Wenn man von den Dingen keine Ahnung hat,
gründet man am besten einen Ausschuss
und erlässt eine Verordnung.
Anonymus
Licht und Ergonomie, kurzgefasst
Der vorliegende Beitrag untersucht das Verhältnis von Beleuchtung und Ergonomie unter historischer, fachsystematischer und normativer Perspektive. Er zeigt, dass Beleuchtung trotz ihrer grundlegenden Bedeutung für Arbeit, Gesundheit, Sehleistung und Wohlbefinden in der Ergonomie bislang nur randständig behandelt wurde. Auf der Grundlage von Fachliteratur, Normungsgeschichte und begrifflicher Analyse wird herausgearbeitet, dass die Lichttechnik überwiegend technisch-funktional argumentiert, während zentrale ergonomische Kategorien wie Nutzerorientierung, Accessibility, Architekturbezug und differenzierte Anforderungen menschlicher Arbeit unzureichend berücksichtigt bleiben. Die Analyse von Peter Boyces Human Factors in Lighting verdeutlicht exemplarisch die terminologischen und konzeptionellen Divergenzen zwischen Lichttechnik und Ergonomie. Insgesamt plädiert der Text für eine integrierte, menschenzentrierte und barrierefreie Beleuchtungsplanung, die Tageslicht, Kunstlicht sowie die Heterogenität menschlicher Voraussetzungen gleichermaßen einbezieht.
Human Factors in Lighting – alias Ergonomie der Beleuchtung
Das Buch Genesis 2.0 – Schöpfung der elektrischen Sonne beschreibt unter anderem die Entwicklung der künstlichen Beleuchtung seit der Eiszeit. Über lange Zeit war Beleuchtung vor allem Handwerk; erst in den vergangenen hundert Jahren wurde sie systematisch wissenschaftlich untersucht – mit den im Buch geschilderten Erfolgen, Folgen und Fehlentwicklungen. Aus beruflichen Gründen richte ich den Blick dabei auf die Arbeitswelt: als Lichttechniker mit Interesse an der Beleuchtung selbst und als Ergonom mit Interesse an der Arbeit des Menschen. Diese beiden Begriffe, Arbeit und Beleuchtung, stehen in der Arbeitswelt in enger Beziehung zueinander. So bestimmte einst die Verfügbarkeit von (Tages)Licht den Tagesrhythmus der gesamten Industriegesellschaft. Aber auch nachdem das künstliche Licht ausgereicht hatte, um fast alle Sehaufgaben hinreichend zu unterstützen, bestimmt der Takt der Sonne den Gang des Lebens, auch wenn wir nicht mehr von ihr abhängig sind. Bis auf sehr wenige Ausnahmen ist unser Arbeitsleben von der natürlichen oder von der künstlichen Beleuchtung abhängig. Wie wir mühsam lernen mussten, hängt unsere Arbeitswelt zu einem erheblichen Teil von einem Zusammenspiel der beiden. So wäre zu erwarten, dass sich die Wissenschaft, die sich mit der Arbeit befasst, die Ergonomie, vornehmlich mit Licht und Beleuchtung befasst.
Ergonomie ist keine eng abgegrenzte Einzelwissenschaft. Sie bündelt vielmehr Erkenntnisse verschiedener Disziplinen, wenn konkrete Probleme analysiert oder gelöst werden sollen. Ein klassisches Beispiel ist Alphonse Chapanis, ein Psychologe, der im Zweiten Weltkrieg das Cockpit des B-17-Bombers menschengerechter gestaltete. Er erkannte, dass selbst hervorragend ausgebildete Piloten kurz vor der Landung abstürzten, weil sie die nahezu identischen Hebel für Fahrwerk und Landeklappen verwechselten. Seine Lösung war das Shape Coding: Hebel mit fühlbar unterschiedlichen Formen, etwa als Rad oder Keil. Chapanis‘ Vorstellungen kamen Jahrzehnte später auf den Tisch, als das Kernkraftwerk Three Mile Island havarierte. Eine von Präsident Carter eingesetzte Kommission fand als primäre Ursache des Unfalls ergonomische Gestaltungsmängel heraus. In dem Bericht der Kommission (Kemeny-Report) nimmt das einst für die militärische Luftfahrt entwickelte Wissen einen breiten Raum ein.
Ebenso prägend wie Chapanis war Lillian Moller Gilbreth, eine der Wegbereiterinnen der Ergonomie. Sie war nicht nur eine der ersten weiblichen Werksingenieurinnen und Organisationspsychologinnen, sondern übertrug Prinzipien der Arbeitsoptimierung auf Bereiche, die zuvor kaum beachtet wurden: Haushalt und Familienorganisation. Auf sie gehen unter anderem der Tretmülleimer, die Fußpedal-Öffnung für Kühlschränke und die Ablagefächer in Kühlschranktüren zurück.
