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Toggle100 Jahre Forschung: Wir haben zwar keine Ahnung, wo wir hinwollen – aber dafür stehen wir jetzt mit absolut präziser wissenschaftlicher Gewissheit haargenau am selben Fleck.
Anonymus
Blendung reloaded … , kurzgefasst
Der Beitrag untersucht die wissenschaftliche Aussagekraft etablierter Verfahren zur Bewertung psychologischer Blendung in Innenräumen, insbesondere des Unified Glare Rating (UGR). Ausgangspunkt ist die methodische Unterscheidung zwischen Reliabilität, also der Zuverlässigkeit und Wiederholbarkeit einer Messung, und Validität, das heißt ihrer inhaltlichen Gültigkeit. Historisch entstand UGR aus älteren nationalen Modellen wie BGI, VCP und dem Söllner-Verfahren, um eine international einheitliche Bewertung zu ermöglichen. Der Index berücksichtigt Hintergrundleuchtdichte, mittlere Leuchtdichte, Größe und Position von Leuchten. Seine tabellarische Anwendung setzt jedoch standardisierte Raumgeometrien, Reflexionsgrade und regelmäßige Anordnungen eines Leuchtentyps voraus.
Die Analyse zeigt erhebliche Anwendungsgrenzen: Sehr kleine, großflächige oder inhomogen leuchtende Quellen sowie indirekte Beleuchtung werden unzureichend erfasst. Zudem ist UGR keine reine Leuchteneigenschaft, sondern von Raum, Anlage und Beobachterposition abhängig. Besonders problematisch sind große interindividuelle Streuungen in Probandenstudien, die Genauigkeit und Wiederholbarkeit der Blendungsurteile begrenzen. Damit wird bereits die Reliabilität infrage gestellt; ohne hinreichende Reliabilität ist eine Validierung des Verfahrens methodisch nicht möglich. Untersuchungen berichten darüber hinaus eine geringe Übereinstimmung vorhandener Blendindizes mit subjektiven Bewertungen, insbesondere bei komplexen Mehrleuchtensituationen und LED-Systemen.
Die praktischen Folgen reichen über momentanes Unbehagen hinaus. Beschäftigte verändern Beleuchtung, Arbeitsplätze oder Körperhaltung, um Direkt- und Reflexblendung zu vermeiden; mögliche Konsequenzen sind visuelle Ermüdung, Beschwerden des Bewegungsapparats und eine geringe Akzeptanz konventioneller Bürobeleuchtung. Ergebnisse aus Arbeitsumgebungen deuten darauf hin, dass formal gut entblendete Direktbeleuchtung dennoch stärkere Belastungen hervorrufen kann als indirekte oder individuell beeinflussbare Systeme. Eine ausschließlich auf UGR-Grenzwerte gestützte Planung unterschätzt daher die Wechselwirkungen zwischen Blendung, Kontrast, Reflexionen, Flimmern, spektraler Lichtwirkung, Bildschirmarbeit und fehlender Nutzerkontrolle. Erforderlich sind neue Bewertungsansätze, die reale Arbeitsaufgaben, zeitabhängige Belastungen, individuelle Unterschiede und weitere visuelle Stressoren integrieren. Bis zu einer solchen Neuformulierung sollten UGR-Werte nicht als präzise oder universell gültige Komfortkennzahlen interpretiert werden, sondern lediglich als begrenzte Planungsindikatoren innerhalb ihres definierten Anwendungsbereichs.
Blendung reloaded …
Zum Thema
Nachdem die CIE in ihrem Standard “Research Roadmap for Healthful Interior Lighting Applications” (CIE 218:2016) die Blendung als eine Art Gesundheitsgefährdung identifiziert hat, wurden Forschungsarbeiten initiiert, um das Thema tiefergehend zu untersuchen.
Bei der 100-Jahr-Feier der LiTG 2012 hatte Völker sogar eine grundlegende Betrachtung des Phänomens gefordert: „Der vorliegende Beitrag zeigt, dass es möglich scheint, die vorhandenen Blendungsbewertungsmodelle auf ein Modell zurückzuführen. Zurzeit fehlen noch einige Einflussgrößen, welche aber bereits in Kürze vorliegen dürften. Diese müssen anschließend für alle Anwendungsfälle (Innen-, Außen-, Kfz-, Sportstättenbeleuchtung, etc.) validiert werden.“ (Stephan Völker: Blendung – Ein Rückblick über 100 Jahre Forschung. Licht 2012 Gemeinschaftstagung)
In dem Buch Genesis 2.0 – Schöpfung der elektrischen Sonne wurde die Blendung ausführlich betrachtet (Blendung – Was ich schon immer wusste und nie nachfragen wollte). Ein gewichtiger Teil des Kapitels zur Blendung behandelte das Problem der Validität der Blendungsbewertung in der Lichttechnik. Auch wenn die Lichttechnik unter einem generellen Validitätsproblem für alle ihre Größen leidet, weil keine lichttechnische Größe ein physiologisches Äquivalent hat, stellt sich die Frage insbesondere bei der Blendung dar, weil diese als Kenngröße für Leuchten angegeben wird, die eine Empfindung kennzeichnen soll. Was nützt eine Größe, wenn man nicht weiß, was sie bedeutet?
