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zum evidenzbasierten Klinikerbe:
Die Evolution des heilenden Lichts.
Anonymus
Salutogenes Licht - Licht und heilende Architektur, kurzgefasst
Licht ist in der heilenden Architektur weit mehr als ein Mittel zur Sichtbarkeit: Es beeinflusst biologische Rhythmen, Wohlbefinden, Orientierung und möglicherweise den Genesungsverlauf. Die Idee hat eine lange Geschichte. Bereits antike Solarien und sonnenorientierte Stadtanlagen nutzten Licht und Wärme zur Gesundheitsförderung. Im 19. Jahrhundert prägten Licht, Luft und Abstand den Pavillonbau von Krankenhäusern. Die Moderne führte diesen Ansatz fort: Sanatorien wie Paimio von Alvar Aalto und Zonnestraal von Jan Duiker wurden konsequent auf Tageslicht, Aussicht, Hygiene und den Kontakt zur Natur ausgerichtet.
Seit Roger S. Ulrichs Studie von 1984 wird die Wirkung räumlicher Bedingungen zunehmend wissenschaftlich untersucht. Seine Beobachtung, dass Patienten mit Blick ins Grüne günstiger genesen können, gab dem Evidence-Based Design entscheidende Impulse. Forschungsübersichten verbinden Tageslicht, Aussicht, Akustik, Luftqualität, Orientierung und Raumaufteilung mit Ergebnissen wie Stressreduktion, geringerer Fehler- und Sturzgefahr, Infektionskontrolle sowie besseren Arbeitsbedingungen für das Personal.
Heilende Architektur ersetzt keine medizinische Behandlung. Sie ergänzt diese, indem sie Umgebungen schafft, die Gesundheit stabilisieren und Belastungen mindern. Besondere Bedeutung hat der circadiane Rhythmus: Tageslicht und angemessen geplantes Kunstlicht können Schlaf-Wach-Zyklen unterstützen; Dunkelheit gehört ebenso zum Konzept.
Klinische Lichttherapie, etwa bei saisonal abhängiger Depression, ist jedoch nicht mit allgemeiner Architekturbeleuchtung gleichzusetzen. Die Studienlage zu circadianer Beleuchtung in Kliniken und Pflegeeinrichtungen bleibt uneinheitlich. Gründe können begrenzte Messbarkeit, praktische Umsetzungsprobleme oder unterschiedliche Studiendesigns sein. Deshalb müssen Finanzierung, Methodik und mögliche Interessenkonflikte bei den Projekten transparent geprüft werden. Insgesamt zeigt sich: Gute heilende Architektur verbindet Tageslicht, Naturbezug, Akustik, Luftqualität, Farbe und klare Raumstrukturen zu einem Gesamtkonzept. Ihr Ziel ist es, Genesung, Wohlbefinden und Arbeitsbedingungen zu fördern – im Krankenhaus ebenso wie in Pflegeeinrichtungen, Wohnungen und anderen Räumen, in denen Menschen viel Zeit verbringen.
Salutogenes Licht - Licht und heilende Architektur

Bedeutung
Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf die Architektur. Das will aber nicht bedeuten, dass man die dargestellten Erkenntnisse nur im Krankenhausbau oder in Krankenhäusern anwenden kann. Sie lassen sich, auch wenn nur teilweise, auf private Zimmer und Wohnungen anwenden, in denen man viel Zeit verbringen muss, wovon die Krankheit nur einen Teil ausmacht.
Zum Thema: Vorgeschichte der heilenden Architektur
Der Begriff „Heilende Architektur“ bezeichnet den letzten Baustein der Nutzbarmachung des natürlichen Lichts als Heilmittel. Frühe Zeugnisse hierfür in der Antike waren die Solarien, die im Sinne der Salutogenese funktionierten. Die antike Heilkunde (etwa nach Aulus Cornelius Celsus oder Plinius dem Älteren) schätzte das Sonnenbaden (apeliotes oder heliosis) durchaus als gesundheitsfördernd – insbesondere zur Linderung von Gelenkschmerzen, Hautleiden oder zur Stärkung der Abwehrkräfte. Das solarium war dafür der geeignete Ort.
