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das ist einfach nur verkleideter Pfusch.
Anonymus
Déjà vu – Oder ich hatte einst … , kurzgefasst
Der folgende Beitrag verbindet eine persönliche Erinnerung mit einer aktuellen Kritik an der Stadionbeleuchtung. Anfang 1970 interviewte ich den Torhüter Sepp Maier für meine Doktorarbeit zur Beleuchtung des Münchner Olympiastadions. Mehr als fünf Jahrzehnte später erkenne ich dieselben Probleme in den Aussagen des Lichtplaners Daniel Petry wieder: mangelhafte Abnahmekontrollen, Blendung und unzureichende Farbwiedergabe.
Die historischen Untersuchungen zeigten, dass die Interessen von Zuschauern, Spielern und Fernsehen bei der Feldbeleuchtung grundsätzlich vereinbar sind: Hohe Sichtqualität führt nicht zwangsläufig zu mehr Blendung. Moderne LED-Systeme bieten gegenüber früheren HQI-Lampen große Vorteile, etwa hohe Effizienz, präzise Steuerbarkeit, Farbwechsel und flimmerfreien Betrieb für Zeitlupenaufnahmen. Dennoch können ihre kleinen, sehr leuchtdichten Flächen eine stärkere Blendwirkung erzeugen, wenn Planung und Ausschreibung vor allem Beleuchtungsstärken und Kosten berücksichtigen.
Auch die Farbwiedergabe der LED wird unzureichend bewertet. Der verbreitete allgemeine Farbwiedergabeindex Ra basiert überwiegend auf blassen Pastellfarben; gesättigtes Rot und Hauttöne werden nicht erfasst. Zudem fehlt den üblichen weißen LEDs UV-Strahlung, die optische Aufheller aktiviert und auch für Pflanzen bedeutsam ist. In der Allianz Arena mussten deshalb zusätzliche UV-Leuchten installiert werden. Dass Vereinsfarben unter Flutlicht verfälscht erscheinen können, ist somit kein unvermeidbares technisches Defizit, sondern eine Folge ungeeigneter Qualitätskriterien.
Im Zentrum steht die Kritik an einem missverstandenen Begriff der Wirtschaftlichkeit. Normen stellen Wirtschaftlichkeit neben Sehkomfort, Ergonomie, Sicherheit und Lichtqualität, obwohl Planer meist nur Kosten, nicht aber den wirtschaftlichen Nutzen einer Anlage bestimmen können. Werden messbare Mindestwerte zur alleinigen Entscheidungsgrundlage, setzt sich der billigste normgerechte Entwurf gegen die tatsächlich bessere Lösung durch – selbst bei Stadien und Übertragungen für ein Milliardenpublikum. Die Schlussfolgerung lautet daher: Nicht die LED-Technik verursacht zwangsläufig schlechte Beleuchtung. Sie kann hervorragendes, blendarmes und farbtreues Licht liefern. Entscheidend sind anspruchsvolle Ausschreibungen, geeignete Messgrößen und die Bereitschaft der Auftraggeber, Qualität ausdrücklich zu verlangen und angemessen zu bezahlen. Der technische Fortschritt ist vorhanden; überkommene Bewertungsmaßstäbe und kurzfristiges Kostendenken verhindern jedoch, dass sein Potenzial vollständig genutzt wird.
Déjà vu – Oder ich hatte einst …
… einen Torhüter interviewt. Der hieß Sepp Maier. Er sollte mir erzählen, was er von der Beleuchtung des Münchener Stadions hält. Nicht von der Flutlichtanlage der Allianz Arena, sondern von dem Olympiastadion. Daran hatte ich als Student mitgewirkt und brauchte die Bewertung für meine Doktorarbeit. Seine Antwort ist mir im August 2026 in der Augustausgabe von Licht begegnet. Nach mehr als 56 Jahren und aus dem Munde eines Fachmanns für Stadionbeleuchtung. Mein Interview hatte Anfang 1970 stattgefunden.
