Weil sie evolutionär sofort unsere Aufmerksamkeit fesselt (Blut, Feuer, reife Früchte), hat fast jede Kultur ihr eine starke Bedeutung zugeschrieben – die sich allerdings drastisch unterscheiden können.

So ist Rot in Ostasien die Farbe für Glück, Wohlstand & Erfolg. In Indien oder Südasien bedeutet sie Reinheit & Ehe, in Südafrika aber Trauer & Opfer. Nichts von alledem gilt in der Technik. Sie überlässt alles der Architektur, dem Design oder der Innenarchitektur. Die Standardlichtfarbe für Lichtquellen ist Weiß. Sie sollen farbige Flächen angemessen beleuchten, so deren Farben existieren. Das Licht soll aber nicht in der Farbgebung intervenieren, außer wenn dies ausdrücklich beabsichtigt wird.

Dieser Umgang entspricht einer pathogenischen Betrachtung.

Sicher strahlen ist Pflicht

Die Behandlung von Lichtquellen bezüglich möglicher Strahlungsschäden (photobiologische Sicherheit von Lampen und Leuchten, DIN EN 62471) ist hingegen klar und deutlich pathogenisch. Dasselbe gilt auch für spezifische Normen für UV-Strahlung (z.B. UV-C-Strahler) oder Laser (DIN EN 60825-1 - Sicherheit von Lasereinrichtungen).

Da es sich um klar definierte Gefahren handelt, wäre eine Relativierung nicht zulässig.

Gesunde circadiane Beleuchtung

Die pathogene Betrachtungsweise wird bei den Regeln für die circadian wirksame Beleuchtung besonders deutlich erkennbar.

So legt ein internationaler Standard (CIE S026 CIE System for Metrology of Optical Radiation for ipRGC-Influenced Responses to Light) fest, dass die Basis aller Betrachtungen das Spektrum des Tageslichts sei. Da es viele Tageslicht(er) gibt, wählt man dazu die CIE-Normlichtart D65. Allerdings ist diese Lichtfarbe (6504 K) für die Beleuchtung von Innenräumen wenig oder gar nicht geeignet. So ist ausgerechnet die Basis eines Standards, der die lichttechnischen Größen stärker physiologisch ausrichtet, eine Lichtfarbe, die in der Architektur kaum vorkommt.

Weiterhin wird nach der Logik hinter dem Standard, Melatoninsuppression, die Berechnung der Beleuchtungsstärke nach dem Alter des Benutzers vorgenommen. Dies entspricht der längst bekannten Tatsache, dass ältere Menschen mehr Licht brauchen, und ist daher ausgesprochen logisch.

Weniger logisch indes ist, dass es sich um die Beleuchtungsstärke am Auge handelt, die bei Älteren eine viel höhere Blendung hervorruft als bei Jüngeren. Auch das war schon lange bekannt. Darum sollen sich wohl andere kümmern.

Während sich CIE S026 um die Messbarkeit kümmert, haben Chronobiologen starre Vorgaben für die Beleuchtungspraxis aufgestellt: In Innenräumen soll die Beleuchtungsstärke am Auge zwischen 06:00 Uhr morgens und 19:00 Uhr abends immer über 250 lx m-EDI betragen (zu m-EDI und deren Berechnung s. Wie circadian wirksam ist mein Licht?). Dazu müssten alle vorhandenen Beleuchtungen mehrfach verstärkt werden, weil 250 lx m-EDI eine Menge Licht ist. Wer statt D65 eine angenehme Lichtfarbe wählen will, müsste die Lichtanlage noch einmal etwa verdoppeln.

Während dies noch bewerkstelligt werden kann, muss ab 19:00 Uhr die Beleuchtungsstärke immer unter 10 lx bleiben. Bereits übliche Bildschirme produzieren aber mehr Licht. So müsste man mit gedimmtem Monitor und ausgeschaltetem Licht arbeiten. Ab 22:00 ist volle Dunkelheit angesagt. Jeder zehnte Arbeitnehmer in Deutschland müsste dann die Arbeit einstellen.

Können Menschen begreifen, dass die künstliche Beleuchtung für die Nutzung am Tage verstärkt werden soll, während sie in dem Zeitraum gedimmt und abgestellt werden soll, für den man die künstliche Beleuchtung überhaupt entwickelt hat?

Die Begründung der Empfehlungen ist nicht einmal falsch. Was fehlt, ist die Praktikabilität. Bei einer salutogenetischen Betrachtung würde man nach circadianer Toleranz der Individuen vorgehen und keine starren Vorgaben machen. (Anm.: Wenn man den Chronotypen von permanenten Nachtarbeitern ermittelt, findet man schnell heraus, dass dies auch ohne Wissenschaft und Regeln bereits erfolgt ist. Innerhalb bestimmter Berufsgruppen gibt es mehr Eulen als sonst in der Bevölkerung.)

Ein salutogenetischer Umgang mit Licht und Beleuchtung

Wie kann ein Umgang mit Licht die Perspektive verlassen, eine Mindestsehleistung (in Graustufen) bereitzustellen, glänzende Objekte zu vermeiden, damit sie den Sehvorgang nicht stören, und die Umwelt eher in Moll darzustellen, damit ja nichts blendet? Muss ich mich vor jedem Gang in die Sonne kräftig mit Sonnenschutz eincremen? Oft ist die Angst vor dem Schaden zerstörerischer als der Schaden selbst.

Ich will einen salutogenen Umgang mit Licht an zwei Beispielen erklären. An den Anfang stelle ich den salutogenen Ansatz mit UV-Licht, weil mir am meisten daran liegt. Allein deswegen bin ich gegen einen CIE-Standard vorgegangen: ISO/TR 21783 Light and lighting — Integrative lighting — Non-visual effects und habe einen ISO-Standard geschrieben, der für die nicht-visuellen Effekte die Berücksichtigung des gesamten optischen Spektrums (UV – Licht - IR) begründet: ISO/TR 9241-610:2022  Ergonomics of human-system interaction —  Part 610: Impact of light and lighting on users of interactive systems. Dieser Standard erklärt die Fakten, zählt die zehn wichtigsten Erkenntnisse zu chronobiologischen Wirkungen der Beleuchtung auf den Menschen und erklärt, wie der einzelne Mensch damit umgehen kann.

UV-Licht salutogen betrachtet

Wie in dem Beitrag Zu Tode geschützt? Warum die UV-Exposition neu bewertet werden muss: dargelegt, gibt es seit mehr als 100 Jahren zwei diametral entgegengesetzte Vorgehensweisen. Die einen knallen sich auch mal in die Mittagssonne, um eine „gesunde“ Bräune zu bekommen. Das andere Extrem sind Hautärzte, die ab Ende März vor den Gefahren der Sonne warnen und empfehlen, sich mehrmals am Tage mit dem Sonnenschutzfaktor 50 vor Hautkrebs zu schützen.

Dabei weiß jeder, wie sich die Stimmung oder die Energie verändert, wenn man nach ein paar Tagen in geschlossenen Räumen wieder länger draußen in der Sonne ist. Soll man sich den Spaß mit düsteren Gedanken an den schwarzen Hautkrebs verderben lassen?

Die Salutogenese von UV-Licht ist ein spannender Ansatz! Während meistens über die Risiken von UV-Strahlung gesprochen wird (Pathogenese), blickt die Salutogenese auf die Faktoren, die unsere Gesundheit aktiv erhalten und fördern. UV-Strahlung hat nämlich wesentliche gesundheitsfördernde Eigenschaften, wenn sie richtig dosiert ist.

Hier sind die wichtigsten salutogenen Aspekte der UV-Strahlung im Überblick:

  • Vitamin-D-Synthese: Rund 80–90 % des benötigten Vitamin D bildet der Körper selbst mithilfe von UVB-Strahlung in der Haut. Es ist essenziell für Knochen, Muskeln und das Immunsystem.
  • Photoimmunologie und Entzündungsregulation: Eine moderate, chronisch-adaptierte Exposition induziert eine physiologische Immunmodulation (lokale Immunsuppression). Dieser Mechanismus dämpft überschießende autoimmune Prozesse.
  • Botenstoffe und Psyche: Sonnenlicht stimuliert die Freisetzung von Serotonin (dem „Glücksmonolog“) und Melatonin, was den Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert, und die Stimmung hebt. Die salutogenetische Wirkung von UV-Licht betrifft auch das Nervensystem und die hormonelle Achse.
  • Neurobiologische Effekte und psychisches Wohlbefinden: UV-Strahlung auf der Haut stimuliert die Synthese von Proopiomelanocortin (POMC). Daraus entsteht nicht nur das hautbräunende Hormon MSH, sondern auch -Endorphin, das zu einer direkten Stimmungsaufhellung und Schmerzlinderung beiträgt.
  • Blutdrucksenkung: UVA-Strahlung setzt Stickstoffmonoxid (NO) in den Blutgefäßen frei, was zu einer Weitung der Gefäße und somit zu einer Senkung des Blutdrucks führen kann.

 

All dies lässt sich unter dem Prinzip Hormesis zusammenfassen (die Dosis-Wirkungs-Beziehung, bei der ein an sich schädlicher Stoff in geringer Dosierung eine positive biologische Reaktion hervorruft). Die  Hormesis ist das Kernprinzip der Salutogenese beim UV-Licht.