Die Zahl der Menschen, die mit ergonomischen Methoden weit über ihr ursprüngliches Fachgebiet hinaus Erkenntnisse gewonnen haben, ist groß. Mindestens ebenso lang ist die Liste derer, die mit ihrem Fachwissen wesentliche Beiträge zur Gestaltung menschlicher Arbeit geleistet haben. Dazu zählen auch Lichtingenieure. Ihr Wirken hat entscheidend dazu beigetragen, die 24/7-Gesellschaft möglich zu machen – eine Gesellschaft, die nie schläft. Wie Genesis 2.0 – Schöpfung der elektrischen Sonne zeigt, ist künstliches Licht einer der wichtigsten Treiber der Industriegeschichte – mit allen ihren Fortschritten und Schattenseiten.
Wegen dieser fachgebietübergreifenden Bedeutung galten die Regeln für die Beleuchtung, also die ersten Beleuchtungsnormen, als eine Grundnorm, die in allen Bereichen der Wirtschaft galt.
Schattenseiten und offene Fragen
Zu den dunklen Seiten des Lichts zählen Themen, die ich unter Im Zenit und weiter behandle – darunter die globale Lichtverschmutzung. Noch umfangreicher sind jedoch die gesundheitlichen Belastungen, die inzwischen dazu geführt haben, dass Licht und Gesundheit nicht nur ein Buchtitel, sondern ein Dauerthema auf Tagungen sowie in Institutionen und Professuren ist. Führende Chronobiologen forderten 2021 in einem Memorandum sogar eine grundlegende Änderung der Beleuchtungspraxis. Mehr dazu etwa hier: Irren ist menschlich – Künstliches Licht wird gesund – Irgendwann.
Wie wahrscheinlich ist dieses „Irgendwann“? Anders gefragt: Wer hat die besten Voraussetzungen, um künstliches Licht am Arbeitsplatz tatsächlich menschengerecht zu gestalten?
Ergonomen, wer denn sonst?
Wenn in einem Projekt ergonomisches Wissen gefragt ist, sollten Ergonominnen und Ergonomie-Experten eigentlich besonders gut geeignet sein, die relevanten Probleme zu lösen. Umso auffälliger ist ihre tatsächliche Abwesenheit: Im deutschen DIN-Expertenforum, in dem zwischen 2007 und 2022 die einschlägigen Themen zur circadianen Beleuchtung von Stakeholdern diskutiert wurden, war kein Ergonom vertreten. Auch unter den eingeladenen Vortragenden fand sich niemand aus diesem Bereich.
Angesichts des veröffentlichten ergonomischen Wissens zu Licht und Beleuchtung überrascht das kaum. Fast alle Handbücher der Ergonomie enthalten keinen eigenständigen Beitrag zur Beleuchtung. Dasselbe gilt für die Proceedings der Kongresse der IEA (International Ergonomics Association): Sie können bis zu 2000 Beiträge umfassen, ohne dass jemand systematisch über die Beziehung zwischen menschlicher Arbeit und künstlichem Licht berichtet. Es bleibt bemerkenswert, dass eine Disziplin die menschliche Arbeit untersucht, ohne ernsthaft über das Licht nachzudenken.
Experten für Human Factors in der Beleuchtung?
Während die Ergonomie beim Thema Licht weitgehend durch Abwesenheit auffällt, gab es in der Lichttechnik einzelne profilierte Experten, die sich früh mit diesen Fragen befassten. Einer von ihnen war R. G. Hopkinson. Gemeinsam mit John B. Collins veröffentlichte er 1970 das Buch The Ergonomics of Lighting.
Hopkinson trat früh für eine integrierte Lichtplanung ein, die Tages- und Kunstlicht zusammendenkt (Permanent Supplementary Artificial Lighting – PSALI). Trotz seiner fachlichen Autorität setzte sich dieses Konzept hierzulande lange nicht durch. Erst in den letzten Jahren wird die gemeinsame Betrachtung von Tages- und Kunstlicht wieder stärker diskutiert, etwa im Zusammenhang mit den Ideen zum circadianen Licht Weimarer Lichttagen – nachbelichtet.
Fast zeitgleich brachte die CIE den Begriff der integrativen Lichtplanung ins Spiel. Gemeint ist dabei nicht die Verbindung von Tages- und Kunstlicht, sondern die gemeinsame Betrachtung visueller und gesundheitlicher Wirkungen. Die Nähe der Begriffe – integriert und integrativ – wirkt verwirrend; sachlich beschreiben sie indes unterschiedliche Ansätze. Diese dürfen aber nicht unterschiedlich sein, denn bereits die erste Norm für die künstliche Beleuchtung, DIN 5035, Jahrgang 1935, enthielt in ihren Grundsätzen die Gesundheit: „Die künstliche Beleuchtung von Innenräumen muß den Forderungen der Gesundheit und Schönheit entsprechen …“ Es war also vor 90 Jahren bewusst gewesen, dass man künstliches Licht nicht nur aus funktionaler Sicht sehen darf, sondern ebenso unter ästhetischen und gesundheitlichen Gesichtspunkten.
Von Hopkinson blieb vor allem sein Beitrag zum UGR-Konzept (Unified Glare Rating) im Gedächtnis. Mehr dazu hier: Blendung – Was ich schon immer wusste und nie nachfragen wollte. Nur zwei Jahre nach dem Erscheinen seines Buches zur Ergonomie der Beleuchtung verabschiedete sich der zuständige deutsche Normenausschuss jedoch vom Tageslicht: Künstliche Allgemeinbeleuchtung wurde zur Norm – die Sonne blieb außen vor.