Licht interviewte Daniel Petry, der seit langem Flutlichtanlagen plant, misst und bewertet. Petry beanstandet erstens, dass die Abnahme der Flutlichtanlage schlecht kontrolliert wird. Und zweitens? Die Blendung … Sein Beispiel aus der Praxis: “Vor kurzem wurde in einem Stadion eine neue Flutlichtanlage installiert. Nach dem ersten Testspiel beschwerte sich der Stammtorhüter der Heimmannschaft über die Blendung.” Exakt das hatte Sepp Müller nach dem ersten Testspiel im Olympiastadion von München getan. Und drittens die Farbwiedergabe. Petry sagt: „Wenn beispielsweise Bayern München sein Vereins-Rot exakt auf das natürliche Sonnenlicht abstimmt, wird das Rot durch die Flutlichtanlage in Nuancen anders wiedergegeben.”
Petry sieht das Problem beim Fernsehen: Er behauptet, das Fernsehen verlangt immer mehr und besseres Licht, um überall aufregende Aufnahmen vom Spielgeschehen erstellen zu können. Da man nur noch LEDs verbauen darf, muss das Problem irgendwie damit zusammenhängen.
Was Sepp Müller vor 56 Jahren nicht wissen konnte, steht in meinem Blog an anderem Ort, wo die Methoden der Bestimmung der Farbwiedergabe von Lampen behandelt wird. So beanstandet Daniel Petry drittens: „Das ist die Farbwiedergabe. Das Prinzip kennt man vom Friseur: Unter dem Salonlicht sieht die Farbe super aus. Geht man dann raus ins Tageslicht, wirkt die Haarfarbe anders. Im Stadion kommen besonders die Rot-Werte zu kurz. Bei Bundesliga-Anlagen sind die Werte oft auf einem messtechnisch schlechten Niveau, obwohl die offiziellen Vorgaben erfüllt sind.” Wieso kommen die Rot-Werte zu kurz, obwohl die offiziellen Vorgaben erfüllt sind? Muss Bayern München auf sein Vereins-Rot unter Flutlicht verzichten?

Interessant die Aussage eines Vereinspräsidenten nach dem Wechsel auf LED: „Das ist nicht mehr mein Verein, das sind nicht mehr unsere Farben.“ Identitätsverlust durch Beleuchtungsmängel?
Petry führt das Problem auf sog. wirtschaftliche Interessen zurück. Und liegt damit nicht falsch. Allerdings sind die wahren wirtschaftlichen Interessen nicht die der Clubs oder des DFB. Denn in eine der teuersten Anlagen (Allianz Arena, München) wurden im Sommer 2017 für umfassende Technik-Modernisierungen (darunter LED-Flutlicht, neue Videowände und Promenade-Upgrades) insgesamt rund 10 Millionen Euro investiert. Das mag viel klingen. Im Geschäftsjahr 2016/2017 (1. Juli 2016 bis 30. Juni 2017) erzielte der Konzern FC Bayern München einen Umsatz von 640,5 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss nach Steuern lag bei 39,2 Millionen Euro. Davon hätte man lässig vier Anlagen kaufen können.
Der FC Bayern München nimmt pro Champions-League-Saison in der Regel zwischen 100 und 180 Millionen Euro ein. Da solche Spiele immer unter Flutlicht ausgetragen werden und das Fernsehen erkleckliche Summen zahlt, wäre es ziemlich dumm, gerade an Flutlicht zu sparen. Wieso tut man es trotzdem? Eine Antwort wird der Vorstand von Bayern München nicht geben können. Wenn er wüsste, warum, würde er wahrscheinlich die Wände hochkrabbeln.
Was einst geschah …
Für das Thema meiner Doktorarbeit wurden die notwendigen Mittel 1970 in Rekordzeit bewilligt. Denn in 1974 stand eine Fußballweltmeisterschaft in Deutschland an. Die Befürchtung hieß: Das Fernsehen verlangt hohe Beleuchtungsstärken, die die Blendung erhöhen. Wenn man dem Wunsch des Fernsehens folgt, werden die Fans aus dem Stadion vertrieben. Daher das Interview mit Sepp Meyer, ob die Befürchtung wahr ist.
Nach einer Arbeit von drei Jahren habe ich nachweisen können, dass bei der Beleuchtung von Fußballstadien die Interessen der Zuschauer und des Fernsehens eigentlich zu gleichen Anforderungen führen, was die Beleuchtung auf dem Feld angeht. Bezüglich der Beleuchtung der Tribünen hatten die Zuschauer wie auch die Spieler das gleiche Interesse: möglichst wenig Licht auf die Tribüne, weil eine hellere Tribüne die Sichtbarkeit des Balls verringert. Für die Zuschauer bedeutet mehr Licht mehr Blendung. Und mehr Blendung heißt schlechtere Sicht auf das Spiel.