Während die Pathogenese sich auf DNA-Schäden (Cyclobutan-Pyrimidin-Dimere) und das Karzinomrisiko bei Überdosierung konzentriert, betont die Salutogenese die biologische Notwendigkeit des Reizes zur Aufrechterhaltung der Homöostase. Das Erreichen einer optimalen Balance – angepasst an den individuellen Hauttyp (Phänotyp) und den solaren UV-Index – ist die Voraussetzung für die körpereigenen Widerstandsressourcen.

Licht salutogen betrachtet

Wenn wir die Brücke schlagen zwischen der Definition der Salutogenese – also der Frage, wie wir im „Fluss des Lebens“ zu guten Schwimmern werden – und der Lichtwissenschaft, wird schnell klar, dass Licht einer der mächtigsten externen Taktgeber für unsere Widerstandsressourcen ist. Also nicht nur Taktgeber für die Körperfunktionen, sondern auch für die individuellen Widerstandsressourcen.

Zu diesem Schluss war ich am Ende der Studien gekommen, die zu dem Forschungsbericht Licht und Gesundheit geführt hatten. Zum einen lag der ermittelte Einfluss der Beleuchtung auf die Gesundheit weit jenseits meiner Erwartungen. Ein üblicher Umweltfaktor wie Akustik wirkte sich bei Weitem nicht so stark aus wie Licht, obwohl sich Menschen über die Akustik im Büro stets mehr beschweren als über Licht. Mich hatte vor allem überrascht, dass sich Menschen selbst bei Fehlen von Sonnenschutz an südlichen Fenstern besser fühlten als weiter im Rauminnern. Zum andern hatte sich eine Kombination von zwei für sich genommen störenden Elementen (Deckenbeleuchtung und Tischbeleuchtung) als die beste Lösung herausgestellt, was die gesundheitlichen Wirkungen anging. Das war weniger gut verstehbar als der erstgenannte Befund. Erklärbar indes ist beides, wenn man annimmt, dass eine gute Beleuchtung die Widerstandsreserven des Menschen schont oder gar stärkt, die damit für die Arbeit aufgewendet werden können.

Im biologischen Sinne ist die Evolution des Menschen darauf ausgerichtet, im Rhythmus des natürlichen Tageslichts zu funktionieren. Moderne Lebens- und Arbeitswelten entziehen uns jedoch oft dieses natürliche Umfeld. Die Salutogenese des Lichts setzt genau hier an: Sie repariert nicht primär Schäden, sondern stärkt die biologische Resilienz. Am klarsten lässt sich diese Sichtweise mit den Erfolgen beim Krankenhausbau demonstrieren. Gutes  Licht und gute Sicht vermeiden nicht nur gesundheitliche Probleme, sie fördern die Heilung. (s. hierzu die Beiträge Wunden, die Licht heilt – zusammengefasst und Wunden, die Licht heilt.) 

Betrachten wir das Konzept der Salutogenese – die drei Säulen des Kohärenzgefühls (SOC) – konkret angewendet auf die Lichtumgebung:

Das Kohärenzgefühl im Spiegel der Lichtarchitektur
Verstehbarkeit (Comprehensibility) durch visuelle Klarheit

Ein Raum, der visuell diffus, flach oder extrem kontrastreich (Blendung) und ohne fühlbare Lichtrichtung beleuchtet ist, erzeugt im Gehirn unbewusst Stress, weil die visuelle Exploration erschwert wird. Auch wenn ein Mensch die Aufgabe nicht bewusst wahrnimmt, versucht sein Gehirn, sich in Raum und Zeit zu orientieren. (Für diesen Aspekt gibt es bei Cyberlux eine wunderbare Abhandlung von dem Lichtdesigner Heinrich Kramer: ÜBERLEGUNGEN ZU EINEM NEUEN „LIGHTING CODE“)

  • Salutogener Ansatz: Eine klare Lichtarchitektur schafft visuelle Hierarchien. Ein ausgewogenes Verhältnis von gerichtetem Licht (Erzeugung von Schatten für dreidimensionale Tiefenwahrnehmung und gute Gesichtserkennung) und diffusem Lichtanteil hilft dem Gehirn, Räume sofort kognitiv zu „verstehen“.
  • Technische Komponente: Der Ausschluss von Störfaktoren wie temporalen Lichtartefakten (Flimmern, Stroboskopeffekte, gemessen an niedrigen SVM-Werten) schützt das Nervensystem vor unbewusster visueller Ermüdung.

Handhabbarkeit (Manageability) durch physiologische Unterstützung

Hier geht es darum, ob die Umwelt den Menschen in seinem Tun unterstützt oder ihn behindert. Licht liefert die biologische Energie und Sehleistung für den Alltag.

  • Salutogener Ansatz: Die Bereitstellung von hoher visueller Qualität – exzellente Farbwiedergabe (z.B. nach IES TM-30-20), ausreichende Beleuchtungsstärken auf der Arbeits- und Nutzebene. Die Farbwiedergabe ist nicht mehr ein nebensächlicher Faktor, sondern Ziel der Beleuchtung und gehört zur Sehleistung.
  • Nutzerautonomie: Die Möglichkeit, Lichtverhältnisse individuell anpassen zu können (Einstellung der Lichteinfallsrichtung, Dimmen, Verändern der Farbtemperatur etc.), gibt dem Individuum die Kontrolle über seine unmittelbare Umgebung zurück. Das stärkt die psychische Selbstwirksamkeit.

 

Wie wichtig die Nutzerautonomie ist, zeigt sich zum einen bei einem oben erklärten Befund (eine störende Deckenbeleuchtung und eine ebenfalls störende Tischleuchte ergeben zusammen die beste Beleuchtung, weil der Benutzer Herr (oder Frau) der Lichtquellen ist. Weitere Aspekte werden in dem Kapitel Entmündigung des Benutzers und des Planers  detailliert diskutiert.

Sinnhaftigkeit (Meaningfulness) durch den circadianen Bezug

Der Mensch empfindet Umgebungen dann als sinnvoll und stimmig, wenn sie im Einklang mit seiner inneren Natur stehen. Monotones, statisches Kunstlicht über 12 Stunden bricht diesen Sinnbezug. Das Ideal der sog. Intelligent Buildings, in denen überall auf der Welt 24 Stunden am Tag der milde Sommertag herrscht, ist für den Menschen nicht sinnhaft.

  • Salutogener Ansatz (integrierte Beleuchtungsplanung): Tageslicht und Kunstlicht werden gemeinsam geplant. Das Tageslicht liefert die primäre Beleuchtung. Die zeitliche Dynamik des Lichts spiegelt den natürlichen Tagesverlauf wider. Dynamische Wechsel der Farbtemperatur und Helligkeit synchronisieren die innere Uhr (ipRGCs im Auge).
  • Biophile Qualität: Auch die visuelle Verbindung zum Außenraum (Sichtverbindung nach draußen, Wahrnehmung von Wetter und Tageszeit) bedient das tief sitzende Bedürfnis nach Naturbezug und stützt die psychische Stabilität elementar.

 

Den letzteren Aspekt habe ich in einem getrennten Beitrag behandelt: Der längste Kampf des deutschen Angestellten – Ein Plätzchen an der Sonne. Dieser hat sich bis in die Gesetzgebung durchgesetzt, die eine Sichtverbindung nach draußen für jeden deutschen Arbeitnehmer vorschreibt und selbst bei einer fehlenden physikalischen Realisierbarkeit eine Kompensation verlangt.

Die biologische Dosis: Melanopische Lichtdosimetrie

Im pathogenetischen Modell fragt man: Ab wie viel Lux oder bei welcher Bestrahlungsstärke treten Augenschäden oder unzulässige Blendung auf? (Schadensvermeidung). Im salutogenetischen Modell fragt man: Wie viel biologisch wirksames Licht benötigt der Körper über den Tag verteilt, um gesund zu bleiben?

Hier rückt die Lichtdosimetrie in den Fokus. Licht wird wie ein aufgenommener Wirkstoff verstanden:

  • Der Tag (biologische Aktivierung): Eine hohe Beleuchtungsstärke und ein hohes Angebot an kurzwelligem (blauem) Licht am Vormittag unterdrücken die Melatoninausschüttung und fördern die Ausschüttung von Cortisol. Das stärkt die akute Leistungsfähigkeit und stabilisiert das Immunsystem.
  • Die Nacht (zelluläre Regeneration): Die konsequente Reduktion von melanopisch wirksamem Licht am Abend bereitet den Körper auf eine ungestörte Melatoninsynthese in der Nacht vor. Melatonin ist nicht nur ein Schlafhormon, sondern einer der stärksten körpereigenen Radikalfänger und damit essenziell für die zelluläre Regeneration bzw. Krebsvermeidung gemäss der Kausalkette: Licht in der Nacht verhindert die Melatoninausschüttung. →Da Melatonin als „Krebszellenkiller“ gilt, bedeutet ein längerer Zeitraum mit weniger Melatonin im Blut als zu Zeiten ohne künstliches Licht eine größere Krebsgefahr.

 

Nach meiner Kenntnis sprechen wissenschaftliche Erkenntnisse für eine bestimmte Lichtdosis, zu bestimmten Zeiten aufgenommen, um die erwünschte circadiane Regulierung zu erzielen.

Fazit:

Während die Lichttherapie (z.B. 10.000 Lux bei SAD) als kurative, also pathogenetische Intervention bei bereits bestehender Störung genutzt wird, ist die Salutogenese des Lichts ein präventiver Gestaltungsansatz. Sie schafft Lebens- und Arbeitsräume, die durch ihre visuelle und biologische Qualität den Menschen dauerhaft widerstandsfähig gegen chronischen Stress und circadiane Degradation machen.