Methodisches
Bei jeder Messgröße, auch bei physikalischen Größen wie Gewicht oder Geschwindigkeit, muss man zunächst die Frage stellen, ob sie zuverlässig ermittelt worden ist. Dies nennt sich für alle Größen Reliabilität. Bei wichtigen Größen wie Zeit oder Gewicht beschäftigen sich mit der Reliabilität der Messung ganze Behörden, allen voran die Physikalisch-technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. Die Anstalt ist der Nachfolger der Physikalisch-technischen Reichsanstalt, deren Gründung Werner von Siemens persönlich betrieben hat. Sie gibt die richtige Bestimmung aller wichtigen Größen an. Staatliche Eichämter, staatliche bzw. behördliche Stellen, sorgen dafür, dass Messgeräte im öffentlichen Bereich korrekt, ehrlich und verlässlich funktionieren.
Reliabilität ist die notwendige Voraussetzung dafür, dass eine Messgröße überhaupt in Betracht gezogen werden kann. Was nicht zuverlässig und mit einer berechenbaren Genauigkeit gemessen werden kann, verdient keine weitere Beachtung.
Ist eine Größe mit hinreichender Präzision (z.B. 100 g ± 0,5 g) gemessen, also reliabel, stellt sich die Frage, was sie bedeutet. So wird die in Gramm angegebene Größe meist als Gewicht interpretiert. Tatsächlich handelt es sich dabei aber um die Masse. Diese bleibt überall im Universum gleich, während sich das Gewicht von Ort zu Ort ändert.
Die Bedeutung einer Messgröße nennt man die Validität (= Gültigkeit). So ist die in Gramm gemessene Menge definitionsgemäß die Masse. Da sich auf der Erde das Gewicht relativ wenig von Ort zu Ort ändert, kann man die Messgröße auch als Gewicht interpretieren. So kann man durch die Massenbestimmung auch ein (hinreichend) valides Maß für das Gewicht eines Gegenstandes bekommen.
Bei der Bestimmung der Blendung mit Hilfe von Probanden muss man sich zunächst um die Reliabilität bemühen. D.h., wenn man heute in Berlin die Blendung einer Beleuchtung mit einer Gruppe von Menschen bestimmt, muss die Bewertung der gleichen Technik an jedem Ort der Welt und zu jeder Zeit dasselbe Ergebnis bringen.
Hat man ein solches reliables[1] Instrument entwickelt, was z.B. der Blendungsskala nach Hopkinson oder nach de Boer nachgesagt wird, stellt sich die Frage der Validität. Welche Empfindung misst die de Boer-Skala? Die Antwort könnte heißen: Die de-Boer-Skala misst die Stärke der Störung durch eine Beleuchtung.
Eine weitergehende Interpretation der Störung erhält keinen methodischen Namen mehr. Es sei denn, man möchte die Ermüdung messen, die durch die Blendung verursacht wird. Oder weitere Folgen.
Zum UGR-Verfahren
Das UGR-Verfahren ist das heute gültige, in der Normung eingesetzte Blendungsbewertungsverfahren. Es wurde aus den in mehreren Ländern üblichen Verfahren auf dem Papier zusammengesetzt. Es bewertet die sog. psychologische Blendung. Sofern man eine Blendungserscheinung mit physiologischen Phänomenen erklären konnte, wurde die Blendung “physiologisch“ genannt. Jede Lichterzeugung kann mit einer Blendung verbunden sein. Das gilt selbst für angenehme Lichter wie das der Kerze. Auch das von vielen hochgeschätzte Lagerfeuer erzeugt neben Licht und Wärme auch Blendung. Die Lichttechnik entschied sich sehr früh, die negativen Erscheinungen als Blendung zu erklären und diese gezielt zu vermeiden. Dafür muss die Blendung der Lichtquellen systematisch bewertet werden.
Die Blendungsbewertung erhielt in den 1940er Jahren eine neue Bedeutung für die Hersteller von Lampen und Leuchten, weil eine neue Generation von Lampen die Arbeitswelt eroberte, die Quecksilberdampfniederdrucklampe. Sie wurde in der Technik Leuchtstofflampe genannt, im Volksmund hieß sie Neonlampe.
Eines der ersten Blendungsbewertungsverfahren wurde von der Building Research Station (BRS) in Großbritannien entwickelt, der British Glare Index (BGI). Es beruhte auf einer empirischen Formel zur Addition der Blendwirkung aller im Gesichtsfeld befindlichen Lichtquellen.
