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aber die Zertifizierung entscheidet,
welche davon ins Licht gerückt werden..
Anonymus
Wie das Licht von Monitoren kranke Gebäude retten soll, kurzgefasst
Der Beitrag rekonstruiert die Genese und Deutungsgeschichte des Sick Building Syndrome und problematisiert die verbreitete Engführung des Phänomens auf Innenraumluftverunreinigungen und raumlufttechnische Defizite.
Im Zentrum steht die These, dass gesundheitliche Diskurse über Bürogebäude zunehmend durch ökonomische Interessen, Zertifizierungssysteme und technische Normierungspraktiken strukturiert werden. Am Beispiel des WELL Building Standard wird kritisch untersucht, wie Anforderungen an circadian wirksame Beleuchtung operationalisiert und nachgewiesen werden. Eine Fallstudie aus Sydney dient dabei als Ausgangspunkt, um die Einbeziehung von Monitorlicht in die Bewertung melanopischer Beleuchtungsstärken zu hinterfragen.
Der Beitrag zeigt, dass Gebäudezertifizierungen nicht nur als Instrumente zur Förderung gesundheits- und nachhaltigkeitsorientierter Bauweisen fungieren, sondern unter bestimmten Bedingungen auch dazu beitragen können, bauliche und beleuchtungstechnische Defizite nachträglich zu legitimieren.
gleichermaßen einbezieht.
Wie das Licht von Monitoren kranke Gebäude retten soll
Historie der kranken Gebäude
Sick buildings, wörtlich übersetzt „kranke Gebäude“, sind Gebäude, die die Menschen krank machen, so zumindest nach dem Erfinder des Begriffs Sick Building Syndrome (SBS). Dass sich Menschen, die in einem Gebäude arbeiten, nach der Arbeit oft krank fühlen, ist sicher nicht unüblich. Wenn ich danach gefragt werde, um welche Gebäude es sich dabei handeln könnte, würde ich auf diverse Fabrikgebäude tippen, in denen die Arbeiter unter unsäglichen Bedingungen malochten. Aber weit gefehlt: Es sind Bürohäuser. Nicht die schlechtesten davon, sondern klimatisierte Bürohäuser, deren Betreiber die Klimatisierung haben was kosten lassen: Etwa 25% der Baukosten der in den 1970er Jahren gebauten Bürohäuser und rund 30% der Betriebskosten entfielen auf die Klimatechnik. Nach der Meinung des zuständigen Wirtschaftsverbandes war alles in Ordnung. Wissenschaftler haben aber fast immer festgestellt, dass klimatisierte Gebäude die Menschen stark belasten.
Solche Gebäude gab es in den USA schon lange. Als das erste (beinahe) moderne Bürogebäude mit mechanischer Lüftung und Kühlung gilt das von Frank Lloyd Wright entworfene Larkin Administration Building in Buffalo (New York), das 1906 fertiggestellt wurde. Das erste echte, voll-klimatisierte Hochhaus war das Milam Building in San Antonio, Texas, erbaut 1928. Warum wartete die Vorstellung von krankmachenden Bürohäusern bis in die 1970er Jahre?
Anders als in Deutschland helfen in den USA Klimatisierungen Gegenden zu besiedeln, die eigentlich unbewohnbar sind. So wurde die Klimatisierung überhaupt erfunden, damit man in der Hauptstadt der USA, Washington, D.C., das ganze Jahr arbeiten konnte. Die mehr oder weniger schlecht funktionierende Technik wurde in der Ölkrise zu Beginn der 1970er Jahre schlicht missbraucht. Um Energie zu sparen, wurde der Außenluftanteil der Belüftung reduziert oder gar eliminiert. Das merkten zuerst die jungen Rekruten der Streitkräfte, die meist aus ländlichen Gebieten stammten. Sie fühlten sich schlapp und krank. Wenig später fühlten es auch die Angestellten in den Büros. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis das Kind einen Namen bekam, Sick Building Syndrome.