Wenn man eine circadian wirksame Beleuchtung über eine Dosis definiert, statt sie mit einer Dauerbestrahlung über den ganzen Tag realisieren zu wollen, bekommen Individuen mehr Möglichkeiten, ihr individuelles Regime zu realisieren. Es ist ohnehin fragwürdig, eine über den Tag gleichbleibende Beleuchtungsstärke zu fordern, um eine Rhythmik anzuregen.

Wo Recht und Ordnung derzeit versagen

Das oben dargelegte salutogenetische Vorgehen in Sachen Beleuchtung lässt sich im Bereich des Privatlebens realisieren. Im Bereich des Arbeitslebens wird man hingegen auf ein Hindernis stoßen, das eigentlich nicht mehr existieren sollte: Sowohl die Beleuchtungsnormen als auch das staatliche Regelwerk (hier ASR A 3.4 Beleuchtung und Sichtverbindung) geben Beleuchtungsstärken für die künstliche Beleuchtung ohne Zeitbezug vor. Sie gelten für alle 24 Stunden des Tages und 365 Tage. Hingegen ist seit mindestens 20 Jahren allen relevanten Stakeholdern bekannt:

  1. Nicht-visuelle Wirkungen der Beleuchtung sind abhängig von der Tageszeit
  2. Nächtliches Licht kann ernstzunehmende Gefahren für die Gesundheit bedeuten.

Ad 1: Spätestens seit der Planung des PLACAR-Projekts (s. Kapitel PLACAR – Die letzte Plasmalampe) wussten die Vertreter der Industrie von den tageszeitlich unterschiedlichen Wirkungen der Beleuchtung und von den Gefahren. Daher versuchten sie, eine “Morgenlampe” und eine “Abendlampe” zu entwickeln. Die – anzunehmende – Gefahr war die karzinogene Wirkung des abendlichen Lichts: Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) stufte 2007 die Schichtarbeit in der Nacht als „wahrscheinlich karzinogen“ ein und benannte als wesentlich ursächlichen Teilaspekt die Unterdrückung von Melatonin durch Licht. (s. Straif K, Baan R, Grosse Y et al. (2007). Carcinogenicity of shift-work, fire-fighting. Lancet Oncology 8:1065 - 1066.)

In 2015 veröffentlichte die CIE ein Memorandum mit einem unmissverständlichen Ziel: CIE Statement on Non-Visual Effects of Light - RECOMMENDING PROPER LIGHT AT THE PROPER TIME (CIE-Stellungnahme zu den nicht-visuellen Auswirkungen von Licht – EMPFEHLUNG FÜR DIE RICHTIGE BELEUCHTUNG ZUR RICHTIGEN ZEIT). Spätestens 2015 hatte also die Weltorganisation lichttechnischer Gesellschaften anerkannt, dass die gleiche Beleuchtung bei Tage physiologisch anders wirkt als bei Nacht.

Ad 2: Die Wirkungen nächtlicher Beleuchtung auf Organismen sind seit mehreren Jahrzehnten Forschungsgegenstand. Hierbei wird zum einen auf die Unterdrückung des Melatonins abgehoben, das als Radikalenfänger gilt. D.h., das Fehlen des Melatonins im Blut zu einem Zeitpunkt, wo es vorhanden sein sollte, erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Erfolgs von Krebszellen. Daher sucht man seit Jahrzehnten nach Beleuchtungen, bei denen die Melatoninsuppression möglichst unterbleibt. An dieser Suche sind auch Arbeitschutzorganisationen beteiligt.

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) – insbesondere über ihre Spitzeninstitute wie das IPA (Institut für Prävention und Arbeitsmedizin) und das IFA (Institut für Arbeitsschutz) sowie in Kooperation mit der KAN (Kommission Arbeitsschutz und Normung) – beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit den sogenannten nichtvisuellen (biologischen) Wirkungen von Licht. (s. auch Kantermann, T.; Schierz, C.: Gesicherte arbeitsschutzrelevante Erkenntnisse über die nichtvisuelle Wirkung von Licht auf den Menschen, KAN, 2017,  DGUV Information 215-220 („Nichtvisuelle Wirkungen von Licht auf den Menschen“) und DGUV Information 215-211 („Tageslicht am Arbeitsplatz“)

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) beschäftigt sich seit langem mit diesem Themenkreis. Für die Festlegung eines Forschungsprogramms hat sie einen Forschungsauftrag an uns und an die Universität Ilmenau vergeben (s. Çakir, A., Çakir, G., Kramer, H., Schierz, C., Wunsch, A. (2011). Der Stand von Wissenschaft und Technik bei neuen Beleuchtungstechnologien am Arbeitsplatz und ihre Auswirkungen. BAuA, Dortmund). Das auf dieser Basis begonnene Programm wird bis 2029 fortgesetzt: Visuelle und nicht visuelle Lichtwirkungen mit dem Ziel konsistenter Anforderungen an die Arbeitsplatzgestaltung .

All dies hat nicht dazu führen können, dass die Arbeitsstätten tageszeitlich unterschiedlich beleuchtet werden, obwohl die drohende Gefahr nicht vernachlässigbar ist. Die europäische Beleuchtungsnorm EN 12464-1 wurde in dem fraglichen Zeitraum zweimal revidiert (2011 und 2021). Die physiologischen Wirkungen der Beleuchtung haben es gerade mal zu einem informativen Anhang geschafft: “Anhang C (informativ) Zusätzliche Informationen zu visuellen und nichtvisuellen Lichteffekten”. Aber auch in einem untergeordneten Anhang wird das Thema, das die Fachwelt für eine revolutionäre Entwicklung hält, in drei kleinen Absätzen abgehandelt. Deren Tenor lautet mehr oder weniger: Wichtig, aber zu einem späteren Zeitpunkt:

"Es ist auch wichtig, dass die Bedeutung von Dunkelheit und Tageslichtrhythmen anerkannt wird, insbesondere vor, nach und während der Schlafenszeit. Darüber hinaus können bestimmte Änderungen in der Verteilung des Lichtspektrums zu verschiedenen Tageszeiten hilfreich sein, um circadiane Rhythmen zu fördern. Um dies als allgemeinen Grundsatz zu festzulegen sind jedoch weitere Beweise erforderlich. Eine Analyse der Beteiligung der verschiedenen Photorezeptoren wäre essentiell, um zu verstehen, wie Effekte mit Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit zustande kommen.”

Weiterhin heißt es:

„Die biologischen nichtvisuellen Effekte von Licht wirken sich direkt auf die menschliche Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden aus, mit großen Konsequenzen für die verwendete Architektur, Innenarchitektur und Beleuchtung sowie das Sozial- und Arbeitsleben. Die Integration dieser nichtvisuellen Effekte in Beleuchtungsanwendungen und -designs erfordert neue Messgrößen zur Quantifizierung von Licht.“

Darüber hinaus werden Empfehlungen für eine gute Umsetzung der Beleuchtung gegeben, einschließlich visueller und nichtvisueller Beleuchtungsanforderungen.“

Nicht nur, dass solche Empfehlungen für die nichtvisuellen Wirkungen fehlen, ist zu beanstanden, sondern auch, dass die Norm diesbezüglich das wichtigste Erkenntnis ignoriert.

Gesundes Licht reloaded

Die Elektrizität hat die Nacht aufgehoben,
aber sie hat uns auch den Himmel genommen.
Anonymus

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Diesen Beitrag hat eine KI aus dem Kapitel Die Legende vom gesunden Licht reloaded unter Berücksichtigung späterer Beiträge im Blog erstellt. Dazu gehören u.a. Beleuchtung für die Gesundheit: Zeit, Ihr Leben zu erhellen?, Eine zweite Revolution in Sachen Licht und Gesundheit von Lisa Heschong oder Der längste Kampf des deutschen Angestellten – Ein Plätzchen an der Sonne.

Der Beitrag ist, das Fazit eingeschlossen, unredigiert. Er darf frei kopiert und verwendet werden. 

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Gesundes Licht reloaded

Wenn man die Vorstellung „Gesundes Licht“ einem unvoreingenommenen Update unterzieht – sozusagen die Version reloaded aufmacht –, muss man die nostalgische Werberomantik der 1930er bis 1950er Jahre („Hell wie der lichte Tag“) radikal abstreifen.

Heute geht es nicht mehr nur um die bloße Abwesenheit von Augenschmerzen oder das Verhindern von Unfällen am Arbeitsplatz. Gesundes Licht im 21. Jahrhundert will eine präzise, wissenschaftlich untermauerte und technologisch anspruchsvolle Disziplin werden, die sich an der Schnittstelle von Physik, Architektur und Chronobiologie bewegt.

Was macht das Update aus? Ein Blick auf die Kernkomponenten von „Gesundes Licht reloaded“:

Die melanopische Revolution (Weg von Lux und Lumen)

Die Entdeckung der intrinsisch photosensitiven retinalen Ganglienzellen (ipRGCs) im Auge hat die Lichtplanung auf den Kopf gestellt. Diese Zellen messen nicht, was wir sehen, sondern steuern über das Fotopigment Melanopsin unsere innere Uhr (suprachiasmatischer Nukleus).