Zur nachfolgenden Generation britischer Lichttechniker gehört Peter Boyce. Sein Buch Human Factors in Lighting zählt zu den interessantesten Werken der Fachliteratur. Es erschien erstmals 1981 und wurde seither zweimal überarbeitet. Boyce verbrachte den Großteil seiner Laufbahn in der Beleuchtungsforschung: von 1966 bis 1990 am Forschungszentrum des Electricity Council in Capenhurst, England, und von 1990 bis 2004 als Leiter des Bereichs Human Factors am Lighting Research Center des Rensselaer Polytechnic Institute in New York.
Seine Forschungsschwerpunkte umfassten unter anderem visuelle Ermüdung, den Einfluss des Alters auf die Sehleistung, Sehprobleme bei der Arbeit am Bildschirm, Farbunterscheidung, Not- und Sicherheitsbeleuchtung, Sehkomfort, circadiane Effekte, Sicherheitswahrnehmung und Beleuchtung beim Autofahren. Von 2008 bis 2020 war Boyce zudem Chefredakteur der Fachzeitschrift Lighting Research and Technology, dem führenden internationalen Peer-Review-Journal der Branche. Für Lichtplaner, Forschende, Ergonomen und Ingenieure ist diese Zeitschrift eine zentrale Referenz des wissenschaftlich gesicherten Stands der Technik.
Gerade deshalb ist Boyces Buch so relevant: Mangels eigener Aktivitäten der Ergonomie könnte es die Lücke zwischen Lichttechnik und Arbeitswelt schließen. Das liegt nahe, weil der Autor über viele Jahre eine der renommiertesten Forschungsgruppen für Human Factors in der Lichttechnik leitete.
Etwa diesem Ruf entsprechend darf man das Buch sehen. Wie ich bereits mehrfach angeführt habe, gibt es im Bereich Ergonomie kaum Interesse an Themen aus der Beleuchtung, obwohl sich die Ergonomie so definiert: „Ergonomie (oder Human Factors) ist die wissenschaftliche Disziplin, die sich mit dem Verständnis von Interaktionen zwischen Menschen und anderen Elementen eines Systems befasst, und der Berufszweig, der Theorie, Prinzipien, Daten und Methoden zur Gestaltung anwendet, um das menschliche Wohlbefinden und die Leistung des Gesamtsystems zu optimieren.“ (IEA International Ergonomics Association) Sie verfolgt zwei Kernziele:
- Optimierung des menschlichen Wohlbefindens (Gesundheit, Sicherheit, Komfort und Lebensqualität).
- Optimierung der Leistung des Gesamtsystems (Effizienz, Zuverlässigkeit, Wirtschaftlichkeit und Fehlerfreiheit).
Da die Ergonomie keine klassische Disziplin ist wie z.B. Physik oder Chemie, bündelt sie Wissen aus vielen Disziplinen oder sie erzeugt diese interdisziplinär, so entstand z.B. aus Computertechnik und Psychologie das Konzept Usability in der Ergonomie. Etwas weitergehend wurde User Experience (UX) aus Computertechnik, Psychologie und Architektur (Vitruvsche Grundsätze) entwickelt.
Um die Inhalte der dritten Ausgabe von Human Factors in Lighting zu überblicken, genügte mir ein Blick ins Inhaltsverzeichnis nicht. Ein Inhaltsverzeichnis zeigt vor allem die Ordnung, die ein Autor seinem Stoff gibt. Für einen anderen Zugang nutzte ich daher Data Mining: die Auswertung der Häufigkeit wichtiger Fachbegriffe, ihres Fehlens und ihrer typischen Kombinationen – etwa, ob Ermüdung häufig zusammen mit Blendung erscheint.
Welche Begriffe kommen in dem Buch Human Factors in Lighting mit 611 Seiten Text und 55 Seiten Literaturverzeichnis (ca. 1250 Literaturstellen) am häufigsten vor? „Lighting“ (= Beleuchtung) ist das häufigste Wort.[1] Wenig überraschend, denn das Buch handelt von Beleuchtungstechnik. Aber bereits das dritthäufigste Wort im Buch ließ mich zweifeln, denn der Begriff Leuchtdichte, der in dem Buch 1034 Mal auftaucht (1,55-mal pro Seite), ist außerhalb der Lichttechnik niemandem ein Begriff. Selbst notorisch neugierige Leser ergonomischer Literatur können sich kaum einen Reim darauf machen, wenn das Wort fast 2-mal auf jeder Seite auftaucht. Da Boyce keine Anstalten macht, den Begriff zu erklären oder gar zu definieren, wird der geneigte Leser zwar häufig über den stolpern, allzu schlau werden kann er aber nicht. (Anm.: Da der Begriff Leuchtdichte eine enorme Bedeutung hat, habe ich ihn in dem Buch ausführlich kommentiert: Ein unmöglicher Umgang mit der wichtigsten Größe – Leuchtdichte).