Die Erscheinung hat mit echten Erkrankungen nichts zu tun, so auch nicht mit der Legionärskrankheit. Die Legionärskrankheit wird auch Legionellose oder Legionellen-Pneumonie genannt und ist eine besonders schwere Form der Lungenentzündung. Erstmals wurde die Legionellose im Jahr 1976 anlässlich einer Tagung der Kriegsveteranenvereinigung „The American Legion" in Philadelphia bekannt, nachdem mehrere Tagungsteilnehmer an einer untypischen Lungenentzündung erkrankten. Während und bis zu 2 Wochen nach der für die Krankheit namensgebenden Tagung erkrankten 221 Männer, von denen 34 starben. Wie später nachgewiesen wurde, waren Bakterien der Art Legionella pneumophila in der Klimaanlage eines Hotels die Verursacher der Epidemie.
Dennoch wird SBS häufig im gleichen Atemzug genannt wie die Legionärskrankheit. Der Grund ist, dass in beiden Fällen die Klimaanlage eine Rolle spielt bzw. zu spielen scheint. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat SBS im Jahr 1983 definiert. Dieser Definition entsprechend erklärt das Umweltbundesamt die Erscheinung so: „Seit Jahren beobachten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler besonders bei Menschen, die in Büroräumen arbeiten, dass diese sich nach längerem Aufenthalt am Arbeitsplatz und abends, nachdem sie das Büro verlassen haben, krank fühlen. Die Beschwerden verschwinden nach einer gewissen Zeit wieder, sobald sich die Betroffenen nicht mehr in den Büroräumen oder in den betreffenden Gebäuden aufhalten.“ (UBA, 2026, seit 2017 nicht mehr aktualisiert).
Interessant in diesem Zusammenhang ist der Titel der Veröffentlichung: „Indoor Air Pollutants: Exposure and Health Effects“. Damit war klar, wonach man sucht: Verschmutzung der Innenluft. Ein Jahr später, 1984, schätzte die WHO in einem umfassenden Bericht, dass weltweit bis zu 30 % aller neuen oder sanierten Gebäude von solchen raumlufttechnischen und strukturellen Problemen betroffen sein könnten.
Geschäfte, von denen man weniger weiß
Die einfache Erklärung, dass Bürogebäude ihre Insassen krank machen, weil die Luft darin verschmutzt sei, war mir viel zu einfach. Dieser Ansicht war auch ein britischer Kollege, Prof. Alan Hedge, der das Phänomen gründlich untersucht hatte. Uns beiden war aufgestoßen, dass die Beleuchtung keine Rolle zu spielen schien. Das war aber nicht alles, denn die betroffenen Gebäude waren Arbeitsstätten, in denen es viele andere Belastungen gab, die wir wie viele andere Ergonomen ausführlich untersucht hatten. Warum gerade die Luftverschmutzung? Es war zudem nicht zu verstehen, warum klimatisierte Räume, deren Luft gefiltert wurde, eine größere Luftverschmutzung aufweisen sollten als übliche Räume, deren Luftqualität niemanden interessierte.