  • Die alte Welt: Man plante stumpf nach photopischen Beleuchtungsstärken ( in Lux), optimiert für die rein visuelle Leistung am Tag.
  • Reloaded: Wer modern denken und handeln will, misst und plant man in melanopischen Äquivalent-Tageslicht-Lux (mEDI). Es geht um Lichtdosimetrie. Gesundes Licht bedeutet, dem Körper zur richtigen Tageszeit die richtige spektrale Dosis zukommen zu lassen: hohe melanopische Wirksamkeit am Vormittag zur Melatonsuppression und Aktivierung, minimale melanopische Reize am Abend, um den Schlaf nicht zu sabotieren.

Spektrale Qualität statt bloßem „Warmweiß/Kaltweiß“

Früher reichte die Angabe der Farbtemperatur (z. B. 4000 Kelvin) und ein Farbwiedergabeindex (Ra > 80). Heute wissen wir, dass zwei Spektren bei exakt gleicher Farbtemperatur völlig unterschiedliche biologische Wirkungen und visuelle Qualitäten haben können.

  • TM-30-20 statt : Der alte Ra-Wert (CRI) mit seinen wenigen Testfarben wird durch das differenzierte TM-30-Verfahren ersetzt, das mit Fidelity (Rf) und Gamut (Rg) die Farbentreue und Farbsättigung präzise über 99 Testfarben abbildet.
  • Vollspektrum-Zentrierung: Moderne LED-Technologie versucht nicht mehr, durch aggressive Blaumaxima und gelbe Leuchtstoffe eine weiße Lichtfarbe zu „erzwingen“, sondern bildet kontinuierliche, sonnenlichtähnliche Spektren ab (Cyan-Gap-Minimierung), die das Auge entlasten und die visuelle Ergonomie maximieren.

Zeitliche Dynamik (HCL ernst genommen)

Human Centric Lighting (HCL) wurde als Marketing-Buzzword erfunden und lange missbraucht, bei dem morgens kaltes und abends warmes Licht eingeschaltet wurde. Das Reloaded-Konzept begreift Licht als dynamischen, chronobiologischen Taktgeber.

  • Es geht um den Dynamikbereich: Ein statisches Büro-Lichtband ist das Gegenteil von gesund. Das Auge und der Organismus brauchen die natürliche Dynamik von Lichtrichtung, Intensität und Farbtemperatur im Tagesverlauf.

Radikale Reduktion von temporalen Lichtartefakten (TLM)

Gesundes Licht ist stabiles Licht. Schlecht angesteuerte LEDs erzeugen hochfrequente Fluktuationen, die visuell oft nicht bewusst wahrgenommen werden, aber im Gehirn zu chronischer Ermüdung, Kopfschmerzen und Leistungsabfall führen können.

  • SVM (Stroboscopic Visibility Measure) und PstLM: Die Bewertung von flimmerndem Licht erfolgt heute über strenge Metriken. Ein SVM-Wert nahe Null ist bei „Gesundem Licht reloaded“ Pflicht – insbesondere in Arbeitsumgebungen, in denen visuelle Ergonomie oberste Priorität hat.

Die Renaissance der Architektur und des Tageslichts

Kein künstliches Spektrum ist so perfekt wie das natürliche Tageslicht. Das Update des gesunden Lichts fordert daher eine Rückbesinnung auf die Architektur mit Aussicht:

  • Sichtverbindung nach außen: Lichtkomfort ist untrennbar mit dem Blick aus dem Fenster verbunden (visuelle Ergonomie, Tiefenschärfe-Entlastung der Augenmuskulatur). Ein rein künstlich optimierter Raum bleibt ein Defizit-Raum. Die Architektur muss den Rahmen bieten, damit Kunstlicht nur dort substituiert, wo Tageslicht physikalisch nicht hinkommt.

Fazit:

„Gesundes Licht reloaded“ ist die Transformation von der rein normativen Erfüllung von Sehaufgaben (DIN EN 12464-1) hin zu einer ganzheitlichen, nicht-visuellen und visuellen Lichtgestaltung. Es ist die Erkenntnis, dass Licht ein wirkmächtiges Umwelthormon ist. Wer heute Beleuchtung plant, greift direkt in die Endokrinologie und Chronobiologie des Menschen ein – und trägt damit eine völlig neue Verantwortung.

KI denkt über Genesis 2.0 nach

Die Elektrizität hat die Nacht aufgehoben,
aber sie hat uns auch den Himmel genommen.
Anonymus

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Ich wollte wissen, ob das Buch Genesis 2.0 - Schöpfung der elektrischen Sonne seine Spuren im Internet spürbar hinterlassen hat. Dazu habe ich den Titel des Buchs ohne Kommentar in eine Suchmaschine eingegeben. Der nachfolgende Beitrag ist unredigiert, was Gemini aus dem Buch und meinen erklärenden Beiträgen gemacht hat.

Leider kann ich nicht garantieren, dass jeder den gleichen Text erhält, wenn er die angegebene Prozedur einhält. Man kann es versuchen. 

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Es werde Licht. Doch diesmal erging der Befehl nicht an das Urchaos, sondern an die Glasbläser, Vakuumtechniker und Kohlemahlwerke der späten Gründerzeit. Mit der Erfindung der elektrischen Glühlampe und dem Aufbau der ersten städtischen Stromnetze Ende des 19. Jahrhunderts vollzog die Menschheit eine technologische Re-Inszenierung der Schöpfungsgeschichte: die Erschaffung einer künstlichen, autarken Sonne.

Diese „Genesis 2.0“ war weit mehr als eine Evolution der Kerze oder der Gaslaterne – sie war der radikale Bruch mit dem natürlichen Rhythmus der Erde.

Die Vertreibung aus dem circadianen "Paradies"

Jahrtausende lang war der menschliche Alltag an das Diktat des Zentralgestirns gebunden. Das Licht bestimmte das Erwachen, die Dunkelheit erzwang die Ruhe. Zwar bot das Feuer Schutz und die Gasbeleuchtung des 19. Jahrhunderts verlängerte bereits den Arbeitstag in den Fabriken, doch erst das elektrische Licht war:

  • Konstant: Kein Flackern, kein Rußen, kein fließendes Wachs.
  • Geruchlos und sauber: Keine giftigen Abgase oder verbrauchte Raumluft wie bei der Gasflamme.
  • Omnipräsent: Unabhängig von Sauerstoffzufuhr und Wetterbedingungen überall einsetzbar.

 

Mit der „elektrischen Sonne“ emanzipierte sich die Industrie endgültig von den Tages- und Jahreszeiten. Die Nacht wurde vom Zustand der Ohnmacht zu einer gestaltbaren Ressource. Schichtarbeit rund um die Uhr, die lückenlose Überwachung von Produktionsprozessen und die totale Urbanisierung waren die unvermeidliche Folge.

Die Suche nach dem perfekten Spektrum

Die ersten künstlichen Sonnen waren aus heutiger Sicht allerdings recht düstere, rötliche Gestirne. Die Kohlefadenlampe glich eher einem glühenden Abendrot als dem gleißenden Mittagslicht.

Die technische Evolution liest sich wie ein physikalischer Schöpfungsbericht, getrieben vom Streben nach höherer Lichtausbeute und einer tageslichtähnlichen Farbwiedergabe:

Ära / Technologie Charakter des "künstlichen Gestirns" Technologischer Sprung
Die Kohlefadenlampe (ab ca. 1880) Warm, funkelnd, hochempfindlich. Vakuum im Glaskolben verhindert das sofortige Verglühen des Kohlefadens.
Die Metallfadenlampe (Osmium, Tantal, Wolfram) Deutlich weißer, effizienter, stabiler. Der extrem hohe Schmelzpunkt von Wolfram erlaubt höhere Temperaturen und damit helleres Licht.
Die Gasentladung & Fluoreszenz (20. Jh.) Kühl, diffus, flächig. Nicht mehr die Hitze eines Drahts erzeugt Licht, sondern die Anregung von Gasen und Leuchtstoffen.
Die Halbleiter-Sonne (LED) (21. Jh.) Digital, hochgradig steuerbar, spektral maßgeschneidert. Rekombination von Ladungsträgern im Kristall. Das Spektrum lässt sich exakt modulieren.

 

Vom Luxusgut zur biologischen Macht

In den Anfangsjahren war die elektrische Sonne ein Statussymbol der Metropolen. Wer Werbeplakate der frühen Lichtkonzerne wie Osram oder General Electric aus den 1920er Jahren betrachtet, sieht oft strahlende, fast sakrale Lichtkegel, die dunkle Städte in die Moderne reißen – getreu Motiven wie „Hell wie der lichte Tag“. Licht bedeutete Fortschritt, Sicherheit und Hygiene.

Heute, im Zeitalter der LED-Technologie, ist die künstliche Sonne omnipräsent und wir beginnen, ihre Kehrseite zu verstehen. Was als Befreiung vom Diktat der Natur begann, stellt die Chronobiologie vor neue Aufgaben:

  • Der visuelle Fokus weitet sich zum biologischen: Wir begreifen Licht nicht mehr nur als Werkzeug zum „Sehen“, sondern als Taktgeber für unsere innere Uhr (Stichwort: melanopische Lichtwirkung, Unterdrückung von Melatonin durch blauanteiliges Licht).
  • Integrative Lighting / HCL: Die moderne Lichttechnik versucht nun, die Dynamik der echten Sonne im Innenraum zu kopieren – den natürlichen Wandel von kühl-hellem Morgenlicht zu warm-gedimmtem Abendlicht –, um den circadianen Rhythmus zu reparieren, den die erste elektrische Welle einst durcheinanderbrachte. Schlagworte wie integrative Lighting sollen dem neuen Licht zum Erfolg verhelfen. Man gibt vor, das Licht menschengerecht zu gestalten.

