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Eine zweite Revolution in Sachen Licht und Gesundheit, kurzgefasst
Der Beitrag fasst zentrale Thesen von Lisa Heschong (14. April 2026) zu einer „zweiten Revolution“ im Verständnis von Licht und Gesundheit zusammen. Während die erste Forschungswelle vor allem die circadiane Wirkung (Zeitpunkt, Intensität, blaues Licht) betonte, rücken nun weitere nicht visuelle Mechanismen in den Fokus. Große epidemiologische Datensätze deuten darauf hin, dass höhere Lichtexpositionen am Tag langfristig mit besseren Gesundheitsoutcomes assoziiert ist (u. a. weniger psychiatrische Diagnosen sowie geringere Herz Kreislauf , Krebs und Mortalitätsraten). Zugleich wird die Erklärung über Vitamin D als alleinige Ursache relativiert, weil Supplementierungsstudien die erwarteten Effekte nur begrenzt replizieren. Der Beitrag diskutiert zudem spektrale Anteile jenseits des Sichtbaren: Nahinfrarot (NIR), das in der Photobiomodulation genutzt wird und auch bei Umgebungsdosen physiologische Effekte zeigen könnte, sowie ultraviolette Strahlung (UV), die durch moderne LED Beleuchtung und Low E Verglasung in Innenräumen stark reduziert wird. Diese technischen Veränderungen können unbeabsichtigte Folgen haben, etwa im Kontext der Myopie Epidemie. Insgesamt bleibt die Evidenz zur wirksamen und sicheren Dosierung lückenhaft; als pragmatische Konsequenz wird empfohlen, tagsüber mehr Zeit bei ungefiltertem Tageslicht im Freien zu verbringen und Tageslicht in Innenräumen stärker als Gesundheitsressource zu berücksichtigen.
Eine zweite Revolution in Sachen Licht und Gesundheit von Lisa Heschong
Die bekannte US-Architektin Lisa Heschong schreibt in einem Beitrag vom 14. April, 2026 über eine neue Phase der Erkenntnisgewinnung zu nicht-visuellen Wirkungen von Licht. Hierbei geht es nicht primär um circadiane Wirkungen. Der Gesamtbeitrag ist hier abrufbar. Die zitierten Teile wurden mit deepl übersetzt.
Unser Verständnis von Beleuchtung und Wohlbefinden neu definieren
Der Beitrag beschreibt eine sich abzeichnende „zweite Revolution“ im Verständnis von Licht und Gesundheit. Während die erste Welle der Forschung vor allem die circadiane Wirkung von Licht (Zeitpunkt, Intensität und insbesondere blaues Licht) und deren Einfluss auf Schlaf, Wachheit und hormonelle Signale in den Mittelpunkt stellte, rücken nun zusätzliche, nicht‑visuelle Wirkmechanismen in den Fokus. Auf Bevölkerungsebene liefern große epidemiologische Datensätze Hinweise, dass eine höhere Lichtexposition am Tag langfristig mit günstigen Gesundheitswirkungen assoziiert ist – darunter weniger psychiatrische Diagnosen, geringere Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie niedrigere Krebs- und Sterblichkeitsraten. Gleichzeitig wird die bislang dominante Erklärung über Vitamin‑D als alleinige Ursache zunehmend hinterfragt, da Supplementierungsstudien die erwarteten Effekte nicht in gleichem Maß reproduzieren konnten.
Eine Pilotstudie zu Tageslicht in Innenräumen deutet zudem darauf hin, dass bereits wenige Tage Arbeit in einem tageslichtdurchfluteten Büro messbare, wenn auch subtile Verbesserungen metabolischer Parameter bei älteren Erwachsenen mit Diabetes bewirken können. Darüber hinaus diskutiert der Text mögliche Beiträge von Spektralanteilen jenseits des Sichtbaren: Nahinfrarot (NIR), das in der Photobiomodulation intensiv genutzt wird und auch bei Umgebungsdosen physiologische Effekte zeigen könnte, sowie ultraviolette Anteile, deren Reduktion in modernen Gebäuden durch LED‑Beleuchtung und Low‑E‑Verglasung unbeabsichtigte Folgen haben kann (u. a. im Kontext der Kurzsichtigkeitsepidemie). Insgesamt wird deutlich: Viele „Puzzleteile“ – insbesondere zur wirksamen und sicheren Dosierung – fehlen noch. Bis präzisere Empfehlungen vorliegen, lautet die praxisnahe Schlussfolgerung, den Aufenthalt bei ungefiltertem Tageslicht am Tag zu erhöhen und Tageslicht in Innenräumen stärker als gesundheitliche Ressource zu berücksichtigen.
Warum ungefiltertes Tageslicht?