In den USA und Nordamerika war (und ist teilweise noch) das VCP-Verfahren (VCP = Visual Comfort Probability, also die Wahrscheinlichkeit für den visuellen Komfort, was das auch sein mag) der verankerte Standard der IESNA (Illuminating Engineering Society of North America). VCP drückt die Blendungsbewertung als Prozentwert aus. Ein VCP-Wert von z. B. 70 bedeutet, dass voraussichtlich 70 % der Raumnutzer die Beleuchtungsanlage hinsichtlich der Blendung als komfortabel bzw. nicht störend empfinden.[2] Das VCP-System ist das mathematische und empirische Ergebnis der Forschungen von Guth. Guth legte in den 1940er- bis 1960er-Jahren am Nela Park Lighting Institute von General Electric die wissenschaftlichen Grundlagen, auf denen das VCP-Verfahren als US-Standard (durch die IESNA) aufgebaut wurde.
Das ursprüngliche System von Guth lieferte einen abstrakten Indexwert für die Blendung, die eine Lichtquelle im Raum verursachte. Um daraus ein praxistaugliches Bewertungsverfahren für Lichtplaner zu machen, wurde in den 1960er-Jahren daraus das VCP-System geformt.
Einen anderen Weg nahm man in Deutschland, wo die Hersteller eine Kennzeichnung ihrer Leuchten anstrebten. Die Absicht war, Güteklassen für Leuchten zu etablieren (Klassen 1, 2 und 3), so wurde in Deutschland, Österreich und vielen europäischen Ländern das nach H. Söllner benannte Verfahren über Jahrzehnte der maßgebliche Standard (verankert u. a. in der alten DIN 5035). Es ermittelte die psychologische Blendung über das sogenannte Söllner-Diagramm. Das Söllner-Verfahren bewertete lediglich die Einzelleuchte und das Entblendungsverhalten einer gesamten regelmäßigen Leuchtenanordnung in einem Raum. Die tatsächliche Raumgeometrie, die Anzahl der Leuchten im Raum oder die Reflexionsgrade von Decken und Wänden wurden im Gegensatz zum UGR-Verfahren nicht dynamisch verrechnet. Dies entsprach durchaus den Zielen der Industrie, die Leuchten mit einer Güteklasse bezüglich Blendung vertreiben wollte.[3]
Die scheinbare Vielfalt an Blendungsbewertungsverfahren war hinderlich für einen weltweiten Handel mit Leuchten. Dies ist umso schlimmer, weil die lichttechnische Größe, die für die Blendung maßgeblich erachtet wurde, die Leuchtdichte einer Leuchte aus einer bestimmten Blickrichtung, bis heute nicht messbar ist. Theoretisch kann man die räumliche Verteilung der Leuchtdichte jedes Objekts messen, wenn man die notwendigen Mittel besitzt. Leider ergibt sich daraus eine große Datenmenge, die recht schlecht handhabbar ist. Daraus entstand der Wunsch der CIE, zunächst eine einheitliche Methode zu finden, um die Blendung zu bewerten. Daher der Name UGR für das zu findende Verfahren. UGR bedeutet unified glare rating, d.h. die vereinheitlichte Blendungbewertung.
Der UGR-Wert beschreibt die Gesamtwirkung aller im Raum befindlichen Leuchten auf das Auge einer Person. Er errechnet sich über eine Formel, in der die Hintergrundleuchtdichte, die mittlere Leuchtdichte[4] der leuchtenden Fläche der jeweiligen Leuchte in Richtung des Betrachters und deren Ausdehnung sowie die Position im Raum berücksichtigt werden.
Die Berechnung kann mit einem Computerprogramm vorgenommen werden (z.B. DIALux oder Relux). Daraus ergibt sich immer noch keine Größe, mit deren Hilfe man unterschiedliche Anlagen schnell vergleichen kann. Daher wurde nach dem Wunsch der Hersteller ein Tabellenverfahren mit standardisierten UGR-Tabellen entwickelt. Es geht von einem rechteckigen Raum mit festen Reflexionsgraden (z. B. Decke 70 %, Wand 50 %, Boden 20 %) aus. Das Ergebnis ist aussagekräftig nur für regelmäßige Rasteranordnungen eines einzelnen Leuchtentyps und nur dann, wenn die Leuchtdichte recht gleichmäßig ist.
Kritik an der Mechanik des Verfahrens
Das UGR-Verfahren erlaubt es nicht, beliebige Beleuchtungsanlagen miteinander zu vergleichen. Die wichtigsten bekannten Kritikpunkte sind:
- Sehr kleine / punktförmige Lichtquellen: Für extrem kleine Hochleistungs-LEDs oder Spotlights überschätzt die Formel die Blendung, weshalb sie formell nicht angewendet werden darf.
- Großflächige Lichtquellen: Lichtdecken oder breitflächig leuchtende Segmente fallen ebenfalls außerhalb des Anwendungsbereichs klassischer UGR-Tabellen.
- Indirekte Beleuchtung wird nicht erfasst.
