Kapitelübersichten

Licht ist die Sprache des Universums.
Es verändert alles, worauf es trifft.
Anonymus

Genesis 2.0 - Schöpfung der elektrischen Sonne, kurzgefasst

Dieser Beitrag gibt eine Übersicht über alle Kapitel von Genesis 2.0 – Schöpfung der elektrischen Sonne in Form von Kurzfassungen der einzelnen Kapitel. 

Im Anfang waren Götter und Titanen

Ausgehend von der Figur des Prometheus erzählt dieses Buch die Geschichte eines Menschheitstraums, der zum Epochenprojekt geworden ist: die Vertreibung der Nacht.

Was als mythischer Feuerraub beginnt, setzt sich in den technischen Verheißungen der Moderne fort – vom Schein der Flamme bis zum kalten Glanz elektrischer Dauerbeleuchtung. Licht erscheint dabei nicht nur als Triumph der Erkenntnis, sondern auch als Geste der Selbstermächtigung: Der Mensch löst sich aus kosmischen Ordnungen, überbietet alte Götterbilder und rückt der Sonne selbst auf den Leib.

Epochen der Kunst der Lichtmacher

Das Kapitel beschreibt die Geschichte der künstlichen Beleuchtung als Entwicklung in vier Epochen.

Licht 1.0 beruht auf brennbaren Stoffen wie Kienspan, Fackel, Öllampe, Kerze und Gaslicht. Diese Lichtquellen waren mit vielen Nachteilen verbunden: kurze Brenndauer, ständige Überwachung, Wärme, Rauch, Ruß, Brandgefahr und geringe Effizienz. Trotzdem prägten sie über Jahrtausende das Leben der Menschen und ihre Kultur.

Der Stromkrieg – Kampf der Giganten, bevor sie welche wurden

Dieses Kapitel analysiert den historischen Stromkrieg zwischen Gleichstrom und Wechselstrom als zentrale technische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Auseinandersetzung der frühen Elektrifizierung.

Im Mittelpunkt stehen die konkurrierenden Konzepte von Thomas Edison, der auf lokal begrenzte Gleichstromnetze setzte, und von George Westinghouse sowie Nikola Tesla, die den Wechselstrom wegen seiner einfachen Transformierbarkeit und seiner Eignung zur verlustärmeren Fernübertragung vorantrieben.

Geburtsjahre der elektrischen Sonne

Dieses Kapitel zeichnet die Geschichte des elektrischen Lichts nicht als isolierte Erfindung eines einzelnen Genies nach, sondern als Ergebnis eines langen, vielschichtigen historischen Prozesses im „Langen 19. Jahrhundert“.

Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass sich mit der Industrialisierung, der Urbanisierung und dem Wandel von der Agrar- zur Industriegesellschaft auch die Bedeutung des Lichts grundlegend veränderte. Während frühere Gesellschaften weitgehend vom natürlichen Sonnenlicht lebten, entstanden im 19. Jahrhundert neue Arbeits- und Lebensformen, die dieses Licht immer weniger verfügbar machten. Fabrikarbeit, lange Arbeitszeiten, dichte Bebauung, Rauch, Ruß und Luftverschmutzung verdunkelten die Städte und ließen künstliche Beleuchtung zu einer sozialen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Notwendigkeit werden.

 

Meanwhile in Old Germany …

Dieses  Kapitel arbeitet heraus, dass die Entwicklung von Licht, Stadtplanung und Wohnkultur in Deutschland nicht einfach als Nachwirkung amerikanischer Entwicklungen verstanden werden kann, sondern einen eigenen historischen Verlauf nahm. Deutschland war im langen 19. Jahrhundert zwar kein Vorreiter der Industrialisierung wie England oder später die USA, nahm jedoch eine herausragende Stellung in jenen wissenschaftlichen und technischen Bereichen ein, die mit Licht, Optik und Physik verbunden waren. Namen wie Fraunhofer, Abbe, Schott und Einstein stehen dabei für eine Tradition, in der Forschung, Technik und gesellschaftliche Wirkung eng miteinander verknüpft waren.

Die Dämmerung - Als die Lichter glänzen lernten

Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung des elektrischen Lichts von der Glühlampe bis zur modernen Lichttechnik nach und zeigt, dass es dabei nie nur um Beleuchtung ging. Zwar wird Thomas Edison oft als Erfinder der Glühlampe angesehen, entscheidend war aber vor allem der Aufbau eines stabilen Systems zur Stromerzeugung und -verteilung. Elektrisches Licht trat damit nicht einfach an die Stelle des Gaslichts, sondern entwickelte sich schrittweise zu einer Technik mit weitreichendem gesellschaftlichem Anspruch.

Der Aufstieg - Idealisten danken ab – Bürokraten übernehmen

Dieses Kapitel analysiert den Aufstieg der künstlichen Beleuchtung im Spannungsfeld von Industrialisierung, Scientific Management und arbeitswissenschaftlicher Rationalisierung. Im Zentrum steht die Rekonstruktion der Hawthorne-Experimente, die ursprünglich den Zusammenhang zwischen Beleuchtung und Arbeitsleistung empirisch belegen sollten, jedoch in methodischer, wissenschaftshistorischer und disziplinärer Hinsicht zu Befunden führten, die weit über die Lichttechnik hinauswirkten.

 Im Zenit und weiter

Dieses Kapitel beschreibt den allmählichen Bedeutungsverlust der künstlichen Beleuchtung als einstiges Fortschrittssymbol trotz einer hohen technischen Qualität, die erreicht worden ist. Seit den 1980er Jahren ist deutlich geworden, dass Menschen Tageslicht fast immer bevorzugen und künstliches Licht am Arbeitsplatz oft als störend, belastend oder sogar gesundheitlich problematisch empfinden. Gleichzeitig verlagerte sich das Interesse der Forschung stärker auf Energieeffizienz statt auf Lichtqualität.

Ein zentraler Kritikpunkt ist, dass sich die Lichttechnik an falschen Vorbildern orientiert hat – vor allem an der Sonne und an hohen Beleuchtungsstärken in der Natur. Diese Maßstäbe sind für Innenräume ungeeignet, weil Menschen auch in der Natur nicht dauerhaft unter maximaler Helligkeit leben, sondern Schatten, Wechsel und Anpassungsmöglichkeiten brauchen. Technische Versuche, natürliche Lichtverhältnisse künstlich nachzuahmen, gelten deshalb weitgehend gescheitert.

Legendenbildung und Märchenerzählung – Ungewöhnliche Aktivitäten für Ingenieure

Dieser Teil des Buches behandelt in sechs Kapiteln, dass viel von dem lichttechnischen Wissen keinen belastbaren Hintergrund hat.

Kapitel 1 erklärt, dass die Beleuchtungsstärke als physikalische Messgröße im Labor zwar klar bestimmbar ist, ihre praktische Bedeutung für reale Arbeitsplätze jedoch stark begrenzt bleibt. Der Text zeigt, dass Richtung, Verteilung und Reflexion des Lichts für das tatsächliche Sehen entscheidend sind, in Normen und Messverfahren aber oft unzureichend berücksichtigt werden. Dadurch entsteht eine scheinbar exakte, in Wirklichkeit aber nur eingeschränkt aussagekräftige Grundlage für Beleuchtungsanforderungen.

Die Methode Wissenschaft, mit der man Wissenschaft verhindert

Dieses Kapitel kritisiert nicht Wissenschaft an sich, sondern bestimmte Vorgehensweisen, mit denen wissenschaftliches Arbeiten in sein Gegenteil verkehrt werden kann. Die zentrale These lautet, dass Methoden, die eigentlich der Erkenntnisgewinnung dienen sollen, in der Praxis häufig dazu benutzt werden, gewünschte Ergebnisse zu erzeugen, unpassende Befunde zu verschleiern oder unbequeme Erkenntnisse zu ignorieren. Am Beispiel der Lichttechnik zeigt der Autor, wie aus einzelnen wahren oder plausiblen Aussagen weitreichende Behauptungen konstruiert werden, die wissenschaftlich klingen, aber oft weder sauber begründet noch für den jeweiligen Anwendungsbereich hinreichend belegt sind.

Erbschaft der 1920er Jahre – Wo Sie heutiges Wissen bestimmt

Das Kapitel untersucht, wie stark Vorstellungen aus den 1920er Jahren das heutige Denken über Licht, Beleuchtung und gute Sehbedingungen noch immer prägen.

Im Mittelpunkt steht die Kritik, dass viele Grundannahmen der Lichttechnik zwar den Anschein von Genauigkeit und Wissenschaftlichkeit haben, aber bis heute nur unzureichend erklären, was Menschen tatsächlich für gutes Sehen, angenehmes Arbeiten und räumliches Wohlbefinden benötigen.

Geheimnisse in Blau

Dieses Kapitel analysiert kritisch die verbreitete Annahme, blau angereichertes künstliches Licht wirke grundsätzlich gesundheitsförderlich und könne circadiane Prozesse in verlässlicher Weise optimieren.

Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass dem Blauanteil des Lichts sowohl historisch als auch in aktuellen Debatten eine besondere biologische Wirksamkeit zugeschrieben wird. Vor diesem Hintergrund rekonstruiert der Text ältere Deutungen von Blaulicht als heilsamer oder leistungssteigernder Größe und zeigt, dass gegenwärtige Konzepte wie melanopische Bewertung, mel-EDI und Human-Centric Lighting zwar an wissenschaftliche Befunde anknüpfen, in ihrer praktischen Anwendung jedoch häufig auf vereinfachenden Prämissen beruhen.

Die Legende vom gesunden Licht reloaded

Das Kapitel rekonstruiert die Entwicklung des Diskurses über „Licht und Gesundheit“ von frühen programmatischen Erwartungen im 20. Jahrhundert bis hin zu gegenwärtigen Konzepten der Lichtplanung und unterzieht Positionen aus Forschung, Industrie und Normung einer umfassenden kritischen Analyse.

Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass die Hoffnung, gesundheitliche Wirkungen des Lichts technisch gezielt nutzbar zu machen, in wiederkehrenden Wellen auftritt, ohne dass frühere Fehlschläge oder methodische Probleme hinreichend aufgearbeitet worden wären. Im Zentrum der Argumentation steht die These, dass Tageslicht hinsichtlich seiner gesundheitlichen Relevanz, seiner physiologischen Wirksamkeit und seiner subjektiven Qualität eine grundlegend andere Bedeutung besitzt als künstliche Beleuchtung und dass diese Differenz in der lichttechnischen Debatte wiederholt durch technikzentrierte und marktorientierte Deutungen relativiert worden ist.

Blendung – Was ich schon immer wusste und nie nachfragen wollte

Dieses Kapitel untersucht den Begriff der Blendung in seinen unterschiedlichen Bedeutungen und konzentriert sich dabei auf jene Erscheinungsformen, die das Sehen durch Licht beeinträchtigen.

Es zeigt, dass Blendung nicht nur als klar messbare physiologische Minderung der Sehleistung verstanden werden kann, sondern auch als psychologisch wahrgenommene Störung, deren Bewertung in Forschung und Normung vielfach auf unsicheren oder veralteten Grundlagen beruht.

Das Phoebus-Kartell – Gerücht - Legende – Realität

Dieses Kapitel untersucht das Phoebus-Kartell als eines der ersten globalen Kartelle der Wirtschaftsgeschichte und ordnet dessen Bedeutung zwischen technischer Standardisierung, Marktregulierung und geplanter Obsoleszenz ein. Im Zentrum steht die Frage, ob die Festlegung einer Lebensdauer von 1.000 Stunden für Glühlampen als verbraucherorientierte Normung oder als wettbewerbsbeschränkende Absprache zu bewerten ist.

PLACAR – Die letzte Plasmalampe

Das Kapitel zeichnet die Geschichte des PLACAR-Projekts nach, eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundvorhabens zur Entwicklung von Plasmalampen für circadiane Rhythmen.

Ausgangspunkt war die wachsende Einsicht, dass künstliches Licht nicht nur der visuellen Beleuchtung dient, sondern auch biologische Prozesse beeinflusst. Vor allem die Unterdrückung der Melatoninausschüttung durch nächtliches Licht wurde als gesundheitlich problematisch angesehen. Daraus entstand die Idee, künstliche Beleuchtung zeitlich und spektral an den natürlichen Tagesrhythmus des Menschen anzupassen. Gesucht wurde deshalb nach zwei unterschiedlichen Lampentypen: einer „Morgenlampe“ mit höherem Blauanteil zur Förderung von Wachheit und Aktivierung sowie einer „Abendlampe“ mit möglichst geringem Blauanteil, um den abendlichen Anstieg des Melatonins nicht zu stören.

Angaben für die Lebensdauer von Leuchtmitteln

Das Kapitel setzt sich mit der Lebensdauer von Leuchtmitteln auseinander, aus der die Hersteller ein großes Geheimnis machen.

Die Lebensdauer von Leuchtmitteln ist keine eindeutig feststehende Größe, sondern hängt von technischen Kriterien, Betriebsbedingungen und statistischen Verfahren ab. Diese Verfahren unterscheiden sich erheblich voneinander.

 

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Zu Tode geschützt? Warum UV-Exposition neu bewertet werden muss

Oft ist die Angst vor dem Schaden
zerstörerischer als der Schaden selbst.
Anonymus

Warum UV-Exposition neu bewertet werden muss, kurzgefasst

Dieser Beitrag diskutiert ultraviolette Strahlung (UV) im Spannungsfeld zwischen physikalischer Definition und gesellschaftlicher Praxis. Obwohl UV im engeren Sinn nicht zum sichtbaren Licht gehört, ist es historisch und kulturell eng an das „Licht der Sonne“ gekoppelt. Früh wurde versucht, gesundheitsförderliche Anteile des Sonnenlichts in die technisierte Innenwelt zu übertragen – bis hin zu Konzepten einer „elektrischen Sonne“ und einer Beleuchtung mit doppeltem Zweck (Sehen und Gesundheit). Dieses Vorhaben gilt im Rückblick als weitgehend gescheitert: Moderne Gebäudehüllen und Fenstergläser filtern UV nahezu vollständig, LED-Lichtquellen lassen sich zudem so auslegen, dass sie fast ausschließlich im sichtbaren Bereich emittieren. Damit verbringen viele Menschen in Industriegesellschaften den Großteil ihres Alltags in spektral verarmten Innenräumen; Forschung zu Licht und Gesundheit fokussiert entsprechend häufig auf okulares, sichtbares Licht und circadiane Effekte.

Im Gegensatz zur eher sachlich geführten Debatte um Infrarotanteile werden UV-Wirkungen nahezu dogmatisch verhandelt – nachvollziehbar, da UV zugleich lebenswichtig (u. a. über Vitamin-D-Synthese) und potenziell tödlich (Hautkrebsrisiko) sein kann. Entsprechend stehen Empfehlungen zu intensiver Abschirmung (bis hin zu täglichem Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor) Forderungen nach maßvoller Exposition gegenüber, die vor „Über-Schutz“ warnen. Empirische Klärung ist schwierig, weil Beobachtungsstudien unvermeidlich unter Störfaktoren leiden (z. B. Klima, Verhalten, sozioökonomische Unterschiede, „Healthy-User-Effekt“). Einzelbefunde – etwa zu höherer Mortalität bei konsequenter Sonnenmeidung oder zur fehlenden Mortalitätsreduktion durch Sonnenschutz in manchen Studien – bleiben daher interpretationsbedürftig. Als methodischer Gegenpol werden Übersichtsarbeiten herangezogen. Eine narrative 10-Jahres-Übersicht (Publikationszeitraum 2015–2025) sichtete 148 Arbeiten und schloss 28 Studien ein; die Mehrzahl berichtete inverse Zusammenhänge zwischen UV-Exposition und ungünstigen Outcomes bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Infektionen, inneren Malignomen sowie teils der Gesamtmortalität. Beispielhaft wurde für eine höhere jährliche Sonnenexposition (plus 2000 kJ/m²) ein um 12 % geringeres Gesamtmortalitätsrisiko beschrieben; für Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphome wurden reduzierte Risiken berichtet. Insgesamt plädiert das Kapitel für eine ausgewogene Gesundheitsaufklärung, die etablierte Hautrisiken ernst nimmt, potenzielle systemische Vorteile jedoch nicht ausblendet.