Wirkungen von Nahinfrarot auf die Physiologie und auf das Auge
Ein Blick in die Abbildungen des Artikels zeigt deutlich, in welchem Maße das Licht im Innern der Gebäude durch die Verglasung verändert wird, wenn man statt Klarglas wie einst beschichtete Gläser i.S. einer Energieeffizienz einsetzt.
Im ersten Bild geht es um den sichtbaren Bereich und um Nahinfrarot. Wie die Kurven zeigen, sind die Gläser alles andere als transparent, sie sehen nur so aus.

Das Klarglas, das bei einscheibiger Anwendung noch über einen Transmissionsgrad von über 0,9 verfügt, liegt im visuellen Bereich bei ca. 0,82. Die modernste Form der Silberbeschichtung lässt nur noch 53% Licht durch. Richtig dramatisch wird es bei Nahinfrarot. Bei einer dreifachen Silberbeschichtung kommt praktisch nichts mehr durch.
Dasselbe passiert, wenn man eine Glühlampe durch eine LED ersetzt. Sie emittiert kaum IR. Dadurch kommt ja ihre große Energieeffizienz zustande.
Ob man den Umstand Effizienz nennen darf, stellt Heschong indes in Frage. Denn eine von ihr interpretierte Studie hat gezeigt, dass nach einer Stunde NIR-Exposition die Forscher jedoch signifikante Verbesserungen sowohl der kardiovaskulären als auch der emotionalen Funktion feststellten, die mindestens eine weitere Stunde anhielten. (s. dazu Beitrag: Ist LED-Beleuchtung effizienter als die Glühlampenbeleuchtung? Eine physiologische Betrachtung. Die Nahinfrarot-Bestrahlung bewirkt zudem, wie in dem zitierten Beitrag ausgeführt, dass auch die visuelle Leistung durch Nahinfrarot verbessert wird. Heschong verweist auf eine weitere Studie mit dem Ergebnis: Längere Wellenlängen im Sonnenlicht durchdringen den menschlichen Körper und haben eine systemische Wirkung, die das Sehvermögen verbessert.[1]
Man muss daher den Anspruch einer Energieeinsparung durch Isoliergläser oder LEDs relativieren. Zusammen genommen deuten diese und andere Studien darauf hin, dass die NIR-Exposition ein wichtiger Bestandteil eines gesunden Raumklimas sein könnte. In den letzten Jahrzehnten hat sich die NIR-Exposition in Innenräumen jedoch durch zwei wesentliche technologische Veränderungen stark verringert:
- eine Reduzierung der Verwendung von Glühlampen, einschließlich Kerzen und offenen Feuern, die auf natürliche Weise NIR-Strahlung abgeben; zunächst zugunsten von Leuchtstofflampen und in jüngerer Zeit zugunsten von LED-Lichtquellen
- die zunehmende Verwendung von Low-E-Beschichtungen (Low-Emissivity) an Fenstern, die das Spektrum des durch sie hindurchtretenden Tageslichts einschränken.
Der Wandel bei den elektrischen Lichtquellen hat im Internet eine Kontroverse darüber ausgelöst, ob LEDs neu konzipiert werden sollten, um eine stärkere NIR-Strahlung zu erzeugen. Ebenso entsteht eine Kontroverse darüber, ob energieeffiziente Fenster überdacht werden sollten, um einen größeren Teil des Sonnenspektrums durchzulassen.
Wirkungen von Utraviollett
Erst seit kurzem werden die möglichen gesundheitlichen Folgen einer Verringerung der Exposition gegenüber Sonnenwellenlängen jenseits des sichtbaren Spektrums in Innenräumen thematisiert. Nicht nur das nahe Infrarot (NIR) gibt Anlass zur Sorge, sondern auch sehr kurze Wellenlängen bis hin in den ultravioletten Bereich.
Seit den 1980er Jahren und verstärkt seit den 2000er Jahren wurden Wohn- und Arbeitsräume mit neuen, energieeffizienteren Fenstern mit Low-E-Beschichtungen ausgestattet. Diese transparenten Beschichtungen, die größtenteils aus Silberoxiden bestehen, optimieren die Lichtdurchlässigkeit im Bereich um 550 Nanometer (nm) innerhalb des für den Menschen sichtbaren Spektrums, während sie andere Sonnenwellenlängen, insbesondere im NIR- und im ultravioletten Bereich, als unnötige „Energieverschwendung“ reflektieren.
In welchem Maße diese Fenster die Sonnenstrahlung filtern, zeigt das untere Bild

Hier sieht man ganz deutlich, dass auch die UVA-Strahlung kräftig beschnitten wird. Dies betrifft auch die Lichtstrahlung, die circadian wirksam ist. Das Endergebnis der heutigen energieeffizienten Fenster ist jedoch, dass 50 bis 95 % sowohl der einfallenden NIR- als auch der UV-Sonnenstrahlung aus dem Inneren von Gebäuden ferngehalten werden.