Als der deutsche Arbeitsschutz zu Beginn der 1990er Jahre gezwungen werden sollte, gegen SBS vorzugehen, bekam ich den Auftrag, das Phänomen und dessen Hintergründe zu untersuchen, da ich mich über Jahrzehnte intensiv mit den ergonomischen und physiologischen Einflussfaktoren auf das Wohlbefinden am Arbeitsplatz auseinandergesetzt hatte. Das Ergebnis wurde u.a. vom Fachausschuss Verwaltung der damaligen Zentralstelle der Berufsgenossenschaften publiziert. Ein maschinell lesbares Manuskript aus dem Jahr 2001 ist angehängt (hier). Meine damaligen Argumente sind in einem Vorlesungsmanuskript aufbereitet, das ich 2002 bei der EBS Immobilienakademie (damals European Business School, heute EBS Universität für Wirtschaft und Recht) präsentierte. Das Manuskript ist auch beigefügt (download)
Bei den Recherchen war ich auf den Namen Gray Robertson gestoßen, dessen Firma Healthy Buildings International, Inc. hinter vielen Publikationen steckte, die zum Thema SBS erschienen waren. Die Firma HBI trat besonders dadurch hervor, dass sie die Forschungsergebnisse anderer Stellen in ihrem Sinne interpretierte. So zog Gray Robertson, der Präsident dieser Firma, aus der epidemiologischen Literatur die Schlussfolgerung, „dass ca. 50% aller Erkrankungen der Büroangestellten in bestimmten Ländern Erkrankungen der oberen Atemwege sind und vom Büro selbst verursacht werden: “ Er behauptete u.a. „ .... Die (höhere Erkrankungsrate bei Soldaten in gut isolierten Gebäuden) wurde auf die größere Raumluftverschmutzung zurückgeführt, die ja Hauptursache für das Sick- Building-Syndrom ist. Damit haben wir zum ersten Mal Beweise dafür in der Hand, dass bis zu 50% der Erkrankungen der oberen Atemwege von Büroangestellten u.U. auf das Büro selbst zurückzuführen sind.” (Robertson,1991)[1].
Dadurch wurde damals klar, warum laut Robertson gerade Büroangestellte unter schlechter Luft leiden sollten: Erstens, damit er sich als Experte für Innenraumluftqualität etablieren konnte. Zweitens, um Filter zu verkaufen. Beides hängt damit zusammen, dass er Mykologie studiert hatte. So wollte er in jedem Bürohaus, das Beschwerden verursachte, Pilze in der Luft erkannt haben.
Während solche Vorgehensweisen auch anderswo üblich sind, war im gegebenen Fall besonders perfide, dass man die Aufmerksamkeit auf Luftverunreinigungen z.B. durch Schimmelpilze, lenkte. In den USA führten damals Klagen von Angestellten oder Hausbesitzern wegen Schimmelpilzen (insb. Stachybotrys chartarum) und SBS zu milliardenschweren Prozessen. Mikrobiologen, Toxikologen und Umweltmediziner verdienten als gerichtliche Gutachter oft tausende Dollar pro Stunde, um vor Gericht die Schädlichkeit (oder Unschädlichkeit) von Gebäuden zu belegen.
Die Champions des gesunden Büros wurden ab Mitte der 1980er Jahre heimlich von der Tabakindustrie (über das Tobacco Institute) mit Millionen Dollar finanziert. Ihr Auftrag war es, bei SBS-Untersuchungen in Büros die Schuld auf schlechte Lüftung, Kopierer oder Teppichkleber zu schieben, um vom Passivrauchen abzulenken. Die Perfidie ließ sich vielleicht dadurch toppen, dass man in Deutschland einen Statistikprofessor zum Präsidenten des Bundesgesundheitsamtes machte, der für die Zigarettenindustrie Studien absolviert hatte. Die deutsche Entgleisung endete schließlich mit der Abschaffung des Bundesgesundheitsamtes. Das Bundesgesundheitsamt (BGA) ist das prominenteste und drastischste Beispiel für die tatsächliche Zerschlagung und Abschaffung einer deutschen Bundesoberbehörde.
Nunmehr war das Passivrauchen Geschichte. Wie kann man aus krankmachenden Gebäuden mehr Geld herausholen? Zum einen schwenkte man von krank auf gesund. Deswegen heißt das Unternehmen seit längerer Zeit Healthy Buildings. Aber auch deren Ziel, Unbill von den Angestellten abzuhalten und so für Zufriedenheit zu sorgen, war eigentlich geschäftsschädigend. Es musste ein neues Modell her, und dieses heißt nunmehr WELL, WELL wie well-being. Auf Deutsch: Wohlbefinden. Mit positiven Produkten verdient man eben mehr als mit negativen.