Die griechische Stadtplanung (z.B. Olynth/Priene) nutzte das Sonnenlicht in diesem Sinne. Bereits Xenophon beschrieb die systematische Ausrichtung von Wohngebäuden nach dem Sonnenlauf, um im Winter das tiefstehende Licht für Wärme und Helligkeit zu nutzen und so gesunde, schimmelfreie Wohnbedingungen zu schaffen. In Priene z.B. waren ganze Straßenzüge und Hangterrassen so gestaffelt, dass kein Haus dem dahinterstehenden das Winter-Sonnenlicht wegnahm (Vermeidung von Fremdschatten).
Die Redewendung „Wo die Sonne hinkommt, kommt der Arzt nicht hin“ (oder in der Formulierung: „Wo die Sonne nicht hinkommt, da kommt der Arzt“) ist eine jahrhundertealte Volksweisheit, deren Wurzeln bis in die griechisch-römische Antike zurückreichen. Das Bewusstsein um die gesundheitsfördernde Wirkung des Sonnenlichts ist also mindestens 2.500 Jahre alt.
Um die Wende zum 20. Jahrhundert floss die salutogenetische Grundidee direkt in die Architektur der Moderne (Neues Bauen, Funktionalismus) ein. Licht wurde zum zentralen Element der Prävention und Gesundheitsförderung erhoben: So gestaltete Aalto das Gebäude des Sanatoriums Paimio 1933 als medizinisches Instrument. Die Krankenzimmer, Liegeterrassen und Aufenthaltsräume waren exakt nach dem Sonnenstand orientiert, um maximale Tageslichtausbeute zu gewährleisten. Großzügige Fensterbänder und spezielle Farbkonzepte im Innenraum sollten zudem die Psyche der Langzeitpatienten aufhellen. Jan Duiker hat das Sanatorium Zonnestraal 1931 dem Namen entsprechend („Sonnenstrahl“ gestaltet, um Innen- und Außenraum optisch zu verschmelzen und das Tageslicht tief in den Baukörper zu lenken, was die biologische Aktivität und Hygiene im Raumklima förderte.
Architekten wie Bruno Taut oder Ernst May brachten diese Prinzipien in den sozialen Wohnungsbau („Licht, Luft und Sonne“). Die Abschaffung dunkler Hinterhöfe und die Einführung durchsteckender Wohnungen zielten darauf ab, die biologische Widerstandskraft der städtischen Bevölkerung dauerhaft zu stärken. (s. das Kapitel Meanwhile in Old Germany …)
Im Krankenhausbau wandelte sich die Architektur mit dem Aufkommen der wissenschaftlichen Medizin und der Hygiene-Erkenntnisse radikal. Etwa ab 1850 setzte sich der Pavillonstil durch. Florence Nightingale und zeitgenössische Ärzte erkannten die Bedeutung von Licht, Luft und Abstand. Anstatt großer Kompaktbauten wurden Krankenhäuser in getrennte, flache Pavillons aufgeteilt, die durch begrünte Höfe und Passagen verbunden waren. Ihre Ziele waren Vermeidung von Kreuzkontaminationen, maximale Tageslichtausbeute und ständige Querdurchlüftung. Beispiele für solche Gebäudekomplexe sind Hôpital Lariboisière in Paris (1854) und das historische Krankenhaus Moabit, das seit 2001 nicht mehr existiert. Der direkte architektonische Verwandte des alten Moabiter Krankenhauses in Berlin ist der Charité Campus Virchow-Klinikum.