Das Thema Farbe, das Petry anspricht, war damals vor über 50 Jahren akut, aber die Anforderungen des Fernsehens hatten zu einer guten Lösung geführt: Die Beleuchtung wurde mit Lampen ausgeführt, die dem Tageslicht (nach Norm) entsprachen, also einer Farbtemperatur von etwa 6500 K. Das konnten nur Entladungslampen sein. Tatsächlich waren es HQI-Lampen, also Quecksilberdampflampen mit Halogenzusatz. Sie versprachen die bestverfügbare Farbwiedergabe.
Was heute anders ist …
Beispielsweise die Sache mit der Blendung …
Heute werden nur noch LEDs verbaut, was an sich kein Problem ist. LEDs sind sehr gut steuerbar, und man kann sie so betreiben, dass sie flimmerfrei arbeiten. Probleme entstehen, wenn die Anforderungen nur auf der Beleuchtungsstärke beruhen und die Farbwiedergabe nach dem Farbwiedergabeindex verlangt wird.
Tatsächlich verlangt das DFL-Stadionhandbuch horizontale und vertikale Beleuchtungsstärken (Neuanlagen benötigen mindestens 1000 Lux vertikal / 1400 Lux horizontal (2. BL) und 1250 Lux vertikal / 1500 Lux horizontal (1. BL). Bestandsanlagen müssen eine Kamerabeleuchtungsstärke von 1200 Lux (2. BL) bzw. 1600 Lux (1. BL) erfüllen. Für internationale Spiele sind oft 1500 Lux vertikal / 2000 Lux horizontal erforderlich. Quelle hier, ebenfalls von Petry)
Das von mir angeführte Olympiastadion in München hatte weit größere Beleuchtungsstärken zu bieten. Warum sollen die neuen Anlagen plötzlich mehr blenden? Das liegt an der LED und ihrer Effizienz. Heutige LEDs haben eine Lichtausbeute zwischen 130 – 200+ lm/W, also etwa doppelt so viel wie bei den HQI-Lampen mit 75 – 100 lm/W. Da die LEDs aber besser gebündelt strahlen können, ist deren Systemwirkungsgrad noch höher. Dafür sind die leuchtenden Flächen viel kleiner.
Man kann also mit halb so viel leuchtender Fläche die gleiche Beleuchtungsstärke erzielen. Im Klartext heißt das aber, dass die Leuchtdichte der LED-Scheinwerfer entsprechend höher liegt. Und damit auch die Blendwirkung. Denn der rechnerische Blendindex steigt mit dem Quadrat der Leuchtdichte.
Hinzu kommt, dass LEDs viel höhere Leuchtdichten erreichen als alle früheren Leuchtmittel. Deren Leuchtdichte kann über betragen. Somit liegt diese bei etwa einem Drittel der Leuchtdichte der Sonne. Die nachfolgende Tabelle zeigt die Relation der Leuchtdichten von verschiedenen Lichtquellen.
| Lichtquelle | Leuchtdichte (cd/mm2) | Leuchtdichte (cd/m2) | Verhältnis zur Sonne |
| OLED / Mini-LED Display | 0,001 – 0,004 | 1.000 – 4.000 | 1 : 400.000 |
| HQI-Lampe / Metalldampf | 10 – 60 | 10 Mio. – 60 Mio. | 1 : 30 |
| High-Power LED (z. B. 500 ) | 500 | 500 Mio. | 1 : 3 |
| LEP / Spezial-Laser-Phosphor | 700 – 1.000 | 700 Mio. – 1 Mrd. | 1 : 1,6 |
| Sonne (im Zenit) | 1.500 – 1.600 | 1,5 – 1,6 Mrd. | 1 : 1 (100 %) |
Bei den Leuchtdichteangaben der LEDs muss man immer bedenken, dass der Strahl mit der höchsten Leuchtdichte, die die Blendung maßgeblich bestimmt, nur schlecht messbar ist. Daher erhält man einen zu kleinen Messwert.