Ein solches Wort wie Wohlbefinden darf man im Kreise deutscher Arbeitgeber nicht in den Mund nehmen, wenn es um den Arbeitsschutz geht. Denn Wohlbefinden kann alles sein. Arbeitgeber haben zwar nichts dagegen, dass sie für positive Wirkungen auf ihre Mitarbeitenden Geld ausgeben, wollen aber wissen, worin sie investieren.
So kam man auf die Idee, das Geld über die Zertifizierung von Gebäuden zu holen. In der Werbung von WELL Building Institute heißt es: „Unternehmen aller Art – von Start-ups bis hin zu Fortune-500-Unternehmen – nutzen WELL, um der Gesundheit und Sicherheit ihrer Mitarbeiter Vorrang einzuräumen, den Wert ihrer Immobilien zu maximieren und die Leistung ihres Unternehmens im Hinblick auf das Human- und Sozialkapital zu optimieren.“ (Quelle hier) Mich interessiert es seit Langem, wie WELL das anstellt.
Eigenbild vom WELL-Standard
Wie das Unternehmen seinen Standard selbst sieht, kann man an seinen Prinzipien ablesen:
Gerecht: Zielt darauf ab, einer Vielzahl von Menschen zu helfen, darunter insbesondere benachteiligte oder schutzbedürftige Bevölkerungsgruppen.
Global: Schlägt Maßnahmen vor, die weltweit in vielen Anwendungsbereichen umsetzbar, erreichbar und relevant sind.
Evidenzbasiert: Stützt sich auf ein vielfältiges und fundiertes Forschungswerk aus verschiedenen Disziplinen, das von einem gemeinsamen Expertengremium, darunter auch IWBI-Berater, validiert wurde.
Technisch fundiert: Definiert bewährte Verfahren der Branche und validiert Strategien durch Leistungsüberprüfung sowie einen strengen Verifizierungsprozess durch unabhängige Dritte.
Kundenorientiert: Fördert den Erfolg der WELL-Nutzer durch engagierte Coaching-Angebote, dynamische Ressourcen und eine intuitive Plattform, die sie auf ihrem Weg begleitet.
Anpassungsfähig: Hält mit den Fortschritten in Forschung, Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft Schritt und verbessert sich kontinuierlich durch die Einbeziehung neuer Erkenntnisse.
Zu den 10 Concepts, wonach Gebäude beurteilt und zertifiziert werden, gehört auch Licht. Und dabei will sich WELL von niemandem übertrumpfen lassen: „Der WELL Building Standard™ (WELL) enthält Richtlinien, die Störungen des zirkadianen Rhythmus des Körpers minimieren, die Produktivität steigern, eine gute Schlafqualität fördern und für eine angemessene Sehschärfe sorgen.“
WELL- Licht Standard sorgt für …
WELL scheint zwei getrennte Ziele zu verfolgen. Das Kleinere davon ist der Traum eines jeden Lichttechnikers, der auf die Sehleistung schwört: Eine angemessene Sehschärfe bedeutet, dass das Licht adäquat für die Aufgabe und für den Menschen ist. Wie in Genesis 2.0 – Schöpfung der elektrischen Sonne dargestellt, haben sich Generationen von Lichttechnikern daran abgearbeitet. Ihr vorgebliches Ziel war allerdings nicht Sehschärfe, sondern Arbeitsleistung. Wie erfolgreich sie dabei waren, kann man z.B. hier lesen: Leistung, Leistung über Alles! Es gelang leider nicht, nachzuweisen, dass gutes Licht zu besserer Leistung führt. (Anm.: Die Abhandlung zeigt allerdings nicht, dass das Gegenteil erwiesen wäre.)