| Lichttechnischer Begriff und Häufigkeit | Ergonomischer Begriff und Häufigkeit | |||||
| Wort | Gesamt | Pro Seite | Wort | Gesamt | Pro Seite | |
| Beleuchtung | 3988 | 6,99 | Ermüdung | 27 | 0,04 | |
| Beleuchtungsstärke | 1234 | 1,95 | Lesbarkeit | 10 | 0,02 | |
| Leuchtdichte | 1034 | 1,55 | User | 39 | 0,06 | |
| Lampe | 1036 | 1,55 | User Experience | 0 | 0,00 | |
| Leuchte | 698 | 1,05 | Architektur | 6 | 0,01 | |
| Blendung | 589 | 0,88 | Human Factors | 3 | 0,00 | |
| Sehleistung | 183 | 0,28 | Ergonomie | 1 | 0,00 | |
Die Beleuchtungsstärke (fast 2 Erscheinungen auf jeder Seite) ist nur bei den Lichtnormen häufiger auf jeder Seite zu sehen. Wenn die Ergonomen dahintergucken wollen, was der Begriff in der Praxis bedeutet, kriegen sie graue Haare, weil kaum ein Fachbegriff derart häufig in irreführender Weise eingesetzt wird. Oder der Autor behandelt gerade diesen Aspekt und erklärt dem Leser, was die Beleuchtungsstärke im Labor bedeutet, was sie in den Normen bedeuten soll und was ein Lichtdesigner daraus macht. Boyce tut es nicht. Er muss davon ausgehen, dass jeder Leser seines Buches weiß, was die Beleuchtungsstärke ist. Dabei kann man bei genauem Hinsehen feststellen, dass kaum eine Größe mehr Verwirrung verursacht als die Beleuchtungsstärke (s. z.B. Beleuchtungsstärke – Grundgröße oder Irreführung? ).
Nun zu den Begriffen, die nicht so häufig auftauchen, wie man es erwartet hätte. Da überraschen die Wörter „Human Factors“ (3-mal) und Ergonomie (1-mal). Sie sind laut IEA etwa Synonyme, die laut Titel der Hauptgegenstand des Buches sind. Man muss sie unter den 1.659.095 Anschlägen des Buchs (die Gesamtzahl im Urtext der Bibel ist ca. 1.740.000 Buchstaben) sehr lange suchen. Und wenn man sie denn findet, fehlt der Kontext: Das Kürzel IEA kommt in dem Buch nur als International Energy Agency vor, während die internationale Organisation, die sich mit der Ergonomie befasst, vollends fehlt. Dafür wird die CIE, der Internationale Verband der Lichttechnischen Gesellschaften, 438-mal angeführt. Auch IESNA (alias IES = Illuminating Engineering Society) wird zu häufig erwähnt.
Wo bleiben die Begriffe, wegen denen man Beleuchtungsnormen schreibt: „Dieses Dokument legt Beleuchtungsanforderungen für Menschen an Arbeitsplätzen in Innenräumen fest, die den Anforderungen an den Sehkomfort und die Sehleistung von Personen mit normalem oder auf normalkorrigiertem Sehvermögen entsprechen.“ (Geltungsbereich von DIN EN 12464-1). Sehkomfort scheint durch Blendung ersetzt zu werden. Aber die Sehleistung (181-mal präsent) scheint unwichtig, Gesundheit wird kaum erwähnt, obwohl ein ganzes Kapitel zu Licht und Gesundheit gewidmet ist. Ermüdung liegt ganz außen vor (27-mal). Sehkomfort scheint voll durch Blendung ersetzt zu werden, was zwar den lichttechnischen Gepflogenheiten entspricht, aber nicht den ergonomischen.
Die Themen, zu denen ich über Jahrzehnte Forschung treiben musste, um bessere Bedingungen für die Arbeitenden zu normen, so auch Lesbarkeit von Bildschirmen (10-mal) oder Glanz auf Sehobjekten (14-mal) kommen in dem Buch so gut wie nicht vor.
Von fundamentaler Bedeutung für die Ergonomie der Beleuchtung ist die Anpassung an die Architektur. Denn Architektur ohne Beleuchtung ist ebenso wenig denkbar wie eine Beleuchtung, die keinen Bezug zu der Architektur hat. Die Architektur wird in dem Buch nur 6-mal erwähnt.
Bleibt noch zu erwähnen, dass der Begriff Benutzer (bzw. User) aus der Ergonomie vollständig fehlt. Was dieser von der Beleuchtung hält (Akzeptanz), scheint nebensächlich. User Experience, ein modernes Zauberwort für die Erfahrungen mit der Umwelt und Technik, das sich aus den Vitruvschen Prinzipien der Architektur ableitet, wird nicht einmal angedeutet.