- Inhomogene Oberflächen: Leuchten mit punktueller Leuchtdichteverteilung (z. B. klare Linsenraster vor einzelnen LEDs) werden durch die gemittelte Leuchtdichte nicht realitätsnah erfasst.
- UGR ist KEINE reine Leuchteneigenschaft, wird aber als solche verkauft: Häufig wird z. geworben mit "UGR < 19 Leuchte". Physikalisch ist UGR jedoch eine Raum- und Anlageneigenschaft. Eine Leuchte kann in einem kleinen, dunklen Raum den Wert 19 überschreiten, während sie in einem großen, hellen Büro darunter bleibt.
Die angeführten Kritikpunkte gehen allerdings davon aus, dass die Bestimmung des UGR-Wertes ein valides Verfahren ist. Wie schon angeführt, bestehen daran nicht nur Zweifel.
Reliabilität der Blendungsbewertung
Die Erfassung der Reaktionen der Probanden auf die Blendung erfolgt auf einer simplen eindimensionalen Skala. Sie ist bei allen Verfahren ähnlich aufgebaut und besitzt einen Mittelpunkt, dessen Name die Absicht der Forschenden verrät. Beispielsweise sieht die in der Straßenbeleuchtung häufig benutzte de-Boer-Skala wie folgt aus:

Der Proband sitzt meist in einem leeren Raum und wird gebeten, die empfundene Störung durch eine Leuchte auf dieser Skala zu markieren. Die Mitte der Skala heißt hier “gerade zulässig”, bei Guth und Hopkinson hieß sie BCD = border between comfort and discomfort, also die Grenze zwischen behaglich und unbehaglich. Warum jemand eine Störung als zulässig erachten soll, erschließt sich mir nicht.
Unten im Bild sind zwei Untersuchungsräume abgebildet, deren Alter sich um mehrere Jahrzehnte unterscheidet:

Links ist die Versuchsanordnung zu sehen, die von Forschenden wie Guth benutzt wurde. Rechts ist eine Anordnung zu sehen, die nach 2010 in Deutschland benutzt wurde.
Wenn ein Mensch in einem dieser Räume sitzend etwas bewerten soll, das ein Gefühl der Behaglichkeit (visual comfort = visuelle Behaglichkeit) ausdrückt, muss ihm sehr genau gesagt werden, was er denn beurteilen soll. Wenn einem dabei noch der Kopf fixiert wird (im rechten Bild deutlich erkennbar), ist es sehr schwierig, sich ein Gefühl der Behaglichkeit überhaupt vorzustellen.
Probandenstudien zeigen regelmäßig, dass bei exakt demselben UGR-Wert im Raum die Bewertung unterschiedlicher Personen enorm schwankt – von "völlig unproblematisch" bis "störend blendend". Das war bei den Vorgängerversionen der Blendungsbewertung nicht anders. So wird in der LiTG-Schrift zum UGR-Verfahren ausgesagt: “Es ist auch anzumerken, dass bei der Bewertung von Blendsituationen durch Beobachterkollektive große Streuungen auftreten, die nur eine begrenzte Genauigkeit und Wiederholbarkeit der Ergebnisse zulassen.” (Das UGR-Verfahren, LiTG-Publikation 20:2003).
Diese Aussage bedeutet schlicht, dass die LiTG-Fachleute, die das UGR-Verfahren beurteilt haben, die Reliabilität der Verfahren zur Blendungsbewertung eher verneinen.
Eigentlich müsste man an dieser Stelle aufhören und von weiteren Betrachtungen absehen. Denn was nicht reliabel gemessen werden kann, kann nicht validiert werden. Dummerweise wird das die Fachleute nicht davon abhalten, immer wieder die gleichen Untersuchungen anzustellen. Zudem geben die Hersteller den UGR-Wert in ihren Katalogen sogar dreistellig an und täuschen eine Genauigkeit einer Messgröße vor, die man nicht einmal zuverlässig ermitteln kann.
Zur Validität der Blendungsbewertung
Hierzu sagt das folgende Statement sehr viel aus: Die psychologische Blendung ist eine extrem bedeutsame Eigenschaft der künstlichen Beleuchtung, aber ein schlecht verstandener Begriff. Die in der Praxis eingesetzten Verfahren sind veraltet und nachweislich nicht valide. Dies gilt für die früher entwickelten Verfahren aus den 1940er- bis 1960er-Jahren genauso wie für das aus ihnen abgeleitete UGR-Verfahren.