Heilende Architektur heute
Die heilende Architektur, in Neusprech „healing architecture“, erhielt ihren Namen durch eine Studie des schwedischen Architekturprofessors Roger S. Ulrich, veröffentlicht in Science 1984 (Download hier Ulrich). Der Inhalt lässt sich schnell zusammenfassen: „Schnelle Heilung im Krankenhaus durch Licht und Aussicht“. Interessant ist, dass die Studie Daten auswertete, die in einem amerikanischen Krankenhaus erhoben wurden. In demselben Land hatte eine groß angelegte Studie eines anderen Architekturprofessors, C. T. Larson, die fensterlose Klassenräume untersucht und mit der Feststellung geendet: „Im Augenblick haben die Befürworter von Fenstern keine Daten, die ihre Ansprüche untermauern. Sie argumentieren vielmehr metaphorisch und suggestiv. Ihre Argumente muss man gegen statistische Erkenntnisse aus fensterlosen Schulen abwägen, die besagen, dass sie beim Heizen und Lüften 40% effizienter sind, konstantes Licht bieten, um Augenbelastungen zu vermeiden, und 35 dB und mehr Lärmreduktion erreichen. Zudem sind die Betriebs- und Wartungskosten niedriger.“ So war der Bau von fensterlosen oder gar unterirdischen Schulen oder Krankenhäusern „wissenschaftlich“ begründet worden. Vermutlich war früher niemand auf die Idee gekommen, Daten zu sammeln, um Fenster zu begründen. Mit dem Beginn der Sesshaftigkeit in der Jungsteinzeit (Sesshaftwerdung um 10.000 v. Chr.) bauten Menschen erste feste Behausungen. In diese wurden Öffnungen gebaut, die primär als Rauchabzug für die Feuerstelle und als Lichtquelle dienten. Zur Belichtung und Belüftung dienen sie noch heute. Also hatte wohl niemand einen Anlass, nachzufragen, wozu man Fenster in Gebäude baut. Larson hat vor dem genannten Projekt sein bekanntestes Einzelbauwerk, das Larson House gebaut (357 E. Huron River Dr., Ann Arbor). Als das Besondere an dessen Architektur nennt die Architekturliteratur: „Das Haus besitzt großflächige Glasfronten mit Ausblick auf den Huron River.“ (Architecturally Significant Houses). Larson entwickelte nach dem Krieg ein standardisiertes Bausystem für Schulbauten (Unistrut-Schulbau). Das Besondere daran? „Belichtung und Innenraumflexibilität: Da das Stahltragwerk die gesamte Last trug, waren Außen- und Innenwände nicht-tragend. Dies erlaubte großflächige Fensterfronten für maximale Tageslichtausnutzung …“
In Deutschland war der Trend aus den USA bereits in den 1960ern angekommen. In Berlin wurden sogar (fast) fensterlose Schulen gebaut. Während Arbeitsmediziner und Lichttechniker fensterlose Räume recht vorbehaltslos befürworteten, haben drei Forschende aus meinem früheren Institut an der TU Berlin, Prof. Jürgen Krochmann, Dr. Georg Roessler und Ellen Collingro, die Grundlagen dafür erarbeitet, dass die Sichtverbindung nach außen 1975 für jeden Arbeitsplatz gesetzlich vorgeschrieben wurde.
Mit Ulrichs Arbeit begann eine neue Epoche im Denken über die heilende Wirkung des Lichts, verbunden mit Sicht. Die Veröffentlichung seiner Pionierstudie im Jahr 1984 („View through a window may influence recovery from surgery“) im Magazin Science gilt als der Wendepunkt, an dem die „Heilende Architektur“ (Healing Architecture) von einer intuitiven Designphilosophie zu einer wissenschaftlich fundierten Disziplin wurde.
Ulrich vertiefte seine Forschung und formulierte Anfang der 1990er Jahre die Stress Recovery Theory. Sie besagt, dass der Anblick natürlicher Elemente (Bäume, Wasser, Pflanzen) innerhalb von Sekunden physiologische Stressreaktionen (wie Blutdruck, Herzfrequenz und Muskelspannung) senken kann. Parallel dazu machten Edward O. Wilson und Stephen Kellert das Konzept der Biophilie (die angeborene Affinität des Menschen zur Natur) bekannt, was Architekten dazu veranlasste, Tageslicht, Außenbezüge und natürliche Materialien gezielt in Grundrisse zu integrieren.
In den Jahren 2004 und 2008 führten Ulrich und sein Team umfassende Meta-Studien durch, bei denen tausende wissenschaftliche Arbeiten analysiert wurden. Es wurde belegt, dass Architektur direkte Auswirkungen hat auf:
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- Die Rate von Krankenhausinfektionen (durch Belüftung und Einbettzimmer).
- Medikationsfehler (durch bessere Beleuchtung und Geräuschreduktion).
- Sturzraten von Patienten (durch Raumaufteilung und Sichtachsen).
- Die Personalgewinnung und -bindung durch ergonomische Arbeitsplätze.
Am Ende stand die Institutionalisierung des Evidence-Based Design (EBD). Die Wurzeln dieser Denkweise im Bau werden auf Florence Nightingale in den 1860ern zurückgeführt. (hier)
Heilung im Krankenhaus durch Licht und Aussicht
Dieses Konzept ist wie die Salutogenese selbst kein Gegenkonzept zur traditionellen Medizin, die mit Pathogenen heilt. Während die Pathogenese fragt: „Was macht den Menschen krank?“, liegt der Fokus bei der Salutogenese auf „Was hält den Menschen gesund?“ So zielte die „solare“ Architektur auf Gesundhaltung, auch wenn das Sonnenlicht durch Vernichtung der Keime auch als „pathogenetisch“ wirkt. Die heilende Architektur ist Teil der Heilmethoden und kein Ersatz dafür.
