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aber ein wahrer Gedanke bricht nicht.
Anonymus
Beleuchtung für die Gesundheit: Zeit, Ihr Leben zu erhellen?, kurzgefasst
Dieser Beitrag ist eine kurze Zusammenfassung eines wichtigen Vortrags von Jennifer Veitch, der derzeitigen Präsidentin der CIE, zu Licht und Gesundheit. Sie fasste das im Jahr 2008 vorhandene Wissen über Licht und Gesundheit zusammen und ordnete es unter fünf Grundsätze der CIE ein. Diese Grundsätze wurden in dem CIE Report 158:2004 „Ocular Lighting Effects on Human Physiology and Behaviour“ unter ihrer Leitung erarbeitet. Dieser Report untersucht die nicht-visuellen biologischen und verhaltensbezogenen Wirkungen von Licht auf den Menschen, einschließlich der Einflüsse auf die zirkadiane Rhythmik und Hormonspiegel. Die Publikation dient als wissenschaftliche Grundlage für die Planung gesundheitsfördernder Innenraumbeleuchtung und behandelt Anwendungen für Schlafprobleme oder Schichtarbeit. (mehr zu dem Bericht hier).
Beleuchtung für die Gesundheit: Zeit, Ihr Leben zu erhellen?

Kurzgefasst durch die Autorin
Eine gute Beleuchtung bringt die Bedürfnisse des Menschen, wirtschaftliche und ökologische Aspekte sowie architektonische Gestaltung in Einklang. Eine gute Beleuchtung sorgt für die erforderliche Sehleistung, bestimmt aber auch die räumliche Wirkung, sorgt für Sicherheit und trägt zur Gesundheit und zum Wohlbefinden des Menschen bei. Unsere tägliche Exposition gegenüber Licht und Dunkelheit beeinflusst die zirkadianen Rhythmen der Hormonausschüttung, der Körperfunktionen und der Aktivität. Dieses neue Grundlagenwissen führt unter anderem zu Lichttherapien bei Schlafstörungen und saisonalen Stimmungsstörungen sowie zu Methoden zur Linderung von Problemen im Zusammenhang mit Schichtarbeit und Jetlag. Einige Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass eine Erhöhung der täglichen Lichtexposition das Wohlbefinden sogar bei gesunden Menschen verbessern könnte, die tagsüber aktiv sind. Dieser Vortrag fasst diese Forschungsergebnisse zusammen, erläutert ihre Grenzen und zeigt auf, auf welche Aspekte Fachleute in den kommenden Jahren achten sollten, während diese spannende neue Forschung unser Verständnis erweitert.
Gesamtvortrag zum Download
Grundsätze vom CIE Report 158:2004
CIE-Grundsatz 1: Die tägliche Lichtexposition der Menschen in westlichen Ländern könnte zu gering sein.
CIE-Grundsatz 2: Gesundes Licht ist untrennbar mit gesunder Dunkelheit verbunden.
CIE-Grundsatz 3: Licht, das biologische Wirkungen hervorruft, sollte in den Bereichen des Spektrums besonders stark vertreten sein, für die das nichtvisuelle System am empfindlichsten ist.
CIE-Grundsatz 4: Bei der Bestimmung der Lichtdosis ist vor allem das Licht zu berücksichtigen, das das Auge erreicht – sowohl direkt von der Lichtquelle als auch durch Reflexion an umgebenden Oberflächen
CIE-Grundsatz 5: Der Zeitpunkt der Lichtexposition beeinflusst die Wirkung der Dosis.
Anmerkungen 2026
Die Grundsätze werden in einem CIE Report dargelegt, in dessen Titel der Begriff „ocular light“ steht, also das Licht, das ins Auge eintritt. Die Lichttechnik ist dabei geblieben und will die nicht-visuellen Wirkungen auf dieses Licht, und zwar in der Definition der CIE, beschränken. Diesem Zweck dient der ISO/CIE Technical Report ISO/CIE TR 21783: 2022 Light and lighting — Integrative lighting — Non-visual effects. Ein ergonomischer Standard der ISO/TR 9241-610:2022 Ergonomics of human-system interaction - Part 610: Impact of light and lighting on users of interactive systems spricht dagegen. Die Argumentation bedient sich zum einen einem IES-Report zu dem Thema (IES TM-18-08 Light and Human Health: An Overview of the Impact of Optical Radiation on Visual, Circadian, Neuroendocrine, and Neurobehavioral Responses) und dem Nachfolger davon mit dem gleichen Titel, der 10 Jahre später erschien (IES TM-18-18). Zum anderen wird argumentiert, dass die Beschränkung auf das okulare Licht nur dann zulässig wäre, wenn nachgewiesen wird, dass alle Wirkungen über die Haut vernachlässigbar wären.