Heschong zitiert zu diesem Punkt eine Studie aus Edinburgh, UK, die zeigt, dass die höhere UV-Intensität die Mortalität in Ländern mit moderaten Sonnenscheindauern reduziert.[2]
Folgen der verminderten Lichtexposition
Heschong befürchtet, dass die insgesamt verminderte Lichtexposition (weniger Licht im Innenraum, kürzerer Aufenthalt im Freien) die Entwicklung des Menschen in den frühen Jahren negativ beeinflusst: Eine der besorgniserregendsten Folgen der verminderten Lichtexposition in Innenräumen könnte eine Beeinträchtigung der Sehentwicklung im Kindesalter sein. Eine normale Entwicklung im Mutterleib führt zu funktionsfähigen Augen bei der Geburt, die sich in den ersten Lebensjahren zu einer perfekten Sehschärfe von 20/20 entwickeln. Doch bei der Augenentwicklung von Kindern scheint etwas grundlegend schiefzulaufen, sodass immer mehr Kinder kurzsichtig werden. Anstatt eine perfekte Form für klares Sehen zu erreichen, wächst ein kurzsichtiges Auge weiter und verlängert sich, wodurch es immer schwieriger wird, in die Ferne zu fokussieren. In den USA werden mittlerweile 35 bis 40 % der Kinder für den Rest ihres Lebens kurzsichtig, verglichen mit 2 bis 5 % vor einigen Generationen. In Asien ist das Problem noch gravierender und betrifft in einigen der größeren Städte bis zu 90 % der Jugendlichen. Angesichts des raschen Generationswechsels handelt es sich hier eindeutig um eine Krankheit mit umweltbedingten Ursachen.
Dieses Thema wurde in Licht-formt-leben.de in einem getrennten Beitrag ausführlich diskutiert: Zurück in die Höhle Dank iPhone & Co? Der damals behandelte Artikel liest sich das Ergebnis wie eine Horrormeldung: In urbanen Teilen von Süd- und Ostasien sind Heranwachsende derzeit zu 80% bis 90% kurzsichtig.
Dazu Heschong: Kurzsichtigkeit ist typischerweise eine Kinderkrankheit, deren Fortschreiten in der späten Jugend oder im frühen Erwachsenenalter zum Stillstand kommt. Viele Menschen kommen schnell zu dem Schluss, dass der derzeitige weltweite „Kurzsichtigkeitsboom“ mit der zunehmenden Bildschirmzeit bei Kindern zusammenhängen muss. Eines der ersten Anzeichen für die Kurzsichtigkeitsepidemie zeigte sich jedoch bei den Inuit-Stämmen in Kanada, die in den 1940er und 1950er Jahren von der Regierung aggressiv in westlich geprägte Häuser und Schulen umgesiedelt wurden. So wechselten diese indigenen Völker von einem Leben, das selbst während der langen Dämmerungszeiten des arktischen Winters überwiegend im Freien stattfand, zu einem Leben in Innenräumen unter Glüh- und Leuchtstofflampen. In den 1970er Jahren stellten Optiker fest, dass Inuit-Kinder im Vergleich zu den vernachlässigbaren Raten ihrer Großeltern in alarmierendem Ausmaß Kurzsichtigkeit entwickelten, was zeigt, dass die Kurzsichtigkeitsepidemie schon lange vor der Verbreitung von Computern und Mobiltelefonen im modernen Leben festgestellt wurde.[3]
Seitdem liefern epidemiologische Studien eindeutige Belege dafür, dass es Kindern in ländlichen Gebieten besser geht als denen, die in Städten aufwachsen. Ein geringeres Risiko für Kurzsichtigkeit wurde zudem eindeutig mit Kindern in Verbindung gebracht, die mehr Zeit im Freien verbringen, sei es bei sportlichen Aktivitäten oder beim ruhigen Lesen. Dies lässt vermuten, dass die visuelle Umgebung im Freien etwas an sich hat, das die normale Augenentwicklung fördert. Eine Hypothese, die Beachtung gefunden hat, besagt, dass das Spektrum des Tageslichts diese schützende Wirkung hat, insbesondere durch Wellenlängen außerhalb des sichtbaren Spektrums.[4]
Der Rat von Lisa Heschong: Heute beginnen Wissenschaftler, die zugrunde liegenden molekularen Mechanismen genauer zu untersuchen und ihre evolutionäre Entwicklung über verschiedene Arten hinweg nachzuzeichnen. Zudem wurden Projekte ins Leben gerufen, um detaillierte Daten zur Lichtexposition von verschiedenen Bevölkerungsgruppen auf allen Kontinenten zu sammeln, um besser zu verstehen, wie die Lichtexposition im Alltag tatsächlich aussieht. Vielleicht werden wir bald in der Lage sein, genauere Empfehlungen für die tägliche Lichtexposition zu geben, um die Gesundheit der Menschen zu fördern. Bis es so weit ist, lautet der derzeit beste Ratschlag wohl, einfach mehr Zeit im Freien bei ungefiltertem Tageslicht zu verbringen.[5]
Literaturverweise der Autorin
1 Angus C. Burns et al. “Day and Night Light Exposure Are Associated with Psychiatric Disorders: An Objective Light Study in >85,000 People.” Nature Mental Health, vol. 1, 2023.