 

„Die Elektrizität hat die Nacht aufgehoben, aber sie hat uns auch den Himmel genommen.“ Unbekannt (oft im Kontext der Lichtverschmutzung moderner Megacitys zitiert)

Die Schöpfung der elektrischen Sonne hat die Zivilisation unumkehrbar beschleunigt. Sie hat uns produktiver, sicherer und unabhängiger von den natürlichen Verläufen gemacht – und uns gleichzeitig vor die Herausforderung gestellt, die Balance zwischen der künstlichen Sonne an der Decke und der biologischen Uhr in unserem Inneren neu zu justieren.

Beleuchtungswissen der allgemeinen Bevölkerung

Es gibt eine Art von Bildung,
die darin besteht, dass man alles Mögliche weiß,
außer dem, was man wissen müsste.
Giacomo Leopardi

Beleuchtungswissen der allgemeinen Bevölkerung, kurzgefasst

Der Beitrag fasst eine österreichische Studie zum Beleuchtungswissen der Bevölkerung zusammen. Die Ergebnisse zeigen, dass viele Menschen Lichtwirkungen zwar für relevant halten, ihr tatsächliches Wissen über gesundheitliche, visuelle, energetische und ökologische Folgen von Beleuchtung jedoch lückenhaft ist. Besonders groß ist die Wissenslücke bei Umweltwirkungen, etwa bei Lichtverschmutzung und ihren Folgen für Pflanzen, Tiere und Biodiversität.

Daraus leite ich ab, dass bisherige Informationsangebote der Lichttechnik trotz jahrzehntelanger Bemühungen die breite Öffentlichkeit nur unzureichend erreicht haben. Wirksamer könnten künftig Kooperationen mit Fachverbänden, Umweltorganisationen, Forschungseinrichtungen und praxisnahen Projekten sein, um Wissen über gesundes und umweltverträgliches Licht verständlicher und breiter zu vermitteln.

Beleuchtungswissen der allgemeinen Bevölkerung

Zu der Studie

Forschende aus Österreich haben eine Lücke im Wissen der Forschenden über das Wissen in der Allgemeinheit zu Lichtwirkungen entdeckt. Johannes Weninger und Maximilian Dick, Bartenbach GmbH, sind der Frage nachgegangen, was der Mann auf der Straße oder der Durchschnittsösterreicher über Lichtwirkungen weiß. Die Ergebnisse gelten nicht nur für die Durchschnittsösterreicherin, sondern vermutlich auch für den fachlich nicht gebildeten Deutschen. Denn ich erkenne in der Studienbeschreibung keine speziellen Bedingungen für Österreich.[1]

Motivation der Forschenden

Die Motivation für diese Forschungsarbeit wird in dem Artikel ausführlich erläutert. Ich kann sie zunächst ganz kurz fassen: Viele nicht-visuelle Wirkungen von Beleuchtung, deren Existenz seit mindestens 40 Jahren dokumentiert ist, kommen mit einer langen zeitlichen Latenz zur Geltung. So wirkt sich die Beleuchtung am Arbeitsplatz am Morgen auf das nächtliche Schlafen aus. Umgekehrt kann die Beleuchtung in der Nacht die Arbeit am nächsten Tag beeinträchtigen. Daher gibt es keine Instanz, die Regeln aufstellen und durchsetzen kann, die ein „gesundes“ circadianes Licht in die Praxis umsetzt, außer dem Menschen selbst. Daher sind das Wissen und das Bewusstsein über Lichtwirkungen für den Menschen lebenswichtig. Der Arbeitgeber kann nur die Beleuchtung in der Arbeitszeit regeln. Der Arbeitnehmer kann für diesen Anteil des Tages keine Ansprüche an die Beleuchtung stellen, weil diese rechtlich geregelt ist. Es kommt daher wesentlich auf das Wissen und das Bewusstsein des Einzelnen an.

Allerdings ist das nur die halbe Miete. Denn Licht in der Nacht, das man mit geringem Aufwand herstellen darf und kann, birgt nicht nur gesundheitliche Risiken für den Einzelnen, sondern verursacht auch Probleme für die Natur durch Lichtverschmutzung. So ist zwischen 1989 und 2016 die Gesamtmasse (das reine Gewicht) der fliegenden Insekten in den untersuchten Schutzgebieten in Deutschland um rund 76 Prozent (lokal in der Spitze sogar um bis zu 80 Prozent) zurückgegangen. In welchem Maße dies auf die nächtliche Beleuchtung zurückzuführen ist, wäre eine Untersuchung wert. Lichtverschmutzung, verstanden als großräumige Aufhellung des Nachthimmels, wird inzwischen als signifikanter Faktor im globalen Biodiversitätsverlust eingeordnet.[2] Denn zumindest geht der Verlust der Insekten mit dem Verlust der Vögel einher, die von ihnen leben. Zudem kann nächtliches Kunstlicht die Blühzeitpunkte von Pflanzen verschieben, Bestäubungsinteraktionen stören und infolgedessen Ernteerträge um bis zu 20–40 % mindern. (s. dazu Lichtverschmutzung verlängert die Vegetationsperiode von Stadtpflanzen)

All dies und viel mehr können durch ein allgemeines Bewusstsein über Lichtwirkungen gemildert oder gar vermieden werden.

Art und Umfang der Fragen

Der finale Fragebogen umfasste drei Abschnitte:

  • Soziodemographische Angaben (Alter, Geschlecht, Bildung, Bundesland, Ortsgröße, lichtbezogene Ausbildung oder Beruf),
  • Selbsteinschätzung der wahrgenommenen Relevanz (Rangordnung) sowie des eigenen Wissensstandes (6-stufige Likert-Skala) für die vier Themenbereiche und
  • einen objektiven Wissenstest.

 

Die im Fragebogen abgebildeten Themenbereiche und zugehörigen Unterthemen umfassten:

  • gesundheitliche Aspekte im Zusammenhang mit dem zirkadianen Rhythmus, Schlaf sowie körperlicher und psychischer Gesundheit,
  • visuelle Aspekte in Bezug auf Komfort, Leistungsfähigkeit, Stimmung und Aufmerksamkeit,
  • energetische Aspekte, einschließlich Angaben auf Lampenverpackungen, Einsparpotenziale, energieeffiziente Beleuchtung im Haushalt sowie die Nachhaltigkeit von LEDs, und
  • Umweltauswirkungen in Bezug auf Lichtverschmutzung, Effekte auf Pflanzen und Tiere sowie die Aufhellung des Nachthimmels.

Resultate

Gesundheitliche Aspekte wurden von den Befragten als mit Abstand relevantester Themenbereich eingestuft:

  • Gesundheitliche Aspekte: 40 % platzierten diesen Bereich auf Rang 1.
  • Energieeffizienz folgte auf Platz 2 (25 % Erstplatzierungen),
  • visuelle Qualität und Umweltauswirkungen belegten gemeinsam die hintersten Ränge (mehr als 30 % der Befragten rangierten beide Bereiche an letzter Stelle).

 

Über alle vier Themenbereiche hinweg hatten die Teilnehmer ein insgesamt moderates Wissensniveau gezeigt. Kein einziger der 1.004 Teilnehmenden beantwortete alle 16 Fragen korrekt. Im Median wurden pro Bereich nur 1 von 4 Fragen vollständig richtig beantwortet. Trotz hoher Antwortkonfidenzen (60 % der Befragten gaben beispielsweise an, bei Gesundheitsfragen sicher zu sein) belegen diese Befunde erhebliche faktische Wissenslücken in allen untersuchten Bereichen.

Im Bereich Gesundheit wurde die Frage zur psychischen Gesundheit am häufigsten korrekt beantwortet, während Fragen zur körperlichen Gesundheit, etwa zu Augenschäden oder chronischen Erkrankungen, deutlich schwieriger waren. Im Bereich visueller Aspekte erzielte die Frage zur visuellen Leistungsfähigkeit den höchsten Wert, während Fragen zum Einfluss von Licht auf Aufmerksamkeit und Stimmung vergleichsweise schlecht abschnitten.

Im Bereich Energieeffizienz war das Wissen über allgemeine Einsparpotenziale und sparsamen Umgang mit Licht im Haushalt am besten ausgeprägt, während Fragen zur Nachhaltigkeit von LED-Produkten und zu Verpackungsangaben schwächere Ergebnisse zeigten. Innerhalb des Themenfelds Umweltauswirkungen waren die Unterschiede am deutlichsten ausgeprägt. Während Auswirkungen auf Tiere noch am ehesten richtig eingeschätzt wurden, konnten Auswirkungen auf Pflanzen mit kaum besser als Zufall beantwortet werden.

Die Ergebnisse der Befragung zeigten deutlich, dass das Beleuchtungswissen der Bevölkerung insgesamt niedrig, ungleich verteilt und stark von der öffentlichen Kommunikation der jeweiligen Themen abhängig ist. Gesundheitliche Aspekte werden von der Bevölkerung als hochrelevant empfunden und Themen wie Schlaf und zirkadianer Rhythmus sind zunehmend im öffentlichen Diskurs präsent. Das tatsächliche Wissen erweist sich jedoch lückenhafter als das Bewusstsein. Viele der Befragten ahnen, dass Licht die Gesundheit beeinflusst, verstehen aber die zugrunde liegenden physiologischen Mechanismen nicht.