Untersuchungen zur Validität der UGR-Werte ergeben ein recht vernichtendes Urteil wie das folgende Beispiel: „Blendungsmodelle wurden nach fehlenden Untersuchungsbedingungen und Inkonsistenzen geprüft. Es wurden Mehrdeutigkeiten gefunden, wie die Einbeziehung von kleinen und großen Blendquellen und was überhaupt eine Blendquelle in komplexen Situationen mit mehreren Leuchten ist. … Die Blendungsmodelle wurden umgerechnet, um mit den Vorhersagen von 1949 von Luckiesh und Guth verglichen zu werden. Die Modelle zeigten eine geringe Aussagekraft. Wenn man Blendung in komplexeren Situationen [mehrere Leuchten, d. Autor] bewerten will, müssen die Modelle grundsätzlich neu formuliert werden.“
Clear, R. D. Discomfort glare: What do we actually know?, Lighting Research and Technology, 2012, https://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/1477153512444527?journalCode=lrtd
Noch etwas schärfer fiel die Kritik einer Studie aus, die die Anwendbarkeit der Verfahren auf LED-Beleuchtungen prüfte: „Existierende Blendindizes entsprechen nicht hinreichend den subjektiven Bewertungen.“ (Geerdinck, L.: Glare perception in terms of acceptance and comfort, Universität Eindhoven, 2012, Masterarbeit, Download hier)
Etwa gleich alt wie diese Aussage ist die Feststellung von Stephan Völker, Professor für Lichttechnik an der TU Berlin (Stephan Völker: Blendung – Ein Rückblick über 100 Jahre Forschung. Licht 2012 Gemeinschaftstagung): „Der vorliegende Beitrag zeigt, dass es möglich scheint, die vorhandenen Blendungsbewertungsmodelle auf ein Modell zurückzuführen. Zurzeit fehlen noch einige Einflussgrößen, welche aber bereits in Kürze vorliegen dürften. Diese müssen anschließend für alle Anwendungsfälle (Innen-, Außen-, Kfz-, Sportstättenbeleuchtung, etc.) validiert werden.“ Tröstlich zu hören, dass man nach 100 Jahren hofft, in Kürze einige Einflussgrößen zu finden. Dann wird man, - hoffentlich – die Methode validieren. Im Jahr 2026 spricht wenig dafür, dass man dies erreicht haben könnte.
Es spricht auch wenig dafür, dass es je gelingen wird, wenn man die Methode nicht ändert. Denn die psychologische Blendung wird in Räumen ermittelt, in denen keine Arbeit stattfindet und daher keine Augenbelastung vorhanden ist. Was mag ein Wert für eine Behaglichkeit wert sein, wenn man ihn ohne Stress, Ermüdung, Augenbelastung u.Ä. ermittelt?
Diese Kritik umfasst nicht alles, was die Wertigkeit der psychologischen Blendung in Frage stellt. Denn bei der Arbeit ist der Mensch diversen Erscheinungen ausgeliefert, die sich wie eine Blendung auswirken, d.h. das Sehen beeinträchtigen. Diese werden in dem Kapitel Was nicht als Blendung zählt, aber dennoch belastet ausführlich behandelt. Das sind Erscheinungen wie Verlust an Farben, Kontrastverlust oder Glanz, auf die der Mensch ähnlich reagiert wie auf Blendung.
Solche Erscheinungen wurden mit der Einführung von Bildschirmen in der Arbeitswelt zu Hauptbelastungen, deren Wirkungen man in der Augenheilkunde DES wie digital eye syndrome nennt. Das Phänomen wurde in den USA im Jahr 1995 von der American Optometric Association (AOA) unter dem Begriff Computer Vision Syndrome (CVS) als eigenständiges medizinisches Krankheitsbild definiert und klassifiziert.
Mit dem Aufkommen von Smartphones, Tablets und E-Readern erweiterte die US-Organisation The Vision Council Anfang der 2010er-Jahre den Begriff zu Digital Eye Strain (DES) bzw. Digital Eye Syndrome. Der Begriff beschreibt den symptomischen Komplex aus Sehstress, trockenen Augen, verschwommenem Sehen und Nackenschmerzen durch langanhaltende Bildschirmarbeit.
Während ein Augenmediziner zwischen Blendung und Faktoren, die DES verursachen, durchaus unterscheiden kann, kann kein normaler Mensch eine solche Unterscheidung vornehmen. Was mag der Wert einer Blendungsbewertung sein, wenn deren Ursachen gemeinsam mit ähnlich wirkenden Faktoren auftreten, die ein eigenständiges medizinisches Krankheitsbild begründen, ohne dass irgendwelche dieser Faktoren bei der Ermittlung wirksam werden?
Die Folge ist zumindest eine massive Unterschätzung der Blendung und ihrer Folgewirkungen.
Wenn Blendung unterschätzt wird .…
Die bestentblendeten Leuchten blenden am stärksten …
Eines der wichtigsten Ergebnisse des Projekts Licht und Gesundheit war das Aufzeigen der Blendwirkung verschiedener Beleuchtungsarten bei der Arbeit. Zu erwarten war, dass die sog. Bildschirmarbeitsplatzleuchte jeglicher Beleuchtung überlegen wäre, weil ihre Lichtausstrahlung so eng gebündelt wurde, dass man sie an der Decke kaum noch ausmachen konnte. Nach dem Söllner-Verfahren würde die BAP-Leuchte die beste Entblendung weit übertreffen.
Das Ergebnis war auch für uns sehr überraschend.