IES TM-18-08 und IES TM-18-18 gehen beide davon aus, dass das von der CIE definierte Licht nicht ausreiche, um nicht-visuelle Wirkungen hinreichend zu beschreiben. Man müsse die gesamte optische Strahlung berücksichtigen.[1]
CIE-Grundsatz 1 scheint nicht mehr nur für die „westlichen“ Länder zu gelten. In meinen Beiträgen Zurück in die Höhle Dank iPhone & Co? und Zurück in die Höhle Dank iPhone reloaded wird dargelegt, dass die Jugend in ostasiatischen Ländern sogar physiologische Schäden (Myopisierung) zu erleiden scheint.
CIE-Grundsatz 2 hat sogar an Bedeutung gewonnen, was eigentlich nicht sein dürfte, weil die Bedeutung der Dunkelheit schon in der Bibel an den Anfang gestellt wurde, und zwar in dieser Reihenfolge: Erst kommt der Tag, danach die Nacht: „Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht.“ (hier)
CIE-Grundsatz 3 präferiert das bläuliche Licht. Die Beiträge Blau macht schlau und Blau macht schlau erklären, was daraus geworden ist. Im Jahre 2008 war die Wissenschaft der Meinung, dass der neu entdeckte Empfänger im Auge, der im Blauen empfindlich ist, die nicht-visuelle Wirkung auf das circadiane System eigenständig bestimme. Der in 2018 erschienene Standard CIE S 026 CIE System for Metrology of Optical Radiation for ipRGC-Influenced Responses to Light geht davon aus, dass alle Empfänger im Auge berücksichtigt werden müssen. Dieser Grundsatz wurde somit 2018 revidiert.
CIE Grundsatz 4 ist nach wie vor uneingeschränkt gültig.
CIE-Grundsatz 5: Der Zeitpunkt der Lichtexposition beeinflusst die Wirkung der Dosis; das entspricht einer echten Zeitenwende in der Betrachtung von Lichteinwirkungen. Denn für das Sehen bedeutet 1 lx Licht dasselbe rund um den Tag und das ganze Jahr über. Bei den nicht-visuellen Wirkungen hingegen kann die Bedeutung je nach Expositionszeit zwischen positiv und negativ schwanken oder gar unmessbar sein.
Diese Vorstellung ist nach wie vor gültig. Zu ihr kommt noch etwas hinzu, was in der Wissenschaft recht einmalig ist: die Individualisierung der Zeit. Wahrer relevanter Zeitpunkt der Exposition ist nicht die politische Zeit (Uhrzeit, MEZ oder UTC), er ist auch nicht die physikalische Zeit (Sonnenzeit), sondern die individuelle Zeit.
Welche Bedeutung ein solches Umdenken haben kann, erkennt man z.B. an der Chronopharmakologie, die die Wirkung von Medikamenten maximieren will, indem sie zu dem günstigsten Zeitpunkt für das jeweilige Individuum verabreicht werden. Ein entsprechendes Projekt habe ich unter Fundamente der Circadianen Medizin dargestellt.
Fazit
Dieser Beitrag zeigt auf, was sich auf dem Gebiet Licht und Gesundheit zwischen 2008 und heute geändert hat. Angesichts der intensiven Forschungsaktivitäten in diesem Zeitraum zeigen sich die Grundsätze erstaunlich stabil geblieben.
[1] Licht gemäß CIE ist optische Strahlung, die eine Sehempfindung hervorruft. Es umfasst die Wellenlängen von 380 nm bis 780 nm. Die IES war nie mit dieser Definition einverstanden. Nach ihrer Darstellung galt diese Definition nur für die Zwecke der Beleuchtung zum Sehen.