WELL-Licht-Standard sorgt für einen gesunden circadianen Rhythmus auf eine sehr eigenwillige Art und Weise:
„Melanopische Lichtstärke für Arbeitsbereiche – NACHWEIS:
- An mindestens 75 % der Arbeitsplätze liegt eine melanopische Lichtstärke von mindestens 200 äquivalenten Lux vor, gemessen in der vertikalen Ebene in Blickrichtung nach vorne, 1,2 m [4 ft] über dem Fußboden (um die Sicht des Nutzers zu simulieren). Diese Beleuchtungsstärke kann Tageslicht beinhalten und muss an jedem Tag des Jahres mindestens in der Zeit zwischen 9:00 Uhr und 13:00 Uhr gegeben sein.
- An allen Arbeitsplätzen sorgen elektrische Leuchten für eine konstante Beleuchtungsstärke auf der vertikalen, nach vorne gerichteten Ebene (um die Sicht des Nutzers zu simulieren) von mindestens 150 äquivalenten melanopischen Lux.
Auf gut Deutsch: Um eine gesunde circadiane Rhythmik zu gewährleisten, genügt elektrisches Licht mit einer Vertikalbeleuchtungsstärke von 150 EML. Vermutlich ist dann auch ein gesunder Schlaf[2] gewährleistet. Wenn es etwas Sonnenlicht gibt, soll es an 75% der Arbeitsplätze mindestens 200 EML geben. 150 EML mit künstlicher Beleuchtung bedeutet etwa eine Vertikalbeleuchtungsstärke von rund 250 - 300 lx auf dem Auge (Umrechnung hier)
Was tun, wenn die Lichtintensität nicht ausreicht?
Drei Architekten aus der Sydney Universität[3] untersuchten ein Gebäude, das mit Arbeitsplätzen mit einer Tiefe von 17 m besetzt ist, um festzustellen, ob die Beleuchtung dem WELL-Standard genügt.
Der Raum ist mit Downlights beleuchtet, die alles andere als für die Erzeugung einer Vertikalbeleuchtungsstärke geeignet sind. Die Anlage erzeugte nach Angaben der Autoren eine Beleuchtungsstärke (horizontal) von 323,42 lx. Eine erstaunliche Präzision in der Angabe, da die Gleichmäßigkeit etwas über 0,5 betrug. D.h., es gibt Arbeitsplätze mit einer Beleuchtungsstärke von 161,71 lx.
Rechnerisch würde sich aus den 323,42 lx etwa 25% des Wertes, also 80,86 lx, als Vertikalbeleuchtungsstärke ergeben, weil Downlights das Licht direkt nach unten abstrahlen. Würde man die 80 lx in EML umrechnen, käme man zu rund 40-50 lx.
Wie der Belegungsplan zeigt, erfüllt der untersuchte Raum eigentlich alle Voraussetzungen dafür, die circadiane Rhythmik der Menschen zu stören, insbesondere in der Raumtiefe (Bereich C). Von den „Private Offices“ ohne Blick auf Fenster ganz zu schweigen. Die Betrachtung der Tageslichtautonomie (= Anzahl der Betriebsstunden mit ausreichendem Tageslicht) zeigt, dass im Bereich A 60% bis 100 % der Arbeitsplätze zu 50% der Betriebszeit mit Tageslicht auskämen. Im Bereich C gibt es keine Tageslichtautonomie, man muss ständig unter einer künstlichen Beleuchtung von Downlights arbeiten.
Wie kommt man unter diesen Umständen dazu, den WELL-Standard für die circadiane Rhythmik zu erfüllen? Hier setzt die Genialität der Forschenden ein: Sie zählen das Licht der Computerbildschirme zu dem künstlichen Licht und haben circadian wirksames Licht. So steht es im Ergebnis geschrieben: „Die Ergebnisse unterstrichen die entscheidende Rolle der zusätzlichen Monitorbeleuchtung bei der Erfüllung der geforderten Standards.“
Fazit
Bereits die Anforderung des WELL-Standards, entweder 75% der Arbeitsplätze mit 200 EML oder elektrisches Licht mit 150 EML, kann man mit kritischen Augen sehen. Seit wann unterstützt konstantes künstliches Licht die circadiane Rhythmik?