Die Wortwolke der meistbenutzten Begriffe in diesem Buch sieht nicht überraschenderweise wie folgt aus:

Peter Boyce behandelt in seinem Buch viele Aspekte, die zum Bereich Ergonomie gehören. Das von ihm benutzte Vokabular unterscheidet sich aber sehr stark von dem ergonomischen Wortschatz. Dies hat mit Sicherheit dazu beigetragen, dass eine Verständigung zwischen den beiden Disziplinen ausgeblieben ist. Während dies die Praktiker, die sich mit der Arbeit beschäftigen, nicht direkt berührt, stellt das inkompatible Vokabular zwischen dem Bereich der Arbeitsorganisation, dem Arbeitsschutz und der Beleuchtungstechnik ein großes Hindernis dar. Das gilt selbst für grundlegende Begriffe wie task (= Arbeitsaufgabe) oder Arbeitsplatz. So werden die Anforderungen an die Beleuchtung von Arbeitsstätten (DIN EN 12464-1) nicht an den Begriff „Arbeitsplatz“ gebunden, wie er in der Arbeitsstättenverordnung definiert ist, sondern für einen „Bereich der Sehaufgabe oder Tätigkeit”. Was der „Bereich der Sehaufgabe“ ist, wird niemand in dieser Norm erklärt bekommen. Der Begriff sollte aber in einer der angegebenen Quellen definiert sein: „Für die Anwendung dieses Dokuments gelten die Begriffe nach EN 12665, EN 17037 und die folgenden Begriffe.“ In EN 12665:2024, wo er hingehört hätte, ist er nicht zu finden. Dafür wird in EN 12464-1 der „Bereich der Tätigkeit” definiert, er ist „Bereich, der eine oder mehrere Sehaufgaben enthält“.
Der Tod einer Norm zur visuellen Ergonomie
Wäre die Angelegenheit der Beziehungen zwischen Beleuchtung und Ergonomie auf ein mangelndes Verständnis eines Autors beschränkt oder auf ein Buch, das offensichtlich nicht seinem Titel gerecht wird, könnte man hoffen, dass andere es besser machen. Der Autor Peter Boyce hat aber mehr bewirkt. Er ist verantwortlich dafür, dass aus einer Norm zur visuellen Ergonomie (ISO 8995 Principles of visual ergonomics — The lighting of indoor work systems ((Prinzipien der visuellen Ergonomie — Die Beleuchtung von Innenräumen/-arbeitssystemen)) eine Beleuchtungsnorm wie jede andere entstanden ist (ISO/CIE 8995-1 Light and lighting — Lighting of work places).
Die Fassung von ISO 8995 von 1989 unterschied sich in ihrer Herangehensweise grundlegend von rein technischen, installationsorientierten Dokumenten jener Zeit. Sie stellte den arbeitenden Menschen und dessen Sehkomfort in den Mittelpunkt:
- Abkehr von reiner Quantität: Statt nur starre “Lux-Zahlen” (Beleuchtungsstärken) vorzugeben, definierte die Norm erstmals die physikalischen Parameter, die die visuelle Leistungsfähigkeit (Visual Performance) direkt beeinflussen.
- Drei-Säulen-Modell des Sehkomforts: Sie legte fest, dass ein akzeptables visuelles Umfeld ein ausgewogenes Verhältnis aus drei Faktoren erfordert:
- Visueller Komfort: Das Wohlbefinden der Beschäftigten (Vermeidung von Müdigkeit und Kopfschmerzen).
- Visuelle Leistung: Die Fähigkeit, Sehaufgaben auch unter Zeitdruck oder bei geringem Kontrast schnell und fehlerfrei auszuführen.
- Sicherheit: Das rechtzeitige Erkennen von Gefahren im Raum.
Ihre Prinzipien zeigt das folgende Bild:

Peter Boyce schrieb diese Norm im Alleingang um und machte daraus eine Ansammlung großer Tabellen mit Werten für Beleuchtungsstärken für Hunderte Arbeitsplatztypen nach der Vorlage der DIN 5035-2. Er übersah dabei, dass die Norm DIN 5035 auch einen Teil 1 hatte, der die Gütekriterien der Beleuchtung seit 1935 gepflegt hatte. Das Ergebnis, ISO/CIE 8995-1:2001, erschien im Jahr 2001 und wurde nirgendwo angewendet. Der zuständige Ergonomie-Ausschuss (ISO/TC 159/SC 5 Ergonomics of the physical environment) distanzierte sich von dem Vorhaben. Daher wurde die Norm nur noch als CIE S 008/E vermarktet. Auch im Jahr 2026 gehört die Norm ISO 8995-1 nicht zu den Normen von ISO/TC 159/SC 5. Seine Beschäftigung mit Licht und Beleuchtung wurde 2001 beendet.
Nach rund 20 Jahren entschied sich die CIE für eine Revision der Norm, die nunmehr als globale Beleuchtungsnorm ISO/CIE 8995-1:2025 Light and Lighting – Lighting of workplaces vorliegt. Wer diese Norm benutzen soll, ist nicht klar. Klar ist hingegen: In Deutschland (DIN), Österreich (ÖNORM), der Schweiz (SN) und den anderen 30+ Ländern des Europäischen Komitees für Normung (CEN) wird die ISO 8995-1 nicht als nationale Norm ausgegeben. In den USA und Kanada werden ISO-Normen im Alltag seltener direkt angewendet. Dort greift die Praxis primär auf die Standards und Empfehlungen der IES (Illuminating Engineering Society) zurück. So haben Vertreter von bestimmten Industriestaaten eine Norm für die Beleuchtung von Arbeitsplätzen in unbeteiligten Ländern produziert, die keine Ahnung von ihrem Glück haben.