Heilende Architektur nimmt Bezug auf das Konzept der heilenden Umgebung, welches hauptsächlich auf Forschungsergebnissen der Neurowissenschaften und der Umweltpsychologie aufbaut, und erweitert dieses Konzept um architektonische Fragestellungen (z. B. baukonstruktive, programmatische und städtebauliche) und um die Perspektive der Nutzergruppe Personal, d. h. ärztliches und Pflegepersonal.
Das übergeordnete Ziel ist die Verbesserung der Qualität von Gesundheitsbauten durch eine den Bedürfnissen des Menschen folgende und dessen Genesung unterstützende Architektur. Die zentrale Fragestellung von Heilender Architektur lautet: Wie kann Architektur zur Heilung beitragen?[4] Konkret strebt Heilende Architektur Verbesserungen im Gesundheitswesen in folgenden Bereichen an:
- Genesungsprozess von Patienten
- Arbeitskonditionen des Personals
- Unterstützung durch Angehörige
Als Einflussfaktoren, die sich begünstigend in Gesundheitsbauten auswirken können, wurden Faktoren wie Licht (natürliches und künstliches), Farben, Naturbezug, die akustische Umgebung und die Luftqualität (Temperatur und Lüftung) identifiziert.
Aus meiner Sicht beruht die Heilwirkung des Lichts nicht auf einer direkten Bestrahlung mit Licht wie bei Heilverfahren, die mit Licht arbeiten. Bei diesen kennt man die physiologischen Wirkweisen von UV. IR und sichtbarem Licht und setzt sie in entsprechenden Heilverfahren ein. Die Wirkung der heilenden Architektur dürfte primär auf die Stabilisierung des Biorhythmus zurückgehen. Dadurch werden die Abwehrmechanismen des Körpers entlastet, so dass sie mit krankmachenden Einflüssen besser umgehen können. Eine solche Stabilisierung ist Ziel der Beleuchtung i.S. der Chronobiologie und ist auf alle Räume anwendbar, sogar auf Schlafzimmer, die für die Dunkelheit sorgen.
Die heilsame Wirkung von Licht beruht auf einem Zusammenspiel aus biologischen, psychologischen und neurologischen Prozessen, die direkt auf den menschlichen Organismus einwirken. Eine Auseinandersetzung darüber, welche Wirkung was bewirkt, ist eher im akademischen Interesse. Es sei denn, man ist gezwungen, nur einen Teil eines Konzepts umzusetzen, so etwa, wenn man ein Krankenzimmer nicht mit einer schönen Aussicht auf die Natur ausstatten kann.
In einer solchen Situation befinden sich z.B. Lichttechniker, die „circadian“-wirksames künstliches Licht realisieren müssen oder wollen. Mit welchen Mitteln erreiche ich die beste Wirkung? Wann ist die erzielbare Wirkung nennenswert.
Wer an einem architektonischen Gesamtkonzept interessiert ist, sollte sich an dem Buch von Christine Nickl-Weller und Hans Nickl, Healing Architecture, (Brown Publishing AG, ISBN 978-3-03768-140-4) orientieren. Die Gründe für diese Empfehlungen kann man anhand eines Artikels in der SZ anlässlich der Ausstellung "Healing Architecture 2004 - 2017" verstehen, (Heilende Häuser+ von Gerhard Matzig, 2017)
Der Artikel, der das Wort Heilende Architektur zum festen Begriff gemacht hat, View through a window may influence recovery from surgery von Ulrich, kann hier heruntergeladen werden. Die weitere relevante Literatur ist am Ende dieses Beitrags angeführt. Die Relevanz habe ich anhand des Bezugs zum Licht bestimmt.
Aus dem deutschsprachigen Raum existiert eine Fülle von Literatur für die Anwendung des circadianen Lichts für Therapiezwecke und für Altenheime. Die Güte dieser Beiträge kann ich nicht beurteilen, weil viele Studien von Lichtfirmen in Auftrag gegeben worden sind, ohne dass dies in den Publikationen kenntlich gemacht wird. Diese Unsitte ist in der Wissenschaft weit verbreitet, in der es seit langem sogar „virtuelle“ Verlage und Zeitschriften gibt. Anders würde ich die Studien beurteilen, bei denen die Autoren die Auftraggeber nennen. Auch Studien, die die Lichtfirmen selbst ausgeführt haben, sind für mich akzeptabel.