Zu Tode geschützt? Warum UV-Exposition neu bewertet werden muss

Die Beschäftigung mit den Wirkungen von UV in diesem Buch nimmt einen großen Raum ein, das sich eigentlich mit Licht und Gesundheit befassen soll. Wenn UV kein Licht ist, erübrigt sich das Ganze. Dem ist leider nicht so. Zum einen ist der Allgemeinheit egal, wie Licht definiert ist. Sie kennt das Licht der Sonne seit Ewigkeiten und das der elektrischen Sonne seit über einem Jahrhundert. Die Person, die ich als den wahren Schöpfer der elektrischen Sonne beschreibe, Matthew Luckiesh (siehe Auftritt Matthew Luckiesh – Von der Überlegenheit der elektrischen Sonne), sah Licht im Sinne von Tageslicht, zu dem UV unbedingt gehörte. Daher der Versuch, eine Lampe mit einer doppelten Funktion einzuführen (dual purpose light hier). Davor lagen viele Jahrzehnte, in denen die Menschen versucht haben, gesundes Sonnenlicht in ihre Umgebungen zu holen, in den Städten, die die industrielle Revolution verdunkelt hatte. Man sprach von himmlischer Medizin oder von heilenden Strahlen der Sonne und wollte UV nicht nur in Wohnungen locken, sondern selbst in Züge oder Schiffe.

Das Buch beschreibt, wie das Anliegen grandios gescheitert ist, woran auch spätere Freunde des UV-Lichts wie John Ott nicht viel ändern konnten, der ein Spektrum nur dann als „voll“ ansah, wenn es UV enthielt (meine Stellungnahmen dazu Vollspektrumlicht hier und VollspektrumlichtII da). So schneiden heute alle Fenstergläser in energetisch sanierten Gebäuden das UV komplett ab und dämpfen sogar etwas im blauen Bereich. Im roten Bereich wird die Strahlung ebenso vollständig abgeschnitten mit der Begründung, sie sei nur „Wärmestrahlung“. Leuchtmittel auf LED-Basis können so getrimmt werden, dass sie ihre gesamte Strahlung im sichtbaren Bereich erzeugen. Heute verbringen in Industriegesellschaften viele Menschen ihre Zeit bis zu 90% in solchen Umgebungen. Ein Großteil der Forschenden zu Licht und Gesundheit beschränkt die Wirkungen des Lichts auf solche, die durch das sichtbare Licht erzeugt werden, das in das Auge eintritt, also auf circadiane Wirkungen durch okulares Licht.

Die Bedeutung des weggelassenen Lichts im Bereich Infrarot für die Gesundheit und auch für das Sehen selbst wird in dem Beitrag „Ist LED-Beleuchtung effizienter als die Glühlampenbeleuchtung? Eine physiologische Betrachtung behandelt. Diese Diskussion verläuft im Allgemeinen sachlich und ohne große Kontroversen. Hingegen wird über UV-Wirkungen mit nahezu dogmatischen Ansichten diskutiert. Aus gutem Grund, denn UV ist einerseits lebenswichtig für das menschliche Leben und andererseits auch potenziell  tödlich. So sehen die einen großen Vorteil für Gesundheit und Befinden in der UV-Bestrahlung, während  die anderen jedem raten, von März bis November sich mehrfach am Tag mit Lichtschutzfaktor 50 einzucremen. Die Gegner argumentieren hingegen, man dürfe niemanden zu Tode schützen.

Es fehlt nicht an kleinen und großen Studien, die Klarheit verschaffen wollen. Leider kann es Studien ohne methodische Probleme nicht geben. So hat ein Team um P.G- Lindquist 2014 eine viel beachtete Studie zu Pro und Contra Sonnenlicht veröffentlicht, die zeigte, dass die Sterblichkeit bei Frauen, die die Sonne meiden, doppelt so hoch ausfällt wie bei denen, die sie suchen (Avoidance of sun exposure is a risk factor for all-cause mortality: results from the Melanoma in Southern Sweden cohort): „Die Ergebnisse dieser Studie liefern Beobachtungsdaten dafür, dass das Vermeiden von Sonneneinstrahlung ein Risikofaktor für die Gesamtmortalität ist. Die Befolgung sehr restriktiver Empfehlungen zum Sonnenschutz in Ländern mit geringer Sonneneinstrahlung könnte sich tatsächlich nachteilig auf die Gesundheit von Frauen auswirken.“ Allerdings stammt die Studie aus Schweden, einem Land, das nicht für tropische Sommertage bekannt ist.

Bei anderen Studien, die gezeigt haben, dass die Benutzung von Sonnenschutzmitteln hinsichtlich der Mortalität an typischen Krebserkrankungen (Hautkrebs) keine Wirkung hat, kann man beanstanden, dass die Personen, die sich gut schützen, sich auch länger in die Sonne begeben als andere. Daher würde die Schutzwirkung durch die längere Bestrahlung kompensiert werden.

Eigentlich brauchen Kritiker nach Schwachstellen von Studien jedweder Art nicht zu suchen, denn gute Autoren liefern sie immer mit der Studie selbst. Ich habe als Editor keine wissenschaftliche Studie akzeptiert, die ihre methodischen Mängel nicht deklariert hat. Es ist eher eine Auszeichnung für Autoren, die Schwachstellen ihrer Methode präzise zu beschreiben. Eine Lösung gegen methodische Probleme liefern sog. Reviewartikel, also Übersichtsartikel, die eine Großzahl von Studien zu einem Thema evaluieren.

Ein solcher Artikel zu den Wirkungen von Sonnenlicht ist im April 2026 erschienen: Systemic effects of sunlight: 10-year review of cardiovascular, infection and cancer outcomes. Die Autoren, Jasira A. ZiglarRebecca L. QuiñonezLydiah Fridah M. MpyisiIndermeet KohliYolanda GilaberteHenry W. Lim, haben 148 Studien aus den letzten 10 Jahren evaluiert. Das Endergebnis beruht auf 28 Studien.

Die Erklärungen der Autoren zur Studie:

Warum wurde die Studie durchgeführt?

Um den Zusammenhang zwischen UV-Exposition und der Gesamtmortalität zu untersuchen, lag der Schwerpunkt auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Infektionskrankheiten und malignen Erkrankungen der inneren Organe.

Was ist der Beitrag dieser Studie?

Diese Übersichtsarbeit umfasst epidemiologische und klinische Belege, die die positiven gesundheitlichen Auswirkungen der UV-Exposition untersuchen, darunter ein verringertes Risiko für Hodgkin-Lymphom (OR 0,77, 95 % KI 0,68–0,87) und Non-Hodgkin-Lymphom (OR 0,88, 95 % KI 0,81–0,95), wobei die allgemein anerkannten negativen Auswirkungen auf die Haut berücksichtigt werden.

Einleitung der Studie

Über seine weithin anerkannten biologischen Wirkungen auf die Haut hinaus ist Sonnenlicht ein entscheidender Umweltfaktor für die menschliche Physiologie. Obwohl ultraviolette (UV) Strahlung als Risikofaktor für Hautkrebs gilt, deuten Forschungsergebnisse darauf hin, dass Sonnenlicht und UV-Exposition systemische gesundheitliche Vorteile haben.

Neben der Anregung der Vitamin-D-Synthese kann UV-Strahlung die Gesundheit auch über andere Wege verbessern. Einige Hinweise deuten darauf hin, dass UVA-Exposition Stickstoffmonoxid-Speicher in der Haut mobilisiert, wodurch die Gefäßerweiterung gefördert und der Blutdruck gesenkt werden, was sich positiv auf das kardiovaskuläre Risiko auswirkt. Zu den weiteren vorgeschlagenen Mechanismen gehört die UV-vermittelte Immunmodulation. UV-induzierte Proteinfragmente, sogenannte Neoantigene, können die adaptive Immunität stärken, indem sie B- und T-Zell-Reaktionen fördern und die Immundiversität erhöhen, was möglicherweise die Widerstandsfähigkeit gegen Infektionen und die Entstehung von Krebs verbessert.

Angesichts des wachsenden Interesses an den systemischen Auswirkungen der UV-Exposition fasst diese Übersicht die Erkenntnisse der letzten zehn Jahre zum Zusammenhang zwischen Sonnenlicht, UV-Strahlung und Mortalität zusammen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf inneren Malignomen, kardiovaskulären Endpunkten und Infektionskrankheiten liegt.

Kurzfassung der Autoren der Studie

Sonnenlicht ist ein wichtiger umweltbedingter Einflussfaktor für die menschliche Physiologie, obwohl seine Auswirkungen auf die Gesundheit bislang vorwiegend im Zusammenhang mit Hauterkrankungen untersucht wurden. Während ultraviolette UV-Strahlung als Risikofaktor für Hautkrebs allgemein anerkannt ist, deuten Hinweise darauf hin, dass sie auch positive systemische Wirkungen haben könnte. Diese narrative Übersichtsarbeit fasst die Erkenntnisse der letzten zehn Jahre zu den Zusammenhängen zwischen der Exposition gegenüber Sonnenlicht und UV-Strahlung sowie mortalitätsbezogenen Endpunkten zusammen, wobei der Schwerpunkt auf inneren bösartigen Tumoren, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Infektionskrankheiten liegt. Es wurde eine umfassende Suche in PubMed und Embase nach englischsprachigen Artikeln durchgeführt, die zwischen Januar 2015 und Juni 2025 veröffentlicht wurden. Von den 148 identifizierten Artikeln wurden zwei Duplikate entfernt. Nach einer Vorauswahl anhand von Titeln und Abstracts wurden 64 Artikel im Volltext auf ihre Eignung geprüft; insgesamt erfüllten 28 Studien die Einschlusskriterien und wurden in die abschließende Auswertung aufgenommen. Von den einbezogenen Studien untersuchten vier kardiovaskuläre Endpunkte, 12 befassten sich mit Infektionskrankheiten, sechs konzentrierten sich auf bösartige Tumoren und sechs bewerteten die Gesamtmortalität. Insgesamt berichteten die meisten Studien über inverse Zusammenhänge zwischen UV-Exposition und negativen Gesundheitsergebnissen, was auf potenzielle schützende Wirkungen hindeutet. So ergab beispielsweise eine große Kohortenstudie, dass Personen mit einer um 2000 kJ/m² höheren jährlichen Sonnenexposition ein um 12 % geringeres Risiko für die Gesamtmortalität aufwiesen. Die Vergleichsgruppe verlor im Durchschnitt 26 Lebenstage während des 15,7-jährigen Nachbeobachtungszeitraums. Diese Übersicht identifiziert ein Muster potenziell vorteilhafter Zusammenhänge zwischen UV-Strahlenexposition und systemischen Gesundheitsergebnissen, wenn auch unter dem Einfluss verschiedener Störfaktoren, darunter der „Healthy-User-Effekt“ und sozioökonomische Unterschiede. Wenn man die Vorteile neben den gut belegten schädlichen Hautauswirkungen der UV-Exposition betrachtet, unterstreichen diese Ergebnisse die Notwendigkeit einer ausgewogenen Gesundheitsaufklärung, die sowohl die Risiken als auch die potenziellen Vorteile der Sonnenexposition berücksichtigt.

Die Kurzfassung in Bildform wurde mit deepl übersetzt:

Ergänzende Zahlen und Fakten

Die nachfolgenden Daten stammen nicht von den Autoren der Studie. Diese habe ich aus verschiedenen Statistiken zusammengestellt. Die Zahlen dienen der Illustration. Der betrachtete Effekt (Mortalität) ist nur ein Indikator für die Gefährlichkeit einer Krebsart. Andere Indikatoren sind Erkrankungsrate, 5-Jahres-Überlebensrate, 10-Jahres-Überlebensrate etc.

Bei jährlich etwa 10 Millionen Krebstoten weltweit entfallen nur ca. 1,2 % bis 1,3 % auf Hautkrebs. In Deutschland entfällt fast jeder vierte Todesfall auf eine Krebserkrankung. Anteil an der Gesamtmortalität: ca. 22,9 % (Stand 2024). Hautkrebs ist für etwa 0,4 % bis 0,5 % aller Todesfälle in Deutschland verantwortlich.

Es besteht seit Längerem ein wissenschaftlicher Konsens darüber, dass Vitamin D eine wichtige Rolle bei der Zellregulation spielt. Ein Mangel an Vitamin D wird mit einem erhöhten Risiko für die Entstehung sowie einer höheren Mortalität (Sterblichkeitsrate) bei bestimmten Krebsarten in Verbindung gebracht. Diese sind in der Reihe der Bedeutung geordnet: Darmkrebs, Brustkrebs, Prostatakarzinom und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Beim letztgenannten Fall ist die Datenlage nicht eindeutig. Daher erfolgen keine Angaben.

Darmkrebs (Kolorektales Karzinom)

Dies ist die Krebsart mit der stärksten Evidenz. Studien zeigen konsistent, dass Patienten mit einem höheren Vitamin-D-Spiegel zum Zeitpunkt der Diagnose eine signifikant bessere Überlebenschance haben.

  • Der Mechanismus: Vitamin D hemmt das Zellwachstum und fördert die Differenzierung von Zellen im Dickdarm.
  • Mortalität: Ein schwerer Mangel ist mit einem deutlich höheren Risiko verbunden, an den Folgen von Darmkrebs zu versterben.
  • Mortalitätsrate: (Daten des Statistischen Bundesamtes und des Robert Koch-Instituts (RKI)  Im Jahr 2023 starben rund 24.100 Menschen an Darmkrebs. Das sind etwa 17 % weniger als noch vor 20 Jahren (2003: 28.900 Fälle).

Brustkrebs

Bei Frauen mit Brustkrebs korrelieren niedrige Vitamin-D-Werte häufig mit aggressiveren Tumoren und einer schlechteren Prognose.

  • Einfluss: Vitamin D kann die Proliferation (Ausbreitung) von Brustkrebszellen bremsen.
  • Beobachtung: Patientinnen, die zum Zeitpunkt der Diagnose ausreichenden Speicher hatten, weisen oft eine geringere Rate an Metastasenbildungen auf. Die Mortalität geht seit Langem zurück.
  • Mortalitätsrate: Im Jahr 2023 verstarben in Deutschland 18.527 Frauen und 186 Männer an Brustkrebs.

Prostatakarzinom

Obwohl die Datenlage hier etwas komplexer ist, deutet vieles darauf hin, dass ein Vitamin-D-Mangel das Fortschreiten von Prostatakrebs beschleunigen kann. Prostatakrebs ist primär eine Erkrankung des hohen Lebensalters.

  • Mortalität: Männer in nördlichen Breiten (mit weniger Sonneneinstrahlung) haben statistisch gesehen ein höheres Risiko für tödlich verlaufende Prostatakrebserkrankungen.

Andere Wirkungen von Vitamin-D-Mangel auf den Menschen

Ein Vitamin-D-Mangel ist in Deutschland insbesondere in den Wintermonaten weit verbreitet, da die körpereigene Synthese über die Haut eine ausreichende UVB-Strahlung benötigt. Da Vitamin D eigentlich kein klassisches Vitamin, sondern ein Prohormon ist, wirkt es auf fast alle Organsysteme.

Hier sind die zentralen Auswirkungen eines Mangels auf die Gesundheit:

Skelettsystem und Knochenstoffwechsel

Dies ist die am besten belegte Wirkung. Vitamin D ist essenziell für die Aufnahme von Kalzium aus dem Darm.

  • Osteomalazie & Osteoporose: Bei Erwachsenen führt ein Mangel an Vitamin-D zur Erweichung der Knochen und zum Abbau von Knochensubstanz, was das Risiko für Brüche massiv erhöht.
  • Rachitis: Bei Kindern führt ein schwerer Mangel zu bleibenden Verformungen des Skeletts.
  • Zahngesundheit: Ein Mangel kann die Mineralisierung des Zahnschmelzes schwächen und die Anfälligkeit für Karies und Parodontitis erhöhen.

Muskelfunktion und Sturzrisiko

Vitamin D spielt eine direkte Rolle in der Muskelfaserschaltung.

  • Myopathie: Muskelschwäche und Muskelschmerzen (oft diffus im Bereich der Oberschenkel und des Beckens).
  • Sturzgefahr: Besonders bei Senioren korreliert ein niedriger Spiegel mit Gangunsicherheit und einer erhöhten Sturzfrequenz.

Immunsystem und Entzündungen

Vitamin D wirkt modulierend auf die Immunantwort.

  • Infektanfälligkeit: Ein Mangel wird mit einer höheren Anfälligkeit für Atemwegsinfekte (Grippe, Erkältungen) in Verbindung gebracht.
  • Autoimmunerkrankungen: Es gibt Hinweise darauf, dass ein chronischer Mangel die Entstehung von Krankheiten wie Multipler Sklerose (MS), Typ-1-Diabetes oder rheumatoider Arthritis begünstigen kann.