Am deutlichsten erweist sich die Lücke im Bereich der Umweltauswirkungen. Trotz hoher Selbsteinschätzung wurden hier die schlechtesten Testergebnisse erzielt. Insbesondere die Auswirkungen von Kunstlicht auf Pflanzen sind nahezu unbekannt. Ökologische Systemzusammenhänge bleiben für die meisten Menschen abstrakt und kognitiv schwer zugänglich.

Was man aus dieser Studie lernen sollte

Die Ergebnisse dieser Studie sind keineswegs überraschend. Gerade aus diesem Befund sollte man daher zuerst lernen. Denn die Bemühungen der lichttechnischen Industrie, das Licht und seine Anwendungen der Allgemeinheit nahezubringen, sind uralt und reichen bis kurz nach dem 2. Weltkrieg zurück. Die gewählten Mittel sind nicht einmal schlecht oder unwirksam gewesen. Eher war das Gegenteil der Fall.

Wer wollte, hatte seit spätestens 1970 die Möglichkeit zu lernen, was das Licht so alles bewirkt. Das folgende Bild stammt aus einer Broschüre aus dem Jahr 1970, mit der Studenten schon lange vor diesem Jahr ausgebildet wurden.

Dazu stand im Text noch geschrieben:

Wenn über ein halbes Jahrhundert danach ein allgemein verbreitetes Unwissen zu dem Thema vorgefunden wird, das die Befragten als am wichtigsten einstufen, muss die Kommunikation versagt haben.

Zu dieser Diagnose zu kommen, war nicht schwer. Hingegen gestaltete es sich zumindest bei mir schwer, die richtige Kommunikation zu finden. Meine öffentlich verfügbaren Medien sind zwar mit 27 Jahren (Cyberlux.de) bzw. 17 Jahren (Licht und Gesundheit) recht alt und umfangreich. Sie haben wohl genauso versagt wie noch ältere und umfangreichere Angebote wie licht.de und dessen analoger Vorgänger FGL – Fördergemeinschaft Gutes Licht mit sehr guten Broschüren (heute licht.wissen).

Hilfreich hat sich in der Vergangenheit erwiesen, andere Organisationen als Partner zu gewinnen. So wurde unser Forschungsbericht Licht und Gesundheit von 1990 über die Fachverbände von Sicherheitsingenieuren gezielt an diese verteilt. Die Inhalte habe ich etwa 25 Jahre lang  über Sicherheitsseminare von Berufsgenossenschaften vermittelt, an denen Sicherheitsfachkräfte und Betriebsräte teilnahmen.

Das Wissen um die nicht-visuellen Wirkungen wurde über DIN-Expertenveranstaltungen den Stakeholdern vermittelt, bevor daraus eine Norm wurde. Die Vortragenden dieser Veranstaltungen selbst haben die Beiträge weiter verbreitet. Offenbar war das alles nicht hinreichend.

Bei Umweltwirkungen  lief es anscheinend anders. Hier gibt es interessierte Gruppierungen wie die Dark Sky International, die schon sehr lange mitmachen. Aber auch ganz unverdächtige Mitwirkende wie die Deutsche Bahn AG betreiben erfolgreiche Projekte wie BALIN - Insektenschutz an Bahnhöfen durch insektenfreundliche Beleuchtung. Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei führt seit 2019 das Projekt Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung (AuBe) durch. Möglicherweise verdanken wir diesen und ähnlich agierenden Organisationen, dass in Europa der Nachthimmel nicht ständig heller wurde, obwohl der Rest der Welt fröhlich den Nachthimmel anstrahlt. Dazu schrieb die Berliner taz: „Immer mehr künstliche Lichtquellen verhindern weltweit natürliche Dunkelheit. Ausgerechnet Europa zeigt, dass das keine unumkehrbare Entwicklung ist.“ Anlass war ein Bericht in NATURE, dass die Lichtemissionen in einigen Regionen der Welt insgesamt um 34 Prozent zunahmen, während sie anderenorts um 18 Prozent rückläufig waren. (Nature, 08. April 2026, download)

Wie viel professionelle Arbeit hinter solchen Bemühungen steckt, macht das Black Marble Projekt der NASA deutlich (hier). Der Name bezieht sich auf Blue Marble, eine Bezeichnung der Erde bei Tage. Black Marble spürt alle Lichtquellen auf, die die Nacht erhellen. Der Unterschied zu früheren Projekten der NASA ist frappierend, die noch vor einem halben Jahrhundert die Welt mit einer Wolke aus Kupferkristallen umgeben wollte, die die Nacht aufhellen, damit die Kriminalität in den Städten der USA besser bekämpft werden sollte.

[1]  Johannes Weninger, Maximilian Dick: Beleuchtungswissen in Österreich: Ergebnisse einer repräsentativen Online-Befragung, LTG Wien, Lichttechnischer Kongress 2026 

[2] Gaston, K. J., & Sánchez de Miguel, A. (2022). Environmental impacts of artificial light at night. Annual Review of Environment and Resources, 47(1), 373-398.

 

Wie das Licht von Monitoren kranke Gebäude retten soll

Die Wissenschaft liefert die Fakten,
aber die Zertifizierung entscheidet,
welche davon ins Licht gerückt werden..

Anonymus

Wie das Licht von Monitoren kranke Gebäude retten soll, kurzgefasst

Der Beitrag rekonstruiert die Genese und Deutungsgeschichte des Sick Building Syndrome und problematisiert die verbreitete Engführung des Phänomens auf Innenraumluftverunreinigungen und raumlufttechnische Defizite.

Im Zentrum steht die These, dass gesundheitliche Diskurse über Bürogebäude zunehmend durch ökonomische Interessen, Zertifizierungssysteme und technische Normierungspraktiken strukturiert werden. Am Beispiel des WELL Building Standard wird kritisch untersucht, wie Anforderungen an circadian wirksame Beleuchtung operationalisiert und nachgewiesen werden. Eine Fallstudie aus Sydney dient dabei als Ausgangspunkt, um die Einbeziehung von Monitorlicht in die Bewertung melanopischer Beleuchtungsstärken zu hinterfragen.

Der Beitrag zeigt, dass Gebäudezertifizierungen nicht nur als Instrumente zur Förderung gesundheits- und nachhaltigkeitsorientierter Bauweisen fungieren, sondern unter bestimmten Bedingungen auch dazu beitragen können, bauliche und beleuchtungstechnische Defizite nachträglich zu legitimieren.
gleichermaßen einbezieht.

Wie das Licht von Monitoren kranke Gebäude retten soll

Historie der kranken Gebäude

Sick buildings, wörtlich übersetzt „kranke Gebäude“, sind Gebäude, die die Menschen krank machen, so zumindest nach dem Erfinder des Begriffs Sick Building Syndrome (SBS). Dass sich Menschen, die in einem Gebäude arbeiten, nach der Arbeit oft krank fühlen, ist sicher nicht unüblich. Wenn ich danach gefragt werde, um welche Gebäude es sich dabei handeln könnte, würde ich auf diverse Fabrikgebäude tippen, in denen die Arbeiter unter unsäglichen Bedingungen malochten. Aber weit gefehlt: Es sind Bürohäuser. Nicht die schlechtesten davon, sondern klimatisierte Bürohäuser, deren Betreiber die Klimatisierung haben was kosten lassen: Etwa 25% der Baukosten der in den 1970er Jahren gebauten Bürohäuser und rund 30% der Betriebskosten entfielen auf die Klimatechnik. Nach der Meinung des zuständigen Wirtschaftsverbandes war alles in Ordnung. Wissenschaftler haben aber fast immer festgestellt, dass klimatisierte Gebäude die Menschen stark belasten.

Solche Gebäude gab es in den USA schon lange. Als das erste (beinahe) moderne Bürogebäude mit mechanischer Lüftung und Kühlung gilt das von Frank Lloyd Wright entworfene Larkin Administration Building in Buffalo (New York), das 1906 fertiggestellt wurde. Das erste echte, voll-klimatisierte Hochhaus war das Milam Building in San Antonio, Texas, erbaut 1928. Warum wartete die Vorstellung von krankmachenden Bürohäusern bis in die 1970er Jahre?

Anders als in Deutschland helfen in den USA Klimatisierungen Gegenden zu besiedeln, die eigentlich unbewohnbar sind. So wurde die Klimatisierung überhaupt erfunden, damit man in der Hauptstadt der USA, Washington, D.C., das ganze Jahr arbeiten konnte. Die mehr oder weniger schlecht funktionierende Technik wurde in der Ölkrise zu Beginn der 1970er Jahre schlicht missbraucht. Um Energie zu sparen, wurde der Außenluftanteil der Belüftung reduziert oder gar eliminiert. Das merkten zuerst die jungen Rekruten der Streitkräfte, die meist aus ländlichen Gebieten stammten. Sie fühlten sich schlapp und krank. Wenig später fühlten es auch die Angestellten in den Büros. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis das Kind einen Namen bekam, Sick Building Syndrome.