In dem obigen Bild bedeutet:
- BAP eine Leuchte, die nach DIN 5035-7 gebaut war und in dem als kritisch angesehenen Winkelbereich über 50° eine mittlere Leuchtdichte von unter 200 cd/m² aufwies.
- „Direkt/Indirekt“ bedeutet die gleiche Leuchte abgehängt und mit einem relativ kleinen Indirektanteil versehen.
- „Indirekt/Direkt“ bedeutet eine Leuchte mit einem überwiegenden Indirektanteil
- „Indirekt“ bedeutet eine reine indirekte Beleuchtung
- „2K-Opt“ ist eine Beleuchtung mit einer indirekten Raumbeleuchtung, die durch eine Arbeitsplatzleuchte nach DIN 5035-8 ergänzt wird.
Die bezüglich der Entblendung theoretisch beste BAP-Leuchte erzeugte bei der Arbeit die größte Blendwirkung.
Wie Mitarbeitende ihre visuelle Umgebung selber in die Hand nehmen
Welche Reaktionen die Betroffenen zeigen können, wenn sie solche Wirkungen am Arbeitsplatz erleben, hat der amerikanisch-britische Ergonom Alan Hedge untersucht. Sein Ergebnis zeigt die folgende Tabelle / Hedge, A.: The Cornell University Study, Cornell University, Ithaca, NY, 1990, Daten aus Çakir, A., Çakir, G., Licht und Gesundheit - Eine Untersuchung zum Stand der Beleuchtungstechnik in deutschen Büros, Ergonomic, Berlin, 1998):
| Von den Benutzern getroffene Maßnahmen zur Verbesserung der visuellen Umgebungsbedingungen | Indirekt- beleuchtung | Direkt-beleuchtung |
| Lampen entfernt, um weniger Licht zu erhalten | 15% | 66% |
| Lampen entfernt, um Reflexblendung auf Bildschirmen zu reduzieren | 12% | 55% |
| Computer umgestellt, um Reflexblendung auf Bildschirmen zu reduzieren | 34% | 72% |
| Arbeitstisch umgestellt, um weniger Licht zu erhalten | 10% | 24% |
| Beleuchtung meistens abgeschaltet, um Reflexblendung auf Bildschirmen zu reduzieren | 10% | 39% |
All diese Erscheinungen konnte man auch in deutschen Büros erleben. Das nachfolgende Bild zeigt, was Mitarbeitende im Extremfall tun, wenn sie mit der Beleuchtung unzufrieden sind. Die betreffende Mitarbeitende hat gleich mehrere Dinge geändert. Sie hat die Lampen an der Decke weiträumig entfernen lassen und sich eine Verdunkelung verordnet.

Sie hat sich bei ihrer Flucht vor dem Licht auch in die Isolation begeben, weil kaum jemand in dieser Umgebung arbeiten kann.
Die meisten lassen es dabei bewenden, das künstliche Licht so selten wie möglich zu benutzen. So mussten wir in den von uns untersuchten Räumen oft um Genehmigung für das Einschalten der Beleuchtung bitten. Wir mussten sie aber sofort abschalten, wenn wir mit den Messungen fertig waren.
Völlig anders verhielten sich die Leute in Räumen ohne Blendung. Häufig haben sie es sogar vergessen, das Licht auszuschalten, wenn das Tageslicht sehr hell war. Das Bild unten zeigt einen Raum mit Direkt-/Indirektbeleuchtung, deren Direktteil abgeschaltet worden war.
Ergonomische Folgeschäden
Wesentlich gefährlicher für die Betroffenen sind Fehlhaltungen, die sie einnehmen, wenn sie sich geblendet fühlen, ohne dass dieses Gefühl bewusst erlebt wird. Zuerst werden Deckenleuchten ausgeschaltet, Leuchtmittel herausgedreht oder Leuchten mit Papier, Karton oder Post-its abgeklebt, um direkte Blendung zu mindern. Wenn dies nicht hilft, ducken sich Mitarbeiter, neigen den Kopf zur Seite oder rücken ungewöhnlich nah an den Bildschirm heran, um Reflexionsflächen zu umgehen.
Dies führt zu Fehlhaltungen und diese zu Kopfschmerzen infolge der Fehlhaltung (Stichwort HWS-Syndrom, Hals-/Wirbelsäulensyndrom).
Dauerhaft unangenehmes Licht führt häufig zu spürbaren Belastungssymptomen wie Ermüdung der Augen, Brennen, Druckgefühl oder Flimmern vor den Augen, Nacken- und Schulterschmerzen durch die eingenommene Fehlhaltung.
Insgesamt gilt: Wenn die Beleuchtung am Arbeitsplatz als störend oder unangenehm empfunden wird, reagieren Beschäftigte meist mit einer Kombination aus Verhaltensanpassungen (Coping-Strategien), provisorischen Umbauten und körperlichen Ausweichbewegungen.