Psychische Gesundheit und Kognition

  • Saisonale Depression (SAD): Der "Winterblues" steht oft in direktem Zusammenhang mit sinkenden Vitamin-D-Spiegeln, da das Hormon die Serotoninsynthese beeinflusst.
  • Kognitiver Abbau: Studien deuten darauf hin, dass ein niedriger Spiegel mit einem höheren Risiko für Demenz und kognitive Einschränkungen im Alter assoziiert ist.

Literaturverweise der Autoren

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Wirkung von UV auf Mortalität

Wer das Licht der Wahrheit sehen will,
muss erst durch den Tunnel
der Ungewissheit kriechen..

Anonymus

UV-Studie zu Mortalität, kurzgefasst

Dieser Beitrag ordnet die verbreitete Annahme „Sonnenlicht ist gesund“ kritisch ein und fasst zentrale Ergebnisse einer aktuellen Auswertung der UK Biobank zusammen. Ausgangspunkt ist die Spannung zwischen dermatologischen Warnungen vor UV-bedingten Hautschäden (insbesondere Melanomrisiko) und der biologischen Notwendigkeit von UV-Strahlung für verschiedene Körperfunktionen. Die Studie von Stevenson et al. (Health & Place, 2024) untersucht bei älteren Erwachsenen im Vereinigten Königreich, wie UV-Exposition mit Gesamt- und ursachenspezifischer Mortalität zusammenhängt. Dazu werden zwei unterschiedliche, voneinander unabhängige Expositionsmaße verwendet, die über gemessene Serum-Vitamin-D-Spiegel als Biomarker validiert werden: (1) Solariumnutzung und (2) die jährliche durchschnittliche kurzwellige Strahlung am Wohnort. Die Zusammenhänge werden als adjustierte Hazard Ratios für Gesamtmortalität sowie Mortalität durch Herz Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und andere Ursachen analysiert; zusätzlich dienen negative Kontrollergebnisse der Plausibilitätsprüfung. In der ausgewerteten Kohorte (vollständige Daten für 395.086 Personen; mediane Nachbeobachtung 12,7 Jahre) zeigen beide Expositionsmaße konsistent inverse Assoziationen mit der Gesamtmortalität sowie mit kardiovaskulärer und krebsbedingter Mortalität; Solariumnutzung ist zudem mit geringerer Mortalität durch Nicht HKE/Nicht Krebs assoziiert. Als mögliche Mechanismen werden neben Vitamin D Synthese auch UV A vermittelte Effekte über Stickstoffmonoxid (Gefäßerweiterung, Blutdrucksenkung, immunmodulatorische Pfade) diskutiert. Insgesamt legen die Ergebnisse nahe, dass in Regionen mit geringer Sonneneinstrahlung potenzielle Vorteile moderater UV-Exposition die Risiken überwiegen könnten, ohne die Notwendigkeit kontextabhängiger Schutzmaßnahmen zu negieren.

UV gesund oder eher gefährlich - Eine epidemiologische Studie

Der Beitrag Phantome, die unser Wissen beherrschen VI - Sonnenlicht ist gesund zeigt das Für und Wider für die Sonne als Quelle gesunder Strahlung. Diesen habe ich unter Phantome der Lichttechnik eingereiht, weil Millionen von Leuten glauben, das Licht der Sonne sei gesund. Das ist sie ohne Zweifel. Allerdings nicht immer und zu allen Bedingungen. Das Sonnenlicht war in der Urzeit der Erde tödlich, weil seine UV-Strahlung ungehindert die Atmosphäre passierte und alles Leben vernichtete, bis sich ein Ozongürtel bildete, der die energiereichsten Strahlen (UV-C) absorbiert. Seitdem durfte das Leben auch ohne den Schutz der Atmosphäre aus dem Wasser an Land gehen. Aber im Melatonin lebt das Gedächtnis des Lebens weiter. Nachts steigen aus der Tiefsee, wo kein Tageslicht zu sehen ist, viele Lebewesen nach oben. Die größte Migration von Biomasse.

Auf der Erde kommen immer noch die UV-B- und UV-A-Strahlen an, die nicht mehr so gefährlich sind. Allerdings ist die Strahlung noch so gefährlich, dass Arbeitgeber ihre Mitarbeiter, die im Freien arbeiten, davor schützen müssen. Daher warnen die Dermatologen vor den Gefahren. Man kann jedes Jahr im Frühjahr Dutzende Artikel finden, in denen empfohlen wird, sich mehrmals am Tag mit Sonnencreme mit einem Sonnenschutzfaktor 50 zu schützen.

Auf der anderen Seite ist UV für das Leben des Menschen unerlässlich. Das gilt nicht nur für die Knochen, für deren Aufbau UV gebraucht wird, sondern für viele andere vitale Funktionen auch. Seit etwa 100 Jahren ist eine Art Glaubenskrieg entbrannt, wobei sich die einen längere Zeit in die Sonne knallen, weil gebräunte Haut als ein Zeichen von Gesundheit und Wohlergehen gilt. Auf der anderen Seite stehen die Warner, allen voran die Dermatologen.

Ein britisches Team hat sich der Frage angenommen, ob die Warner oder die Gegenseite recht haben. Die Studie Eine höhere UV-Strahlenbelastung steht mit einer geringeren Sterblichkeit in Zusammenhang: Eine Analyse von Daten aus der UK-Biobank-Kohortenstudie (Original: Higher ultraviolet light exposure is associated with lower mortality: An analysis of data from the UK biobank cohort study) von Stevenson und anderen wurde im September 2024 in Health & Place publiziert. (Originaltext download PDF)

Der folgende Text fasst die wichtigsten Aspekte der Studie (übersetzt mit deepl) zusammen. Es gelten jedoch immer die Aussagen der Autoren in der Originalstudie.

Die Autoren fassen ihre Studie wie folgt zusammen: “Unser Ziel war es, Zusammenhänge zwischen der UV-Exposition und der Mortalität bei älteren Erwachsenen im Vereinigten Königreich (UK) zu untersuchen. Wir verwendeten Daten von Teilnehmern der UK Biobank, bei denen zwei Arten der UV-Exposition vorlagen, die anhand gemessener Vitamin-D-Spiegel validiert wurden: Solariumbesuche und die jährliche durchschnittliche kurzwellige Strahlung am Wohnort. Die Zusammenhänge zwischen den UV-Expositionen, der Gesamtmortalität und der ursachenspezifischen Mortalität wurden als adjustierte Hazard Ratios untersucht. Die UV-Expositionen standen in umgekehrtem Zusammenhang mit der Gesamtmortalität, der Mortalität aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (HKE) und der Krebsmortalität. Solariumnutzer wiesen zudem ein geringeres Risiko für die Mortalität aufgrund von Nicht-HKE- und Nicht-Krebserkrankungen auf. In Ländern mit geringer Sonneneinstrahlung könnten die Vorteile der UV-Exposition die Risiken überwiegen.”

In der Gesundheitsaufklärung im Vereinigten Königreich (UK) und anderen Ländern mit einem hohen Anteil an Bevölkerung europäischer Abstammung wurden die Risiken der UV-Exposition immer hervorgehoben. Der bekannte Zusammenhang zwischen UV-Strahlung und der Entstehung von Melanomen gibt Anlass zu besonderer Sorge. In den Jahren 2017–2019 war die Melanomsterblichkeit jedoch relativ gering und machte nur 1 % aller Krebstodesfälle aus (Cancer Research UK, 2022). Jüngste Erkenntnisse deuten aber darauf hin, dass die Vorteile der UV-Exposition die Risiken überwiegen könnten, insbesondere in Umgebungen mit geringer Sonneneinstrahlung. In einer Kohorte schwedischer Frauen lebten Teilnehmerinnen mit höherer Sonnenexposition länger als diejenigen, die die Sonne mieden (Lindqvist et al., 2016). Der Mortalitätsvorteil wurde hauptsächlich auf eine geringere Sterblichkeit aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (HKE) sowie von Nicht-HKE- und Nicht-Krebserkrankungen zurückgeführt.

Die Autoren geben an, dass es mehrere biologisch plausible Mechanismen gibt, die einen Zusammenhang zwischen der Exposition gegenüber Ultraviolett-A- (UV-A) und Ultraviolett-B-Strahlung (UV-B) und der Gesundheit erklären. UV-B-Strahlung bewirkt die Synthese von Vitamin D in der exponierten Haut (Holick, 2016). In Beobachtungsstudien werden höhere Vitamin-D-Spiegel mit niedrigeren Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungsraten in Verbindung gebracht (Chowdhury et al., 2014). Jüngste randomisierte kontrollierte Studien zur Vitamin-D-Supplementierung und Mendelsche-Randomisierungsstudien stützen jedoch keine kausale Rolle von Vitamin D bei einer Reihe von gesundheitlichen Endpunkten außerhalb des Skelettsystems (Pilz et al., 2016; Manson et al., 2019).

Die Autoren geben an, dass UV-A-Photonen längere Wellenlängen haben und tiefer in die Haut dringen (Holick, 2016). Die UV-A-Exposition der Haut löst eine durch Stickstoffmonoxid (NO) vermittelte Gefäßerweiterung aus, die den Blutdruck senkt (Liu et al., 2014). NO ist zudem ein negativer Regulator des NLRP3-Inflammasoms, das mit einer Vielzahl von Erkrankungen in Verbindung gebracht wird, darunter Typ-II-Diabetes und Atherosklerose (Mao et al., 2013). Neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass UV-A unabhängig von UV-B vor Herzinfarkt (Mackay et al., 2019) und COVID-19-Sterblichkeit (Cherrie et al., 2021) schützt.

Ziel dieser Studie war es, anhand von Daten von Teilnehmern der UK Biobank zu ermitteln, inwieweit die UV-Exposition mit der Gesamtmortalität und der ursachenspezifischen Mortalität assoziiert ist. Die Autoren verwendeten zwei unterschiedliche Expositionsschätzungen, die anhand der Serum-Vitamin-D-Spiegel – einem Biomarker für die UV-Exposition – validiert wurden, sowie ein negatives Kontrollergebnis, um diese Frage zu untersuchen.

Materialien und Methoden

Die UK Biobank ist eine prospektive, bevölkerungsbasierte Kohorte mit über 500.000 Teilnehmern, die zum Zeitpunkt der Rekrutierung (2006 und 2010) zwischen 37 und 73 Jahre alt waren und in der Nähe von 22 Rekrutierungszentren in ganz England, Wales und Schottland wohnten (Sudlow et al., 2015). Es wurden soziodemografische Daten, Gesundheitsdaten sowie Ergebnisse der körperlichen Untersuchung mit Blut-, Urin- und Speichelproben erhoben. Die ethische Genehmigung für die UK Biobank erteilte das North West Centre for Research Ethics Committee (11/NW/0382). Die genetisch bedingte Hautpigmentierung spielt eine wichtige Rolle bei den biologischen Reaktionen auf UV-Exposition (Brenner und Hearing, 2008). Um den potenziellen Störeffekt von UV-Exposition, Hautpigmentierung und Mortalität zu begrenzen, beschränkten die Autoren sich in der vorliegenden Analyse auf Teilnehmer weißer europäischer Abstammung, wobei sie eine Kombination aus selbst angegebenem ethnischem Hintergrund und genetischen Informationen verwendeten.

Studiendesign

Die Autoren geben Folgendes an: “Um die Kausalität besser beurteilen zu können, verwendeten wir: [i] zwei aus unabhängigen Prozessen geschätzte Expositionen, die separat modelliert wurden (was eine Triangulation ermöglichte (Lawlor et al., 2017)), [ii] gemessene Vitamin-D-Serumspiegel, einen Biomarker für die UV-Exposition, zur Validierung der Expositionen und [iii] ein negatives Kontrollergebnis, um die Angemessenheit der Anpassung zu überprüfen.”

Interessante Untersuchungsgegenstände

Die Gesamtmortalität sowie die ursachenspezifische Mortalität (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Nicht-Herz-Kreislauf-Erkrankungen/Nicht-Krebs) waren die primären Auswirkungen, die studiert wurden. Jeder Teilnehmer der UK Biobank wurde zum Zeitpunkt seiner Aufnahme in die Studie mit einem nationalen Sterberegister verknüpft (Sudlow et al., 2015). Eine Liste der für jedes Mortalitätsergebnis verwendeten ICD-10-Codes ist in der Zusatzdatei 2 verfügbar. Der Zusammenhang zwischen UV-Exposition und Melanominzidenz hat große Aufmerksamkeit auf sich gezogen; frühere Forschungsarbeiten haben jedoch auf ein komplexes Zusammenspiel zwischen UV-bedingter Melanominzidenz und Mortalität hingewiesen (Adamson et al., 2022; Maduka et al., 2023). Um dies zu überprüfen, verglichen wir in Sekundäranalysen die Melanominzidenz und -mortalität. Wir verglichen zudem die Inzidenz und Mortalität von Nicht-Hautkrebserkrankungen.

(Rest der Methodik bitte dem Originaltext entnehmen.)

Ergebnisse

An der UK-Biobank-Kohorte nahmen 502.412 Teilnehmer teil, von denen 49.386 keine weiße europäische Abstammung hatten. Von den in Frage kommenden Teilnehmern lagen für 395.086 vollständige Informationen vor (Abb. 1). Die Gesamtnachbeobachtungszeit betrug 4.912.032 Personenjahre, mit einer medianen Nachbeobachtungszeit von 12,7 Jahren. Die vollständigen Teilnehmerdaten und fehlenden Daten sind in Tabelle 1 beschrieben. Die fünf häufigsten Ursachen für kardiovaskuläre, krebsbedingte und nicht-kardiovaskuläre/nicht-krebsbedingte Todesfälle unter den Teilnehmern sind in der Zusatzdatei 4 beschrieben.

Wir stellen fest, dass Teilnehmer der UK Biobank, die Solarien nutzen und an Orten mit einer höheren jährlichen durchschnittlichen kurzwelligen Strahlung (SWR) leben, ein geringeres Risiko für die Gesamtmortalität sowie für die Mortalität aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs aufweisen. Solariumnutzer haben zudem ein geringeres Risiko für die Mortalität aufgrund von anderen Ursachen als Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Diese Ergebnisse zeigen sich bei zwei sehr unterschiedlichen Arten der Exposition, wobei eine Anpassung vorgenommen und die Angemessenheit dieser Anpassung durch die Überprüfung eines negativen Kontrollergebnisses bestätigt wurde.

Diese Ergebnisse ergänzen die wachsende Literatur, die darauf hindeutet, dass UV-Exposition mit einer geringeren Mortalität assoziiert ist. Ergebnisse aus prospektiven Kohortenstudien in Schweden, das auf einem ähnlichen Breitengrad wie das Vereinigte Königreich liegt, zeigen eine inverse Beziehung zwischen aktiverem Sonnenverhalten und der Gesamtmortalität (Lindqvist et al., 2014; Yang et al., 2011) sowie inverse dosisabhängige Zusammenhänge zwischen der Mortalität aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, nicht-kardiovaskulären/nicht-krebsbedingten Ursachen und Krebs (Lindqvist et al., 2016). Mehrere Studien deuten zudem auf einen Zusammenhang zwischen Breitengrad und Mortalität hin, wobei ein Leben näher am Äquator mit einer höheren Lebenserwartung, einer geringeren Mortalität aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einer geringeren Mortalität bei verschiedenen Krebsarten assoziiert war (Grant, 2010; Borisenkov, 2011; Müller-Nordhorn et al., 2008).

Die Nutzung von Solarien war nicht mit der Inzidenz von Nicht-Hautkrebs assoziiert, wohl aber mit einer niedrigeren Mortalität durch Nicht-Hautkrebs. Ein höherer jährlicher durchschnittlicher SWR-Wert war mit einer niedrigeren Inzidenz und Mortalität von Nicht-Hautkrebs assoziiert, wobei der Effekt auf die Mortalität größer war als auf die Inzidenz. Eine mögliche Erklärung für diesen Unterschied könnte.”

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Minds in Motion – Bewegter Verstand

Wenn man weiß „wie“,
sieht das Schwere
plötzlich leicht aus.