Naturgemäss muss niemand bei einer Beleuchtungsanlage die höchsten Leuchtdichten realisieren. Wenn es aber um Kosten geht, sieht die Sache anders aus. Da schlägt Quantität die Qualität. Genau das meint Petry mit wirtschaftlichen Interessen, die den Ausschlag geben, wenn Qualität in der Ausschreibung keinen hinreichenden Niederschlag findet.
Und die Sache mit der Farbwiedergabe …
Die Tatsache, dass ein Fachmann von einem Problem spricht, das vor einem halben Jahrhundert gelöst worden ist, mag auf den ersten Blick überraschen. Tatsächlich waren die Verantwortlichen für die Beleuchtung der Allianz Arena echt überrascht, als das Fernsehen die Farbwiedergabe beanstandete. Dazu gehörte, dass auch der Rasen auf dem Spielfeld nicht gerade prächtig gedieh. Das lag an zwei Dingen: dem Spektrum der LED und der Vorgabe auf der Basis des Farbwiedergabeindex Ra. Und dieser Index war bereits bei seiner Einführung in 1964 falsch gewesen.
Das Spektrum der LED enthält meistens kein UV, während alle Entladungslampen auf Quecksilberbasis immer etwas UV abstrahlen. UV-Licht, das in den Berechnungen der Lichttechniker keine Rolle spielt, weil es bei denen nicht als Licht gilt, regt zum einen die optischen Aufheller an, die bei allen möglichen Oberflächen zur Anwendung kommen (Bettwäsche, Trikots, Wandanstriche, Make-Up, Papier), und zum anderen ist es für alle Pflanzen lebenswichtig.
Daher musste Bayern München 150 UV-Strahler nachinstallieren lassen. (Wieder mal zum Elend mit der Farbwiedergabe, Zusätzliche UV-Leuchten für das optimale Fernsehbild)
Viel weniger verständlich ist die Sache mit dem Farbwiedergabeindex. Wenn die Farben vieler Oberflächen, mit denen wir leben und arbeiten, von der UV-Strahlung abhängen, müsste das beim Farbwiedergabeindex berücksichtigt werden. Müsste! Er wird aber nicht nur nicht berücksichtigt, sondern auch noch missbräuchlich angewendet;
- Die Farbwiedergabeeigenschaften von Leuchtmitteln werden ohne Berücksichtigung der UV-Strahlung festgelegt und angegeben.
- Die Farbprüfung von Stoffen u.Ä. wird mit Normlichtarten vorgenommen, die einen definierten UV-Anteil Ansonsten könnte man auf die Prüfung verzichten. Das geht seit der Einführung des Farbwiedergabeindex im Jahr 1964 so.
Die Stadionbeleuchter werden also Opfer der Ignoranz ihres Faches bei der spektralen Verteilung des Lichts. Früher fiel das nicht auf, weil die meisten Leuchtmittel so nebenbei UV emittierten. Den LEDs muss man das beibringen. D.h., es gibt LEDs mit einer UV-Strahlung, aber übliche LEDs emittieren keine. Wer absichtlich UV-Strahlung dem sichtbaren Licht beimischt, muss sich Problemen mit dem Arbeitsschutz stellen. Diese sind zwar nicht gravierend. Aber niemand will Flöhe im Pelz haben.
Ebenfalls mit dem Farbwiedergabeindex hängt die Beschwerde von Petry mit den Rottönen zusammen. Die Farbwiedergabe der verwendeten Leuchtmittel wird mit Ra vorgegeben. Das finden auch Daniel Petry und sein Vater, auch ein Lichtexperte, sehr gut. Ich lese auf deren Website: “Farbwiedergabe und Lichtqualität: Die Farbwiedergabe des Lichts ist von zentraler Bedeutung für eine klare und naturgetreue Darstellung der Spielumgebung. Die DFL fordert, dass das Flutlichtsystem eine [sic!] Farbwiedergabeindex (Ra) von mindestens Ra ≥ 80 aufweist. Dies sorgt dafür, dass sowohl die Spieler als auch die Farben des Spiels klar und lebendig wiedergegeben werden.”