Aber das Licht der Monitore zur Beleuchtung hinzuzufügen, damit ein Gebäude einen Standard erfüllt, haut dem Fass den Boden aus.
Kranke Gebäude gesund beten – wäre eine bessere Überschrift für den Artikel. (Hier der komplette Artikel zum Prüfen.)
Wo ist der Elefant im Raum
Wem das Ganze hier seltsam riecht, hat den richtigen Riecher. Ein Gebäude, mit Downlights allein beleuchtet, kann keine Vertikalbeleuchtungsstärken erzeugen, die der Störung der circadianen Rhythmik entgegenwirken. Schon gar nicht, wenn die Beleuchtungsstärke 323,42 lx visuell beträgt. Wozu denn so viel Aufwand?

Der Elefant im Raum ist riesig. Ein Großteil moderner Gebäude in den USA, in Australien oder gar in Frankreich ist mit sog. Open Plan Offices belegt. So sollen in den USA ca. 60% der Arbeitsplätze in Büros in Großräumen untergebracht sein. Das sind allerdings Großräume, deren Insassen wenig davon mitbekommen. Die Räume sind meist in winzige Parzellen aufgeteilt, die nach oben offen sind. Diese lassen nur einen Lichteinfall von oben nach unten zu, egal wie die Leuchten aussehen. Die sehen meist so aus:

Dass sich das künstliche Licht in solchen Gebilden in waagrechter Richtung ausbreiten könnte, ist bestenfalls ein Gerücht. Was macht man dann, wenn Mediziner behaupten, eine Büroumgebung könne nur dann circadian-gesund sein, wenn zu bestimmten Tageszeiten eine ordentliche, starke Beleuchtung herrscht, die direkt das Auge trifft?
In Genesis 2.0 – Schöpfung der elektrischen Sonne ist der Erfindung von Legenden breiter Raum gewidmet , so hier: Legendenbildung und Märchenerzählung – Ungewöhnliche Aktivitäten für Ingenieure. Damit waren aber andere Märchen und Legenden gemeint, die meist aus der Lichtbranche stammen. Hier haben wir es mit anderen Größenordnungen zu tun. Und mit anderen Akteuren. Zum einen sind dies die selbsternannten Schutzpatrone von Gebäudeinsassen, deren Gesundheit angeblich ruiniert werde. Und die, die mit Zertifikaten dagegenhalten.
Zum anderen sind es die Eigner oder Betreiber von Bürohäusern, deren Wert seit der Corona-Zeit erheblich gesunken ist. Man könnte theoretisch alle installierten Beleuchtungen mit Haut und Haaren entfernen und neu bauen, ohne dass die Wirtschaft ächzen müsste. Im Konzept falsche Gebäude sind aber eine andere Hausnummer.
Gebäudezertifizierungen sollen nachhaltiges und gesundes Bauen fördern. Das in diesem Beitrag behandelte Thema zeigt, dass sie auch nachhaltiges Einkommen sichern, indem man Gebäude gesund betet.
[1] Robertson, G.: Sick Buildings, Ursachen und Folgen, Analyse und Prophylaxe, Vortrag auf dem EUROFORUM, Antwerpen, Oktober 1991
[2] Gemeint ist nicht ein gesunder Büroschlaf, sondern die Vermeidung, dass der circadiane Rhythmus leidet, so dass man nach der Arbeit nachts gut schlafen kann, sofern man sonst gesund ist.
[3] Audrey Tara Dianagri, Ozgur Gocer, Wenye Hu: Integrating monitors into circadian lighting strategies for offices, Journal of Building Engineering, Volume 110, 2025, 113051, ISSN 2352-7102,


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