In dem Buch Genesis 2.0 – Schöpfung der elektrischen Sonne sind zwei Kapitel solchen Praktiken gewidmet (Legendenbildung und Märchenerzählung – Ungewöhnliche Aktivitäten für Ingenieure und Die Methode Wissenschaft, mit der man Wissenschaft verhindert), ein anderes einem Großprojekt, das ziemlich spurlos verschwunden ist (PLACAR – Die letzte Plasmalampe). Aufgrund solcher Erfahrungen gebe ich hier nur eine Referenz an, die meines Wissens verlässlich ist (Spitschan und Joyce). Darin werden 102 Literaturstellen angeführt, die man einzeln aufrufen und nachprüfen kann. Da die meisten Publikationen in PubMed registriert sind (National Center for Biotechnology), gehe ich von seriösen Quellen aus.
Viele Studien mit circadianem Licht haben keinen Erfolg in klinischen Bereichen oder Altenheimen gezeigt. Dies würde ich zum einen der Schwierigkeit eines Nachweises zuschreiben. Wenn man nicht einmal methodisch nachweisen kann, dass gut gestaltetes Licht Leistung fördert, wie wahrscheinlich ist es, dass man Heilwirkungen beweist? Man muss dazu noch bedenken, dass die Lichtforschenden nicht im Labor experimentiert haben, sondern in praktischen Umgebungen, wo sie nicht immer vom Pflegepersonal oder von Medizinern unterstützt worden sind.
Nach meiner Einschätzung, die auf langjährigen Erfahrungen mit Referenten beruht, die solche Studien ausgeführt haben, kann man von einer nachweisbaren Wirkung des circadianen Lichts ausgehen, die sehr stark ist. Bei der saisonal abhängigen Depression (SAD) war die helle Lichttherapie (BLT – Bright Light Therapy) seit Jahrzehnten Goldstandard mit Ansprechraten von 60–80 % (Perera et al, 2016). Bei vielen psychiatrischen Krankheitsbildern (z. B. affektive Störungen, Schizophrenie, Demenz) ist der Schlaf-Wach-Rhythmus massiv gestört oder entkoppelt. Circadianes Licht gilt hier als evidenzbasierte, chronotherapeutische Intervention.
Detailliertes Wissen und Konzeptionelles zu Healing Architecture findet man unter Healing Architecture: Wenn Räume heilen . Den Begriff Heilende Architektur und die Konzepte erklärt ein Wikipedia-Beitrag (hier).
Weitere Hinweise kann man über die Jahrbuchreihe des Callwey Verlags mit dem entsprechenden Titel bekommen. Der Callwey Verlag hat einen Architekturpreis mit dem gleichen Titel ausgelobt. Was die Idee bedeutet, kann man an den Fotos der Preisträger erkennen (hier).
Relevante Literatur (Kleiner Auszug)
Ulrich, R. S. (1984). View through a window may influence recovery from surgery. Science, 224(4647), 420–421. https://doi.org/10.1126/science.6143402
Ulrich, R. S., Zimring, C., Zhu, X., DuBose, J., Seo, H.-B., Choi, Y.-S., Quan, X., & Joseph, A. (2008). A review of the research literature on evidence-based healthcare design. HERD: Health Environments Research & Design Journal, 1(3), 61–125. https://doi.org/10.1177/193758670800100306
Beauchemin, K. M., & Hays, P. (1996). Sunny hospital rooms expedite recovery from severe and refractory depressions. Journal of Affective Disorders, 40(1–2), 49–51. https://doi.org/10.1016/0165-0327(96)00040-7
Walch, J. M., Rabin, B. S., Day, R., Williams, J. N., Choi, K., & Kang, J. D. (2005). The effect of sunlight on postoperative analgesic medication use. Psychosomatic Medicine, 67(1), 156–163. https://doi.org/10.1097/01.psy.0000154344.74500.37
Joseph, A. (2006). The impact of light on outcomes in healthcare settings. The Center for Health Design.
Spitschan, M., & Joyce, D. S. (2023). Human-Centric Lighting Research and Policy in the Melanopsin Age. Policy Insights from the Behavioral and Brain Sciences, 10(2), 237-246. https://doi.org/10.1177/23727322231196896