2 Daniuel P. Windred et al. “Brighter Nights and Darker Days Predict Higher Mortality Risk: A Prospective Analysis of Personal Light Exposure in 88,000 Individuals.” Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, vol. 121, no. 43, Oct. 2024.
3 Andrew C. Stevenson et al. “Higher Ultraviolet Light Exposure Is Associated with Lower Mortality: An Analysis of Data from the UK Biobank Cohort Study.” Health & Place, vol. 89, Sept. 2024.
4 Richard B. Weller. “Sunlight: Time for a Rethink?” Journal of Investigative Dermatology, vol. 144, no. 8, Aug. 2024.
5 Jan-Frieder Harmsen et al. “Natural Daylight during Office Hours Improves Glucose Control and Whole-Body Substrate Metabolism.” Cell Metabolism, vol. 38, no. 1, Jan. 2026.
6 Ioannis G. Lempesis and Frank A. J. L. Scheer. “Illuminating the Influence of Natural Daylight on Human Metabolism.” Cell Metabolism, vol. 38, no. 1, Jan. 2026.
7 Pooja Shivappa et al. “From Light to Healing: Photobiomodulation Therapy in Medical Disciplines.” Journal of Translational Medicine, vol. 23, 2025.
8 Charlotte M. Roddick et al. “Effects of NearInfrared Radiation in Ambient Lighting on Cognitive Performance, Emotion, and Heart Rate Variability.” Journal of Environmental Psychology, vol. 100, Nov. 2024.
9 Glen Jeffery et al. “Longer Wavelengths in Sunlight Pass through the Human Body and Have a Systemic Impact Which Improves Vision.” Scientific Reports, vol.15, no. 1, July 2025.
10 Aamer Saleem et al. “Near Infrared Transmission through Various Clothing Fabrics.” Journal of Textile Science & Engineering, vol. 3, no. 2, 2013.
11 Kevin W. Houser, Lisa Heschong, and Richard A. Lang. “Buildings, Lighting, and the Myopia Epidemic.” LEUKOS, vol.19, no. 1, Jan. 2023.
12 Jos J. Rozema et al. “Reappraisal of the Historical Myopia Epidemic in Native Arctic Communities.” Ophthalmic and Physiological Optics, vol. 41, no. 6, Sept. 2021.
13 Lisa Heschong, Richard A. Lang, and Shruti Vemaraju. “New Dimensions of Daylight and Health: How Opsin Biology May Inform Lighting Standards in the Near Future.” Lighting Research & Technology, vol. 57, no. 6–7, 2025.
14 Johannes Zauner, Steffen Hartmeyer, and Manuel Spitschan. “LightLogR: Reproducible analysis of personal light exposure data.” The Journal of Open Source Software, vol. 10, no. 107, Mar. 2025
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[1] Glen Jeffery et al. “Longer Wavelengths in Sunlight Pass through the Human Body and Have a Systemic Impact Which Improves Vision.” Scientific Reports, vol.15, no. 1, July 2025.
[2] Andrew C. Stevenson et al. “Higher Ultraviolet Light Exposure Is Associated with Lower Mortality: An Analysis of Data from the UK Biobank Cohort Study.” Health & Place, vol. 89, Sept. 2024.
[3] Jos J. Rozema et al. “Reappraisal of the Historical Myopia Epidemic in Native Arctic Communities.” Ophthalmic and Physiological Optics, vol. 41, no. 6, Sept. 2021.
[4] Lisa Heschong, Richard A. Lang, and Shruti Vemaraju. “New Dimensions of Daylight and Health: How Opsin Biology May Inform Lighting Standards in the Near Future.” Lighting Research & Technology, vol. 57, no. 6–7, 2025.
[5] 14 Johannes Zauner, Steffen Hartmeyer, and Manuel Spitschan. “LightLogR: Reproducible analysis of personal light exposure data.” The Journal of Open Source Software, vol. 10, no. 107, Mar. 2025
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