Über den Sinn bzw. den Unsinn globaler Beleuchtungsnormen habe ich mich klar positioniert (s. z.B. Globale Normen für Licht – Gnadenlos global. Vor einer Standardisierung der Beleuchtung über Länder- und Kulturgrenzen hinweg hatte ein guter Freund, der ehemalige Präsident der LiTG, Prof. Gall gewarnt. Nicht etwa leise, sondern vor der größten Versammlung von Fachleuten in Europa. Er kannte sich nicht nur auf dem Fachgebiet sehr gut aus, sondern auch in der gesamten Geschichte des Fachs. So hat er mit Zitaten von früheren Kollegen wie Lax, 1928, Arndt, 1938, Köhler 1952, Hentschel, 1975, Kramer 1998, belegt, warum es Sinn macht. am Althergebrachten zu bleiben, was gar nicht alt klingt. Normen und Richtlinien zur Lichttechnik zu internationalisieren macht Sinn, dasselbe mit Regeln zu Beleuchtung zu betreiben, ist eher Wahnsinn. Als feiner Mensch hat Gall dies nicht so brutal ausgedrückt, aber ziemlich deutlich gesagt. Deswegen hänge ich sein Papier aus dem Jahr 2003 an: “Chancen und Risiken internationaler Vereinheitlichung von Beleuchtungsnormen”. Aufruf hier.
Warum Gall und ich die Regelung der Beleuchtung von lokaler Bedeutung halten, lässt sich damit erklären, dass man das Tageslicht und das Kunstlicht gemeinsam betrachten sollte (integrierte Beleuchtungsplanung). Die DIN EN 12464-1 lädt dazu ausdrücklich ein: „Die Beleuchtung kann durch Tageslicht, künstliche Beleuchtung oder eine Kombination aus beidem erfolgen.“ (DIN EN 12464-1:2021, Anwendungsbereich). Wenn das kein Lippenbekenntnis ist, müssten Lichtplaner auf aller Welt in der Lage sein, Tageslichtverhältnisse vom hohen Norden (Nordnorwegen, über 2 Monate Nacht, vornehmlicher Tageslichteinfall fast horizontal) bis zu den Tropen angemessen zu berücksichtigen. Wie die Erfahrung lehrt, ist das allein in Deutschland schwierig. In Flensburg steht die Sonne zur Sonnenwende knapp 1,5 Stunden länger über dem Horizont als in München (ca. 17 Stunden und 20 Minuten im Vergleich zu gut 16 Stunden). Mittags im Sommer steht die Sonne in München rund 6 Grad höher am Himmel als in Flensburg. Das Licht ist dadurch intensiver, direkter und die solare Einstrahlung (Globalstrahlung) ist höher.
Barrierefreiheit – Die große Unbekannte
Die Ergonomie musste sich von der großen Politik ein Thema aufdrücken lassen, deren Ursprünge nicht in der Technik oder der Wissenschaft liegen: Barrierefreiheit bzw. Zugänglichkeit. Da die deutschen Begriffe häufig missverstanden werden, benutze ich lieber den amerikanischen Begriff Accessibility.
Die Idee stammt aus der Bürgerrechtsbewegung und entstand aus dem Bestreben, alle öffentlichen Gebäude zugänglich für alle zu machen. Nach relativ kurzer Zeit wurde die Idee auf alle Lebensbereiche ausgedehnt, die für ein Individuum relevant sind, so auch auf öffentliche Kommunikationssysteme, Software, Telefonzellen u.ä. Der Erfinder des WWW, Tim Berners Lee, wendet die Idee auf das Internet an und strebt an, dass jedes Individuum ungeachtet seiner Herkunft und Klasse in die Lage gebracht werden müsse, zu kommunizieren, d.h. zu lesen und zu veröffentlichen. Tim Berners Lee lässt es nicht beim Denken bewenden. Er gründete 1994 das World Wide Web Consortium (kurz W3C), das die Politik des Internets bis heute fest in der Hand hält.
Die Ergonomie nimmt den Auftrag Accessibility seit mindestens einem Vierteljahrhundert sehr ernst. Weder Arbeitsplätze noch Arbeitsmittel noch Software dürfen genormt werden, ohne dass Aspekte der Accessibility berücksichtigt werden. Dabei geht die Ergonomie viel weiter als die Gesetzgebung, die als Adressaten nur die Behinderten im gesetzlichen Sinne kennt. In der Ergonomie hingegen sollen alle berücksichtigt werden, die permanent oder zeitweilig nicht alle ihre Sinne, Fähigkeiten und Fertigkeiten einsetzen können. So wird z.B. ein Chirurg, der in seinen Händen ein Skalpell hält, ähnlich behandelt wie einer, der keine Hände hat, wenn es um die Bedienung einer Software geht. Im Vordergrund steht das Individuum und nicht der „normale“ Mensch unter „üblichen“ Bedingungen. Hingegen gelten die Festlegungen in lichttechnischen Normen für normalsichtige Menschen und übliche Sehbedingungen, was das auch immer heißen mag.