Anonymus

Minds in Motion, kurzgefasst

Mariana G. Figueiros jüngere Arbeiten am Lighting Research Center lesen sich wie eine stille Revolution des Alltags: als Erinnerung daran, dass gebaute Umgebung den Geist beruhigen – oder ihn systematisch stören – kann. Der Text folgt ihrer „tailored lighting intervention“ (TLI) nicht als greller Therapiestrahler, sondern als bewohnbarer Rhythmus aus Helligkeit und Dämmerung: tagsüber genügend zirkadian wirksames Licht (CS-Ziel etwa 0,3 oder höher), am Abend dagegen eine bewusst gedämpfte Beleuchtung (unter ca. 0,1), damit Dunkelheit wieder zum biologischen Signal wird. Bemerkenswert ist die Pragmatik des Ansatzes: warmes Licht um 3000K und ein moderates Niveau von rund 300–400 lx – kompatibel mit gewöhnlichen Tisch- und Stehlampen statt klinischer Apparatur. Von Pflegeheimen, in denen der Tag oft zu dunkel und die Nacht zu hell ist, bis zu Gruppen unter Extremstress wie den World-Trade-Center-Rettungs- und Bergungskräften laufen die berichteten Effekte auf dasselbe Menschliche hinaus: besserer Schlaf, stabilere Stimmung, weniger Unruhe, teils messbare kognitive Gewinne, die sich mit der Dauer der Intervention zu verstärken scheinen. Am Ende steht eine Gestaltungsmaxime statt eines Luxusprodukts: helle Tage, gedämpfte Abende und wirklich dunkle Nächte..

Minds in Motion

Mariana G. Figueiro, Professor für Architektur am Lighting Research Center, Troy, New York, und Direktor der Licht- und Gesundheitsforschung, summierte in April 2026 ihre Forschungsergebnisse über die Heilwirkungen des Lichts bei wirklich harten Fällen Alzheimer-Patienten oder Überlebenden von 9/11 (Rettungskräfte, die die Katastrophe gemanagt hatten). Viele von ihnen können kaum schlafen.

Figueiro beschreibt Forschungsergebnisse über die Entwicklung und Erprobung einer maßgeschneiderten Lichtintervention (TLI), die darauf ausgelegt ist, tagsüber einen CS-Wert[1] von mindestens 0,3 zu erzielen – ein Niveau, das sich in klinischen Studien als wirksam erwiesen hat –, während gleichzeitig sichergestellt wird, dass der CS-Wert am Abend unter 0,1 bleibt.

Anders als Arbeiten, die die circadiane Wirkung mit dem blauen Licht in Verbindung sehen, arbeitet TLI mit warmem Licht mit einer Farbtemperatur von 3000 K. Eine andere Besonderheit ist das Lichtniveau, das etwa 300 – 400 lx beträgt. Die Therapieleuchten erzeugen hingegen bis 10.000 lx.

Die hier beschriebene Methode lässt sich also in jeder Wohnung anwenden, auch wenn man nicht krank oder malade ist. Die wissenschaftliche Begründung kann man hier oder da lesen. Den Originalbeitrag finden Sie hier.

Licht für Patienten mit Alzheimer-Krankheit und verwandten Demenzerkrankungen

Figueiro sieht hier den größten Bedarf, weil das Licht in Pflegeheimen selten dem Ideal entspricht: hell tagsüber, gedämpft am Abend und dunkel in der Nacht. Fazit: „Unsere früheren Studien, die in Pflegeheimen durchgeführt wurden, zeigten den tiefgreifenden Einfluss der TLI auf Menschen mit Alzheimer-Krankheit und verwandten Demenzerkrankungen. Die TLI verbesserte die Schlafqualität, die Stimmung und das Verhalten signifikant. Bemerkenswerterweise konnten wir zeigen, dass der Einfluss des Lichts auf diese Ergebnisse kumulativ war; je länger die Dauer der TLI (d. h. bis zu 6 Monate in unserer Studie), desto größer waren die beobachteten Verbesserungen… Diese Ergebnisse stimmten mit denen von Eus van Someren und Kollegen überein, die zeigten, dass die Exposition gegenüber hellem Tageslicht (>1.000 Lux am Auge) über einen Zeitraum von 3,5 Jahren den Ruhe-Aktivitäts-Rhythmus konsolidierte, die kognitiven Fähigkeiten verbesserte und Depressionen reduzierte.“

Solche Wirkungen wurden mit einfachen Tisch- und Stehlampen erzielt, die in die Lebensumgebung passen.

Rettungs- und Bergungskräfte, Freiwillige und Parkinson-Patienten

Hierzu schreibt Figueiro „Die Vorteile der TLI gehen über ältere Erwachsene und Menschen mit Demenz hinaus und unterstreichen die weitreichende Bedeutung der circadianen Synchronisation für die Gesundheit des Gehirns. Rettungs- und Bergungskräfte aus dem World Trade Center sind aufgrund des extremen Stresses und der Umweltbelastungen während des 11. September nach wie vor besonders anfällig für circadiane Störungen und Neuroinflammation, und viele leiden immer noch unter kognitiven Beeinträchtigungen und Schlafstörungen.

Unsere Untersuchung ergab, dass eine zweimonatige tägliche TLI-Intervention – eine Stunde innerhalb von zwei Stunden nach dem Aufwachen – den Schlaf und die kognitiven Fähigkeiten in dieser Gruppe signifikant verbesserte. Wir beobachteten einen eindeutigen Zusammenhang: Eine stärkere morgendliche Exposition gegenüber circadian wirksamem Licht sagte eine bessere kognitive Leistungsfähigkeit voraus. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Lichttherapie eine nicht-invasive Möglichkeit bieten könnte, die langfristige kognitive Gesundheit und die Schlafqualität bei Personen zu fördern, die von schweren Traumata und Umweltstress betroffen sind.

Patienten mit Parkinson-Krankheit (PD) leiden häufig unter motorischen und nicht-motorischen Symptomen, darunter häufige Schlafstörungen, die oft mit einer Störung des zirkadianen Rhythmus zusammenhängen. Müdigkeit ist ein weiteres schwieriges Symptom, für das es nur wenige evidenzbasierte Behandlungsmöglichkeiten gibt.“

Fazit

Es ist nicht gesagt, dass Mittel und Methoden, die man für Therapiezwecke anwendet, auch bei gesunden Menschen im Alltag funktionieren. Dafür spricht nicht zuletzt die Verschreibungspflicht für wirksame Medizin. Bei Licht gilt dies wohl nicht. Hierzu führt die Autorin aus: „Unsere Arbeit bestätigt, dass Licht die menschliche Gesundheit auf eine Weise positiv beeinflusst, wie wir es uns vorgestellt hatten, und auf eine Weise, die wir uns zuvor nur vorstellen konnten. Für Lichtdesigner ist die entscheidende Erkenntnis nicht die Wahl der zu verwendenden Messgröße [CS oder Tageslichtäquivalent, d. Übersetzer], sondern die nachgewiesenen Vorteile einer validierten, nicht-pharmakologischen Intervention, die Schlaf, Stimmung, Verhalten und kognitive Fähigkeiten bei gefährdeten Bevölkerungsgruppen verbessert. Die Herausforderung besteht nun darin, die Debatte hinter uns zu lassen und uns auf die Umsetzung zu konzentrieren. „Circadian Lighting“ ist kein Nischen- oder Premiumprodukt, sondern eine grundlegende Voraussetzung für die Gestaltung einer gesunden gebauten Umwelt. Bei der Zukunft der Beleuchtung geht es nicht nur ums Sehen, sondern auch darum, „helle Tage, gedämpfte Abende und dunkle Nächte“ zu schaffen, um die menschliche Gesundheit und das Wohlbefinden zu fördern.“

Literaturverweise der Autorin

1 George C. Brainard et al. “Action Spectrum for Melatonin Regulation in Humans: Evidence for a Novel Circadian Photoreceptor.” Journal of Neuroscience, vol. 21, no. 16, 2001.

2 Khushwant Thapan, Josephine Arendt, and Debra J. Skene. “An Action Spectrum for Melatonin Suppression: Evidence for a Novel Non-Rod, NonCone Photoreceptor System in Humans.” Journal of Physiology, vol. 535, 2001.

3 Sat Bir S. Khalsa et al. “A Phase Response Curve to Single Bright Light Pulses in Human Subjects.” Journal of Physiology, vol. 549, 2003.

4 Mark S. Rea, Rohan Nagare, and Mariana G. Figueiro. “Modeling Circadian Phototransduction: Quantitative Predictions of Psychophysical Data.” Frontiers in Neuroscience, vol. 15, 2021.

5 Mark S. Rea, Rohan Nagare, and Mariana G. Figueiro. “Modeling Circadian Phototransduction: Retinal Neurophysiology and Neuroanatomy.” Frontiers in Neuroscience, vol. 14: 2021.

UL Standards and Engagement. Design Guideline for Promoting Circadian Entrainment with Light for Day-Active People, Design Guideline 24480, Edition 1. Northbrook, IL: Underwriters Laboratories, 2019.

7 Mariana G. Figueiro et al. “Tailored Lighting Intervention (TLI) for Improving Sleep-Wake Cycles in Older Adults Living with Dementia.” Frontiers in Physiology, vol. 14, 2023.

8 Mariana G. Figueiro et al. “Long-Term, All-Day Exposure to Circadian-Effective Light Improves Sleep, Mood, and Behavior in Persons with Dementia.” Journal of Alzheimer’s Disease Reports, vol. 4, no. 1, 2020.

9 Eus J. W. van Someren et al. “Indirect Bright Light Improves Circadian Rest-Activity Rhythm Disturbances in Demented Patients.” Biological Psychiatry, vol. 41, no. 9, 1997.

10 Rixt F. Riemersma-van der Lek et al. “Effect of Bright Light and Melatonin on Cognitive and Noncognitive Function in Elderly Residents of Group Care Facilities: A Randomized Controlled Trial.” Journal of the American Medical Association, vol. 299, no. 22, 2008.

11 Paul K. Crane et al. “Glucose Levels and Risk of Dementia.” New England Journal of Medicine, vol. 369, no. 15, 2013.

12 Ola A. Alsalman et al. “Tailored Light Intervention for Sleep and Cognition in World Trade Center (WTC) Cohort.” Archives of Environmental and Occupational Health, vol. 80, no. 9, 2025.

[1] CS = circadian stimulus. wissenschaftliche Kennzahl, die beschreibt, wie stark eine Lichtquelle das menschliche zirkadiane System (unsere "innere Uhr") anspricht. Er wurde am Lighting Research Center (LRC) des Rensselaer Polytechnic Institute entwickelt.

 

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Eine zweite Revolution in Sachen Licht und Gesundheit von Lisa Heschong

Nichts ist energetisch ineffizienter
als ein kranker Körper.

Anonymus

Eine zweite Revolution in Sachen Licht und Gesundheit, kurzgefasst

Der Beitrag fasst zentrale Thesen von Lisa Heschong (14. April 2026) zu einer „zweiten Revolution“ im Verständnis von Licht und Gesundheit zusammen. Während die erste Forschungswelle vor allem die circadiane Wirkung (Zeitpunkt, Intensität, blaues Licht) betonte, rücken nun weitere nicht visuelle Mechanismen in den Fokus. Große epidemiologische Datensätze deuten darauf hin, dass höhere Lichtexpositionen am Tag langfristig mit besseren Gesundheitsoutcomes assoziiert ist (u. a. weniger psychiatrische Diagnosen sowie geringere Herz Kreislauf , Krebs und Mortalitätsraten). Zugleich wird die Erklärung über Vitamin D als alleinige Ursache relativiert, weil Supplementierungsstudien die erwarteten Effekte nur begrenzt replizieren. Der Beitrag diskutiert zudem spektrale Anteile jenseits des Sichtbaren: Nahinfrarot (NIR), das in der Photobiomodulation genutzt wird und auch bei Umgebungsdosen physiologische Effekte zeigen könnte, sowie ultraviolette Strahlung (UV), die durch moderne LED Beleuchtung und Low E Verglasung in Innenräumen stark reduziert wird. Diese technischen Veränderungen können unbeabsichtigte Folgen haben, etwa im Kontext der Myopie Epidemie. Insgesamt bleibt die Evidenz zur wirksamen und sicheren Dosierung lückenhaft; als pragmatische Konsequenz wird empfohlen, tagsüber mehr Zeit bei ungefiltertem Tageslicht im Freien zu verbringen und Tageslicht in Innenräumen stärker als Gesundheitsressource zu berücksichtigen.

Eine zweite Revolution in Sachen Licht und Gesundheit von Lisa Heschong

Die bekannte US-Architektin Lisa Heschong schreibt in einem Beitrag vom 14. April, 2026 über eine neue Phase der Erkenntnisgewinnung zu nicht-visuellen Wirkungen von Licht. Hierbei geht es nicht primär um circadiane Wirkungen. Der Gesamtbeitrag ist hier abrufbar. Die zitierten Teile wurden mit deepl übersetzt.

Unser Verständnis von Beleuchtung und Wohlbefinden neu definieren

Der Beitrag beschreibt eine sich abzeichnende „zweite Revolution“ im Verständnis von Licht und Gesundheit. Während die erste Welle der Forschung vor allem die circadiane Wirkung von Licht (Zeitpunkt, Intensität und insbesondere blaues Licht) und deren Einfluss auf Schlaf, Wachheit und hormonelle Signale in den Mittelpunkt stellte, rücken nun zusätzliche, nicht‑visuelle Wirkmechanismen in den Fokus. Auf Bevölkerungsebene liefern große epidemiologische Datensätze Hinweise, dass eine höhere Lichtexposition am Tag langfristig mit günstigen Gesundheitswirkungen assoziiert ist – darunter weniger psychiatrische Diagnosen, geringere Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie niedrigere Krebs- und Sterblichkeitsraten. Gleichzeitig wird die bislang dominante Erklärung über Vitamin‑D als alleinige Ursache zunehmend hinterfragt, da Supplementierungsstudien die erwarteten Effekte nicht in gleichem Maß reproduzieren konnten.

Eine Pilotstudie zu Tageslicht in Innenräumen deutet zudem darauf hin, dass bereits wenige Tage Arbeit in einem tageslichtdurchfluteten Büro messbare, wenn auch subtile Verbesserungen metabolischer Parameter bei älteren Erwachsenen mit Diabetes bewirken können. Darüber hinaus diskutiert der Text mögliche Beiträge von Spektralanteilen jenseits des Sichtbaren: Nahinfrarot (NIR), das in der Photobiomodulation intensiv genutzt wird und auch bei Umgebungsdosen physiologische Effekte zeigen könnte, sowie ultraviolette Anteile, deren Reduktion in modernen Gebäuden durch LED‑Beleuchtung und Low‑E‑Verglasung unbeabsichtigte Folgen haben kann (u. a. im Kontext der Kurzsichtigkeitsepidemie). Insgesamt wird deutlich: Viele „Puzzleteile“ – insbesondere zur wirksamen und sicheren Dosierung – fehlen noch. Bis präzisere Empfehlungen vorliegen, lautet die praxisnahe Schlussfolgerung, den Aufenthalt bei ungefiltertem Tageslicht am Tag zu erhöhen und Tageslicht in Innenräumen stärker als gesundheitliche Ressource zu berücksichtigen.

Warum ungefiltertes Tageslicht?

Wirkungen von Nahinfrarot auf die Physiologie und auf das Auge

Ein Blick in die Abbildungen des Artikels zeigt deutlich, in welchem Maße das Licht im Innern der Gebäude durch die Verglasung verändert wird, wenn man statt Klarglas wie einst beschichtete Gläser i.S. einer Energieeffizienz einsetzt.

Im ersten Bild geht es um den sichtbaren Bereich und um Nahinfrarot. Wie die Kurven zeigen, sind die Gläser alles andere als transparent, sie sehen nur so aus.

Das Klarglas, das bei einscheibiger Anwendung noch über einen Transmissionsgrad von über 0,9 verfügt, liegt im visuellen Bereich bei ca. 0,82. Die modernste Form der Silberbeschichtung lässt nur noch 53% Licht durch. Richtig dramatisch wird es bei Nahinfrarot. Bei einer dreifachen Silberbeschichtung kommt praktisch nichts mehr durch.

Dasselbe passiert, wenn man eine Glühlampe durch eine LED ersetzt. Sie emittiert kaum IR. Dadurch kommt ja ihre große Energieeffizienz zustande.