Dieser Farbwiedergabeindex von 80 sorgt mitnichten für klare und lebendige Farben. Der allgemeine Farbwiedergabeindex wird mit 8 blassen Pastellfarben berechnet. Gesättigtes Rot (Testfarbe R9) fehlt komplett in der Durchschnittsberechnung wie auch sonstige gesättigte Farben. Die “Farben der Spieler”, also die Farben ihrer Haut, sind in den Testfarben nicht enthalten. Ebensowenig gehören gesättigte Farben zu den Testfarben. Aber gerade sie machen das Bild lebendig. Egal wie gut die Farben von Altrosa bis Fliederviolett wiedergegeben werden, weder naturgetreu noch lebendig wird ein Fußballspiel wiedergegeben.

Standard-LEDs sparen aus Effizienzgründen im langwelligen Rotbereich (über 600 nm). Dadurch wirken Hauttöne blass oder fahl, Holzmaserungen verlieren ihre Tiefe und Textilien wirken farblos. Im Wellenlängenbereich um 480 nm entsteht zwischen dem blauen Peak und der Phosphorkurve ein Einbruch (Cyan-Lücke). Das beeinträchtigt die Differenzierung von Türkis-, Blau- und Grüntönen. Weiße LEDs nutzen meist einen blauen Halbleiterchip (ca. 450 nm) mit gelblicher Phosphorbeschichtung. Dieser scharfe Peak kann bei minderwertigen LEDs zu kaltem oder blaustichigem Licht führen.
Wer sagt aber, dass man für die teuersten Sportanlagen der Welt, in denen Mannschaften auftreten, die bis 720 Millionen Euro wert sind (Startaufstellung von Manchester City), Standard-LEDs einsetzen muss, weil sie effizient sein sollen? Wenn Manchester City gegen Paris Saint-Germain auftritt, stehen über 1,3 Milliarden auf dem Feld. Wenn der Gegner Real Madrid heißt, darf noch eine Milliarde darauf gepackt werden. Die Flutlichtanlage, die diese Mannschaften in vollster Schönheit durch die Kameras einfangen hilft, kostet eine niedrige zweistellige Millionensumme. Das größte Publikum, das ein solches Spiel am Fernseher verfolgt hat, war etwa 1,5 Milliarden Menschen stark (Argentinien vs. Frankreich, 2022). Da soll man an Lampen gespart haben?
Die nüchterne Realität ist, dass eine Flutlichtanlage auf der Basis einer Ausschreibung erstellt wird, bei der die erforderliche Qualität gefordert wird. Ist diese schlecht definiert, gibt der Auftraggeber kaum größere Summen extra aus, weil jemand behauptet, das Licht sei falsch definiert. Zwar sind alle in diesem Beitrag – und die von Petry in dem Licht-Interview - beschriebenen Probleme durch die LED verursacht. Aber es gibt LEDs, bei denen keines der Probleme auftreten muss.
Lichtqualität und Wirtschaftlichkeit
Die Verquickung von “Wirtschaftlichkeit” mit der Lichtqualität hat in der Lichttechnik lange Tradition. So wurden die Ziele der Beleuchtung in der ersten Beleuchtungsnorm DIN 5035 folgendermaßen formuliert: “Die künstliche Beleuchtung von Innenräumen muß den Forderungen der Gesundheit und Schönheit entsprechen, dabei zweckmäßig und wirtschaftlich sein.”

Die drei aufgezählten Faktoren, Gesundheit, Schönheit und Zweckmäßigkeit, definieren die Ziele der Lichtgestaltung. Aber Wirtschaftlichkeit? Es steht weder der Norm noch dem Lichtplaner zu, die Wirtschaftlichkeit einer Lichtanlage für den Betreiber zu beurteilen oder zu berücksichtigen.
Aber auch in der allerletzten geschriebenen Beleuchtungsnorm ISO 8995-1:2025 steht 90 Jahre später die Wirtschaftlichkeit (hier economy genannt) gleichwertig neben den Faktoren, die die Lichtqualität bestimmen. So erklärt man, wie die Vorgaben für die Beleuchtung (Beleuchtungsstärke u. Ä.) ermittelt wurden:
„Die Werte gelten für übliche Sehbedingungen und berücksichtigen die folgenden Faktoren:
— psychophysiologische Aspekte wie Sehkomfort und Wohlbefinden;
— Anforderungen an Sehaufgaben;
— visuelle Ergonomie;
— praktische Erfahrung;
— Beitrag zur Betriebssicherheit;
— Wirtschaftlichkeit.