Wie die Vorstellung der Accessibility Technik ändern kann, kann man am Beispiel der Dimensionierung der Arbeitsplätze sehen. Nachdem die Dimensionierung lange Zeit für den „durchschnittlichen“ Benutzer vorgenommen wurde, führte die Ergonomie vor Jahrzehnten das Prinzip ein, dass 90% der Benutzer berücksichtigt werden müssen. In traditionellen Normen (wie Teilen der DIN EN ISO 7250 oder älteren ergonomischen Leitfäden) wurden Arbeitsplätze meist für die Spanne vom 5. Perzentil der Frauen bis zum 95. Perzentil der Männer ausgelegt. Damit deckte man formal 90 % der Gesamtpopulation ab. So wollte man sichern, dass jeder an jedes Element herankommt und niemand sich stößt, oder stecken bleibt.
Was mit den zu kleinen Frauen und den zu großen Männern geschah, war ihnen überlassen. Wenn der Betrachtungsgegenstand der Arbeitstisch war, hatten die zu kleinen Frauen den Bodenkontakt verloren, die zu großen Männer mussten sich unter den Tisch klemmen, so gut es ging. Am schlimmsten war es, wenn mehrere Maße nicht stimmten. So waren einst die Bürotische oben zu niedrig für große Menschen, ihr Beinraum endete in Kniehöhe. Wenn darauf ein Computer stand, dessen Bildschirm zu niedrig angebracht war und die Tastatur zu hoch, wurde die Arbeit zu einer wahren Herausforderung.
Die Situation ist nicht fiktiv ausgedacht, sondern am gleichen Arbeitsplatz fotografiert worden. Die Frau auf der linken Bildhälfte war ca. 1,65 m hoch, der Mann ihr gegenüber über 1,85 m.
Da die beiden Personen nicht einmal extrem unterschiedlich waren, muss ein Konzept, das (fast) alle denkbaren Menschen abdeckt, radikal ausfallen. Von dieser Vorstellung ausgehend, habe ich die Anforderungen an die Dimensionierung von Arbeitsplätzen und Arbeitsmitteln in einer Norm generalisiert. Das Konzept heißt Fit auf Englisch und liest sich so:
“Der Begriff Anpassung (Fit) bezieht sich darauf, inwieweit Möbel und Ausstattungsgegenstände (z. B. Arbeitsstühle, Arbeitsflächen, Bildschirme, Eingabegeräte) den individuellen Bedürfnissen der Nutzer gerecht werden.
Eine gute Anpassung ist für die vorgesehene Nutzergruppe erforderlich, einschließlich Nutzern, die sich Arbeitsplätze teilen, und Nutzern mit besonderen Bedürfnissen.”
Nutzer mit besonderen Bedürfnissen sind behinderte Menschen. Durch deren Mitberücksichtigung werden Designer verpflichtet, für alle Menschen zu gestalten. Da es allerdings häufig nicht möglich sein wird, das Prinzip uneingeschränkt umzusetzen, wird in einer getrennten Norm dargestellt, wie man erkennen kann, welcher Prozentsatz der Menschen nicht berücksichtigt werden kann. Für diese muss man Ersatzmaßnahmen realisieren.
Das Prinzip wurde zuletzt in der Norm DIN EN ISO 9241-500:2018 Ergonomische Grundsätze zur Gestaltung und Beurteilung der Benutzungsumgebung festgelegt. Es wurde von den nordamerikanischen Möbelherstellern als einziger Grundsatz für ihre Büromöbelnormen übernommen. Die erste Normung des Prinzips war im Jahr 1998 erfolgt.
Die allgemeine Regel für alle ergonomischen Gestaltungen hört auf den Namen Design for All . Design for All (Design für alle) ist ein gestalterisches Konzept, dessen Ziel es ist, Produkte, Dienstleistungen, Gebäude und Umgebungen so zu entwerfen, dass sie von möglichst allen Menschen ohne zusätzliche Anpassung oder Barrieren genutzt werden können.
Es ist eng verwandt mit Begriffen wie Universal Design (universelles Design) oder inklusives Design und ist ein zentraler Baustein der Barrierefreiheit.
Ein ähnliches Konzept fehlt in der Lichttechnik vollständig, obwohl in dieser Disziplin sehr früh festgestellt wurde, dass der Bedarf der Individuen enorm unterschiedlich ist. Das älteste Dokument, das mir vorliegt, stammt aus den 1960er Jahren:

Es zeigt, dass eine relative Mehrheit etwa 1000 lx als richtig bewertet. Aber die Präferenzen reichen von 100 lx bis 10.000 lx. Welchen Wert man davon auch auswählt, wird nach diesem Bild eine mehr oder weniger große Gruppe die gewählte Beleuchtungsstärke für zu dunkel oder zu hell halten.