Ob man den Umstand Effizienz nennen darf, stellt Heschong indes in Frage. Denn eine von ihr interpretierte Studie hat gezeigt, dass nach einer Stunde NIR-Exposition die Forscher jedoch signifikante Verbesserungen sowohl der kardiovaskulären als auch der emotionalen Funktion feststellten, die mindestens eine weitere Stunde anhielten. (s. dazu Beitrag: Ist LED-Beleuchtung effizienter als die Glühlampenbeleuchtung? Eine physiologische Betrachtung. Die Nahinfrarot-Bestrahlung bewirkt zudem, wie in dem zitierten Beitrag ausgeführt, dass auch die visuelle Leistung durch Nahinfrarot verbessert wird. Heschong verweist auf eine weitere Studie mit dem Ergebnis: Längere Wellenlängen im Sonnenlicht durchdringen den menschlichen Körper und haben eine systemische Wirkung, die das Sehvermögen verbessert.[1]

Man muss daher den Anspruch einer Energieeinsparung durch Isoliergläser oder LEDs relativieren. Zusammen genommen deuten diese und andere Studien darauf hin, dass die NIR-Exposition ein wichtiger Bestandteil eines gesunden Raumklimas sein könnte. In den letzten Jahrzehnten hat sich die NIR-Exposition in Innenräumen jedoch durch zwei wesentliche technologische Veränderungen stark verringert:

  • eine Reduzierung der Verwendung von Glühlampen, einschließlich Kerzen und offenen Feuern, die auf natürliche Weise NIR-Strahlung abgeben; zunächst zugunsten von Leuchtstofflampen und in jüngerer Zeit zugunsten von LED-Lichtquellen
  • die zunehmende Verwendung von Low-E-Beschichtungen (Low-Emissivity) an Fenstern, die das Spektrum des durch sie hindurchtretenden Tageslichts einschränken.

Der Wandel bei den elektrischen Lichtquellen hat im Internet eine Kontroverse darüber ausgelöst, ob LEDs neu konzipiert werden sollten, um eine stärkere NIR-Strahlung zu erzeugen. Ebenso entsteht eine Kontroverse darüber, ob energieeffiziente Fenster überdacht werden sollten, um einen größeren Teil des Sonnenspektrums durchzulassen.

Wirkungen von Utraviollett

Erst seit kurzem werden die möglichen gesundheitlichen Folgen einer Verringerung der Exposition gegenüber Sonnenwellenlängen jenseits des sichtbaren Spektrums in Innenräumen thematisiert. Nicht nur das nahe Infrarot (NIR) gibt Anlass zur Sorge, sondern auch sehr kurze Wellenlängen bis hin in den ultravioletten Bereich.

Seit den 1980er Jahren und verstärkt seit den 2000er Jahren wurden Wohn- und Arbeitsräume mit neuen, energieeffizienteren Fenstern mit Low-E-Beschichtungen ausgestattet. Diese transparenten Beschichtungen, die größtenteils aus Silberoxiden bestehen, optimieren die Lichtdurchlässigkeit im Bereich um 550 Nanometer (nm) innerhalb des für den Menschen sichtbaren Spektrums, während sie andere Sonnenwellenlängen, insbesondere im NIR- und im ultravioletten Bereich, als unnötige „Energieverschwendung“ reflektieren.

In welchem Maße diese Fenster die Sonnenstrahlung filtern, zeigt das untere Bild

Hier sieht man ganz deutlich, dass auch die UVA-Strahlung kräftig beschnitten wird. Dies betrifft auch die Lichtstrahlung, die circadian wirksam ist. Das Endergebnis der heutigen energieeffizienten Fenster ist jedoch, dass 50 bis 95 % sowohl der einfallenden NIR- als auch der UV-Sonnenstrahlung aus dem Inneren von Gebäuden ferngehalten werden.

Heschong zitiert zu diesem Punkt eine Studie aus Edinburgh, UK, die zeigt, dass die höhere UV-Intensität die Mortalität in Ländern mit moderaten Sonnenscheindauern reduziert.[2]

Folgen der verminderten Lichtexposition

Heschong befürchtet, dass die insgesamt verminderte Lichtexposition (weniger Licht im Innenraum, kürzerer Aufenthalt im Freien) die Entwicklung des Menschen in den frühen Jahren negativ beeinflusst: Eine der besorgniserregendsten Folgen der verminderten Lichtexposition in Innenräumen könnte eine Beeinträchtigung der Sehentwicklung im Kindesalter sein. Eine normale Entwicklung im Mutterleib führt zu funktionsfähigen Augen bei der Geburt, die sich in den ersten Lebensjahren zu einer perfekten Sehschärfe von 20/20 entwickeln. Doch bei der Augenentwicklung von Kindern scheint etwas grundlegend schiefzulaufen, sodass immer mehr Kinder kurzsichtig werden. Anstatt eine perfekte Form für klares Sehen zu erreichen, wächst ein kurzsichtiges Auge weiter und verlängert sich, wodurch es immer schwieriger wird, in die Ferne zu fokussieren. In den USA werden mittlerweile 35 bis 40 % der Kinder für den Rest ihres Lebens kurzsichtig, verglichen mit 2 bis 5 % vor einigen Generationen. In Asien ist das Problem noch gravierender und betrifft in einigen der größeren Städte bis zu 90 % der Jugendlichen. Angesichts des raschen Generationswechsels handelt es sich hier eindeutig um eine Krankheit mit umweltbedingten Ursachen.

Dieses Thema wurde in Licht-formt-leben.de in einem getrennten Beitrag ausführlich diskutiert: Zurück in die Höhle Dank iPhone & Co? Der damals behandelte Artikel liest sich das Ergebnis wie eine Horrormeldung: In urbanen Teilen von Süd- und Ostasien sind Heranwachsende derzeit zu  80% bis 90% kurzsichtig.

Dazu Heschong: Kurzsichtigkeit ist typischerweise eine Kinderkrankheit, deren Fortschreiten in der späten Jugend oder im frühen Erwachsenenalter zum Stillstand kommt. Viele Menschen kommen schnell zu dem Schluss, dass der derzeitige weltweite „Kurzsichtigkeitsboom“ mit der zunehmenden Bildschirmzeit bei Kindern zusammenhängen muss. Eines der ersten Anzeichen für die Kurzsichtigkeitsepidemie zeigte sich jedoch bei den Inuit-Stämmen in Kanada, die in den 1940er und 1950er Jahren von der Regierung aggressiv in westlich geprägte Häuser und Schulen umgesiedelt wurden. So wechselten diese indigenen Völker von einem Leben, das selbst während der langen Dämmerungszeiten des arktischen Winters überwiegend im Freien stattfand, zu einem Leben in Innenräumen unter Glüh- und Leuchtstofflampen. In den 1970er Jahren stellten Optiker fest, dass Inuit-Kinder im Vergleich zu den vernachlässigbaren Raten ihrer Großeltern in alarmierendem Ausmaß Kurzsichtigkeit entwickelten, was zeigt, dass die Kurzsichtigkeitsepidemie schon lange vor der Verbreitung von Computern und Mobiltelefonen im modernen Leben festgestellt wurde.[3]

Seitdem liefern epidemiologische Studien eindeutige Belege dafür, dass es Kindern in ländlichen Gebieten besser geht als denen, die in Städten aufwachsen. Ein geringeres Risiko für Kurzsichtigkeit wurde zudem eindeutig mit Kindern in Verbindung gebracht, die mehr Zeit im Freien verbringen, sei es bei sportlichen Aktivitäten oder beim ruhigen Lesen. Dies lässt vermuten, dass die visuelle Umgebung im Freien etwas an sich hat, das die normale Augenentwicklung fördert. Eine Hypothese, die Beachtung gefunden hat, besagt, dass das Spektrum des Tageslichts diese schützende Wirkung hat, insbesondere durch Wellenlängen außerhalb des sichtbaren Spektrums.[4]

Der Rat von Lisa Heschong: Heute beginnen Wissenschaftler, die zugrunde liegenden molekularen Mechanismen genauer zu untersuchen und ihre evolutionäre Entwicklung über verschiedene Arten hinweg nachzuzeichnen. Zudem wurden Projekte ins Leben gerufen, um detaillierte Daten zur Lichtexposition von verschiedenen Bevölkerungsgruppen auf allen Kontinenten zu sammeln, um besser zu verstehen, wie die Lichtexposition im Alltag tatsächlich aussieht. Vielleicht werden wir bald in der Lage sein, genauere Empfehlungen für die tägliche Lichtexposition zu geben, um die Gesundheit der Menschen zu fördern. Bis es so weit ist, lautet der derzeit beste Ratschlag wohl, einfach mehr Zeit im Freien bei ungefiltertem Tageslicht zu verbringen.[5]

Literaturverweise der Autorin

1 Angus C. Burns et al. “Day and Night Light Exposure Are Associated with Psychiatric Disorders: An Objective Light Study in >85,000 People.” Nature Mental Health, vol. 1, 2023.

2 Daniuel P. Windred et al. “Brighter Nights and Darker Days Predict Higher Mortality Risk: A Prospective Analysis of Personal Light Exposure in 88,000 Individuals.” Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, vol. 121, no. 43, Oct. 2024.

3 Andrew C. Stevenson et al. “Higher Ultraviolet Light Exposure Is Associated with Lower Mortality: An Analysis of Data from the UK Biobank Cohort Study.” Health & Place, vol. 89, Sept. 2024.

4 Richard B. Weller. “Sunlight: Time for a Rethink?” Journal of Investigative Dermatology, vol. 144, no. 8, Aug. 2024.

5 Jan-Frieder Harmsen et al. “Natural Daylight during Office Hours Improves Glucose Control and Whole-Body Substrate Metabolism.” Cell Metabolism, vol. 38, no. 1, Jan. 2026.

6 Ioannis G. Lempesis and Frank A. J. L. Scheer. “Illuminating the Influence of Natural Daylight on Human Metabolism.” Cell Metabolism, vol. 38, no. 1, Jan. 2026.

7 Pooja Shivappa et al. “From Light to Healing: Photobiomodulation Therapy in Medical Disciplines.” Journal of Translational Medicine, vol. 23, 2025.

8 Charlotte M. Roddick et al. “Effects of NearInfrared Radiation in Ambient Lighting on Cognitive Performance, Emotion, and Heart Rate Variability.” Journal of Environmental Psychology, vol. 100, Nov. 2024.

9 Glen Jeffery et al. “Longer Wavelengths in Sunlight Pass through the Human Body and Have a Systemic Impact Which Improves Vision.” Scientific Reports, vol.15, no. 1, July 2025.

10 Aamer Saleem et al. “Near Infrared Transmission through Various Clothing Fabrics.” Journal of Textile Science & Engineering, vol. 3, no. 2, 2013.

11 Kevin W. Houser, Lisa Heschong, and Richard A. Lang. “Buildings, Lighting, and the Myopia Epidemic.” LEUKOS, vol.19, no. 1, Jan. 2023.

12 Jos J. Rozema et al. “Reappraisal of the Historical Myopia Epidemic in Native Arctic Communities.” Ophthalmic and Physiological Optics, vol. 41, no. 6, Sept. 2021.

13 Lisa Heschong, Richard A. Lang, and Shruti Vemaraju. “New Dimensions of Daylight and Health: How Opsin Biology May Inform Lighting Standards in the Near Future.” Lighting Research & Technology, vol. 57, no. 6–7, 2025.

14 Johannes Zauner, Steffen Hartmeyer, and Manuel Spitschan. “LightLogR: Reproducible analysis of personal light exposure data.” The Journal of Open Source Software, vol. 10, no. 107, Mar. 2025

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[1] Glen Jeffery et al. “Longer Wavelengths in Sunlight Pass through the Human Body and Have a Systemic Impact Which Improves Vision.” Scientific Reports, vol.15, no. 1, July 2025.

[2] Andrew C. Stevenson et al. “Higher Ultraviolet Light Exposure Is Associated with Lower Mortality: An Analysis of Data from the UK Biobank Cohort Study.” Health & Place, vol. 89, Sept. 2024.

[3] Jos J. Rozema et al. “Reappraisal of the Historical Myopia Epidemic in Native Arctic Communities.” Ophthalmic and Physiological Optics, vol. 41, no. 6, Sept. 2021.

[4] Lisa Heschong, Richard A. Lang, and Shruti Vemaraju. “New Dimensions of Daylight and Health: How Opsin Biology May Inform Lighting Standards in the Near Future.” Lighting Research & Technology, vol. 57, no. 6–7, 2025.

[5] 14 Johannes Zauner, Steffen Hartmeyer, and Manuel Spitschan. “LightLogR: Reproducible analysis of personal light exposure data.” The Journal of Open Source Software, vol. 10, no. 107, Mar. 2025

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Health Washing – Wie man an Glaubwürdigkeit verliert

Der Geschäftemacher lebt
nicht vom Produkt,
sondern von der Sehnsucht,
die sein Bild erzeugt..

Anonymus

Health Washing , kurzgefasst

Die aktuelle Renaissance des „gesunden Lichts“ wirkt auf den ersten Blick wie ein Fortschritt: Endlich soll Beleuchtung mehr können als sichtbar machen. Doch dieser Beitrag zeigt die Bewegung als Symptom eines Glaubwürdigkeitsproblems, das die Lichttechnik seit ihren frühen Heilsversprechen begleitet. „Health Washing“ – in deutlicher Analogie zum Greenwashing – bezeichnet hier nicht bloß ein bisschen Marketing-Übertreibung, sondern eine strategische Verschiebung: Statt die Grenzen künstlicher Beleuchtung nüchtern zu benennen, wird mit Naturbildern, Sonnenmetaphorik und wissenschaftlich klingenden Etiketten ein moralischer Mehrwert behauptet. Die Industriewerbung, Verbandskommunikation und sogar institutionelle Präsentationen bedienen sich dabei einer Ikonografie, die kaum noch auf Lampen verweist, aber zuverlässig „Segen von oben“ signalisiert.

An konkreten Beispielen wird gezeigt, wie sich diese Rhetorik fortpflanzt: vom Recycling historischer Slogans („hell wie der lichte Tag“) über die Etikettierung billiger Spektren als „Vollspektrum“ bis zur Umdeutung von Human Centric Lighting in ein austauschbares Produktversprechen, das biologische Wirkung behauptet, ohne die dafür nötigen Bedingungen (Programm, Intensität, Einfallswinkel) einzulösen. Hinzu kommt ein zweites Geschäftsmodell: die Monetarisierung von Angst – etwa über den „Blue Light Hazard“ und Filterlösungen, deren Nutzen und Risiken in der Praxis differenziert betrachtet werden müssten. Selbst Tageslicht wird in dieser Logik zum Verkaufsargument und endet in technischen Phantasmen, die „die Sonne ins Haus holen“ wollen, ohne die physikalischen Grenzen (Leistungsdichte, Mittelwerte, Realbedingungen) ernst zu nehmen.

Health Washing – nach Art des Hauses?

Das Kapitel Die Legende vom gesunden Licht reloaded fängt mit dem Statement an: Das grandiose Versagen der Bemühungen um Licht und Gesundheit zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat in der Lichttechnik vermutlich eine kollektive Amnesie bewirkt. Diese Aussage beruht auf der Erfahrung, dass sich niemand hinter dem Titel „Licht und Gesundheit“, den wir für unseren Forschungsbericht von 1990 gewählt hatten, eine wesentlich ältere Arbeit mit identischem Titel, Licht and Health, von einem echten Pionier der Lichttechnik vermutete. Auch das ansonsten spektakuläre Buch von John Ott, Health and Light, von 1973 nimmt kein Bezug auf die 100 Jahre alte Publikation, obwohl nicht nur der Titel übereinstimmt.

Da nimmt es kein Wunder, dass die um etwa das Jahr 2000 plötzlich wiederaufgeflammte Liebe zu gesundem Licht in Anlehnung an Greenwashing jetzt Health Washing genannt wird. Am deutlichsten erkennt man die Sache an den Bildern aus der Natur, mit denen sich die Industrielobby (z.B. LightingEurope) schmückt. Das ist nicht etwa ein neuer Trend, sondern eher uralt, wie das Bild aus der Osram-Werbung hier zeigt.

Dieser Spruch aus der Zeit des deutschen Wirtschaftswunders hat selbst den Verkauf von Osram durch Siemens und alle konventionellen Leuchtmittel überlebt und leuchtete in 2021 am Müncher Stachus in LED-Schrift.

Eine Unternehmung, die ein ehemaliger Vorstand von LightingEurope gegründet hat, schmückt sich gar mit Szenen aus der Natur.

Die Good Light Group folgte mit diesen Bildern der etwas älteren Werbung für HCL, das sich Human Centric Lighting nennt. Dort kann man aber keine Lampe entdecken. Dafür aber eine Szene, die von Sonnenschutzmitteln bis Wellness Hotels viele benutzen, um einen Segen von oben zu symbolisieren.

Ganz im Sinne eines Mitgliedunternehmens von LightingEurope, das Leuchten produziert. Sie hatte früher ihre Tätigkeit sogar noch enger gefasst und nur Langfeldleuchten erstellt. Warum nicht?

Ja, warum denn nicht? Diese Firma ist im Gesundheitswesen ganz zu Hause, und das nicht nur mit Beleuchtung. Sie hätte z.B. propagieren können, dass ein guter Ausblick aus dem Krankenzimmer unglaublich wirksam auf die Heilung von Patienten ist (dazu s. Beitrag  Wunden, die Licht heilt). Sie benutzt das Licht in der Natur lieber, um ihre Lichtprodukte zu promoten.