Die Erscheinung hat mit echten Erkrankungen nichts zu tun, so auch nicht mit der Legionärskrankheit. Die Legionärskrankheit wird auch Legionellose oder Legionellen-Pneumonie genannt und ist eine besonders schwere Form der Lungenentzündung. Erstmals wurde die Legionellose im Jahr 1976 anlässlich einer Tagung der Kriegsveteranenvereinigung „The American Legion" in Philadelphia bekannt, nachdem mehrere Tagungsteilnehmer an einer untypischen Lungenentzündung erkrankten. Während und bis zu 2 Wochen nach der für die Krankheit namensgebenden Tagung erkrankten 221 Männer, von denen 34 starben. Wie später nachgewiesen wurde, waren Bakterien der Art Legionella pneumophila in der Klimaanlage eines Hotels die Verursacher der Epidemie.

Dennoch wird SBS häufig im gleichen Atemzug genannt wie die Legionärskrankheit. Der Grund ist, dass in beiden Fällen die Klimaanlage eine Rolle spielt bzw. zu spielen scheint. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat SBS im Jahr 1983 definiert. Dieser Definition entsprechend erklärt das Umweltbundesamt die Erscheinung so: „Seit Jahren beobachten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler besonders bei Menschen, die in Büroräumen arbeiten, dass diese sich nach längerem Aufenthalt am Arbeitsplatz und abends, nachdem sie das Büro verlassen haben, krank fühlen. Die Beschwerden verschwinden nach einer gewissen Zeit wieder, sobald sich die Betroffenen nicht mehr in den Büroräumen oder in den betreffenden Gebäuden aufhalten.“ (UBA, 2026, seit 2017 nicht mehr aktualisiert).

Interessant in diesem Zusammenhang ist der Titel der Veröffentlichung: „Indoor Air Pollutants: Exposure and Health Effects“. Damit war klar, wonach man sucht: Verschmutzung der Innenluft. Ein Jahr später, 1984, schätzte die WHO in einem umfassenden Bericht, dass weltweit bis zu 30 % aller neuen oder sanierten Gebäude von solchen raumlufttechnischen und strukturellen Problemen betroffen sein könnten.

Geschäfte, von denen man weniger weiß

Die einfache Erklärung, dass Bürogebäude ihre Insassen krank machen, weil die Luft darin verschmutzt sei, war mir viel zu einfach. Dieser Ansicht war auch ein britischer Kollege, Prof. Alan Hedge, der das Phänomen gründlich untersucht hatte. Uns beiden war aufgestoßen, dass die Beleuchtung keine Rolle zu spielen schien. Das war aber nicht alles, denn die betroffenen Gebäude waren Arbeitsstätten, in denen es viele andere Belastungen gab, die wir wie viele andere Ergonomen ausführlich untersucht hatten. Warum gerade die Luftverschmutzung? Es war zudem nicht zu verstehen, warum klimatisierte Räume, deren Luft gefiltert wurde, eine größere Luftverschmutzung aufweisen sollten als übliche Räume, deren Luftqualität niemanden interessierte.

Als der deutsche Arbeitsschutz zu Beginn der 1990er Jahre gezwungen werden sollte, gegen SBS vorzugehen, bekam ich den Auftrag, das Phänomen und dessen Hintergründe zu untersuchen, da ich mich über Jahrzehnte intensiv mit den ergonomischen und physiologischen Einflussfaktoren auf das Wohlbefinden am Arbeitsplatz auseinandergesetzt hatte. Das Ergebnis wurde u.a. vom Fachausschuss Verwaltung der damaligen Zentralstelle der Berufsgenossenschaften publiziert. Ein maschinell lesbares Manuskript aus dem Jahr 2001 ist angehängt (hier). Meine damaligen Argumente sind in einem Vorlesungsmanuskript aufbereitet, das ich 2002 bei der EBS Immobilienakademie (damals European Business School, heute EBS Universität für Wirtschaft und Recht) präsentierte. Das Manuskript ist auch beigefügt (download)

Bei den Recherchen war ich auf den Namen Gray Robertson gestoßen, dessen Firma Healthy Buildings International, Inc. hinter vielen Publikationen steckte, die zum Thema SBS erschienen waren. Die Firma HBI trat besonders dadurch hervor, dass sie  die Forschungsergebnisse anderer Stellen in ihrem Sinne interpretierte. So zog Gray Robertson, der Präsident dieser Firma, aus der epidemiologischen Literatur die Schlussfolgerung, „dass ca. 50% aller Erkrankungen der Büroangestellten in bestimmten Ländern Erkrankungen der oberen Atemwege sind und vom Büro selbst verursacht werden: “ Er behauptete u.a. „ .... Die (höhere Erkrankungsrate bei Soldaten in gut isolierten Gebäuden) wurde auf die größere Raumluftverschmutzung zurückgeführt, die ja Hauptursache für das Sick- Building-Syndrom ist. Damit haben wir zum ersten Mal Beweise dafür in der Hand, dass bis zu 50% der Erkrankungen der oberen Atemwege von Büroangestellten u.U. auf das Büro selbst zurückzuführen sind.” (Robertson,1991)[1].

Dadurch wurde damals klar, warum laut Robertson gerade Büroangestellte unter schlechter Luft leiden sollten: Erstens, damit er sich als Experte für Innenraumluftqualität etablieren konnte. Zweitens, um Filter zu verkaufen. Beides hängt damit zusammen, dass er Mykologie studiert hatte. So wollte er in jedem Bürohaus, das Beschwerden verursachte, Pilze in der Luft erkannt haben.

Während solche Vorgehensweisen auch anderswo üblich sind, war im gegebenen Fall besonders perfide, dass man die Aufmerksamkeit auf Luftverunreinigungen z.B. durch Schimmelpilze, lenkte. In den USA führten damals Klagen von Angestellten oder Hausbesitzern wegen Schimmelpilzen (insb. Stachybotrys chartarum) und SBS zu milliardenschweren Prozessen. Mikrobiologen, Toxikologen und Umweltmediziner verdienten als gerichtliche Gutachter oft tausende Dollar pro Stunde, um vor Gericht die Schädlichkeit (oder Unschädlichkeit) von Gebäuden zu belegen.

Die Champions des gesunden Büros wurden ab Mitte der 1980er Jahre heimlich von der Tabakindustrie (über das Tobacco Institute) mit Millionen Dollar finanziert. Ihr Auftrag war es, bei SBS-Untersuchungen in Büros die Schuld auf schlechte Lüftung, Kopierer oder Teppichkleber zu schieben, um vom Passivrauchen abzulenken. Die Perfidie ließ sich vielleicht dadurch toppen, dass man in Deutschland einen Statistikprofessor zum Präsidenten des Bundesgesundheitsamtes machte, der für die Zigarettenindustrie Studien absolviert hatte. Die deutsche Entgleisung endete schließlich mit der Abschaffung des Bundesgesundheitsamtes. Das Bundesgesundheitsamt (BGA) ist das prominenteste und drastischste Beispiel für die tatsächliche Zerschlagung und Abschaffung einer deutschen Bundesoberbehörde.

Nunmehr war das Passivrauchen Geschichte. Wie kann man aus krankmachenden Gebäuden mehr Geld herausholen? Zum einen schwenkte man von krank auf gesund. Deswegen heißt das Unternehmen seit längerer Zeit Healthy Buildings. Aber auch deren Ziel, Unbill von den Angestellten abzuhalten und so für Zufriedenheit zu sorgen, war eigentlich geschäftsschädigend. Es musste ein neues Modell her, und dieses heißt nunmehr WELL, WELL wie well-being. Auf Deutsch: Wohlbefinden. Mit positiven Produkten verdient man eben mehr als mit negativen.

Ein solches Wort wie Wohlbefinden darf man im Kreise deutscher Arbeitgeber nicht in den Mund nehmen, wenn es um den Arbeitsschutz geht. Denn Wohlbefinden kann alles sein. Arbeitgeber haben zwar nichts dagegen, dass sie für positive Wirkungen auf ihre Mitarbeitenden Geld ausgeben, wollen aber wissen, worin sie investieren.

So kam man auf die Idee, das Geld über die Zertifizierung von Gebäuden zu holen. In der Werbung von WELL Building Institute heißt es: „Unternehmen aller Art – von Start-ups bis hin zu Fortune-500-Unternehmen – nutzen WELL, um der Gesundheit und Sicherheit ihrer Mitarbeiter Vorrang einzuräumen, den Wert ihrer Immobilien zu maximieren und die Leistung ihres Unternehmens im Hinblick auf das Human- und Sozialkapital zu optimieren.“ (Quelle hier) Mich interessiert es seit Langem, wie WELL das anstellt.

Eigenbild vom WELL-Standard

Wie das Unternehmen seinen Standard selbst sieht, kann man an seinen Prinzipien ablesen:

Gerecht: Zielt darauf ab, einer Vielzahl von Menschen zu helfen, darunter insbesondere benachteiligte oder schutzbedürftige Bevölkerungsgruppen.

Global: Schlägt Maßnahmen vor, die weltweit in vielen Anwendungsbereichen umsetzbar, erreichbar und relevant sind.

Evidenzbasiert: Stützt sich auf ein vielfältiges und fundiertes Forschungswerk aus verschiedenen Disziplinen, das von einem gemeinsamen Expertengremium, darunter auch IWBI-Berater, validiert wurde.

Technisch fundiert: Definiert bewährte Verfahren der Branche und validiert Strategien durch Leistungsüberprüfung sowie einen strengen Verifizierungsprozess durch unabhängige Dritte.