Folgeschäden für die Bürohäuser
In dem Beitrag “Licht für New Work” wird dargelegt, welche Bedeutung die Beleuchtung für moderne Arbeitskonzepte und Raumkonzepte hat. Wenn Designer oder Architekten einen Bereich umgestalten, z.B. in einen Coworking Space, bauen sie zuerst das Deckenlicht ab. Menschen, die bei der Gestaltung ihrer Arbeit und ihrer Arbeitsumgebung mitbestimmen können, lassen sich von Angaben wie “UGR = 19, komfortable Beleuchtung für das Büro“ nicht beeindrucken. Ein Lichtplaner, der einer entsprechenden Belegschaft erklären wollte, was denn UGR = 19 bedeutet, käme sofort in Erklärungsnöte, weil man dies nicht einmal aus der Fachliteratur einwandfrei ermitteln kann.
Mir liegen drei Schriften der LiTG vor, die sich auf das UGR-Verfahren beziehen:
- Das UGR-Verfahren zur Bewertung der Direktblendung der künstlichen Beleuchtung in Innenräumen, LiTG Arbeitsgruppe Blendung (P. Dehoff, D. Fischer, D. Gall, J. Hesse, T. Müller, P. Prodell, W. Roddewig, P. W. Schmits, G. Seifert, K. Völs, P. Zwick), LiTG Publ. 20, 2003
- Praktische Anwendung des korrigierten UGR-Verfahrens nach CIE 232:2019 Bewertung der Direktblendung von Leuchten mit inhomogener Leuchtdichtestruktur in Innenräumen, LiTG Publ. 46, 1. Auflage 2022, ISBN 978-3-927787-61-2
- Das UGR-Verfahren zur Bewertung der Direktblendung der künstlichen Beleuchtung in Innenräumen - Ein Einblick in die LiTG-Publikation Nr. 20, LiTG September 2012
Sämtliche Autoren und sonstige Mitarbeitende in den Ausschüssen waren mir persönlich über mehrere Jahrzehnte hinweg bekannt. Obwohl ich die Historie der Blendungsbewertung seit meiner Dissertation von 1975 sehr gut kenne, ist es mir nie gelungen, zu erfahren, was ein bestimmter UGR-Wert bedeutet. Nach mühsamen Recherchen habe ich eine von drei mir bekannten Professoren akzeptierte Zahl ermittelt: Diese besagt, dass die auch in Deutschland gültige Norm DIN EN 12464-1 für Büros einen Wert von 19 vorgibt, der einem VCP von 65% entspricht. D.h. 65% der Probanden erachten eine Beleuchtung als „gerade zulässig“. Die restlichen 35% finden eine nach Norm empfohlene Beleuchtung offenbar nicht zulässig.
Wer über die Köpfe von Menschen postuliert, dass 35% der Nutzer von Büros die Beleuchtung dort nicht für zulässig halten, muss damit rechnen, dass die Nutzer das ändern wollen, sobald sie können. Genau das können die Menschen, deren Umgebung ihren Wünschen entsprechend gestaltet wird.
Seit der Corona-Zeit haben die Büronutzer auch eine andere Möglichkeit: die Flucht ins Homeoffice. Im August 2026 betrug der Leerstand von Büros 9,1 Mio. m2. In Toplagen wie Frankfurt (11,8%) und Düsseldorf (12,4%) liegt der Leerstand besonders hoch. So denkt man viel über eine Umwandlung von Büroäusern in Wohnraum nach. Wenn ein solcher Schritt vorgenommen wird, gehört die Entfernung der Beleuchtung zu den ersten Maßnahmen, die ausgeführt werden.
Warum das so ist, kann man an den nachfolgenden Bildern erkennen. Das erste Bild zeigt eine Bürolandschaft, die einem einfällt, wenn man über große Büros nachdenkt. Es ist eigentlich ein verschöntes Bild, das ich trotzdem benutze, weil es im Kontrast zum zweiten Bild steht, das mir eine KI gezeichnet hat. Es soll ein Büro darstellen, in dem man sich wohlfühlt.


Beide Bilder entsprechen einem Klischee. Für mich besteht der wesentliche Unterschied daran, dass das übliche Bild vom Büro mit hellen Objekten über dem Kopf verbunden ist, die man bei jedem Blick weg vom Schreibtisch im Auge hat. Hundert elektrische Sonnen bis zum Horizont. Und alle weiß, grau odr bläulich. Hingegen sind in den "schönen" Büro die Lichtquellen verteilt, warme Töne beherrschen die Szene. Die Annehmlichkeit hat viel mit Farben zu tun, die in der Blendungsformel nicht auftauchen. Hingegen kommt man sich in dem Bürobild vor, als hätte jemand einem einen gräuliche Himmel übergestülpt.