Mit ähnlichen Daten arbeitet man auch heute z.B. bei der Klimatisierung von Gebäuden. Aber anders als die Klimatechnik, hat die Lichttechnik aus der Praxis der letzten Jahrzehnte nicht gelernt. So hieß es 1979 “Die Zuordnung eines bestimmten Wertes der Nennbeleuchtungsstärke zu einer Sehaufgabe bezieht sich auf normalsichtige Personen.“ (DIN 5035-1:1979 4.1. Nennbeleuchtungsstärke). Dabei hatte im Juli 1953 in der gleichen Norm gestanden: „Mit zunehmendem Lebensalter nimmt die Sehleistung ab, so daß höhere Beleuchtungsstärken notwendig sein können.“ Weitere 10 Jahre später sagt die gleiche Norm dazu: „Bei steigendem Lebensalter nimmt die Sehleistung ab. Für ältere Menschen sind deshalb höhere Beleuchtungsstärken bis zum doppelten Betrag der angeführten Werte erforderlich.“ (DIN 5035, Entwurf Juni 1962, Grundlagen der Beleuchtung mit künstlichem Licht). Die heute gültige Beleuchtungsnorm (DIN EN 12464-1:2020) grenzt ihren Anwendungsbereich fast wortgleich ein: “Dieses Dokument legt Beleuchtungsanforderungen für Menschen an Arbeitsplätzen in Innenräumen fest, die den Anforderungen an den Sehkomfort und die Sehleistung von Personen mit normalen oder auf normal korrigiertem Sehvermögen entsprechen.” Allerdings gelten die Anforderungen nur beschränkt: „Die Werte gelten für übliche Sehbedingungen.“
Die in jeder Ausgabe der Norm DIN 5035-1 enthaltene Bemerkung über ältere Menschen beweist nur eins: Die Beleuchtungsnorm war nur für jüngere Menschen gemacht. Die musste nicht nur jung sein, sondern auch normalsichtig, was das auch immer bedeuten mag. Es war ja nicht nur so, dass die Norm Beleuchtungsstärke für jüngere Arbeitnehmer empfahl, sondern auch die benutzte Größe, die Beleuchtungsstärke, war einst mit jüngeren Probanden bestimmt worden.
Wenn man für deutsche Arbeitnehmer eine Norm für die Beleuchtung des Arbeitsplatzes macht, müssen alle zwischen 14 (Azubi) und 67 Jahren (angehender Rentner) konzeptionell berücksichtigt werden. Eine Differenzierung sollte erst dann erfolgen, wenn spezifische Anforderungen vorliegen. Eine Norm für junge normalsichtige Personen zu schreiben, ist im Zeitalter von Accessibility schlicht unzulässig.
Dass das Vorgehen in der Lichttechnik über Jahrzehnte falsch gewesen ist, beweist die neue Festlegung der „melanopischen“ Beleuchtungsstärke, die altersabhängig ist. Der Grund für die Änderung liegt nicht in der Berücksichtigung von circadianen Effekten, er war schon immer vorhanden.
Genauso falsch war die Festlegung der Anforderungen an die Beleuchtung nach einer fiktiven „Sehaufgabe“ in Arbeitsbereichen, deren Größe von einer kleinen Zelle bis hin zu Fußballfeldern reichen kann. Dass die Individuen, die in solchen Bereichen arbeiten, sehr unterschiedliche Bedürfnisse haben, was das Sehen angeht, war ja hinlänglich lange bekannt, wie ich durch die Texte der Normen aus vielen Jahrzehnten belegt habe.
Ergonomie der Beleuchtung – Ein Fazit
Zusammenfassend kann ich ein sehr negatives Fazit ziehen:
- Fachleute, die sich mit der Gestaltung von Arbeit und Arbeitsstätten befassen, die Belastung der Beschäftigten untersuchen bzw. beurteilen, sind nicht im Geringsten an Beleuchtung interessiert.
- In einem fundamental wichtigen Buch eines der renommiertesten Lichttechniker, das vorgibt, sich mit Human Factors, also Ergonomie, zu befassen, lassen sich keine Spuren ergonomischen Wissens nachweisen.
- Lichttechniker normen Beleuchtung global für alle Arbeitsstätten, obwohl ihre Normen aus dem eigenen Land große Probleme aufwerfen.
- Der Lichttechnik fehlt der Begriff Accessibility vollständig, obwohl dies zu den Menschenrechten zählt: Barrierefreiheit (Accessibility) ist im Rahmen der Vereinten Nationen kein bloßer Fürsorgedienst, sondern ein völkerrechtlich verbrieftes Menschenrecht. Sie bildet das grundlegende Fundament der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK), um Menschen mit Behinderungen eine unabhängige Lebensführung und gleichberechtigte Teilhabe in der Gesellschaft zu garantieren.
Wer dennoch globale lichttechnische Normen veröffentlicht, sollte sich keine Illusionen über die Erfolgschancen machen.
[1] Die angegebenen Zahlen wurden zuletzt mit Voyant Tools ermittelt. Da PDFs häufig Satzfehler enthalten (es fehlen häufig Leerstellen oder nicht vorgesehene Leerstellen tauchen mitten in einem Wort auf, können sich die Zahlen merklich unterscheiden, wenn man andere Tools benutzt.


