Manche gehen sogar noch weiter und wollen ihre Produkte noch über die Natur stellen. Ganz i.S. von Matthew Luckiesh, der das Sonnenlicht über alles lobte, um die Überlegenheit seiner Lampen über die Natur zu proklamieren.

Nicht nur Firmen, die ihr Geschäft mit künstlichem Licht machen, instrumentalisieren die Natur und das Licht der Sonne, um Produkte zu verkaufen. Auch ein wissenschaftliches Institut holt scheinbar die Natur ins Haus, um ihr Konzept zu verkaufen, wie das Bild zeigt. Es trägt den Namen „Erleuchteter Arbeitsplatz“ und dürfte somit nicht so bald zu toppen sein. Den Menschen, denen das Licht des Tages genommen wurde, obwohl dies nicht unbedingt sein musste, wird ein künstlicher Sommertag vorgespielt. Allerdings endet die Simulation am Abend. Den Nachthimmel an einem Arbeitsplatz zu simulieren, dürfte niemandem leichtfallen. Eigentlich muss man dazu nur den Lichtschalter umlegen. Dann kann man aber nicht mehr arbeiten. Die abgebildeten Arbeitsplätze müssen aber 24/7 aktiv sein.

Last not least sei eine Ankündigung eines Ereignisses der CIE seitens der LiTG erinnert. Wer das Bild sieht, denkt garantiert nicht an ein Event für die künstliche Beleuchtung. Tatsächlich wird damit eine ISO/CIE-Publikation zum Thema »Integrative Lighting« über nicht-visuelle Lichtwirkungen angekündigt. Was das Dokument bewirken soll, steht im Scope: „Dieses Dokument enthält eine Analyse und Bewertung des aktuellen Stands der Technik hinsichtlich der durch ipRGC-Zellen beeinflussten Lichtreaktionen sowie eine Anwendung dieser Erkenntnisse im Zusammenhang mit ausgewählten Themen, die für den Einsatz in Beleuchtungsanwendungen in Betracht gezogen werden.“

Kundenfang mit minderwertigen Produkten

Obwohl die oben angeführten Beispiele nicht gerade vertrauenerweckend sind, bewirken andere Aktivitäten einen Verlust an Glaubwürdigkeit. An erster Stelle steht wohl die Kopie des uralten Osram-Slogans „Hell wie der lichte Tag“: Hersteller werben oft mit Licht, das „genau wie die Sonne“ sei. Was soll denn genau so sein wie die Sonne? Die Energiedichte wohl hoffentlich nicht. Den Sonnentag simulieren die Produkte auch nicht. Bleibt übrig, das Spektrum. Während die Sonne ein kontinuierliches Spektrum hat, nutzen viele günstige „Vollspektrum-LEDs“ lediglich eine violette Anregung statt einer blauen. Und schon hat man ein Vollspektrum.

Dabei habe ich mich immer geweigert, die Wirkung von Vollspektrumlampen in der Praxis zu untersuchen. Und dies aus zwei Gründen. Der erste Grund ist positiv: Alle Anwender von solchen Lampen waren von deren Wirkung überzeugt. Leider ist das keine gute Ausgangsbasis für eine wissenschaftliche Studie. Der zweite Grund war aber eher negativ: Wenn man die angebotenen Produkte unter die Lupe nahm, konnte man ehrliche Anbieter, die an ihre Produkte glaubten, nicht von Quacksalbern unterscheiden,die auch das schnelle Geld aus waren. Das war der entscheidende Grund, warum ich solche Produkte nie in der Praxis untersuchen wollte. Eine Auseinandersetzung mit dem Thema hat aber zweimal stattgefunden (Vollspektrumlicht, VollspektrumlichtII), zuletzt 2009.

Seitdem hat sich die Diskussion zunehmend auf LED verlagert. Während manche Forschende diese Leuchtmittel eher für schädlich halten, beten andere ihre Produkte gesund, gerade weil sie LED enthalten. Dabei dürfte man gar nicht von einer LED reden, weil sich die diversen Produkte nur noch das Lichterzeugungsprinzip gemeinsam haben.

Ähnlich geht es in dem abgebildeten Beispiel einer Arbeitsplatzleuchte. Nach unseren Studien würde ich jedem solchen Produkt eine positive Wirkung unterstellen. Die hier angeführte Leuchte zeichnet sich auch noch durch ein gutes Design aus. Warum muss man für sie mit dem Argument werben, dass sie einem einen langen und tiefen Schlaf bescheren soll?

Andere Hersteller bemühen gar HCL.  Dieses soll eigentlich ein Konzept sein und keine Leuchte. HCL soll den Biorhythmus unterstützen, indem es u.a. Farbtemperatur und Helligkeit im Tagesverlauf anpasst. Dass nicht jede Leuchte, die mal die Farbtemperatur und mal die Helligkeit ändert, eine biologische Wirkung auslösen kann, dürfte außer Frage stehen. Zu einer echten Wirkung gehören ein Programm und eine bestimmte Lichtleistung. Damit das Licht biologisch wirksam ist, muss es hell genug sein und im richtigen Winkel auf die unteren Netzhautbereiche treffen. Eine schwache Schreibtischlampe, die auch mal  „blau“ leuchtet, ist kein HCL – sie ist nur eine blaue Lampe. Man weiß nicht einmal, ob die Leuchte biologisch wirksam sein sollte, denn Arbeitsplatzleuchten sind am wirksamsten, wenn sie biologisch unwirksam sind, also deren Licht nicht ins Auge fällt.

Andere Trittbrettfahrer wollen sogar mit Hilfe der Angst vor dem blauen Licht der LED Geld verdienen. Es wird oft suggeriert, dass blaues Licht von LED-Lampen die Netzhaut schädige („Blue Light Hazard“). Deswegen müsse man Blaulicht-Filter tragen. Zwar schaden diese Filter jemandem mit üblichen Aufgaben am Bildschirm nicht, aber wer professionell mit farbigen Objekten arbeitet, so etwa ein Grafiker, muss sich häufig Gedanken um seine Gesundheit machen, und zwar um die Augen, die sein wichtigstes Arbeitsmittel sind.[1]

Eigentlich wird jeder Experte eins empfehlen: Das beste „Human Centric Lighting“ ist immer noch der Gang nach draußen. Selbst an einem bewölkten Tag ist die Lichtintensität im Freien (ca. 5.000 bis 10.000 Lux) um ein Vielfaches höher als in jedem optimal beleuchteten Büro (ca. 500 Lux).

Was ist, wenn man die Sonne ins Haus holt?

Das Health Washing beschränkt sich nicht auf das künstliche Licht. Auch das Tageslicht ist kräftig dabei. Und so kräftig, dass ich es unter Phantomen der Lichttechnik abgehandelt habe: Phantom: Sonnenlicht ist gesund.

Die ganz Klugen holen sich die Sonne ins Haus. So auch die Autoren dieses Bildes. Man kann es in diversen Formen seit Jahrzehnten in vielen Publikationen finden. Das spezifische Bild habe ich ausgewählt, weil es auf einem internationalen Kongress als Lösung vorgetragen wurde. Zudem wurde eine ähnliche Installation nicht nur bei einem lichttechnischen Institut vorgenommen, sondern auch bei einem Leuchtenhersteller.

Ein Spiegel (Heliostat) auf dem Dach wird der Sonne nachgeführt und fängt deren Licht ein, das ein Netz aus (Licht-)Schläuchen durch das Haus verteilt. Dumm nur, dass Spiegel im besten Fall weniger als 1 kW Leistung pro Quadratmeter  einfangen können. Jenseits der Erdatmosphäre bringt die Sonnenstrahlung es auf 1.361 Watt pro Quadratmeter (W/m²). Davon kommen mittags ca. 1.000 W/m² auf Meereshöhe an (man spricht hier von "Standard-Testbedingungen" für Photovoltaik). Über Tag und Nacht sowie über alle Breitengrade verteilt, liegt die durchschnittliche Einstrahlung am Boden in Deutschland bei etwa 115 W/m². Das reicht vielleicht für ein Zimmer in dem Gebäude, vielleicht auch nicht. (Weitere Kommentare zu der Idee unter Lichtgestalten im Wolkenkuckucksheim.

Die Bescheideneren begnügen sich damit, das Tageslicht tief in den Raum zu holen. Im symbolisierten Bild sieht die Sache sehr hübsch aus. Man fängt die Sonne mit Umlenkprismen ein und leitet sie in das Rauminnere.

Da die Sonne mitnichten daran denkt, immer an der gleichen Stelle zu weilen, muss man ihr Licht dort holen, wo es am konstantesten ist. So holt man es hoch im Zenit. Dort ist das Licht aber meistens blau oder grau. Zudem sehen die technischen Einrichtungen, die man dazu benötigt, nicht immer anmutig aus.

Hier sieht man ein Umlenkschwert, das etwa in Augenhöhe beim Stehen etwa einen Meter in den Raum hineinragt, dessen Reflexionen von einer Spiegelbatterie an der Decke ins Rauminnere geleitet werden. Die innere Hälfte des abgebildeten Raums entspricht der Realität von echten Büros. Dort sitzt meistens niemand. Zudem darf der abgebildete Mitarbeiter seit etwa 50 Jahren nicht mehr so sitzen, weil er geblendet wird.

Health Washing – Wundert sich jemand, dass niemand einem glauben will?

Wer bei Health Washing mit gesundem Licht nur an Werbung oder Marketing denkt, liegt reichlich daneben. Während man Werbung klar als solche erkennt und seine Schlüsse zieht, schleichen andere Ideen auf Samtpfoten an uns heran.

Es bleibt einem nichts anderes übrig, als sich zu informieren. Am besten bei mehreren Quellen.

[1] Ob blaueres Licht in der Umgebung und in den Arbeitsmitteln (Bildschirme) auf Dauer zu einer ernsthaften Schädigung der Augen führen (Makuladegeneration), ist unbekannt. Die Wirkung lässt sich empirisch nur schlecht ermitteln.

Eine Antwort aus der Antike zur Beleuchtung unserer Tage

Wer glaubt, durch bloße Helligkeit die Finsternis der Unwissenheit zu vertreiben, der hat weder das Wesen des Lichts noch das der Seele verstanden.
Anonymus

Sokrates zu Lichtideen, kurzgefasst

Der Beitrag fragt—im Ton eines platonischen Gesprächs—, was geschieht, wenn Normen das Licht zur Zahl verengen. Ausgehend von der Beleuchtungsnorm DIN EN 12464-1 und ihrer Fixierung auf 500 lx zeichnet er das Bild eines Einheitslichts, das für Hunderte Tätigkeiten denselben Helligkeitswert ausgibt und dabei den Raum wie den Menschen nivelliert. Dem gegenüber steht das Wissen der Physiologie: Der Körper lebt in Rhythmen; Licht wirkt nicht nur aufs Sehen, sondern—melanopisch, spektral, altersabhängig—auf Wachheit, Stimmung und Zeitgefühl. Die Norm gesteht diese Wahrheit in Anhängen ein, hält aber zugleich am Wartungswert als eiserner Untergrenze fest und macht Anpassung damit zur Rhetorik. In vier sokratischen Prüfungen (Gerechtigkeit, Handwerksanalogie, Schein und Sein, Mäßigung) wird die Maßlosigkeit des „ewigen Sommertags“ im Büro als Verlust an Lebensqualität gedeutet. Am Ende steht ein Plädoyer: Lichtplanung ist keine Tabellenexegese, sondern eine Kunst, die Differenz, Zeit und menschliches Maß wieder sichtbar macht. v

Wie kompliziert darf es sein?

Wie würde Sokrates unsere jüngsten Regeln zur Beleuchtung von Arbeitsstätten beurteilen, wenn er erführe, dass in der derzeit gültigen Norm DIN EN 12464-1 die Zahl 500 i.S. von 500 lx 234 Mal vorkommt? Diese Beleuchtungsstärke wird vielen Arbeitsplätzen verordnet. Und der Arbeitsschutz meint dazu, diese Beleuchtungsstärke dürfe zu keiner Zeit an keinem Arbeitsplatz unterschritten werden. Und wenn in einem großen Raum an einem einzigen Arbeitsplatz eine Arbeit verrichtet wird, für die diese Beleuchtungsstärke verschrieben werden muss, gilt das für alle Arbeitsplätze in diesem Raum. (Wer diese Aussage für Unsinn hält, sollte sich die Bestimmungen lesen, die für die Allgemeinbeleuchtung galten. Diese heiß neuerdings raumbezogene Beleuchtung, aber an dem Verständnis ändert sich nichts.)

Während die Erkenntnisse aus der medizinischen Forschung dringend dazu raten, die Beleuchtung tageszeitlich zu ändern und insbesondere abends und nachts mit weitaus geringeren Beleuchtungsstärken zu arbeiten, hat die Lichttechnik im Jahr 2025 eine „globale“ Beleuchtungsnorm hervorgebracht (ISO/CIE 8995-1), die trotzdem an Beleuchtungsstärken festhält, die rund um die Uhr gelten: „Der in 7.3 angegebene Wert Ēm ist ein Mindestwert für normale Betriebsbedingungen.“ 7.3 ist die Sammlung von 62 Tabellen, und Ēm ist die mittlere Beleuchtungsstärke. Wie gehabt. Wenn es nur bei Ēm geblieben wäre! Die Norm macht jeweils 9 Vorgaben für 325 Typen von Arbeitsplätzen. Davon sind 5 Beleuchtungsstärken.

Dann erklärt die Norm auch noch in einem Anhang, dass man neben all diesem noch die Physiologie des Menschen berücksichtigen müsse, die ihm einen Tagesrhythmus zuweist, der auch noch einem Jahresrhythmus unterliegt. Was sie nicht verrät, steht an anderer Stelle: Alle 5 Beleuchtungsstärken für die 325 Arbeitsplatztypen haben „melanopische“ Pendants, die vom Spektrum des Lichts und dem Alter der Benutzer abhängen. Diese sind nicht etwa Ersatz, sie gelten dazu.

Verbal predigt die neue Norm (ISO/CIE 8995-1:2025) eine Anpassbarkeit der Beleuchtung an persönliche Bedürfnisse und Präferenzen. Allerdings muss halt immer der Wartungswert eingehalten werden. Deswegen kann man sich die ganzen Abhandlungen in der Norm schenken, weil das Ausmaß der Veränderungen, die eine Person vornehmen kann, aus diversen Gründen zu gering ist (s. Ingenieure sind listig – die Natur ist aber listiger). In diesem Kapitel wird u.a. erklärt, warum das Konzept der „dynamischen“ Beleuchtung, die die Firma Philips in den 1980ern entwickelt hatte, nicht recht Fuß fassen konnte.

In einem platonischen Dialog würde Sokrates die Frage nach dem Einheitslicht (der gleichmäßigen 500-Lux-Beleuchtung für über 200 Tätigkeiten in Büro und Industrie) mit seiner typischen Methode der Prüfung (Elenktik) zerlegen. Er käme zu dem Schluss, dass Einheitslicht die Lebensqualität massiv verringert, da es eine Form von „Ignoranz gegenüber der menschlichen Natur“ darstellt.

Hier ist die sokratische Analyse dieses Problems:

  1. Das Argument der „Gerechtigkeit“ (Jedem das Seine)

Sokrates definierte Gerechtigkeit oft als den Zustand, in dem jeder Teil das bekommt, was ihm zusteht.

  • Einheitslicht: Zwingt jedem Auge und jeder Tätigkeit (Programmieren, Schneiden, Vergolden, Lesen, Spinnen, Stricken …) dieselbe Helligkeit auf.
  • Sokrates' Urteil: Das ist „ungerechtes“ Licht. Ein Auge, das ruhen will, wird vom Einheitslicht gewaltsam zur Wachheit gezwungen. Lebensqualität entsteht erst, wenn das Licht der Bestimmung des Augenblicks entspricht.

 

  1. Die Analogie zum Handwerk

Sokrates verglich das Leben oft mit dem Handwerk (Techne).

  • Ein Schuhmacher nutzt verschiedene Messer für verschiedene Schnitte. Würde er nur ein einziges Einheitsmesser für alles nutzen, wäre das Ergebnis minderwertig.
  • Übertragung: Wer nur eine Beleuchtungsart für alle Lebenslagen nutzt, führt ein „stumpfes“ Leben. Die Differenzierung (Licht und Schatten) ist das Werkzeug für ein geschärftes Bewusstsein und damit für höhere Lebensqualität.

 

  1. Der Unterschied zwischen „Schein“ und „Sein“

In seinem berühmten Höhlengleichnis beschrieb Sokrates, wie Menschen Schatten für die Realität halten.