Die Gründe für die Ablehnung der typischen Bürobeleuchtung liegen nicht allein an der Blendung, sie werden aber immer mit der Blendung in Zusammenhang gesehen, insbesondere weil der Nutzer keine andere Möglichkeit hat, ein subjektives Urteil über die Beleuchtung abzugeben. Man kann sie wie folgt zusammenfassen:
- Visueller Stress: Blendung und Leuchtdichtekontraste
Das menschliche Auge muss sich ständig an die hellste Stelle im Raum anpassen. Stark schwankende Leuchtdichten oder schlechte Entblendung strengen die Augenmuskulatur extrem an.
- Direktblendung: Zu helle, ungeschützte LED-Panels oder Rasterleuchten im Blickfeld (hoher UGR-Wert).
- Reflexblendung: Lichtquellen, die sich auf Bildschirmen, glänzenden Tischen oder Glastrennwänden spiegeln.
- Hohe Kontraste: Ein sehr hell beleuchteter Schreibtischausschnitt vor einem dunklen Hintergrund zwingt die Pupille zu ständiger Adaption, was zu schneller Augenermüdung und Kopfschmerzen führt.
- Biologische Fehlabstimmung: Lichtfarbe und Spektrum
Licht wirkt direkt auf den circadianen Rhythmus (die innere Uhr) des Menschen.
- Falsche Farbtemperatur zur falschen Zeit: Kaltweißes Licht (über 4000 K bis 6500 K) wirkt zwar aktivierend, wird aber am späten Nachmittag oder Abend als ungemütlich und künstlich empfunden, da es die Melatonin-Ausschüttung unterdrückt.
- Mangelhafte Farbwiedergabe: Minderwertige LEDs mit niedrigem Farbwiedergabeindex lassen Hauttöne und Materialien grau oder grünlich wirken, was unbewusst als unnatürlich wahrgenommen wird.
- Fehlender Tageslichtbezug: Rein künstliches Licht ohne den natürlichen Dynamikverlauf des Tageslichts führt zu zeitlicher Desorientierung und Abgeschlagenheit.
- Technische Störfaktoren: Flimmern und Verteilung
- Unsichtbares Flimmern (Flicker / Temporal Light Artifacts): Auch wenn Modulationsfrequenzen von Treibern nicht bewusst wahrgenommen werden, verarbeitet das Gehirn die Mikroschwankungen im Millisekundenbereich. Das führt zu chronischer Erschöpfung, Migräne und Konzentrationsabfall.
- Rein direkte Beleuchtung: Leuchten, die nur nach unten strahlen, lassen die Decke dunkel ("Höhleneffekt"). Ein angenehmes Raumgefühl entsteht erst durch einen hohen indirekten Lichtanteil, der Decken und Wände gleichmäßig aufhellt.
Ein entscheidender Faktor ist indes die fehlende Kontrolle über die Umgebung: Ein wesentlicher Faktor für subjektives Unbehagen ist der Kontrollverlust: Wenn Mitarbeiter die Beleuchtung an ihrem Arbeitsplatz nicht dimmen, verändern oder an ihre spezifischen Aufgaben anpassen können, sinkt die Akzeptanz der Raumumgebung deutlich.
Eine fehlende Kontrolle über die Umgebung herrscht auch dann, wenn der Arbeitsplatz beengt ist. Wenn man eine mit den gleichen Leuchten in der gleichen Anordnung realisierte Beleuchtung von Nutzern beurteilen lässt, die nur 4 m² zur Verfügung haben, fällt ihr Urteil weit negativer aus als bei Personen, denen 12 m² oder 20 m² am Arbeitsplatz zur Verfügung stehen.
[1] Die angegebenen Skalen werden in der Lichttechnik als reliabel gehandelt. Zweifel daran sind durchaus berechtigt.
[2] Was der Wert VCP wirklich bedeutet, konnte ich nie klar ableiten. Denn das Kürzel VCP bedeutet übersetzt “Wahrscheinlichkeit des Sehkomforts”. Bei der Ermittlung der Größe werden die Probanden aber nach discomfort, also nach einer Beeinträchtigung gefragt. Das Fehlen einer Beeinträchtigung kann allerdings nicht für Komfort gehalten werden.
[3] Die Zuordnung von Güteklassen zu einer Produktgattung ist eine sehr praktische Methode, die insbesondere dann hilfreich ist, wenn die Nutzer nicht über effiziente Mittel verfügen, um die Qualität eines Produktes zu ermitteln. Im Falle der Lichtplanung in Deutschland wurden über 90 % der Beleuchtungsanlagen durch Elektroplaner entwickelt und verbaut, als das Söllner-Verfahren entwickelt wurde. Auch im Jahre 2026 muss man davon ausgehen, dass relativ wenige Lichtplanungen von Firmen und Personen vorgenommen werden, die mit anderen Verfahren überfordert wären.
[4] Die Mittelung in diesem Fall übernimmt die Messmethode. Man misst die Lichtstärke in der fraglichen Richtung und errechnet daraus die Leuchtdichte, indem man die leuchtende Fläche zugrunde legt. Dabei fällt die Information über die Leuchtdichteverteilung weg, die für die Blendung sehr bedeutsam ist.