Was hat die visuelle Ergonomie mit der Wirtschaftlichkeit einer Beleuchtung zu tun? Sie hat zwar möglicherweise sehr viel damit zu tun, aber kein Lichtplaner weiß, wie das zu werten ist. Wie rechnet man Wohlbefinden gegen Wirtschaftlichkeit auf?
Erstens kann niemand die Wirtschaftlichkeit einer Beleuchtung berechnen, sondern bestenfalls die Kosten. Zweitens sollte ein Lichtplaner dem Auftraggeber überlassen, welche Kosten dieser für welche Qualität akzeptieren will. Und drittens kann niemand Aspekte der Betriebssicherheit gegen eine irgendwie geartete Wirtschaftlichkeit aufrechnen, wenn das vom ihm zu erstellende Produkt sehr langlebig ist. Soll etwa der Besteller einer Beleuchtung eine geringere Betriebssicherheit in Kauf nehmen, um Kosten zu sparen?
Was man erntet, wenn man es trotzdem versucht, zeigen die obigen Zahlen: Unternehmen mit einem Milliardenwert (Fußballverein) werden dazu gebracht, (vermutlich unwissentlich) an ihrer Wirkungsstätte, die ihnen jährlich einen dreistelligen Millionenumsatz bringt (Stadion), bei einer einmaligen langfristigen Investition (Flutlicht) in der Höhe einer niedrigen zweistelligen Millionensumme etwas zu sparen, was die Qualität ihres Produktes (Spiele im Fernsehen) mindert.
Schwer zu glauben, dass irgendjemand so etwas überhaupt gewollt haben kann.
Nachwort
Aus diesem Beitrag soll niemand herauslesen, dass es früher (ohne LED) besser gewesen sein soll. Die eine besagte Flutlichtanlage von Bayern München im Olympiastadion hatte zwar bis zu 4000 lx auf den Rasen gebracht. Während der Olympischen Spiele 1972 hatten aber manche Sportfotografen schwarze Bilder geschossen (hier Flimmern bei Olympia 1972). Dank der zeitlichen Ungleichmäßigkeit des Lichts. LEDs kann man so steuern, dass sogar Superzeitlupen ruckelfrei möglich sind.
Für die Schlussfeier der Olympischen Spiele hat man das Licht der Flutlichtanlage einmal um das Stadion herumleuchten lassen. Dazu müssten sehr teure Steuergeräte entwickelt werden. Die Show kostete dennoch viele Lampen das Leben. Überhaupt gingen damals bei jedem Einschalten ein paar Lampen zu Bruch. Eine LED-Beleuchtung hingegen kann man beliebig schnell und in Farben und Helligkeiten nach Wunsch steuern. Hingegen ließ eine HQI-Lampe nicht einmal eine starke Änderung der Brennlage zu, ohne an Lichtqualität einzubüßen – oder gar das Leben aufzugeben. Bei der Einhaltung des wichtigsten Qualitätsmerkmals, der Farbtemperatur, war die Lampe ohnehin ein lausiges technisches Objekt. Es war sehr schwierig, zwei Lampen aus einer Fertigung mit exakt gleicher Farbtemperatur zu bekommen.
Die Technik hat also riesige Fortschritte gemacht. Nur die Vorstellung von vermeintlicher Wirtschaftlichkeit, also von Kosten, ist gleich geblieben. Dort, wo klar messbare Qualitätsmerkmale wie Beleuchtungsstärke neben qualitativen Größen wie Farbwiedergabe nebeneinander existieren, schlägt das Kostendenken gnadenlos zu.
Die LED-Technik kann Tomaten in schönstem Rot präsentieren. Wenn Tomaten eher wie Kartoffeln aussehen oder die Farbe von verrottenden Möhren tragen, liegt die Schuld nicht an der Technik, sondern an der Wirtschaftlichkeit. Muss ein Fachmann im Jahr 2026 beklagen, dass die Vereinsfarbe von Bayern München nicht richtig gezeigt werden kann oder gar der Präsident eines anderen Vereins meint, das wäre nicht mehr sein Verein?