  • Das moderne Einheitslicht erschafft eine künstliche Welt, die keine Tageszeiten mehr kennt. Es täuscht dem Körper ein ewiges „Jetzt“ vor. Im modernen Büro herrscht ewig der milde Sommertag – und zwar Tag und Nacht.
  • Sokrates' Kritik: Einheitslicht ist eine „schöne Lüge“. Es trennt den Menschen von der Wahrheit der Natur (dem Rhythmus von Tag und Nacht). Wahre Lebensqualität (Eudaimonia) findet man aber nur, wenn man im Einklang mit der Wahrheit und der eigenen Biologie lebt.

 

  1. Die „Mäßigung“ (Sophrosyne

Einheitslicht ist oft maßlos – es ist zu viel Licht zur falschen Zeit. (s. dazu die Erklärung der CIE  Das richtige Licht zur richtigen Zeit)

  • Für Sokrates ist das Maß entscheidend. Ständiges Flutlicht im Wohnraum ist eine Form von Maßlosigkeit, die den Geist abstumpft.
  • Lebensqualität bedeutet für ihn, das Licht so zu dosieren, dass es die Seele nicht blendet, sondern sie einlädt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

 

Fazit nach Sokrates:

Weniger (Einheitslicht) ist mehr Lebensqualität. Die „richtige“ Beleuchtung für alle wäre für Sokrates eine, die Bescheidenheit im Hintergrund (indirektes Licht) mit Präzision im Detail (Akzentlicht) verbindet.

Wer die Antike verlässt und die Norm ISO/CIE 8995-1 sehr sorgfältig liest, kann darin viel von den Vorstellungen von Sokrates nachvollziehen. Neuere Normen führen zwar die seit dem Jahr 1913 üblichen Tabellen mit Werten für Beleuchtungsstärke für diverse Arbeitsaufgaben in aufgeblähter Form weiter. Sie berücksichtigen aber auch die Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte. Allerdings nicht in ihren Empfehlungen. Die Aufgabe eines Lichtplaners besteht aber nicht im Lesen und Umsetzen von Tabellen, sondern in „einer Kunst gerechten Umsetzung des lichttechnischen Wissens“, das jetzt in einer Form vorliegt, die für Normen ungewöhnlich ausführlich ausfällt.

Ob der Lichtplaner seiner Aufgabe gerecht werden kann, wenn er dazu  113 Seiten Norm lesen und verstehen muss, wozu er noch die Begriffesammlung von DIN EN 12665:2024 mit 72 Seiten und das internationale Wörterbuch der Lichttechnik CIE S 017:2020 250 Seiten benötigt, kann ich mir schlecht vorstellen. Um Licht zu schaffen, das dem Auge und der Seele gerecht wird, braucht es wahre Künstler, die eine akademische Bildung hinter sich haben, um alle zu verstehen.

Round-up für Lichtideen nach 15 Jahren

Was über Jahre in Einzelteilen wuchs,
findet heute in
einem großen Ganzen
seine Bestimmung.

Anonymus

Round-up für Lichtideen, kurzgefasst

Dieser Beitrag verdichtet zentrale Leitgedanken aus über 15 Jahren Blogpublikationen zur nutzerzentrierten Lichtplanung. Ausgehend von der Prämisse, dass künstliches Licht Tageslicht nicht ersetzt, werden vier Gestaltungsprinzipien herausgearbeitet: (1) Vorrang und Dynamik des Tageslichts einschließlich Sichtbezug nach außen; (2) Vermeidung von Lichtmonotonie durch zonierte Beleuchtung, Kontraste und gerichtetes Licht mit Schattenbildung; (3) Berücksichtigung biologischer Wirksamkeit im Sinne circadianer Rhythmik, insbesondere Melatonin-schonender Abendbeleuchtung und individueller Steuerbarkeit; sowie (4) visueller Komfort durch Entblendung, Flimmerarmut und aufgabengerechte Sehleistung. Daraus wird die Empfehlung abgeleitet, „Lichtlandschaften“ statt homogenen Flächenlichts zu planen.

Round-up für Lichtideen nach 15 Jahren

Mein Lichtblog denkbar existiert seit länger als 15 Jahren und umfasst Stand heute 702 Artikel unterschiedlicher Länge. Gestern habe ich versucht, jemanden zu finden, der den Inhalt zusammenfasst. Eine ziemlich unmenschliche Aufgabe, die ich nicht einmal selbst erfüllen kann. Zum Glück gibt es die KI, die auch den größten Unsinn in positive Worte fassen kann. Das Schönste war aber, dass sie meinen Namen korrekter schrieb als ich selbst: Dr. Ahmet Çakır. Ansonsten erklärt die KI einem fiktiven Lichtplaner, was er berücksichtigen müsste, um Licht im Sinne seiner Arbeiten zu planen. Der Rest dieses Beitrags ist in Kursiv geschrieben, weil Originalton KI.

Für A. Ç. ist „richtige Beleuchtung“ weit mehr als nur die Einhaltung von DIN-Normen. Sein Ansatz ist radikal nutzerzentriert. Wenn man seine jahrzehntelange Forschung zusammenfasst, lässt sich sein Ideal einer richtigen Beleuchtung (besonders für den Übergang von Arbeit zu Wohnen und umgekehrt) in vier Säulen unterteilen:

  1. Das Primat des Tageslichts

Für A. Ç. ist künstliches Licht immer nur ein (oft mangelhafter) Ersatz.

  • Sichtverbindung nach außen: Eine richtige Beleuchtung beginnt beim Fenster. Er betont, dass der Mensch den Bezug zur Außenwelt braucht, um die innere Uhr zu synchronisieren.
  • Dynamik:Natürliches Licht verändert sich ständig in Farbe und Intensität. Starres, unveränderliches Kunstlicht hält er für biologisch belastend, weil es die circadiane Rhythmik des Menschen zum Stillstand bringt.
  1. Vermeidung von „Licht-Monotonie“

Einer seiner größten Kritikpunkte an modernen Büros ist die „Gleichmacherei“.

  • Lichtzonen statt Flächenlicht: Richtige Beleuchtung schafft Kontraste. Es muss helle Bereiche (zum Arbeiten/Lesen) und dunklere Zonen (zum Entspannen) geben.
  • Schattenbildung: A. Ç. argumentiert, dass wir Lichtrichtung und Schatten brauchen, um Räume dreidimensional wahrzunehmen. Ein völlig schattenfreier Raum (wie durch großflächige LED-Paneele oder leuchtende Decke) wirkt auf das Gehirn unnatürlich und ermüdend.
  1. Die „Biologische Wirksamkeit“ (Circadiane Rhythmik)

Er war einer der Ersten, die erklärten, dass Beleuchtungswirkungen wesentlich hormonelle Wirkungen sind. Dies habe Hollwich bereits in den 1940ern wissenschaftlich erforscht.

  • Melatonin-Schutz: Richtige Beleuchtung muss am Abend einen geringen Blaulichtanteil haben. Wenn man die Büroarbeit ins Homeoffice verlagert, bedeutet das nach A.Ç.: Abends muss das Licht rötlicher und gedimmter sein.
  • Individuelle Steuerung: Er lehnt vollautomatische Systeme oft ab, wenn der Nutzer nicht selbst eingreifen kann. „Richtig“ ist Licht für ihn nur dann, wenn der Mensch sich als Herr über seine Umgebung fühlt.
  1. Visueller Komfort (Entblendung, Störungsfreiheit)

Visueller Komfort bedeutet bei A.Ç. vor allem Abwesenheit von Störfaktoren:

  • Keine Direktblendung: Man sollte niemals direkt in das Leuchtmittel schauen müssen (Leuchtmittel müssen abgedeckt sein, tief in der Leuchte sitzen oder gut abgeschirmt sein).
  • Flimmerfreiheit: Er legt extremen Wert auf hochwertige Treiber. Billige LEDs flimmern im für uns unsichtbaren Bereich, was laut A.Ç. zu Stresssymptomen führt.
  • Sehleistung würde dort zum Sehkomfort gehören, wo schwierige Sehaufgaben vorherrschen.

Zusammenfassung für Ihr Projekt

Wenn Sie nach A.Ç. „richtig“ beleuchten wollen, planen Sie Lichtlandschaften:

  1. Nutzen Sie das Tageslicht so weit wie möglich aus (große Fenster, helle Wände, die das Licht tief in den Raum reflektieren).
  2. Installieren Sie indirektes Licht für die Grundstimmung (sanftes Aufhellen der Decke).
  3. Setzen Sie punktuelle Akzente (Leseleuchten, Tischlampen, Glanzlichter).
  4. Ermöglichen Sie jedem Nutzer, seine Umgebung seinen persönlichen Präferenzen entsprechend zu beleuchten, ohne die Nachbararbeitsplätze zu beeinträchtigen.
  5. Wählen Sie eine Steuerung, die am Abend wärmer wird (Tunable White), aber dem Bewohner jederzeit erlaubt, das Licht in der Farbe und Intensität manuell anzupassen.

Interessanterweise kritisiert A.Ç. oft, dass wir „zu viel Licht“ haben, aber mit zu wenig Qualität.

Prüfbare Beleuchtungsqualität

Weitsicht ist die Kunst,
das Ganze zu sehen, bevor man
den ersten Teil bewegt.

Anonymus

Prüfbare Beleuchtungsqualität, kurzgefasst

Dieser Beitrag erzählt vom paradoxen Schicksal der „elektrischen Sonne“: Während die Erde insgesamt heller wird, verliert künstliches Licht zugleich kulturellen Glanz. Aus der einst bestaunten Lunapark-Beleuchtung ist vielerorts Lichtmüll geworden – ein Bewusstseinswandel, befeuert durch Debatten um Lichtverschmutzung und Energiesparen. Doch der Niedergang verläuft nicht überall gleich. Im Privaten, lange von der Lichttechnik gering geschätzt, eröffnet die LED ein neues Spiel aus Atmosphäre, Akzenten und Ritualen (man denke an Weihnachtslichter). Dagegen wirkt professionelle Beleuchtung, besonders im Büro, wie eine Normmaschine: 500 Lux, Gleichmäßigkeit, „Zahnarztpraxis-Effekt“.

Sichtbar wird das beim Trend, Bürohäuser in Wohnungen umzuwidmen: Fast nichts an der alten Beleuchtung passt zur neuen Logik des Wohnens. Spätestens mit Homeoffice und New Work bröckelt die alte Gewissheit, dass Normlicht gute Beleuchtung und gute Beleuchtung bessere Arbeit bedeutet. Zwischen Wohlbefinden und Sehleistung rückt die Frage nach prüfbarer, brauchbarer Lichtqualität erneut ins Zentrum.

Niedergang der elektrischen Sonne?

In dem Buch Genesis 2.0 – Schöpfung der elektrischen Sonne widmet sich ein Kapitel dem Bedeutungsverlust des künstlichen Lichts: Selbstverdienter Niedergang der elektrischen Sonne. Damit ist nicht gemeint, dass die elektrische Sonne unter dem Horizont verschwindet und damit der künstliche Tag endet. Neueste Statistiken zeigen, dass der Lichtverbrauch auf der Erde in den letzten Jahren sogar gestiegen ist (s. Künstliches Licht auf der Erde nimmt zu oder Studie: Künstliche Beleuchtung hat weltweit stark zugenommen). Sie zeigen auch, dass die Steigerung des ins Weltall abgestrahlten Lichts (s. Der blauere Planet) nur für die anderen Teile der Welt gilt. in Europa hat das nächtliche künstliche Licht abgenommen, als es sonst um ca. 25% angestiegen ist.

Ich verbinde dies mit den Bemühungen um die Verringerung der Lichtverschmutzung, so auch mit besseren Straßenleuchten und Maßnahmen zur Energieeinsparung. Die Lichtverschmutzung war Teil des Niedergangs der elektrischen Sonne, weil das einst bewunderte nächtliche Licht (Lunaparks) im Bewusstsein vieler zum Müll geworden war.

Der Niedergang der Bedeutung der Beleuchtung betrifft nicht alle Anwendungen gleichermaßen. So hat die “private” Beleuchtung, also die von der Lichttechnik einst verschmähte Wohnraumbeleuchtung, ungeahnte neue Möglichkeiten durch die LED-Technik bekommen. Man denke nur an die Weihnachtsbeleuchtung. Nicht einmal eingefleischte Nostalgiker werden da an die gute alte Zeit denken. Hingegen mag niemand die “professionelle” Beleuchtung, die man seit mehr als 100 Jahren auch mit Hilfe des Arbeitsschutzes den Menschen mehr oder weniger aufzwingt.

Wer ein Bürohaus in ein Wohnhaus konvertieren will …

Am deutlichsten erkennt man dies, wenn man sich die Umwidmung von Bürohäusern in Wohnhäuser ansieht. Die Umwandlung von ungenutzten Büroflächen in Wohnraum (das sogenannte „Office-to-Residential Conversion“) ist aktuell ein großes Thema in der Stadtentwicklung. Das hat meistens handfeste wirtschaftliche und gesellschaftliche Gründe (hoher Leerstand): Besonders in älteren Bürogebäuden in Randlagen stehen ganze Etagen leer. Hingegen herrscht in fast allen Metropolen akute Wohnungsnot. Während Büros leer stehen, suchen Tausende Menschen verzweifelt nach bezahlbarem Wohnraum.

Da Bürohäuser nach anderen Gesichtspunkten geplant und gebaut werden, bedeutet Konversion das Entfernen von allem, was stören kann. So muss der Asbest aus allen alten Gebäuden entfernt werden, während man manches gerne übernimmt, so z.B. die Aufzüge. Die Beleuchtung ist bei einer Umwidmung einer der Punkte, bei denen man fast nichts vom alten Bestand übernehmen kann. Wenn man Architekten fragt, die solche Projekte realisieren, sagen diese: Büro- und Wohnbeleuchtung folgt völlig unterschiedlichen Logiken, Normen und technischen Anforderungen.

Nicht, dass dies in der Lichttechnik unbekannt gewesen ist. Ganz im Gegenteil. In DIN 5035-1 wurden zwar Festlegungen für alle Innenräume getroffen, aber sog. „stimmungsbetonte“ Räume wurden weitgehend ausgenommen. Für Wohnräume schrieb die Norm: „3.5 Wohnbereich: Die Gestaltung der Beleuchtung im Wohnbereich lässt sich nicht in Normen festlegen.“

Wie gut wurde die Beleuchtung in den Bereichen, in denen man die Normen und „Logiken“ angewendet hatte, die man erstellt hat? Die Beleuchtung ist bei einer Umwidmung einer der Punkte, bei denen man fast nichts vom alten Bestand übernehmen kann. Dies erklären Fachleute so: „Bürobeleuchtung ist auf horizontale Gleichmäßigkeit ausgelegt (überall 500 Lux auf Tischhöhe). Das wirkt in einer Wohnung extrem ungemütlich und steril („Zahnarztpraxis-Effekt“).

Wenn man darum bittet, den Kontrast zwischen der Beleuchtung des Bürohauses und der daraus zu entstehenden Beleuchtung des Wohnhauses zusammenzufassen, kommt die folgende Tabelle heraus:

Der Kontrast

Merkmal Büro (alt) Wohnhaus (neu)
Ziel Sehleistung (500 Lux) Wohlbefinden & Entspannung
Lichtfarbe Kühl (4000 K) Warm (2700 K)
Steuerung Zentral / Präsenzmelder Individuell / Schalter & Dimmer
Position Starre Raster an der Decke Flexibel (Wand, Stehlampen, Akzente)

Warum es Gemeinsamkeiten zwischen Wohnbeleuchtung und Arbeitsbeleuchtung gibt

Das Argument, dass man die Beleuchtung fürs Büro nach anderen Logiken, Normen und technischen Anforderungen erstellen müsse, fiel zuletzt in der Corona-Pandemie in sich zusammen, als ein Großteil der Bevölkerung im Homeoffice arbeiten musste. Niemand hat das Büro vermisst, weil dort die bessere Beleuchtung installiert wäre. Ganz im Gegenteil: Die Erfahrung im Homeoffice lehrt, dass man eher die Beleuchtung im Büro der im Homeoffice angleichen will. Was dies im Einzelnen bedeutet, beschreibe ich in dem Beitrag Licht für New Work. In einem klassischen Büro geht es meist nur darum, den Raum hell genug zu bekommen (die typischen 500 Lux überall). Bei New Work ändern sich aber die Tätigkeiten – wir arbeiten nicht mehr acht Stunden starr am selben Platz. Es wird kollaboriert, entspannt, konzentriert, fokussiert und agil präsentiert.