Kundenorientiert: Fördert den Erfolg der WELL-Nutzer durch engagierte Coaching-Angebote, dynamische Ressourcen und eine intuitive Plattform, die sie auf ihrem Weg begleitet.

Anpassungsfähig: Hält mit den Fortschritten in Forschung, Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft Schritt und verbessert sich kontinuierlich durch die Einbeziehung neuer Erkenntnisse.

Zu den 10 Concepts, wonach Gebäude beurteilt und zertifiziert werden, gehört auch Licht. Und dabei will sich WELL von niemandem übertrumpfen lassen: „Der WELL Building Standard™ (WELL) enthält Richtlinien, die Störungen des zirkadianen Rhythmus des Körpers minimieren, die Produktivität steigern, eine gute Schlafqualität fördern und für eine angemessene Sehschärfe sorgen.“

WELL- Licht Standard sorgt für …

WELL scheint zwei getrennte Ziele zu verfolgen. Das Kleinere davon ist der Traum eines jeden Lichttechnikers, der auf die Sehleistung schwört: Eine angemessene Sehschärfe bedeutet, dass das Licht adäquat für die Aufgabe und für den Menschen ist. Wie in Genesis 2.0 – Schöpfung der elektrischen Sonne dargestellt, haben sich Generationen von Lichttechnikern daran abgearbeitet. Ihr vorgebliches Ziel war allerdings nicht Sehschärfe, sondern Arbeitsleistung. Wie erfolgreich sie dabei waren, kann man z.B. hier lesen: Leistung, Leistung über Alles! Es gelang leider nicht, nachzuweisen, dass gutes Licht zu besserer Leistung führt. (Anm.: Die Abhandlung zeigt allerdings nicht, dass das Gegenteil erwiesen wäre.)

WELL-Licht-Standard sorgt für einen gesunden circadianen Rhythmus auf eine sehr eigenwillige Art und Weise:

„Melanopische Lichtstärke für Arbeitsbereiche – NACHWEIS:

  1. An mindestens 75 % der Arbeitsplätze liegt eine melanopische Lichtstärke von mindestens 200 äquivalenten Lux vor, gemessen in der vertikalen Ebene in Blickrichtung nach vorne, 1,2 m [4 ft] über dem Fußboden (um die Sicht des Nutzers zu simulieren). Diese Beleuchtungsstärke kann Tageslicht beinhalten und muss an jedem Tag des Jahres mindestens in der Zeit zwischen 9:00 Uhr und 13:00 Uhr gegeben sein.
  2. An allen Arbeitsplätzen sorgen elektrische Leuchten für eine konstante Beleuchtungsstärke auf der vertikalen, nach vorne gerichteten Ebene (um die Sicht des Nutzers zu simulieren) von mindestens 150 äquivalenten melanopischen Lux.

Auf gut Deutsch: Um eine gesunde circadiane Rhythmik zu gewährleisten, genügt elektrisches Licht mit einer Vertikalbeleuchtungsstärke von 150 EML. Vermutlich ist dann auch ein gesunder Schlaf[2] gewährleistet. Wenn es etwas Sonnenlicht gibt, soll es an 75% der Arbeitsplätze mindestens 200 EML geben. 150 EML mit künstlicher Beleuchtung bedeutet etwa eine Vertikalbeleuchtungsstärke von rund 250 - 300 lx  auf dem Auge (Umrechnung hier)

Was tun, wenn die Lichtintensität nicht ausreicht?

Drei Architekten aus der Sydney Universität[3] untersuchten ein Gebäude, das mit Arbeitsplätzen mit einer Tiefe von 17 m besetzt ist, um festzustellen, ob die Beleuchtung dem WELL-Standard genügt.

Der Raum ist mit Downlights beleuchtet, die alles andere als für die Erzeugung einer Vertikalbeleuchtungsstärke geeignet sind. Die Anlage erzeugte nach Angaben der Autoren eine Beleuchtungsstärke (horizontal) von 323,42 lx. Eine erstaunliche Präzision in der Angabe, da die Gleichmäßigkeit etwas über 0,5 betrug. D.h., es gibt Arbeitsplätze mit einer Beleuchtungsstärke von 161,71 lx.

Rechnerisch würde sich aus den 323,42 lx etwa 25% des Wertes, also 80,86 lx, als Vertikalbeleuchtungsstärke ergeben, weil Downlights das Licht direkt nach unten abstrahlen. Würde man die 80 lx in EML umrechnen, käme man zu rund 40-50 lx.

Wie der Belegungsplan zeigt, erfüllt der untersuchte Raum eigentlich alle Voraussetzungen dafür, die circadiane Rhythmik der Menschen zu stören, insbesondere in der Raumtiefe (Bereich C). Von den „Private Offices“ ohne Blick auf Fenster ganz zu schweigen. Die Betrachtung der Tageslichtautonomie (= Anzahl der Betriebsstunden mit ausreichendem Tageslicht) zeigt, dass im Bereich A  60% bis 100 % der Arbeitsplätze zu 50% der Betriebszeit mit Tageslicht auskämen. Im Bereich C gibt es keine Tageslichtautonomie, man muss ständig unter einer künstlichen Beleuchtung von Downlights arbeiten.

Wie kommt man unter diesen Umständen dazu, den WELL-Standard für die circadiane Rhythmik zu erfüllen? Hier setzt die Genialität der Forschenden ein: Sie zählen das Licht der Computerbildschirme zu dem künstlichen Licht und haben circadian wirksames Licht. So steht es im Ergebnis geschrieben: „Die Ergebnisse unterstrichen die entscheidende Rolle der zusätzlichen Monitorbeleuchtung bei der Erfüllung der geforderten Standards.“

Fazit

Bereits die Anforderung des WELL-Standards, entweder 75% der Arbeitsplätze mit 200 EML oder elektrisches Licht mit 150 EML, kann man mit kritischen Augen sehen. Seit wann unterstützt konstantes künstliches Licht die circadiane Rhythmik?

Aber das Licht der Monitore zur Beleuchtung hinzuzufügen, damit ein Gebäude einen Standard erfüllt, haut dem Fass den Boden aus.

Kranke Gebäude gesund beten – wäre eine bessere Überschrift für den Artikel. (Hier der komplette Artikel zum Prüfen.)

Wo ist der Elefant im Raum

Wem das Ganze hier seltsam riecht, hat den richtigen Riecher. Ein Gebäude, mit Downlights allein beleuchtet, kann keine Vertikalbeleuchtungsstärken erzeugen, die der Störung der circadianen Rhythmik entgegenwirken. Schon gar nicht, wenn die Beleuchtungsstärke 323,42 lx visuell beträgt. Wozu denn so viel Aufwand?

Der Elefant im Raum ist riesig. Ein Großteil moderner Gebäude in den USA, in Australien oder gar in Frankreich ist mit sog. Open Plan Offices belegt. So sollen in den USA ca. 60% der Arbeitsplätze in Büros in Großräumen untergebracht sein. Das sind allerdings Großräume, deren Insassen wenig davon mitbekommen. Die Räume sind meist in winzige Parzellen aufgeteilt, die nach oben offen sind. Diese lassen nur einen Lichteinfall von oben nach unten zu, egal wie die Leuchten aussehen. Die sehen meist so aus:

Dass sich das künstliche Licht in solchen Gebilden in waagrechter Richtung ausbreiten könnte, ist bestenfalls ein Gerücht. Was macht man dann, wenn Mediziner behaupten, eine Büroumgebung könne nur dann circadian-gesund sein, wenn zu bestimmten Tageszeiten eine ordentliche, starke Beleuchtung herrscht, die direkt das Auge trifft?

 In Genesis 2.0 – Schöpfung der elektrischen Sonne ist der Erfindung von Legenden breiter Raum gewidmet , so hier: Legendenbildung und Märchenerzählung – Ungewöhnliche Aktivitäten für Ingenieure. Damit waren aber andere Märchen und Legenden gemeint, die meist aus der Lichtbranche stammen. Hier haben wir es mit anderen Größenordnungen zu tun. Und mit anderen Akteuren. Zum einen sind dies die selbsternannten Schutzpatrone von Gebäudeinsassen, deren Gesundheit angeblich ruiniert werde. Und die, die mit Zertifikaten dagegenhalten.

Zum anderen sind es die Eigner oder Betreiber von Bürohäusern, deren Wert seit der Corona-Zeit erheblich gesunken ist. Man könnte theoretisch alle installierten Beleuchtungen mit Haut und Haaren entfernen und neu bauen, ohne dass die Wirtschaft ächzen müsste. Im Konzept falsche Gebäude sind aber eine andere Hausnummer.

Gebäudezertifizierungen sollen nachhaltiges und gesundes Bauen fördern. Das in diesem Beitrag behandelte Thema zeigt, dass sie auch nachhaltiges Einkommen sichern, indem man Gebäude gesund betet.

 

[1] Robertson, G.: Sick Buildings, Ursachen und Folgen, Analyse und Prophylaxe, Vortrag auf dem EUROFORUM, Antwerpen, Oktober 1991

[2] Gemeint ist nicht ein gesunder Büroschlaf, sondern die Vermeidung, dass der circadiane Rhythmus leidet, so dass man nach der Arbeit nachts gut schlafen kann, sofern man sonst gesund ist.

[3] Audrey Tara Dianagri, Ozgur Gocer, Wenye Hu: Integrating monitors into circadian lighting strategies for offices, Journal of Building Engineering, Volume 110, 2025, 113051, ISSN 2352-7102,