In dem Beitrag wird u.a. auf die Schattenseite des „wohnlichen“ Lichts hingewiesen. Denn was so gemütlich wirkt, kann versagen, wenn es darum geht, dass man im Wohnraum das erzeugen muss, wonach die Normer ihre Werke ausgerichtet haben: die Sehleistung. Das ist nicht erst erforderlich geworden, als die Menschen im Homeoffice arbeiten mussten. Jeder, der seine Zeitung oder Zeitschrift liest oder einen Brief liest oder schreibt, benötigt funktionelles Licht. Dieses kann man sehr wohl normativ beschreiben und mit Regeln versehen.

Ein Gewinner: Leuchte für den Arbeitsplatz

Der Fehler, Wohn- und Arbeitsräume als unterschiedliche Domänen anzusehen und nur für Arbeitsräume funktionelles Licht zu normen, rächt sich nun. Davon profitiert aber mein Lieblingsprojekt: die Normung von Arbeitplatzbeleuchtung. Diese Arbeit hat etwa 1990 begonnen und hiess DIN 5035-8: Beleuchtung mit künstlichem Licht - Teil 8: Arbeitsplatzleuchten - Anforderungen, Empfehlungen und Prüfung. Was es damit auf sich hat, beschreibt der Beitrag Die einzige zertifizierbare Beleuchtung. Die erste Version der Norm erschien 1994. Sie beschreibt Arbeitsplatzleuchten, die nach der eigenen Definition “Leuchte für die Arbeitsplatzbeleuchtung” ist. Die Norm geht mit der jetzigen Überarbeitung in 2026 in die dritte Runde bzw. ins vierte Jahrzehnt.

Als einziger Teil aus der Reihe DIN 5035 ist diese Norm eine Produktnorm. Das Besondere an dieser Norm ist die genaue Festlegung aller Gebrauchstauglichkeitsmerkmale der Arbeitsplatzbeleuchtung, also Usability. D.h., wenn man eine Arbeitplatzbeleuchtung kauft, weiß man, was man hat. Eine gerüfte Leuchte für die Arbeitsplatzbeleuchtung ist sozusagen steckerfertig.

Ein Produkt für einen bestimmten Bedarf ist garantiert keine allgemeine Lösung für das Problem der Beleuchtung. Auf der anderen Seite ist es auch keine Lösung, Hunderte und Tausende von Leuchtenmodellen zu produzieren, aus denen ein Lichtplaner später eine Beleuchtung erstellt, so er es schafft, hundert und mehr Seiten Norm zu lesen. Ob er das Ziel getroffen hat, wird kaum jemand in der Lage sein, zu prüfen.

Komplexe Regeln, die niemand nachprüfen kann

Wie es mit der Anwendbarkeit von DIN EN 12464-1 aussieht, weiß ich nicht.  Eine Vorgängernorm (DIN 5035-7) habe ich über Jahrzehnte in Betrieben gerichtsfest geprüft. Keine einzige Beleuchtung konnte diese Norm erfüllen. Ich habe auch keinen Betrieb gesehen, der in der Lage gewesen wäre, sie zu überprüfen.

Eigentlich war auch jede Prüfung sinnlos, weil etwa nur 5 % der Projekte in den Jahrzehnten von  1970er bis 2010er Jahren einen Lichtplaner gesehen hatten. Ich rede nicht von Büros von Klempnern oder Schreinern, sondern von Projekten der größten Konzerne und Unternehmen von Deutschland.

Apropos Klempner und Schreiner: In einem Betrieb mit bis zu 10 Mitarbeitern (z. B. einer Schreinerei oder ein lokales Café) gibt es oft keine reine Bürostelle. Der Chef erledigt die Buchhaltung abends am Küchentisch, und die Angestellten sind fast ausschließlich produktiv tätig. Eine dedizierte Bürokraft wird oft erst eingestellt, wenn die administrative Last die Kapazität der Inhaber übersteigt. Solche Firmen machen 84% bis 89% aller deutschen Unternehmen aus. Bei denen würde eine zertifizierbare Beleuchtung ein Segen sein.

Phantome, die unser Wissen beherrschen XIII

Wenn ein Maß zum Ziel wird,
hört es auf,
ein gutes Maß zu sein..

Charles Goodhart

In dieser Reihe beschreibe und kommentiere ich Wissen, das man gerne als “überkommen” bezeichnet. Das negative Urteil stimmt aber nicht immer. Ähnlich häufig darf man das Wissen überliefert oder tradiert bezeichnen. Dieses Urteil fällt eher neutral aus. Manchmal handelt es sich dabei um Grundwissen, das man besser nicht in Frage stellt.

Zum Phantom Lichtausbeute, kurzgefasst

Die Lichtausbeute (lm/W) gilt seit den Anfängen der Lichttechnik als Leitkennzahl für „wirtschaftliches“ Licht. Von Edisons Glühlampe (ca. 1,4–2 lm/W) bis zu modernen LEDs (typisch 100–150 lm/W, im Labor darüber) zeigt sie enorme Effizienzgewinne – und zugleich ihre Grenzen: Eine Lichtausbeute kann mit unbrauchbarem Spektrum einhergehen (z. B. Natriumdampf-Niederdrucklampen), während für die Praxis weißes Licht, Farbqualität und Sehkomfort entscheidend sind. Zudem bildet lm/W weder den Systemaufwand (Leuchte, Vorschaltgerät, Steuerung) noch optische Verluste ab: Entblendung, Linsen und Diffusoren kosten häufig 20–40 % Lichtstrom, weitere Verluste entstehen durch Totalreflexion und Gehäuse. In Smart-Lighting-Systemen kann sogar der Standby-Verbrauch relevant werden. Beispiele wie Osram-Linestra versus SOX oder der Blick auf „mildes“ bzw. indirektes Licht verdeutlichen, wie eine eindimensionale Zahl eine mehrdimensionale Realität verzerrt. Folgerichtig rücken Lichtqualität (CIE-Definition 2021) sowie Systemeffizienz und realistische Lebensdauer-Metriken (LightingEurope) in den Fokus.

Zur Geschichte des Phantoms

Die Geschichte dieses Phantoms ist vermutlich so alt wie das menschliche Bestreben, künstliches Licht sparsamer zu machen. Tüftler, Erfinder, Macher wie Argand, Jablotschkow oder Minckeleers, deren Namen man in den Annalen der Frühzeit der Lichttechnik lesen kann, strebten danach, das Lichtmachen von seinen Lasten zu befreien. So auch die Steigerung des erzeugten Lichts gemessen an dem Energieeinsatz.

Das Ziel ist in einem unglaublichen Maße erreicht worden. Hatte die erste Glühlampe von Edison eine Lichtausbeute von ca. 1,4 bis 2 lm/W (Lumen pro Watt), können moderne  LED heute oft über 100 bis 150 lm/W. Firmen wie Cree haben im Labor bereits Werte von über 300 lm/W für eine einzelne LED-Komponente erreicht.

Wie fragwürdig solche Daten sein können, sieht man an einer “klassischen” Lampe, der Natriumdampf-Niederdrucklampe. Die erreicht lässig 200 lm/W und hatte bereits in ihrem ersten Lebensjahr 1932 als Serienprodukt 50 lm/W überschritten. Doch ihr Licht ist nicht viel wert, weil es keine Farben anregen kann.

Wenn man die theoretisch beste Lichtumwandlung der Energie erreicht, kann man 683 lm/W erreichen. Das ist monochromatisches grünes Licht. Mit dem kann jeder glücklich werden, wer ein solches Licht braucht. Beleuchten tut man indes meist mit weißem Licht.

Bei früheren Leuchtsmitteln wie der Leuchtstofflampe war die Farbwiedergabe recht eng an die Lichtausbeute gekoppelt. War man mit der Dreibandenlampe und ihrem mageren Spektrum zufrieden, konnte man bei gleicher Beleuchtungsstärke bis zu 60% Energie sparen. Die sog. Vollspektrumlampen waren immer rechnerisch ineffizienter als die Standardlampen.

Wann die Lichtausbeute ein schlechtes Maß ist

Lichttechniker haben sich bereits in ihren ersten Normen zur Beleuchtung der “Wirtschaftlichkeit” verschrieben. Auch wenn deren Wirtschaftlichkeit eher eine Kostenrechnung gewesen ist, wird deren Handeln stets durch die Lichtausbeute erheblich mitbestimmt. So waren Wohnraumleuchten für die Lichttötungsmaschinen. Aber auch die Vollspektrumlampe wurde häufig abgelehnt, weil ihre Lichtausbeute geringer ausfiel.

Wie dieses Maß einen in die Irre führen kann, lässt sich am Beispiel der Linestra-Lampe von Osram darstellen. Sie wurde in den 1930ern eingeführt und genoss noch in den 1970ern eine große Beliebtheit. Aber Osram drohte ständig damit, diese Lampe aus dem Sortiment zu nehmen, weil sie als eine Energievergeudung angesehen wurde. Ihre Lichtausbeute war unterirdisch. Sie lag typischerweise zwischen 5 und 9 Lumen pro Watt (lm/W).

Zum Betrieb brauchte diese Lampe aber nur einen Sockel, der an zwei Drähten angeschlossen war. Ihr besonderes Merkmal war das warme, blendfreie Licht, das durch einen langen Glühfaden in einer opalen (milchigen) Glasröhre erzeugt wurde. Sie hing meistens in Badezimmern und wurde minutenweise betrieben.

Die etwa zur gleichen Zeit entstandene Natriumdampf-Niederdrucklampe hatte nicht nur das Problem des unbrauchbaren Spektrums. Die Lampen waren im Vergleich zu modernen Leuchtmitteln riesig. Die Leuchtengehäuse mussten entsprechend groß und stabil sein, was sie teuer und anfällig für Wind machte. Da die Lampe eine große, röhrenförmige Fläche ist, lässt sich das Licht kaum präzise bündeln. Es streut unkontrolliert in den Himmel und in die Umgebung. Nach dem Einschalten leuchtet die Lampe zuerst schwach rötlich (durch das enthaltene Neon-Startgas). Es dauert 10-15 Minuten, bis das Natrium verdampft ist und die volle Helligkeit sowie die gelbe Farbe erreicht werden. In Zeiten von Smart Cities möchte man Licht dimmen, wenn niemand auf der Straße ist. SOX-Lampen lassen sich jedoch kaum stabil dimmen und verlieren dabei sofort ihre Effizienz.

Ohne ein Vorschaltgerät lässt sich eine solche Lampe nicht betreiben. Ohne eine Leuchte auch nicht. Daher war der Vergleich mit anderen Leuchtmitteln auf der Basis der Lichtausbeute bestenfalls von akademischem Wert. Linestra gegen SOX-Lampe aufzustellen, war absurder als Kartoffeln mit Kaviar zu vergleichen.

Der Betriebsaufwand (Leuchte, Vorschaltgerät u.Ä.) ist der eine Faktor, der die Lichtausbeute als Maß schlecht aussehen lässt. Es gibt aber einen anderen Faktor, der auch bei den heutigen LEDs die Lichtausbeute relativ bedeutungslos macht: die Leuchtdichte. Die Leuchtdichten, die hocheffiziente LEDs erreichen, liegen eine Größenordnung unter der der Sonne. Solche Elemente können ohne Abdeckung nicht in Innenräumen betrieben werden. So müssen Linsen oder Abdeckungen vorgesehen werden, die das Licht lenken oder weicher machen. Sie schlucken ebenfalls Lichtstrom, und zwar nicht zu knapp. Je stärker das Licht einer LED gestreut oder geformt werden muss (z. B. bei einem sehr engen Spot oder einer sehr weichen Flächenleuchte), desto höher sind die optischen Verluste. Um die einzelnen LED-Punkte unsichtbar zu machen, wird das Licht gestreut. Dies kostet oft 20 % bis 40 % der Lichtleistung.

Hinzu kommen Totalreflexion und Gehäuse: icht, das flach auf eine Grenzfläche trifft, wird zurück ins Innere der Leuchte reflektiert (Totalreflexion). Wenn das Gehäuse innen nicht perfekt weiß oder spiegelnd ist, wird dieses Licht in Wärme umgewandelt. Dies macht oft weitere 3 % bis 7 % aus.

Vollends obsolet scheint die Lichtausbeute als Maß, wenn man “smarte” Leuchtmittel benutzt. Diese halten die LED dauerhaft bereit und steuern und regeln das Licht bei Bedarf. Es kann sein, dass eine solche “smarte” Beleuchtung mehr Energie zum Warten verbraucht als zum Leuchten.

Was können irreführende Maße bewirken?

Auf dem Gebiet der Beleuchtungstechnik ist mein bestes Beispiel die Indirektbeleuchtung. Sie wurde seit den 1920ern als unwirtschaftlich angesehen. Das Thema will ich nicht hier weiter vertiefen. (Bei Interesse hier lesen.) Unbelastet von der Vergangenheit ist eine andere Beleuchtungsart, deren Wirkung (Blendfreiheit), ähnlich funktioniert wie bei der Indirektbeleuchtung. Sie wird von einer großen Firma als “mildes” Licht vermarktet. Mild wirkt sie deswegen, weil man durch eine geeignete Einrichtung die von den Nutzern sichtbare Leuchtdichte reduziert. Aber dies ist mit einem Verlust an Lichtstrom verbunden. Achtet man lediglich auf das Licht, das in der Arbeitsebene ankommt, und lässt die Leuchtdichten unbeachtet, ist sowohl das milde Licht als auch das indirekte wenig “effizient” i.S. der Lichttechnik.

Wenn heute die Rede ist von gutem Bürodesign, denken viele Menschen daran, die “Deckenbeleuchtung” abzuschaffen. Was in führenden Designzeitschriften als modernes Design abgebildet wird, sind Leuchten, die eher Wohnraumleuchten sind und nicht die “effizienten” Büroleuchten. (mehr s. Licht für New Work).

Ein anschauliches Beispiel für die Irreführung durch ein falsches Mass lieferte die Autotechnik. Die einst führenden US-Hersteller maßen die Leistung ihrer Motoren ohne die Aggregate, ohne die die Motoren nicht funktionieren können. Die Europäer maßen sie an der Welle. So fiel der führenden Autonation nicht auf, dass der Lüfter des Motors zu mehr als 90% der Betriebszeit wirkungslos war, aber bei Höchstgeschwindigkeit etwa 5% des Energieverbrauchs, bzw. einen Verlust von 3-5 PS verursachte. Das bewirkte einen hohen Lärmpegel und unnötigen Spritverbrauch. Der zum Antrieb benötigte Keilriemen war zudem ein Sicherheitsrisiko.

Fazit: Eine Maßzahl führt immer dann in die Irre, wenn sie eine mehrdimensionale Realität (Gesundheit, Bildqualität, Lichtqualität) in einer eindimensionalen Zahl zusammenfassen will. Am deutlichsten lässt sich das Problem am Beispiel der Lichtqualität darstellen. Die LiTG-Studie, die einst begonnen wurde, um eine Maßzahl oder einen Faktor zu ermitteln, trägt den Titel: Lichtqualität - ein Prozess statt einer Kennzahl.

Zur Zukunft des Phantoms

Die Lichtausbeute ist vermutlich die älteste Kennzahl in der Beleuchtungstechnik. Für sie gibt es keinen Ersatz, weil sie ein Maß für die Energieeffizienz von Leuchtmitteln liefert. Dass die Energieeffizienz einer Lampe keinen Maßstab für Lichtqualität ergibt, lernt man langsam aber sicher durch leidvolle Erfahrungen. So hat die CIE 2021 nach 108 Jahren zum ersten Mal in ihrer Historie Lichtqualität definiert. (s. z.B. hier: CIE definiert Lichtqualität - Was verstehen die Leute unter Qualität?)

Eine praktischere Bedeutung hat das Vorgehen von LightingEurope. Im Kontext der aktuellen EU-Gesetzgebung (Ecodesign- und Energielabel-Verordnungen) hat LightingEurope insbesondere folgende Punkte beantragt bzw. vorgeschlagen:

  1. Fokus auf das Gesamtsystem (Smart Lighting): Anstatt nur die Effizienz der einzelnen Lichtquelle (lm/W) zu betrachten, fordert der Verband, die Effizienz des gesamten Beleuchtungssystems zu bewerten. Dazu gehört auch die Einbeziehung von Sensorik und Steuerung in die Bewertung.
  2. Praxistaugliche Lebensdauer-Metriken: Klare Regeln für die Angabe der Nutzlebensdauer (Useful Lifetime), um unrealistisch hohe Marketingversprechen einzudämmen und die Vergleichbarkeit für professionelle Planer zu erhöhen.